Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Soundtrack Deutschland und die Mörderjäger

Hadmut
23.9.2015 19:02

Ich hab’s schon wieder getan. [Fehlerkorrektur Datum! Kommt nächste Woche im Fernsehen!]

Hoppla, was is’n da los? Jahrelang war ich nicht im Kino, und jetzt zum dritten Mal kurz hintereinander.

Ich war gestern abend zur Premierenfeier des MDR im Delphi Filmtheater zu „Soundtrack Deutschland” eingeladen. Das Tatort-Duo Axel Prahl und Jan Josef Liefers führt durch eine dreiteilige, nicht so ganz ernst gemeinte Dokumentation über die Musik im geteilten und dann wiedervereinten Deutschland, also was man so im Westen und im Osten gespielt hat. Wessi Prahl und Ossi Liefers moderieren das ganze. Kommt am 29.9., 30.9. und 1.10. abends im Ersten. [Fehlerkorrektur: Kommt natürlich nicht am 29.1. und 30.1., sondern natürlich nächste Woche am 29.9. und 30.9. – Verdammt, man sollte nicht bloggen, wenn man zweimal viel zu wenig geschlafen hat und hundemüde ist. Da war das Hirn schon so beim „1.10.”, dass ich 29.1. statt natürlich 29.9. geschrieben haben, obwohl klar war, dass die Sendungen nächste Woche und nicht nächstes Jahr laufen. Sorry…]

Der MDR zeigte gestern in der Premierenfeier den ersten Teil, und mir hat’s gefallen, ich mag ja so alte Musikvideos, und damals war die Musik auch viel besser als heute. Übrigens auch interessant, wer da eigentlich wann, wie und warum von West nach Ost und von Ost nach West durfte, und was die SED von West-Musik hielt.

Prahl und Liefers waren natürlich dabei, haben das vorgestellt und hinterher auf der Bühne noch einen – anscheinend nicht geprobten – Live-Auftritt hingelegt. Die muss man echt mal erlebt haben, die sind in Natura noch ne Steigerung von Thiel und Börne. Die spielen das nicht nur, die sind wirklich so drauf, da hat sich echt ein Gespann gefunden. 😀

Seltsam fand ich dann nur den zweiten Teil der Feier, der da in einer Edel-Disko (nennt man heute glaub ich Nachtclub, ist aber das gleiche) stattfand. Jede Menge Fotografen auf der Jagd nach Promis, aber die Promis war nicht in die Disko gekommen. Dazu eine Geräuschkulisse, die jedenfalls ich nicht unter Musik ablegen würde, nur solche Maschinenrhythmen, die aber laut: Duffz-Duffz-Duffz-Duffz-… Ich hab neulich in einem Musikgeschäft so neumodisches Instrument mit einem quadratischen 8×8-Tastenfeld gesehen und probiert, auf dem man ohne jede Ahnung von Musik rumdrücken kann und das dann solche Duffz-Duffz-Duffz-Duffz-Variationen produziert. Grausam. Immerhin wurden zum Ausgleich regelmäßig lecker Fingerfood-Häppchen gereicht, an denen ich mich gütlich getan habe.

Ich habe mich die ganze Zeit gewundert, was das soll. Erst bringt der MDR eine gute Sendung über alte tolle Musik, und setzt einen dann in eine Disco mit Maschinen-Hämmern? Warum wird dann in der Disco nicht die tolle Musik aus dem Film gespielt? Immerhin stand irgendwo, dass es einen eigenen Soundtrack zur Doku gibt. Die hätten einfach nur diese CD einlegen müssen und alles wäre gut gewesen. Stattdessen Duffz-Duffz-Duffz-Duffz-…

Ich dachte noch, warum bringen die da nicht mal was mit Gesang. Gegen 23.00 haben sie dann was mit Stimmen gebracht, anscheinend selbst gesungen, und das war … wie soll ich sagen … ich habe mir das Duffz-Duffz-Duffz-Duffz zurückgewünscht. Irgendwann kam dann tatsächlich so richtig gute Musik, aber dazu gingen die Lampen an. Muss man sich mal vorstellen: Die verwenden gute, herkömmliche Musik als den terminalen Rausschmeißer. Diese Disco sollte ihren Betrieb aufgeben und auf Restaurant umsatteln, denn das Essen war gut, die Musik ne Katastrophe und die DJs irgendwie total daneben.

