Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Journalisten und das Internet

Hadmut
26.7.2015 15:04

Wieder mal so ein Paradebeispiel.

Heute morgen wies mich ein Leser auf einen Artikel in der FAZ unter dem URL

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/github-macht-netzbasierten-rassismus-moeglich-13718836.html

hin. Da stand bei mir als Überschrift noch

Automatisierte Diskriminierung – GitHub macht Computer zu Rassisten

Entwürfe des Filehosting-Dienstes „GitHub“ ermöglichen es, Webseiten für Menschen mit spezifisch gefiltertem Genom zu sperren. In der Praxis wäre das nicht das Ende der Netzneutralität, sondern eine Katastrophe.

Inzwischen bekommt man da aber ein Redirect auf den neuen URL

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/code-fuer-netzbasierten-rassismus-bei-github-13718836.html

und eine etwas entschärfte Version. Jetzt heißt es „Beim Filehosting-Dienst GitHub hinterlegte Entwürfe…”.

Naja, Fehler können jedem mal passieren, wer würde das bestreiten. Und natürlich muss man sich auch mal korrigeren können.

Was aber ist da passiert?

Bekanntlich ist die nächste Technologie, die nach der Computer-Technik boomt, die Bio-Technik. In den USA gibt es ein Unternehmen namens 23andMe, Finanzgeber u.a. Google. Die wollten Gen-Analysen als Dienstleistung anbieten, bekamen da aber öffentlichen Gegenwind.

Nun haben die aber etwas angeboten: Einen Authentifikationsdienst über OAuth, mit dem man sich also auf anderen Webseiten einloggen kann, und bei dem der Zugriff nur gewährt wird, wenn gewisse Anforderungen (technisch: Access Control, Umsetzung: Genetische Merkmale) erfüllt sind. Klingt nach Authentifikation, ist es aber nicht. Geht mehr in die Richtung Biometrische Autorisation oder eine Art Identifikation.

Damit kann man gruselige Sachen machen.

Man kann etwa Webseiten bauen, bei denen sich nur Frauen einloggen können. Oder nur Araber. Oder nur Juden. Schwarze. Chinesen. Indianer. Oder nur direkte Abkömmlinge irgendeiner bestimmten Sippe, eines Familienclans. Nachfahren des Pharao. Leute mit oder ohne vererbliche Krankheit. Also ganz böse und total gegen den Mainstream und die political correctness, die ja gerade alle biologischen Eigenschaften wegbügeln wollen.

Einen halbwegs lesbaren Artikel dazu hat – ausnahmsweise – auch mal die ZEIT zustandegebracht, während hier nun einer von der FAZ durchdrehte und github des netzbasierten Rassismus beschuldigte.

Inzwischen scheinen ihm genügend viele Leute Beleidigungen an den Kopf geworfen zu haben, damit er den Titel etwas andert und das nicht mehr github vorwirft, denn die können ja nun nichts dafür.

Zeigt aber wieder mal, wie emotional und ideologisch da vorgegangen wird:

Rassismus, Antisemitismus und Sexismus sind neben vielem anderen auch drei zur Widerwärtigkeit geronnene Varianten von Faulheit, multipliziert mit Dummheit: Man will große Gruppen von Menschen gar nicht erst kennenlernen müssen, bevor man sie verwirft, aussondert, einschließt, unterdrückt, ausbeutet. Am allerliebsten wäre denen, die so empfinden, wenn sie gar nicht mehr denken müssten – eine Variante dieser Ersparnis läuft auf totale Willkür hinaus („Wer Jude ist, bestimme ich“), eine andere auf Automatisierung („Wer mir passt, entscheidet für mich eine Sortiermaschine“).

Apropos Denkvermeidung: Wer im Glashaus sitzt…

Was ich viel schlimmer als den – entschuldbaren – Fehler mit github finde, ist, dass hier wieder mal nur mit eingeübten Negativ-Worten argumentiert wird, eine inhaltliche Betrachtung oder echte Begründung findet überhaupt nicht statt. Wieder mal Erziehung statt Information.

24 Kommentare (RSS-Feed)

Anton
26.7.2015 15:16
Kommentarlink

Das ist also “Netzneutralität”. Wenn ich nicht auf Hadmuts Onlinebanking zugreifen kann, fühle ich mich auch diskriminiert.
Bitte um einen Artikel in einer der anerkannten Zeitungen inklusive Scheißsturm. Für erbarmungslose Aufklärung.


