Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Star Trek Beyond

Hadmut
25.7.2016 23:32

Ich war gestern seit langer Zeit mal wieder im Kino. Als alter Trekkie hab ich mir mal Star Trek Beyond in 3D reingezogen. [Nachtrag]

Die Sache fing mit Verdruss an.

Ich hatte mir im Internet eine Kinokarte gekauft, für 17.00 Uhr, weil ich abends keine Zeit hatte. Von hier zum Alex isses nicht weit, also bin ich so los, dass ich 10 oder 5 vor 5 dort angekommen wäre. Werbung muss ich nicht sehen, aber Leute, die zu spät reinkommen nerven mich, und ich wusste nicht, wieviel Werbung die dort zeigen. Ich hab’s nämlich auch schon erlebt, dass die nur 5 Minuten oder gar keine Werbung zeigen, vielleicht nur eine Filmankündigung und los geht’s. Man sollte nicht zu spät ins Kino kommen.

Nun kam aber die U-Bahn nicht und die Anzeige für die nächste U-Bahn drehte durch, wechselte die Ziele, zählte die Zeit hoch statt runter und zeigte schließlich nur noch an, man möge „Geduld” haben. Berlin eben. Und Geduld hatte ich nicht.

Unter naiver Überschätzung meiner körperlichen Verfassung und Unterschätzung der Entfernung beschloss ich, einfach loszurennen. Ich müsste eigentlich nur zwei U-Bahn-Stationen rennen um zu einer S-Bahn zu kommen und würde dort dann prüfen, ob ich bis zum Alex weiterrenne oder S-Bahn fahre. Die Verspätung müsste sich in Grenzen halten.

Nun bin ich aber inzwischen ein alter Sack, hab zuviel am Schreibtisch gesessen und es waren über 30 Grad. Ich will damit nicht sagen, dass ich nicht mehr hätte rennen können, aber als ich an der nächsten U-Bahn-Station vorbeigerannt bin, habe ich beschlossen, da doch mal reinzugehen und auf die Anzeige zu sehen, um dann dort gerade noch die U-Bahn zu kriegen, für die ich hätte „Geduld” haben sollen. Wieder mal die alte Weisheit, dass Rennen und Abkürzungen nicht helfen, selbst im Chaos ist Geduld die beste Strategie.

Ich bin also dann doch mit der nächsten U-Bahn zum Alex gefahren, nur eben nach einer U-Bahn-Stationendistanz Hitzesprint. Entsprechend ist mir der Schweiß gelaufen. Am Kino kam ich wirklich klatschnass und mit über 10 Minuten Verspätung an. Karte vorlegt, reingekommen. „Wo läuft der Film?” – „Ganz nach oben, Kino 9”. Fahrstuhl belegt, ich also hoch in den vierten Stock die Treppe hochgewetzt. Und mit vier Etagen meine ich kinosaalhohe Etagen.

Verdammt. Wo gibt’s hier die 3D-Brillen?

Keiner da. Die Futtertheke verlassen. Zwar eine Box zum Einwerfen der Brillen nach Gebrauch, aber Brillen zum Gebrauch gab’s nicht. Nirgends. Kurz reingeguckt, es lief noch Werbung. Ich also eine Etage tiefer, da war auch keiner. Noch eine Tiefer. Auch keiner da.

Bis ich wieder im Erdgeschoss ankam. Und die Kartenabreißer anfurzte, warum sie mir keine Brille gegeben hätten.

Ich hätte nicht nach einer gefragt.

Verdammt, das ist ein 3D-Film. Da braucht man ne Brille.

Aber man bekommt sie nur, wenn man danach fragt.

Was soll die Sch… Also gut, jetzt habe ich danach gefragt. Wo kriege ich die Brille her?

Da vorne an der Getränketheke.

Hinter der Getränketheke stand ein Mann von sonnigem Gemüt, der alle Ruhe der Welt hatte. Vor der Theke standen drei fette dumme Teenagerinnen, die sich nicht entscheiden konnten, was sie an Süßkram noch eimerweise in sich hineinstopfen sollten und mit welchem Zuckerwasser es am besten zu spülen wäre.

Ich frage so nebenrum, ob er mir ne Brille geben kann.

Er ignoriert mich.

ICH FRAGE SO NEBENRUM, OB ER MIR NE BRILLE GEBEN KANN.

Er tadelt mich. Ich müsse mich hinten anstellen und warten, bis ich dran wäre.

Ich werde etwas lauter. Wenn ich den Film verpasste, würde ich die Zahlung stornieren lassen (keine Ahnung, ob das geht, aber mir fiel gerade nichts besseres ein). Als er die drei Fetttussen endlich abgefertigt hatte, reichte er mir eine Brille.

„1 Euro!”

Hä!? Wie bitte!? Wieso ein Euro? Ich habe gerade 15 Euro Eintritt gezahlt! (13,50 + 1,35 Vorverkaufsgebühr)

Die Brille ist nicht mit dabei.

