Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ein Ghostwriter über die Verblödung der Geisteswissenschaften

Hadmut
2.6.2016 0:12

Bemerkenswert, was ein geisteswissenschaftlicher Ghostwriter über den Qualitätssturz der Geisteswissenschaften erzählt.

Sehr lesenswertes Interview, das den direkten Zusammenhang zwischen linkspopulistischer Politik und Zersetzung der Hochschulen beschreibt:

Gäbe es übersichtliche Seminare, gäbe es echte Dialoge, würden die Dozenten ihre Studenten kennen, würden die Professoren die Arbeiten ihrer Studenten lesen, würde es echte Betreuungsverhältnisse geben oder irgendein Verantwortungsgefühl … dann würde der Betrug mit Ghostwritern auffallen. Aber das tut er nicht, weil die Geisteswissenschaften chronisch unterfinanziert sind. Und das ist leider Gottes eine Folge linkspopulistischer Hochschulpolitik: Wer eine Politik der sozialen Öffnung betreibt, sollte auch einen substantiellen Finanzierungsplan besitzen, um den gigantischen Zuwachs an Studenten abzufedern. In der durch den “Öffnungsbeschluss der Hochschulen” (1977) eingeleiteten Zeit fehlte der. Die Folge: Massiver Qualitätsverlust des Studiums, katastrophale Verwaltung und absurder Stellenmangel. Professoren, die einerseits in Verpflichtungen versinken und nicht zur Forschung kommen, sich andererseits aber wie Landesfürsten verhalten, während sich am Rande ihres Hofes Privatdozenten tummeln—die Leibeigenen des modernen Rechtsstaates. Studenten, die nie dahin kommen zu verstehen, wie unglaublich wenig Ahnung sie in Wahrheit haben, weil sich niemand die Zeit nehmen kann, es ihnen zu erklären, und Nachwuchsforscher, die ahnungslos in düstere Zukunftsperspektiven gelockt werden.

Studenten, die nie dahin kommen zu verstehen, wie unglaublich wenig Ahnung sie in Wahrheit haben, weil sich niemand die Zeit nehmen kann, es ihnen zu erklären.

Meine Rede: Und diese Leute besetzen dann Politik, Presse, Rechtsprechung. Man muss sich wirklich mal die Zeiten nehmen, den Leuten zu sagen, dass sie dumm sind. Sie wissen es noch nicht, denn es hat ihnen noch keiner gesagt und selbst merken sie es nicht.

Der massive Geldmangel ist eine zentrale Ursache dieser ungerechten Verhältnisse. Die Universitäten haben in den letzten 50 Jahren gigantische Inklusionsleistungen vollbracht—an denen vieles gut ist—und sind dabei zugleich staatsfinanzierte Bruchbuden geworden, die einen Schein von Normalität wahren. Bestes Beispiel dafür ist vielleicht die Aufhebung der Anwesenheitspflicht in NRW: Wenn nur noch ein Viertel der Studenten vor Ort ist, fällt nicht mehr auf, dass die Seminare eigentlich überfüllt sind. Am Ende des Semesters bekommt der Dozent dann aber Hausarbeiten von völlig unbekannten Personen. Unmöglich zu beurteilen, ob diese Arbeiten echt sind. Ein besseres Geschenk hätte man den Agenturen nicht machen können. Also, Punkt Eins: Ghostwriting funktioniert nur deshalb, weil die Universität nicht funktioniert, weil sie zu wenig Geld hat.

Ich erinnere mal daran, dass die Humboldt-Universität vor Gericht einräumte, dass sie nicht weiß, was da in Gender Studies läuft und das ohnehin nur aus Geldnot mitgespielt haben, da gab’s halt Geld. Da etablieren sich so reine Schein-Studien, und dazu passend ein Studententum, das so kreuzdämlich ist, dass die hinterher wirklich glauben, sie hätten was studiert und gelernt.

Und auch dieser „interdisziplinäre Ansatz”, die Ausrede der Gender Studies, von nichts ne Ahnung zu haben und in allem mitzureden, bekommt einen Treffer ab:

Kein schlechtes Gewissen, weil Laberfächer das bekommen, was sie verdienen

Mein erster, großer Auftrag: eine verwahrloste Dissertation, die von mir in Ordnung gebracht und neu geschrieben werden sollte. Ich hatte ein Exposé, ausgewählte Forschung und die fragmentarischen Kapitel vorliegen. Nach einer Woche war ich eingearbeitet und hatte eine Strategie, um die Arbeit neu aufzuziehen. Zugleich war ich genervt: Es war ein typischer Bologna-Studiengang, der modern klang und ein halbes Dutzend Disziplinen integrierte. D.h. man redete über Philosophie, ohne Philosoph zu sein, über Linguistik, ohne Sprachwissenschaftler zu sein, über Medientheorien und Ästhetik … Diese Leute hatten sich einen “interdisziplinären” Forschungsbereich geschaffen, in dem sie Sachen schreiben konnten, mit denen sie vor Fachleuten nie durchkommen würden. Und ich war in der absurden Situation, Dinge ungenau oder falsch darstellen zu müssen, damit sie da hineinpassten. Das war auf eine sehr komische Weise anstrengend. Als ich nicht mehr vorwärts kam, karikierte ich aus Langeweile den verhassten Stil, äffte ihn nach. Das machte natürlich Spaß. Und zugleich ging es unglaublich schnell. Ich staunte nicht schlecht und hatte Blut geleckt: In dieser Nacht schrieb ich sieben Seiten (!) und schickte das Kapitel am nächsten Tag mit dem Gefühl tiefster Verachtung zurück. Es gab im Grunde keinen Gedankengang, einfach Variationen aneinandergeklotzter Substantive, von denen man wusste, dass sie in die richtige Richtung gehen. Die Antwort-Mail traute ich mich erst nicht zu öffnen—und wurde dann von der Dankbarkeit überrascht. Der Betreuer sei sehr zufrieden gewesen …

Das ist einfach nur dummes Gerede. Mehr ist das nicht.

In einem seriösen Fach wäre so etwas nicht möglich. In dem Text steckte kein einziger Gedanke. Mir fiel der Hoax-Artikel von Alan Sokal (1996) ein, der die Pseudowissenschaftlichkeit postmoderner Theoriebildung vorführen wollte. Irgendwie schien ihm das ja gelungen zu sein. Mach selbst mal den Test und lies den Artikel hier. Dann klicke auf “aktualisieren” und lies den nächsten. Es ist vollkommen erratisches Geschwafel, hat aber eine rhetorische Kraft: Man fühlt sich ein bisschen wie bei einem Gespräch, von dem man nur einen Bruchteil versteht, weil man dummerweise die Sprache nicht richtig beherrscht. Das ist natürlich ein extremes Beispiel. Aber es zeigt: Wir lernen Sprachspiele, wenn wir eine Wissenschaft lernen, und in vielen Bereichen scheint es egal zu sein, ob der Inhalt einer Aussage stimmt, solange sie funktioniert.

Das Verwaltungsgericht Berlin hat mir geurteilt, es sei polemisch und unzulässig, einen Geisteswissenschaftler zu fragen, ob man deren Thesen schon mal überprüft hätte. Geisteswissenschaften hätten mit Überprüfung der Aussagen nämlich nichts zu tun.

Dafür aber kann es hundert Gründe geben.

Wir alle kennen hochpolitisierte Diskurse, in denen es wichtiger ist, den “richtigen” Standpunkt zu haben, als ihn gut zu begründen. In einem kulturwissenschaftlichen Diskurs kann die Unterdrückung von Gruppen oder Minderheiten an Gegenständen festgemacht werden, die du nach dem Zufallsprinzip auswählst. Glaubst du nicht? Ich habe es getan, als bei einem Job die Zeit knapp wurde—und Komplimente für meine “radikale Kritik” bekommen. Oder die Diskurse, wo man tiefsinnig wirkt, wenn man sich unverständlich ausdrückt: Für solche Gesprächskulturen bietet die deutsche Geistesgeschichte viele Anknüpfungspunkte. Jeder kann die Terminologie von Hegel benutzen, wenn er sie nicht erklären muss … Ich sage nicht, dass Geisteswissenschaften Laberfächer sind, ich denke nur, dass es in weiten Teilen kein zuverlässiges System gibt, um das Gelaber herauszufiltern. Und für mich ist es schwer, vor so einem System nicht den Respekt zu verlieren.

Meine Rede:

Linke Politik hat jede Menge Idioten in die Universitäten gepresst, nicht in gleichem Maße auch Geld nachgepumpt, und damit die Universitäten kaputt und erpressbar gemacht (und erpresst), und reihenweise Pseudo- und Scheinstudiengänge erzeugt, die eben jenen Idioten den für sie nicht erkennbaren Irrtum vermittelt. etwas studiert zu haben und etwas zu wissen.

Das ist nur noch Klapsmühle.

Eine Klapsmühle, die alle wichtigen Stellen des Staates personall mit Berufsidioten betankt.

Nachtrag: Stützt auch meine These, dass diese ganze Genderisierung anderer Fächer vor allem das Ziel hat, deren Professuren und Forschungsmittel zu plündern. Weshalb es ja in den MINT-Fächern immer mehr MINT-Unfähige Genderprofessorinnen gibt.

Der Grund ist einfach, dass sie viel mehr vollversorgungsbedürftige Idioten als eigene Professuren haben.