Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Saturn und der Salzwasser-Stick

Hadmut
18.1.2016 21:48

Oder: Werbeaussagen sind nichts mehr wert.

Ich bin ja immer noch nicht fertig mit meinen Reiseberichten, aber die Vorgänge um Köln und so weiter waren jetzt einfach wichtiger und aktueller und ich hatte einfach noch andere wichtige Sachen zu tun.

Worüber ich noch erzählen wollte ist, dass ich mir vor der Malediven-Reise noch verschiedene Dinge für die Reise gekauft hatte, die sich dann überraschend als völlig untauglich erwiesen haben. (Zu den anderen zweien später.)

Eins davon war ein Selfie-Stick.

Hatte ich neulich bei Saturn gesehen. Nicht nur, weil die doch jetzt so in Mode kommen (und auch als alter Sack überlegt man sich ja ab und an, welche neuen Trends man ja zumindest mal ausprobiert, um fundierter drüber zu schimpfen), sondern auch, weil ich das zum Schnorcheln und am Strand ja ganz praktisch fand, weil man da die Kamera einfach irgendwo rein- oder auch mal hochhalten kann, ohne Tiere gleich voll zu verschrecken, sich in Gefahr zu bringen oder einfach um im Wasser tiefer zu kommen. Da hatten sie einen, 30 Euro, ausgezogen etwa einen Meter lang, und auf der Packung ausdrücklich als süß- und salzwasserfest beworben. Mit Handschlaufe und griffigem Gummigriff. Na, das passt doch. Gekauft. (Steht sogar auf der Produktwebseite des Herstellers: Auch Unterwasser (Süß- und Salzwasser) einsetzbar.)

Von wegen salzwasserfest.

Ich hab ja schon geschrieben, dass die Maledivenreise ins Wasser fiel, weil es dort tagelang gekübelt und gestürmt hat wie blöde. Eigentlich hatte ich nur anderthalb Tage im Wasser. Und diesen Stick deshalb auch nur an einem einzigen Tag im Meer mit dabei. (Für normale Reisen hatte ich noch einen viel kleineren, leichteren, um die ActionCam mal hoch- oder rauszuhalten.) Und ihn natürlich hinterher, allerdings erst abends, als ich wieder im Hotel war und Frischwasser hatte, auch sorgfältig abgespült. So rein mechanisch-funktionell gesehen war der auch gut.

Trotzdem ist das Ding ruckzuck massiv und dick verrostet. Aber bemerkenswerterweise nicht der Stick selbst, der war aus lackiertem Alu, sondern die Stahlschrauben. Also die Schraube für das Kameragewinde, dann die zum Feststellen des Kippgelenks, und die am Handgriff, mit der die Handschlaufe festgemacht ist. Und nicht nur so’n bisschen verfärbt, sondern richtig blühender blumiger Rost.

Kassenzettel rausgesucht und vorhin zu Saturn gebracht, als ich dazufällig mal wieder vorbeikam. Am Eingang haben sie mir einen Warenzettel ausgestellt und mich dann in die Fachabteilung geschickt. So weit, so gut.

Dem Verkäufer habe ich das Ding gezeigt und gesagt, dass der verrostet ist, hatte aber die Pappschachtel nicht mehr zum Vorzeigen.

Da fing der gleich an zu töbern. „Ich sage das immer allen meinen Kunden, »wasserfest« heißt nicht »salzwasserfest«. Da ist man selbst schuld!”

Dem hielt ich entgegen:

  1. Mir haben Sie es nicht gesagt.
  2. Auf der Packung steht ausdrücklich „süß- und salzwasserfest”. Kommen Sie mal mit.

Also bin ich mit dem quer durch die Fotoabteilung und habe Mister Oberschlau mal gezeigt, was in seinem Laden auf den Sachen steht. Sogar in drei Sprachen.

Da war er erst mal baff, hat kurz überlegt und sich dann eine neue Strategie überlegt.

Ja, dieser Stick sei (ignorierte einfach, was auf der Packung steht) natürlich offensichtlich nicht wasserfest und wassertauglich. Das müsse doch jeder sofort sehen, dass hier die Verschlüsse und die Dichtungen gar nicht wasserfest sein könnten, das müsse doch sofort rosten, das sehe ja jeder. Und wie zum Beweis zieht er den Stick auseinander um mir zu beweisen, dass das doch jedem sofort klar sein müsse, dass dieser Stick generell um im Ganzen roste, und nicht für Wasser taugt.

Dumm nur: Da, wo er mir den selbstverständlichen Rost zeigen wollte, da war keiner. Da sah alles aus wie neu. Da war’s nämlich Kunststoff und lackiertes Alu, wie soll das dann auch rosten. Mmmh, doch nicht so offensichtlich, wie er meinte.

Er versucht die nächste Strategie.

Es sei doch bekannt (ach…), dass es in ihrem Sortiment nur einen einzigen wirklich wasserfesten Stick gebe. Dieser hier. (Kostet 15 Euro mehr, und ist nur aus Plastik, durchsichtiges dickes Rohr, mit Gummidichtungen.) Ich finde jetzt aber so einen kurzen, dicken Stick nicht so interessant, schon gar nicht einen aus Plastik. Noch weniger aus durchsichtigem, den man nicht mehr sauber kriegt, wenn der Dreck mal drin ist. Außerdem so voluminös, dass der garantiert schwimmt, und das kann einem zwar die Kamera retten, aber Unterwasseraufnahmen erschweren. Und dann noch draufzahlen… Nein. Will ich nicht.

Wir gehen zurück zu seinem Tisch.

Er versucht’s mit der nächsten Strategie.

Sowas hätte man vorher testen müssen.

Testen? Vorher? Wie? Vor dem Auspacken? Vor dem Kauf? Hier im Laden? Haben Sie hier Salzwasser?

Oder überhaupt vor dem Eintauchen in Salzwasser? Ich soll ihn testen, ob er salzwasserfest ist, bevor ich ihn in Salzwasser tauche? Wie soll das gehen?

Und was sollte mir das bringen? Dann hätte ich vor der Reise am Rost gesehen, dass er nicht salzwasserfest ist, also stünde ich jetzt genauso mit einem verrosteten Stick da. Was hätte das also gebracht?

Und warum überhaupt?

Wenn das Ding ausdrücklich als salzwassertauglich beworben wird, dann ist das eine zugesicherte Eigenschaft. Dann muss ich das nicht extra prüfen und auch nicht drauf verzichten, weil er meine, dass man das sehe, dass das nicht stimme (zumal man das Ding ja nicht sehen konnte, war ja in der Pappschachtel ohne Fenster). Wenn ich das auf Grundlage dieser Angaben kaufe, dann kann ich mich drauf verlassen, dass das auch so ist und muss das nicht separat prüfen.

Da meinte der rotzfrech, das wäre früher so gewesen, heute sei das nicht mehr so. Das habe sich geändert.

Soll heißen: Sie können alles behaupten, nichts muss stimmen, der Kunde muss selbst prüfen, ob das stimmt, und dann eben verzichten und das Ding trotzdem behalten. Wer benutzt, was auf der Packung steht, ist selbst schuld.

Schließlich hat er mir das Ding dann doch zurückgenommen, hat ihn wohl zuviel Zeit gekostet.