Was soll der Unfug? Wenn Sie eine Kinokarte verkaufen, müssen Sie auch die Dienstleistung so erbringen, wie verkauft, und können nicht hinterher noch Nachzahlungen verlangen!

Sie haben wohl unsere AGB nicht gelesen.

AGB? Da stand nix von AGB. (Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht mehr, ob da was von AGB stand, liest man ja nicht mehr, aber ich bin der Meinung, dass sowas nicht in den AGB versteckt sein darf, sondern dass sie das direkt dazuschreiben müssen, dass Brille 1 Euro extra kostet. Dann weiß man nämlich, dass man noch ne alte Brille von früher rauskramen kann, wenn man noch eine hat. Ich halte das wirklich für Abzocke. Denn sie waren nämlich 1 Euro billiger als andere Kinos, von denen ich weiß, dass man dort eine Brille dazubekommt. Also wird ein Preisvorteil vorgegaukelt, den sie nicht haben.)

Ich geb ihm halt den Euro, fluche dafür vernehmlich, und wetze die vier Etagen erneut nach oben, kurz durchs Klo, um mir mit Papierhandtüchern den inzwischen tropfnass geschwitzten Kopf abzuwischen. Rein ins Kino gewetzt, nicht mal ein fünftel der Plätze besetzt, mein Platz und auch sonst jede Menge guter Plätze frei.

Werbung.

Werbung.

Werbung.

Sie haben tatsächlich bis 17.30 Werbung gezeigt. Wenn man sowas früher wüsste.

Der Film

Die Frau sieht gut aus.

Leser wissen, dass ich ca. 90% meiner Filmkritiken mit diesem Satz anfange.

Das ist das, was mir in vielen Filmen auffällt. Die Männer treiben die Handlung, sind aber beliebig und austauschbar. Niemand der irgendwie auffällt (außer natürlich Spock mit den Ohren). Scottie2 gibt als Hänfling mit der Statur eines nassen Handtuchs eine geradezu lächerliche Figur ab. Scottie1 hat man noch geglaubt, dass der bei jeder Keilerei mit Klingonen dabei ist. Scottie2 glaubt man sofort, dass er jeder Keilerei aus dem Weg geht. Der Rest der Mannschaft macht auch keinen trainierten Eindruck, außerdem sehen sie inzwischen doch schon wieder ziemlich alt aus, obwohl es ja eigentlich die neue junge Crew ist. Aber wenn jeder Film Jahre dauert… Die Frauen dagegen handeln wenig, aber sind hübsch anzusehen. Bisweilen doch sehr auffällig auf die Story aufgepropft, dramaturgisch eher überflüssig.

Aber: Sehen gut aus.

Wobei ich Uhura2 ja den Brüller fand, Zoë Saldana (die übrigens in Avatar die Neytiri spielte) ist als Uhura einfach das Optimum. Aber jünger wird die auch nicht. Neben einigen weiblichen Statisten und einer Semibösewichtin mit Gummihaubenkopf ala Galaxy Quest haben sie nun die Superblondine Jaylah.

Eigentlich ist die bloße Existenz von Jaylah und ihrem „Zuhause” extrem unlogisch und unplausibel, und eigentlich braucht man sie für die Story auch gar nicht. Sie sieht aber einfach verdammt gut aus, ist super gespielt und ein Kracher.

Und das meine ich positiv:

Die Rollen von Uhura und Jaylah funktionieren gut. Auch wenn nicht so wirklich storytragend. Weil man eben nicht den Fehler macht und versucht, Männerrollen mit Frauen zu besetzen, sondern sie Frauen spielen. Kämpferische und knallharte, aber eben Frauenrollen. Obwohl der Film an sich schon ziemlich gegendert ist, fand ich das in diesem Film eigentlich nicht störend.

Angeblich gibt es eine kurze Szene, in der Hikaru Sulu als schwul geoutet wird, weil irgendwo von einem Mann umarmt. Obwohl ich schon vorher davon gelesen habe, ist mir die Szene nicht aufgefallen. (Auch von der Nebenrolle von Amazon-Milliardär Jeff Bezos hatte ich gelesen, musste das aber auch nochmal googeln, weil’s mir im Film gar nicht aufgefallen war, stark geschminkt.) Wahrscheinlich war das auch eher eine Reminiszenz an George Takei, den Schauspieler von Sulu1, der homosexuell ist. Das war die erste Verbindung zwischen der Story und den realen alten Schauspielern.

Und auch sonst sind sie auffallen politisch korrekt gemischt, alle Farben vorhanden, natürlich auch grün.

Ich fand’s nicht stören, aber ansonsten auch nutzlos.

Die Story: Verkneife ich mir hier, aber allzuviel Story ist nicht.

Fängt zwar interessant an, Kirk hat die Schnauze voll davon, zwischen den Planeten rumzufliegen und sich mit bekloppten Spezies auseinanderzusetzen. Spock ist depressiv und will sich von Uhura trennen, weil er es als seine Aufgabe ansieht, nach der Vernichtung von Vulkan seine Art zu erhalten und viele kleine Vulkanier zu machen.