Horst Esberg
26.7.2015 15:30
Kommentarlink

Hey, das ist dann eins zu eins die Thematik des Filmes “Gattaca”: du darfst bestimmte Berufe/Tätigkeiten/Lebenszonen nur mit dem richtigen Genom betreten, das auch überall abgetestet wird.

Ich fände so eine Entwicklung extrem schlimm.


peter
26.7.2015 16:57
Kommentarlink

ich werfe euch allen *ismus vor. Schönes WE.


2331Tick
26.7.2015 17:32
Kommentarlink

@Horst Esberg

>Hey, das ist dann eins zu eins die Thematik des Filmes “Gattaca”: du
>darfst bestimmte Berufe/Tätigkeiten/Lebenszonen nur mit dem richtigen
>Genom betreten, das auch überall abgetestet wird.
>Ich fände so eine Entwicklung extrem schlimm.

Das haben wir doch bereits:
Nur mit den richtigen Genen kann man Model, Sänger oder Schauspieler sein und reich werden.
Nur mit den richtigen Genen kann man z.B. Arzt oder sonstige angesehene Berufe bekleiden.
Nur mit den richtigen Genen kann man mit attraktiven Frauen ohne Geldzahlungen Sex haben.
Nur mit den richtigen Genen kann man hier
http://www.beautifulpeople.com/en-DE
Mitglied werden.
Nur mit den richtigen Genen kann man im Sport Millionen verdienen.


Pjotr
26.7.2015 18:25
Kommentarlink

Die Frage ist, ob die Leute, die nur mit “genetisch akzeptablen Individuen” zu tun haben wollen, primär andere ausschliessen oder sich einschliessen. Kennt man doch von Sekten. Die schliessen vor allem sich selbst ein. Sollen sie doch.


name
26.7.2015 19:13
Kommentarlink

und wie willst du juden am genom erkennen? das kommt davon, wenn immer alle widerspruchslos die behauptung dass juden eine rasse wären akzeptieren. sind die evangelen vielleicht eine rasse?


Hadmut
26.7.2015 19:22
Kommentarlink

> und wie willst du juden am genom erkennen?

Im Gegensatz zu anderen Religionen sind die tatsächlich über sehr lange Zeit untereinander gelieben:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/genetische-abstammung-abrahams-kinder/1860976.html

Sie sind tatsächlich ein Volk.

> sind die evangelen vielleicht eine rasse?

Kommt davon, wenn man widerspruchslos der political correctness nachplappert.

Erstens kann man von Evangelischen nicht auf Juden schließen, weil das was völlig anderes ist und nur, weil man beides „Religion” nennt, noch lange kein Gleichverhalten folgt.

Zweitens gibt es tatsächlich viele Gegenden der Welt, in der es keine oder wenig Evanglische gibt, so dass man die durchaus über Ausschlusskriterien eingrenzen kann. Eher unwahrscheinlich, dass ein Koreaner oder Indianer evangelisch ist.


Karsten
26.7.2015 19:40
Kommentarlink

Was sagt die FAZ zu Machine Learning? Lässt sich für militärische Zwecke missbrauchen…

https://github.com/showcases/machine-learning
“Laying the foundations for Skynet”

Ist github dann an Kriegen schuld? 😀


Lercherl
26.7.2015 19:45
Kommentarlink

„Eher unwahrscheinlich, dass ein Koreaner oder Indianer evangelisch ist.“

Heute Vormittag bin ich dort vorbeigehangen: https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Koreanische_Kirche_(Wien). Es war gerade Messe, und jede Menge Koreaner waren dort.


Hadmut
26.7.2015 19:59
Kommentarlink

Und wieviele Koreaner, so gemessen an der Gesamtzahl der Koreaner, waren dort? Mehr als 50?

Oder gar keine?

Im Jahre 1987 wurde die Paul-Gerhardt-Kirche der presbyterianisch-koreanischen Kirchengemeinde zur Nutzung überlassen.


Olivetti
26.7.2015 20:41
Kommentarlink

(Süd)Korea ist jetzt halt einfach ein schlechtes Beispiel.


Hadmut
26.7.2015 21:01
Kommentarlink

> (Süd)Korea ist jetzt halt einfach ein schlechtes Beispiel.

Naja, war halt spontan irgendein Land gesagt, das ich für nicht-evangelisch hielt. Such Dir irgendein anderes aus. Wie ist Vietnam oder Kambodscha?


michael
26.7.2015 20:50
Kommentarlink

Wahrscheinlich bin ich zu blöd, aber ich kann auf den Seiten der FAZ keine Möglichkeit entdecken, dem Autor eine Email zu schreiben (keinen Leserbrief).

