Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Drogen, Ficken und Berlin

Hadmut
18.6.2016 1:18

So weit ist es schon gekommen,

dass kritische Berichte über die Berliner Szene auf anonymen russischen Webseiten erscheinen müssen. Oder ist es nur Putins Progaganda? Man weiß es ja nicht so genau.

Andreas von Hillner von der Schwulenberatung in Berlin erklärt den Siegeszug der Droge innerhalb der Szene: »Es gibt schon länger private oder halböffentliche Partys, wo dann konsumiert wird. Bei schwulen Männern wird die Substanz vor allem in sexuellen Zusammenhängen eingesetzt. Es gibt aber eine starke Vermutung bei uns, dass es bei unserer Zielgruppe schon über das Sexuelle hinausgegangen ist, nämlich in den Alltag und in die Freizeit.«

Freitagnacht, Nähe Rathaus Neukölln: Ein Dutzend Männer zwischen 20 und 50, nackt in einer Altbauwohnung. Eine Chem-Session, es geht um Sex auf synthetischen Drogen. Auf den Kirschbaum-Dielen, im Futon-Bett und sogar in der Kleopatra-Wanne im Bad. Es wird geknutscht, gelutscht und gefickt, zu zweit, zu dritt, zu viert, auch ohne Gummis. Es riecht nach Axe-Deos und Pfefferminz-Blutorange. Die Drogen und das Zubehör sind auf dem Wohnzimmertisch angerichtet. Zwei Männer stecken sich gerade nacheinander dieselbe Nadel in den Arm. Zwei Jungs, Ende 20, in pastellfarbenen American-Apparel–Unterhosen, haben ein Schachbrett entdeckt und spielen bestimmt acht Stunden darauf. Am frühen Morgen werfen sie Viagra ein, aus Angst vor dem berüchtigten Crystal-Schlappschwanz, und fallen übereinander her. Auf dem Flauschteppich liegen zwei andere Männer, etwas älter, mit zerwuscheltem Haar fast schon komatös. „Selbst Schuld“, raunt einer: Die hätten vorher GHB mit Alkohol runtergespült. „Anfängerfehler.“ „Oder wollen die noch gefickt werden?“, keift ein anderer.

Komisch.

Ich könnt schwören, ich hätte die Textstelle schon mal irgendwo gelesen, damals direkt nach dem Vorfall mit Volker Beck. Das ist ja nun nicht täglich in der Zeitung, sowas fällt ja auf. Oh, Google ist Dein Freund und findet den Artikel im STERN, ursprünglich aus dem Berliner Stadtmagazin Zitty, nur um einen Vorspann zu Volker Beck ergänzt.

Seltsam.

Wer packt Artikel, die hier zwar außergewöhnlich, aber in normaler Presse erschienen sind, auf eine anonymisierte russische Webseite, damit die den Eindruck erweckt, es wäre irgendwas aus dem Geheimen oder so?