Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zuckerpampe 2.0: Die schleichende Eierstockisierung der SPD

Hadmut
23.12.2015 20:53

Wer hätte gedacht, dass selbst der „STERN” noch etwas erwähnenswertes zustandebringt? Auch wenn’s nur klitzeklein ist.

Nachdem ich meinen Urlaub aufgebraucht habe, war ich heute mal wieder in der Firma. War natürlich wenig los, auch in den anderen Firmen außenrum. Deshalb herrschen beim Asiaten, bei dem ich meistens essen gehe, in der Weihnachts-, Nachweihnachts- und Neujahrswoche immer Sonderzustände, manchmal ist sogar ganz geschlossen, weil der einfach vornehmlich von Berufstätigen lebt, und da ist in der Ecke zu der Zeit einfach nichts los. Nahezu leer. Sie machen dann auch nicht immer alles, beispielsweise Suppen, die sie größer ansetzen, oder irgendwelche Sachen, die nicht lagerfähig sind.

Ich wollte eine Wan-Tan-Suppe. Doch, können sie, machen sie mir auch, aber dauert deutlich länger als sonst, weil sie die Brühe eben nicht auf Vorrat heiß haben. Ich musste warten. Deshalb habe ich etwas getan, was ich dort noch nie getan habe: Ich habe mir eine Zeitschrift genommen. Sie haben da ein Lesezirkel-Abo rumliegen, das meiste aber so Friseur-Blubber. Obendrauf aber ein STERN.

STERN habe ich früher mal gelesen, als ich noch Kind war und der zuhause rumlag. Die waren mal richtig gut, dick, und Tetsche habe ich damals geliebt (wehe das Spiegelei fehlt…). Aber dann ist der STERN qualitativ abgestürzt, immer schlechter geworden, und ich glaube mich erinnern zu können, dass deren Verkaufszahlen katastrophal verlaufen. Irgendwie haben die sich von den Hitler-Tagebüchern nicht mehr richtig erholt. Und dann ist mir der STERN eigentlich als übel feministisch-opportunistisch aufgefallen, da gab’s vor vielen Jahren mal solche PorNo-Kampagnen mit und für Inge Meysel und Alice Schwarzer. Spätestens seit damals rangiert der STERN in meinem Ansehen noch weit unter Altpapier. Und dann sind sie ja mal vor einiger Zeit mal wieder voll auf diesen „Männer-sind-an-allem-Schuld”- und Frauenquote-Trend aufgesprungen (und haben damit die niedrigsten Verkaufszahlen aller Zeiten erzielt). Angeblich schrumpfen sie immer weiter. Vor etwas mehr als einem Jahr hat Gruner+Jahr (deren Pressekrampf sich ja auch immer schlechter verkauft) deren Redaktion um gleich 26 Leute reduziert, etwa ein Viertel der Redaktion.

Umso bemerkenswerter war, dass im STERN (der von letzter Woche, weil sie den Lesezirkel mit einer Woche Verzögerung haben) ein Artikel zu finden war, der die Weiberwirtschaft bei der SPD anprangert (geschrieben von einer Frau, Ulrike Posche), die den feminin-süsslichen Umgangston der Frauenpartei SPD verspottet: „Danke, Manuela!”

Glockensüß klingt es auf dem Parteitag der SPD, die früher mal eine Machopartei war. Das ist zeitgemäß. Aber es nervt.

Und dann macht sie sich darüber lustig, dass die sich dort alle mit Vornamen anreden (die Eydan, dann die Manuela, natürlich auch die Doris, sogar die Barbara), und die sich da ständig gegenseitig für irgendwas bedanken und ihre tolle wichtige Arbeit loben, aber eigentlich nichts sagen.

So glockensüß klingt es heute in der ehemals von Männern dominierten ältesten Volkspartei. Es ist eine schleichende Eierstockisierung eingetreten. Die Rache der Quote. Hätte Malu Dreyer nach ihrer umjubelten Rede einen Thermomix hervorgezaubert und Erdbeersorbet für alle gemacht – man hätte sich nicht groß gewundert. Wir Frauen sind nett zueinander, wir tragen rote Statement-Anzüge. „Wir denken Gesellschaft zusammen”, so Malu Dreyer. Elke Ferner, Staatssekretärin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat daraufhin jeden umarmt, der ihr im Weg stand.

Das war dann der Punkt, an dem der Koch verdutzt aus der Küche guckte, weil er mich lachen hörte.

Sie beschreibt dann schön, wie schlabbrig-substanzlos das alles geworden ist, und dass es unter Männern ganz anders war.

Es heißt immer, man solle „fortiter in re, suaviter in modo” diskutieren. Hart in der Sache, milde im Ton. Das ist im Prinzip auch okay und hilft ganz sicher im Umgang mit Menschen im Allgemeinen und mit Parteimitgliedern im Speziellen. Aber seit in der SPD meist die Frauen das Sagen haben, fühlt sich alles an wie Bällchenbad, wie Wellnessweekend an der Mosel, wie Pilates in den Räumlichkeiten des ArbeiterSamariter-Bunds.

Die über Jahrzehnte erkämpfte Verweiblichung der Partei hat zu cremiger Softisierung geführt. Alles klebt von der Zuckerwatte, die sie sich pausenlos um die Backen schmieren. Alles immer toll und harmonisch und nett, was sie machen. Man ist schon froh, wenn wenigstens Johanna (Uekermann), die derzeitige JusoVorsitzende, mal dem Parteivorsitzenden im Stehen ans Bein pinkelt. Das war taktisch vielleicht nicht sehr klug. Aber wenigstens mal frech. […]

Es ist eine Weile her, dass auf Parteitagen noch der Gerd und der Rudolf und der Oskar stritten. 20 Jahre vielleicht. Damals waren die Hemden nach den Reden durchgeschwitzt, und die Messer flogen tief. Nicht immer schön, wie Schröder, Scharping und Lafontaine damals um die Macht buhlten. Aber es war wenigstens auch mal Dampf in der Bude! Sie haben sich mit Verachtung geduzt, sie lagen sich in den Armen. Es gab den Brudermord und andere Tragödien, es gab große rhetorische Momente und kleine Bissigkeiten. Man hatte oft viel zu kauen. Und es gab Tränen. Franz Müntefering machte Furore mit seinen Koteletten!

Heute ist die SPD eine Püree-Partei. Wenig Kotelett, viel Thermomix. Alles kleingemacht, angesüßt und auf verträglicher Temperatur gehalten.

Die SPD geht den Weg all dessen, was gefrauenquotisiert und vereierstockt wird.

Sehen wir es positiv: Was nur noch aus Glibber und Creme besteht und weder Zähne noch Rückgrat hat, ist rückstandslos kompostierbar.