Also:

Der Film war gut, die Premiere war gut, Prahl und Liefers waren gut.

Könnt Ihr angucken, kommt im Fernsehen. 🙂


20 Kommentare (RSS-Feed)

Benutzername
23.9.2015 20:23
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“und damals war die Musik auch viel besser als heute.”

Nö, das was damals Mist war ist mittlerweile einfach gnädig vergessen. 😉 Heute gibt es so viel Musik wie nie zuvor. Heisst natürlich daß die gute wie die schlechte mehr geworden ist und das finden guter Musik ist nicht einfacher geworden angesichts der Masse.

Zu populärer Musik in Ost UNd West gab es ja die letzten zwanzig Jahre schon einige Dokus. Kam da irgendwas neues, oder doch nur die üblichen City, Karat, Feeling B in der DDR und in der BRD dann NDW, Lindenberg, Hitparade?


Hadmut
23.9.2015 20:45
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> Kam da irgendwas neues, oder doch nur die üblichen City, Karat, Feeling B in der DDR und in der BRD dann NDW, Lindenberg, Hitparade?

Naja, also man kann in einem Film mit historischer Betrachtung ja nichts „Neues” bringen, sondern nur rückblickend das, was da wirklich war. Überraschungen können da eigentlich nicht kommen.

NDW war noch nicht dran, kommt wohl in einem späteren Teil.

Aber ich fand das sehr interessant, als sie beschrieben, wie und unter welchen Umständen Ost-Musiker in den Westen durften und West-Musiker im Osten auftreten. Natürlich auch was über Lindenberg, aber eben auch recht interessante Interviews mit Karat, Grönemeyer, Maffay, die erzählen, wie das da so ablief. Ging auch drum, wie ein Konzert am Brandenburger Tor, das auf Westseite ablief, aber absichtlich so laut gedreht wurde, dass die da im Osten auch was davon haben, zu Diplomatischen Verwicklungen führte.


Benutzername
23.9.2015 20:26
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Und Uffzuffz Mucke in einem Berliner Nachtclub. Berlin halt… Die sind da irgendwie alle noch auf der Love Parade habe Ich jedes Mal den Eindruck. Was anderes als Techno und Konsorten muss man mit der Lupe in Berlin suchen.


Krischan
23.9.2015 22:26
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Prahl und Liefers waren natürlich dabei, haben das vorgestellt und hinterher auf der Bühne noch einen – anscheinend nicht geprobten – Live-Auftritt hingelegt. Die muss man echt mal erlebt haben, die sind in Natura noch ne Steigerung von Thiel und Börne. Die spielen das nicht nur, die sind wirklich so drauf, da hat sich echt ein Gespann gefunden.

Aaah, dann weiß ich, daß ich nichts verpaßt habe. Die zwei sind für mich der Inbegriff des deutschen öffentlich-rechtlichen Verblödungsfernsehens. Daß die damit auch noch so erfolgreich sein sollen, ist mir ein Rätsel.


Ronald.Z
23.9.2015 22:43
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“und damals war die Musik auch viel besser als heute.”

neien!
doch!
umpf!

:

http://www.cinema.de/film/fluestern-und-schreien-ein-rockreport,1311280.html

;-).


Benutzername
23.9.2015 23:05
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Ah, der Grenzverkehr der Musiker ist naturlich interessant, und die kleinen Neckereien an der Grenze sind immer wieder witzig. Sehe Ich mir an. Habe Ich ja auch schon bezahlt. 😉

Wenn man sich mit Ossis unterhält ist man manchmal überrascht was alles möglich war. Ein Bekannter erzählte Mir mal von einer DDR Tour mehrerer amerikanischer Heavy Metal Bands Ende der Achtziger, die er besucht hatte. Eigentlich mochte die spießige DDR sowas ja nicht. Ich vermute die wussten gar nicht was sie da reingelassen hatten. 😀


bla blubb
24.9.2015 0:13
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@Hadmut

> Aber ich fand das sehr interessant, als sie beschrieben, wie und unter welchen Umständen Ost-Musiker in den Westen durften und West-Musiker im Osten auftreten.

