Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Jagd der Löwinnen

Hadmut
1.1.2016 23:28

Weil mir hier gerade die Leser die Bude einrennen, ich hätte was falsches über die Jagd von Löwinnen geschrieben:

Ne Menge Leute schreiben mir zu meinem Jahresrückblick, es sei doch bekannt, dass bei Löwen die Weibchen jagen und die Männchen faul rumliegen.

Tja, was man so sagt und erzählt. Stimmt aber nicht. Ich habe mir das in Namibia im Etosha National Park mal angesehen, in der Natur mit wilden Löwen (also solche, die an Autos gewöhnt waren und mit weniger als 10 Meter Abstand and unserem Safari-Bus und am Jeep – ich war nach der Gruppentour noch ein zweites Mal mit nur einem weiteren Besucher und einem einheimischen Wildhüter des Parks auf einer Fotosafari – vorbeigelatscht sind).

Dabei haben sie uns Verhalten gezeigt und erzählt, das zu der gängigen Story nicht passt. Und auf meine Frage, warum das so ist, erklärte der Wildhüter, dass das, was man so über Löwen erzählt, eben Käse wäre.

Generell sei das so, dass Löwen schon gerne kooperativ jagen und ihre jeweiligen Fähigkeiten ergänzend einsetzen. Denn die Weibchen sind (im Vergleich zu den Männchen) klein, leicht, schnell, wendig, eher ausdauernd. Aber damit reißen sie eher kleine, junge oder kranke Tiere. Ausgewachsene große Wildtiere bekommen sie damit nicht oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten und Gefahr. Gnus kriegen sie nicht ohne weiteres klein und ziehen oft den kürzeren. So manche Giraffe (man sieht bei denen nicht selten Bissspuren am Hintern) hat einem Löwen nach hinten schon den letzten Tritt seines Lebens verpasst. Zebras können ebenfalls ziemlich treten. Die Männchen dagegen sind größer, schwerer, stärker. Sie können nicht so weit und schnell rennen und sind schlechtere Jäger, haben dafür aber bessere Chancen bei großen Tieren wie einem Gnu. Deshalb jagen sie nicht selten zusammen, wenn sie keine leichte Beute finden. Die Weibchen kreisen Tiere ein und treiben sie dahin, wo das Männchen im hohen Gras lauert. Und dann setzt der halt zu seinem Sprung an.

Es ist aber keineswegs so, dass das der ständige Normalfall ist. Wenn die Weibchen nicht wollten, dann läuft das nicht so. Wir haben dort zwei männliche Löwen gesehen, die nicht nur zusammen unterwegs waren, sondern sich auch gegenseitig gekrault und gerieben haben. Ich war darüber sehr verblüfft und fragte den Wildhüter, wie das käme. Ich dachte immer, Löwen würden keinen neben sich dulden. Er sagte, das wäre normalerweise auch so, nur das seien Brüder aus demselben Wurf. Wenn sie zusammen aufgewachsen sind, akzeptieren sie sich gegenseitig. Und diese beiden wären in der Damenwelt halt nicht gerade beliebt, weshalb die Weibchen nur selten mit denen zusammen jagen, nämlich dann, wenn sie sie brauchen. Deshalb sind die beiden Männchen halt unterwegs und müssen selbst jagen.

Zudem sind die Weibchen auch gar nicht so scharf auf die Gesellschaft der Männchen. Nicht nur, weil die Männchen immer zuerst fressen, sondern auch wegen der Jungen. Der Wildhüter hat uns zwei Stellen gezeigt, an denen die Löwinnen ihre Jungen verstecken, während sie jagen. Und dabei können die das nicht brauchen, wenn da gefährliche Männchen zu nahe kommen. Deshalb ist deren Priorität immer, schnelle, leichte Beute – bevorzugt Jungtiere – allein zu machen, um sie für ihre Jungen zu haben. Geht da nichts, jagen sie kooperativ. Geht da auch nichts, jagen sie mit den Männchen.

Und genau das ist doch der Punkt bei dieser im Artikel beschriebenen Löwin, die wie ein Männchen aussieht. Denn sie beschreiben ja, dass sie nicht nur eine dunkle große Mähne wie ein Männchen hat, sondern auch größer und stärker als ein Weibchen ist, und damit in der Rudeljagd die Rolle des (verstorbenen) Männchens einnehmen kann. Der Artikel sagte aber eben auch, dass das schon in der Fötus-Phase durch Hormone beeinflusst wurde und nicht etwa eine Entscheidung, hach, jetzt bin ich mal Männchen, wäre.