Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

33km

Hadmut
14.12.2015 21:36

War so nicht geplant. Eigentlich wollte ich heute noch bloggen.

Also das mit dem Bloggen, das wird heute nichts mehr. Bin fix und alle und es ist schon spät.

Gestern bin ich losmarschiert, um mir Sharjah anzuschauen. Hab leider verpennt, meinen Kilometerzähler vorher auf Null zu stellen, deshalb weiß ich nicht, wie weit das war (könnte es aber noch anhand des Trackings ausrechnen). Die einschlägigen Sehenswürdigkeiten abklappern. Verblüffenderweise habe ich die nahezu alle an einem Tag abgehandelt (und festgestellt, dass sie so sehenswürdig nicht sind…). War dabei aber ziemlich weit und eigentlich den ganzen Tag bis in den Abend zu Fuß unterwegs. Das hiesige Bus-System ist etwas undurchsuchtig, Pläne und sowas haben sie vor Ort nicht. Man bekommt sie im Internet, aber Internet habe ich nicht dabei (Ich hab mir wegen der paar Tage nun keine Mobilfunkkarte gekauft, und komme auch prima ohne Internet über den Tag, bin ja nicht süchtig. Openstreetmap in das Navi geladen und ein Stadtplan auf Papier reichen mir, außer eben bei den Buslinien). Außerdem passen mir die Buslinien ohnehin nicht in den Kram, sie sind vor allem auf Arbeiter auf dem Weg zur Arbeit ausgelegt, noch dazu fahren sie anscheinend nur alle 90 Minuten.

Man fährt hier Taxi. Preislich – naja. Die Fahrt vom Flughafen Dubai nach Sharjah nachts um halb drei hat mich 100 Dirham (ca. 25 Euro) gekostet, innerstädtisch kostet’s dann natürlich weniger, aber ich hatte gestern keinen Bock auf Taxi, man will ja was sehen, hören, riechen.

Deshalb dachte ich heute morgen, ich lasse es mal ruhiger angehen. Ausgeschlafen (man hat ja Urlaub…) und beschlossen, heute mal einen dieser roten City-Sightseeing-Busse zu probieren, mit denen ich in Kapstadt gute Erfahrungen hatte (und die dort das einzige öffentliche Verkehrsmittel darstellten). Seltsam. Sie machen zwar überall Werbung und haben ne Webseite, aber der Preis war nicht herauszufinden. Und fahren ziemliche Bögen, die mir eigentlich auch nicht viel bringen. Und dass man den Preis nicht sieht kam mir verdächtig vor. Naja, eben mal an so eine Haltestellte gesetzt und gewartet. Und gewartet. Die fahren nämlich auch nur stündlich. Endlich kam der und ich fragte, was das 48-Stunden-Ticket kostet. Irgendwas mit 248 oder 278 oder sowas Dirham. Geschlagene 70 Euro um an zwei Tagen innerorts mit dem Bus zu fahren. Die spinnen wohl, davon kann ich bequem Dauer-Taxi fahren. Da bin ich dann aus Prinzip nicht mitgefahren. Der rief mir dann noch hinterher, dass sie natürlich auch günstigere Tickets hätten (Ach…), dann wollte ich aber nicht mehr. Also nochmal zu Fuß los, Richtung Bus-Terminal. Nach den Bus-Routen und Routenplänen gefragt. Ja, also, nöh, also Pläne, nee, sowas wie Pläne hätten sie nicht. Man müsste halt schon wissen, wo man hinwill. Wo ich denn hinwolle. Tja, das weiß ich eben morgens noch nicht so genau, wo mich der Tag hinführt. Deshalb hätt ich gerne einen Plan, um unterwegs Gebrauch vom Bus machen zu können. Nöh, sowas hatten sie noch nicht, da könnten sie mir nicht weiterhelfen.

Jo, dafür können sie mich mal gerne haben und im Mondschein besuchen. Ist mir jetzt zu blöd. Ich geh weiter zu Fuß, und fahr dann halt bei Bedarf Taxi und abends mit dem Taxi zurück.

Und geh erst mal was essen. Also in eines der vielen kleinen arabischen Straßenrestaurants. Gegen 12:00 Uhr Mittags. Und mir passierte das gleiche, wie gestern schon woanders. Kommt einer an und fragt, was ich gerne hätte. Weiß nich, haben Sie denn eine Speisekarte? Klar, hier bitteschön. Danke! Oh, das sieht gut aus, das da hätte ich gerne. Oh, äh, na, also das geht jetzt gerade aus Grund XYZ überhaupt nicht. Macht nichts, dann nehme ich das da. Tut mir leid, aber das haben wir heute nicht da. Dann nehme ich das hier. Dann dieses hier. Das machen wir nicht mehr. Ja, was zum Geier kann man denn dann bestellen? Das ist schwierig, da müsste ich erst mal mit unserem Koch sprechen. Tun Sie das. … Ja, also der Koch ist momentan irgendwie auch nicht… Ach, rutscht mir doch den Buckel runter!

Ein zentrales Problem ist, dass das Leben in Sharjah erst gegen Abend erwacht, und deshalb auch erst abends die Küchen angeheizt und die Töpfe mit den Gerichten zubereitet werden. Auch so mancher Souq erschien wie tot, ausgestorben, total geschlossen, und erwachte erst abends zum Leben.

Naja, und so läuft man halt los. Und guckt mal da, und mal dort.