Dann erhält er auch noch eine todtraurige Nachricht: Spock erfährt, dass Spock gestorben ist. Also der alte Botschafter Spock aus dem Paralleluniversum, gespielt von Leonard Nimoy, der ja letztes Jahr gestorben ist. Womit es einen zweiten Querverweis zu realem Schauspieler gibt, auch um zu motivieren, warum er im Film nicht mehr auftaucht. Übrigens erhält der junge Spock am Ende des Filmes die persönlichen Dinge des alten Spock und findet darin ein Foto der alten Originalcrew, das sie kurz in Großaufnahme zeigen.

Insgesamt ziemlich unlogisch und von der Story eigentlich nicht getragen, aber wen interessiert das? Mir gefallen solche kleinen Querschlenker und Anspielungen sehr. Und fand das gut, dass sie an Nimoy nicht nur im Abspann erinnert haben. Der Schauspieler von Checkow2 ist ja kürzlich auch gestorben, aber erst lange nach den Dreharbeiten. Den erwähnen sie noch im Abspann. Insgesamt also schon zwei, drei Verbeugungen vor der Originalcrew.

Die Story selbst?

Naja.

Für Trekkies OK, für alle anderen wohl uninteressant.

Gleich zu Anfang machen sie die Enterprise kaputt (keine Angst, zu Anfang erwähnen sie, dass eine neue, viel bessere im Bau ist, und ganz am Schluss sieht man, wie Roboter die neue gerade zusammenbauen). Aber mal auf ne ganz andere Art als sonst.

Natürlich stürzen sie sich wieder blind ins Unheil, und so modern die Enterprise auch war, der Bordcomputer war immer noch zu dämlich, die Schilde hochzunehmen. Es warten immer noch alle drauf, bis der Käpt’n dramatisch „Schilde hoch! Roter Alarm!” schreit. Wie immer zu spät.

Heißt: Für die Story müssen sie ohne Enterprise auskommen. Und weil sie gleich als Team auseinandegerissen werden, bilden sich zweier- und dreiergruppen mit einzelnen Handlungssträngen.

Scottie trifft auf Jaylah, was gut für ihn ist, weil sie ihn beschützt.

Spock und Pille erweisen sich als DreamTeam, was man auch daran merkt, dass Spock einen Lachanfall bekommt und „Hühnerscheiße!” flucht. Schwer zu Tode verletzt und kurz vor dem Abnippeln ist er nach typischer Filmdramaturgie und nach kurzer Intervention von Pille plötzlich wieder wie neu.

Am Ende gibt’s ne interessante Erklärung für die Vorgänge.

Ansonsten, ja, Jaylah sieht gut aus.

Natürlich retten sie die Welt und besiegen das Böse. Unter hohen Verlusten bisher unbekannter Schauspieler, die nur einmal auftreten („Er ist tot, Jim!”). Verbrauchsmaterial.

Die übliche Filmmusik haben sie auch abgeschafft, keine Fanfaren mehr. Dafür irgendwas zwischen Rock und Heavy Metal, was sie sogar in die Handlung einstricken.

Und wie das eben so ist in heutigen Filmen jede Menge Klopperei, Krawumm, und die unglaubliche Rettung in letzter Sekunde, weil selbst in einer total durchmodernisierten Stadt Kirk persönlich in den zentralen Reaktor steigen muss (natürlich mit dem üblichen rotierenden Schredder, in den man fallen kann) und dort – in letzter Sekunde – vier kleine Hebel von Hand umlegen muss. Der übliche Drama-Bullshit aus der Mottenkisten, weil die Story nicht allzuviel Spannung hergibt. Und eigentllich nicht viel Story da ist. Man weiß ja vorher, dass die Enterprise immer gewinnt.

Aber:

Die Optik ist geil.

Obwohl da natürlich alles aus dem Computer kommt, haben sie alles, was man so sieht, selbst kleine Metallteile, die Gänge in der Enterprise, die neue Brücke, den Planeten, einfach richtig geil hinbekommen. Es sieht alles sehr echt und beeindruckend aus, besonders natürlich in 3D.

Und ein paar Lacher haben sie auch drin.

Was bleibt?

Nichts als profane Unterhaltung, aber schön anzusehen.

Ob es einem das Wert ist, 15 Euro plus 1 Euro zu zahlen, und vier mal in den vierten Stock zu rennen, um dann durchgeschwitzt in einem Kino zu sitzen, während hinter einem welche ständig quasseln – muss jeder selbst entscheiden.

Nachtrag: Die hier beschreiben das auch sehr schön und treffend.

Alles ist wie immer, Spock (Zachary Quinto) checkt Zeugs und reportet, Uhuhra (Zoe Saldana) transmittet, „Pille“ McCoy regt sich über was auf, Chechov (der kürzlich viel zu früh verstorbene Anton Yelchin, 27, „Green Room“) ist hypernervös, aber zu allem fähig und John Cho als Mister Sulu zeigt uns sein Sphinxlächeln. Soweit – so vertraut.