Welche Bedingungen denn?


JohnDoe15
24.9.2015 0:17
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Beim MDR hätte ich das nicht erwartet. Aber auch dem ZDF rutscht hin und wieder mal was durch das Raster.

Ich glaube ich schau mir das mal an, vllt. verstehe ich dann worüber mein Vater spricht. Ich hab bisher nur Omega gehört auf der Originalpressung und die fand ich großartig.


Max
24.9.2015 3:17
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Spiegel Artikel von 1978! http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40617595.html

@danisch: Die Geschichte mit Costa Cordalis und dem Nazi-Teppich hast du mitbekommen?
http://www.bild.de/unterhaltung/leute/wie-kam-er-in-den-nazi-teppich-von-goebbels-9811038.bild.html

Ist wohl damals regelmässig in der DDR aufgetreten, das Honorar musste dann auch noch dort ausgegeben werden.


Hadmut
24.9.2015 8:55
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> Die Geschichte mit Costa Cordalis und dem Nazi-Teppich hast du mitbekommen?

Nee, kannte ich nicht.

Da steht aber, er hätte in DM gezahlt.


der eine Andreas
24.9.2015 7:00
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o.T.
Der Dalai Lama, der alte Sexist:
http://www.spiegel.de/panorama/leute/dalai-lama-meine-nachfolgerin-sollte-sehr-sehr-huebsch-sein-a-1054461.html
“Aber sie müssten eben auch attraktiv aussehen”
“Sonst sind sie nicht zu gebrauchen.”

🙂


Thomas K.
24.9.2015 8:04
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“Kommt am 29.1., 30.1.” Doch sicherlich September!

“Wessi Prahl und Ossi Liefers”

Die sehen genau umgekehrt aus 🙂


Hadmut
24.9.2015 8:47
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> “Kommt am 29.1., 30.1.” Doch sicherlich September!

Oh, ja, danke. Saublöder Fehler von mir. War zu müde.


Frank
24.9.2015 8:34
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@Hadmut

OT Jetzt hast Du’s irrer Verschwörungstheoretiker geschafft -man zitiert Dich auf Kopp Online!


Dirk S
24.9.2015 8:37
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@ Hadmut

Ging auch drum, wie ein Konzert am Brandenburger Tor, das auf Westseite ablief, aber absichtlich so laut gedreht wurde, dass die da im Osten auch was davon haben, zu Diplomatischen Verwicklungen führte.

War damals aber üblich, haben alle im Westen getan, eben die übliche kleine Provokation der DDR-Führung an der Mauer und natürlich ein netter Service für die Fans im Osten.
Pink Floyd haben allerdings ihre Chance “The Wall” an der (aktiven) Mauer zu spielen verpasst. Schade, wäre so richtig passend gewesen.

Mauerfreie Grüße,

Euer Dirk


Thomas Romano
24.9.2015 16:56
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@Frank

Kopp nennt ihn aber Hadmut Danish, das muss sich noch bessern, sonst wird das nix mit der Zusammenarbeit.

Würde mich aber wirklich interessieren, ob durch den Link auf Kopp die Zugriffe auf Danisch.de merklich angestiegen sind und/oder ob es mehr rechts-esoterische Kommentare gab, die in der Tonne landeten.


EinInformatiker
24.9.2015 19:00
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Kaum Updates im Blog. Hadmut wird es doch nicht schon wieder getan haben?


Keine Peilung
24.9.2015 19:37
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Nach jahrelanger Abstinenz dreimal im Kino gewesen? So etwas ist normalerweise ein untrügliches Zeichen für eine sich anbahnende Beziehung. Unterschlägst du uns also etwa, lieber Hadmut, dass du in weiblicher Begleitung warst?


Hadmut
24.9.2015 19:56
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> Unterschlägst du uns also etwa, lieber Hadmut, dass du in weiblicher Begleitung warst?

Die ersten beiden Male nein. Das dritte Mal ja.


Gast$FF
26.9.2015 18:16
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> Die ersten beiden Male nein. Das dritte Mal ja.

Oh weh. Hoffentlich nichts Ernstes, so kurz vor der Verhandlung am Mittwoch.