Heute bin ich dann in ganz abgelegene Gegenden geraten. Wo Touristen – die es in Sharjah ohnehin fast nicht gibt – nicht hinkommen. Regierungsviertel. Nobles Villenviertel der Extrem-Reichen. Einfache Wohngegenden der Nicht-Reichen. Aber eigentlich nichts sehenswürdig. Also weiter. Doch wieder Richtung Innenstadt. Paar Sehenswürdigkeiten, Schiffahrtsmuseum, Meeresaquarium, Riesenrad. Und weiter. Irgendwann in Gegenden, in denen man mit Fußgängern nicht mehr rechnet. Da gibt’s auf einmal keine Fußwege mehr. Dafür Autobahn-breite Straßen, über die man kaum drüber kommt.

Durchgekämpft.

Und doch gescheitert. Eigentlich wollte ich zu einem Einkaufszentrum janz weit in der hintersten Ecke, weil von da dann doch ein Bus zurück fährt. Da kam man aber nicht hin, weil zwischendurch eine Straße mit sehr viel Verkehr. Das hätte ich zwar noch geschafft, da durchzurennen, aber in der Mitte hatten sie eine durchgehende Betonbarriere, die man hätte übersteigen müssen. Also doch Taxi zurück zum Hotel. War mir aber noch zu früh, also gehen wir mal noch gucken, wohin man kommt, wenn man nicht über die Straße, aber an ihr entlang Richtung Innenstadt geht.

Man kommt an ein Einkaufszentrum.

Oder fast. Denn das Einkaufszentrum ist auf der anderen Straßenseite. Wie kommt man da drüber? Ich stehe frontal vor dem Einkaufszentrum, weniger als 100 Meter, und komme nicht hin, weil eine Straße dazwischen, die in der Mitte durch Betonbarrieren (die dann auch noch einen ca. 2,50 Meter hohen Zaun drauf hatten) getrennt sind. Also frag ich Einheimische aus den Geschäften, die direkt an der Straße liegen. Die müssten das doch wissen.

Da rüber? Ja, also das sei sehr schwierig. Eigentlich unmöglich. Wie bitte!? Ihr schafft es nicht, auf die andere Seite der Straße zu kommen? Berliner Mauer oder was?

Ja, also wenn man unbedingt wollte, da vorne ist eine Art Kreuzung (groß und so gebaut, wie bei uns ein Autobahnkreuz), da könnte man versuchen, oben über die Brücke zu kommen. Ich schau’s mir mal an. Naja, dachte ich, an der Brücke nehm ich dann ein Taxi.

Hinter der Brücke sehe ich dann, dass sich die Straße zur belebten Einkaufsstraße wandelt. Na, denke ich mir, da kann man noch einen Blick hinwerfen. Weitermarschiert. Irgendwann entdeckt, dass sie dort in diesem Bereich dann alle paarhundert Meter Unterführungen auf die andere Straßenseite haben. Naja, also die Geschäfte kann man sich schon noch angucken. Und noch ein Einkaufszentrum. Und was essen gehen (ist ja inzwischen schon abend und dunkel). Aber am Ende der Geschäfte nehm ich mir dann ein Taxi.

Die komische Schnellstraße hat übrigens ihren Grund. Viele Leute arbeit in Dubai, weil es dort viele Jobs gibt, aber wohnen in Sharjah, weil Wohnungen in Dubai inzwischen unbezahlbar sind. Also fahren sie morgens alle nach Dubai und abends alle wieder zurück. Deshalb diese mehrspurige Sonderstraße mit der Trennung.

Es waren sehr viele Geschäfte. Sehr, sehr viele Geschäfte. Am Ende der Geschäfte war ich wieder in der Innenstadt. Und habe aus der Ferne die Moschee gesehen, die mir nachts bei der Taxifahrt vom Flughafen aufgefallen ist. Die wollte ich noch fotografieren. Also hin, die paar Minuten habe ich noch. Aber dort nehme ich mir dann ein Taxi.

Es wurden dann zwei Moscheen, und zwischendrin noch ein Kinderfest, an dem ich zufällig vorbeikam.

Aber nach der zweiten Moschee, dann nehm ich mir ein Taxi.

Da habe ich dann wieder irgendwas entdeckt, und noch ne andere interssante Straße. Und einen seltsamen Platz auf dem Stadtplan, na den kann man sich noch angucken.

Komischer Platz. Sehr groß, ovel, Straße rundherum, Grünanlage, aber außenherum lauter kleine Geschäfte. Gefühlte 300 Mobilfunkgeschäfte, lauter kleine Klitschen, ein an der anderen, nur solche Läden. Kapier ich nicht, wie man damit noch Geschäft machen kann.

Mmmh, da vorne kommt noch so ein Platz. Auch angucken.

und da vorne kommt schon wieder so ein Platz. Nöh, der sieht ganz anders aus.

Und jetzt… ach, jetzt lohnt sich’s nicht mehr, jetzt sind es noch 2 Kilometer zum Hotel.

Und so kam’s dann, dass ich doch wieder den ganze Tag zu Fuß unterwegs war und mein Navi dann behauptete, es wären 33 km gewesen. Wo die einem hier schon bei 1 bis 2 km sagen, das wäre zu weit, das könne man nicht gehen, da müsse man Taxi fahren.

12 Stunden unterwegs.

Ich hab gerade Respekt vor Leuten, die 42 km in zwei bis drei Stunden laufen.

Ich habe dabei gesehen:

Jede Menge Vögel, diverse Katzen, keinen einzigen Hund (gilt im Islam als unrein), demzufolge nirgends Hundekacke, und auf einem Fußweg eine einzelne Kakerlake.

Und seltsame Dinge gegessen und getrunken.

Und jetzt so müde, dass ich einfach nicht mehr zum bloggen komme.