Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ich geb Dir 12 wenn Du mir 1,5 gibst

Hadmut
22.7.2016 18:34

Wie kann man eigentlich so dämlich sein?

Seit Tagen wird über den seltsamen Fall der Unister-Pleite mit anschließendem Flugzeugabsturz berichtet. Manchmal frage ich mich schon, was für ein Wahnsinn in den Leuten eigentlich vorgeht:

Wagner sei ständig auf der Suche nach Kapitalgebern für sein angeschlagenes Firmenimperium gewesen, sagte die Lebensgefährtin weiter. Anfang Juni habe ihm ein Leipziger Immobilienkaufmann ein ungewöhnliches Finanzgeschäft vorgeschlagen. Es sah vor, dass ein israelischer Geschäftsmann Wagner 12 Millionen Euro leiht, aber nur unter der Bedingung, dass der Unister-Chef ihm zuvor 1,5 Millionen Euro für eine Kreditausfallversicherung zahle.

Zunächst sei ihr Lebensgefährte skeptisch gewesen. Am Ende habe er den Darlehensvertrag für “rechtlich sauber” gehalten und gemeinsam mit ihr 1,5 Millionen Euro bei der Commerzbank in Leipzig abgehoben.

“Sympathisch und vertrauensvoll”

Mit dem Geld flogen Wagner, Schilling und der Vermittler Heinz B. am 12. Juli nach Venedig. Am nächsten Tag wurde das Geschäft im Luxushotel “Antony Palace” nahe dem Flughafen abgewickelt. Der angeblich aus Israel stammende Geldgeber, der sich als Levi Vass vorstellte, sei “ein sympathischer, vertrauensvoll wirkender Mann” gewesen, erklärte Unister-Chef Wagner seiner Lebensgefährtin später am Telefon.

Wagner habe ihm die 1,5 Millionen Euro übergeben und im Gegenzug einen Koffer voller Schweizer Franken erhalten, umgerechnet 12 Millionen Euro. Um sicherzugehen, dass es echtes Geld war, habe er einen Schein bei einem Automaten eingezahlt, was problemlos funktionierte. Erst auf der Rückfahrt zum Flughafen sei ihm aufgefallen, dass nur die obersten Scheine im Koffer echt waren.

Das muss doch eigentlich jeden in die Nase beißen, dass da was faul ist.

Wenn man von jemandem Geld haben will, und einen Kredit aufnimmt, warum soll man ihm dann Geld bringen? Nur damit Bargeld durch die Luft hin- und hergeflogen ist?

Wenn man bei einem Kredit mehr aufnimmt, als man effektiv braucht, um Gebühren usw. abzudecken, spricht man von einem Agio bzw. Disagio. Das ist doch keine so ungewöhnliche Sache. Da muss einem doch klar sein, dass man einen Kredit über 12 Millionen Euro aufnimmt und davon dann gleich 1,5 dort lässt, also nur die effektiv ausgezahlten 10,5 Millionen mitnimmt, und dem Kreditgeber sagt, er soll das Geld doch gleich direkt in die Versicherung einzahlen. Und nicht fröhliches Geldtauschen spielt, indem man einen Koffer mit Geld hinfliegt, um einen anderen wieder zurückzufliegen.

Dieselbe Masche in klein gab’s ja auch jahrelang mit Autos. Irgendwo wird ein neuwertiges Auto angeboten, mit der schrägen Story, dass sich irgendein Engländer das gerade gekauft und zu spät gemerkt hat, dass es ein kontinentales Auto mit dem Steuer links wäre. Man könnte das Auto für einen Appel und ein Ei kaufen, wenn man zuvor die Transportkosten für den Transport nach Deutschland hinterlegt. Dann zahlen die Leute in Erwartung des Super-Schnäppchens und bekommen – nichts. Das Auto gibt’s gar nicht, die Anzahlung ist weg.

Der Fall liegt zugegebenermaßen etwas anders, weil hier ja kein Teil des Autos abgeschnitten werden kann, und der Verkäufer auf den Transportkosten sitzen bliebe, wenn das Auto nicht gekauft wird. Trotzdem müsste einem doch einleuchten, dass man das Auto entweder kauft, wenn man es gesehen hat und dann alles zusammen zahlt, oder es nicht kauft und dann die Transportkosten verheizt hat, selbst wenn der Verkäufer ansonsten ehrlich ist.

Aber irgendwie haben die Leute den unwiderstehlichen Drang, mit der Wurst nach der Speckseite werfen zu wollen. Die Erwartung, etwas zu bekommen, lähmt den Blick für das, was man zahlt, völlig.