Ich finde es zum Kotzen, wie er den Begriff der “Netzneutralität” völlig falsch verwendet. Das ist ohnehin ein Thema, unter dem sich die meisten Menschen nichts vorstellen können – und daran wird sich auch nichts ändern, wenn der Begriff ständig verwässert wird.

Übrigens: wenn Github ein Filehoster ist, ist die FAZ ein Altpapierhändler.


Hadmut
26.7.2015 20:59
Kommentarlink

> Übrigens: wenn Github ein Filehoster ist, ist die FAZ ein Altpapierhändler.

😀


kopftisch
26.7.2015 22:24
Kommentarlink

Tja, das ist jetzt aber gemein für Lesben, Transen und Genderspacken. Die müssen wohl noch ein Weilchen still halten, bevor sie in privaten Foren, ungestört durch Männer, die Weltherrschaft planen können.

Ein genetisch gesiebter Login.. also ich sehe da momentan nur Vorteile.


Josh
26.7.2015 23:50
Kommentarlink

Der erste Satz aus dem FAZ-Artikel ist nicht vollständig.
Hier die korrekte Fassung:

“Die Vorwürfe von
Rassismus, Antisemitismus und Sexismus sind neben vielem anderen auch drei zur Widerwärtigkeit geronnene Varianten von Faulheit, multipliziert mit Dummheit.”

So passt’s. 😉


Hadmut
26.7.2015 23:55
Kommentarlink

> Der erste Satz aus dem FAZ-Artikel ist nicht vollständig.

Fast hätt’ste mich reingelegt…


Josh
26.7.2015 23:56
Kommentarlink

> Wie ist Vietnam oder Kambodscha?

Tatsächlich sind die Evangelikalen sehr stark in Asien am Missionieren.
Ich weiß zumindest von einer Gemeinde in Südchina.
Da würde ich Vietnam auch nicht als abwegig ansehen.


Gerd
27.7.2015 0:21
Kommentarlink

Man achte mal auf die Hass-Sprache der Staatsmedien. Besonders auffällig beim Spiegel.

“Bedingungslose Einwanderung ” wird mittlerweile zum religiösen Dogma. Wer dagegen ist, ist Ketzer. Rassismus ist ja verboten, aber wenn es gegen den deutschen Kleinbürger geht, gibt es keine Zurückhaltung mehr. Das ist der letzte Untermensch.


Manfred P.
27.7.2015 11:39
Kommentarlink

Hmmm. Das wird ja dann spannend, wenn manche Leute ihren DNA-Datenzugang mit schwachen Passwörtern schützen, die man mit einem Dictionary-Attack rauskriegen kann.

Ich weiß nicht, bei wichtigen Dingen geht nichts über den guten alten Paper Trail.


Missingno.
27.7.2015 11:44
Kommentarlink

Man kann etwa Webseiten bauen, bei denen sich nur Frauen einloggen können.

Dann sollte man sich mal anschauen, woran die “Frau” festmachen. Weil das ist ja noch ein “ungelöstes Problem” mit dem Schänder-Wahnsinn und der Quote.


waldi
27.7.2015 15:04
Kommentarlink

>Naja, war halt spontan irgendein Land gesagt, das ich für nicht->evangelisch hielt. Such Dir irgendein anderes aus. Wie ist Vietnam oder >Kambodscha?

(Wikipedia) Um 2011 waren 31 % der Südkoreaner als religionslos bekannt, 31 % waren Christen (23,8 % der Bevölkerung evangelisch), 23,7 % Buddhisten und 7 % Angehörige von Stammesreligionen..

.. und die leben nicht hinterm Mond, haben im Gegensatz zu ihren Nachbarn, von denen sie 900 Jahre besetzt waren, ein Alphabet und sind vielfach moderner und in vielen Bereichen mit höherem Lebensstandard als Deutsche gesegnet. Kostenloser Internet-PC im Hotel ist seit mehr als 10 Jahren Pflicht, der Speed dort ist sowieso höher. Als ich sie mal zu ihrer berühmten “Frauen-Uni” befragt habe, meinten sie sinngemäß, das sei eine Schule zur Aufbewahrung höherer Töchter :-).


waldi
27.7.2015 15:10
Kommentarlink

>Man achte mal auf die Hass-Sprache der Staatsmedien. Besonders auffällig beim Spiegel.

ja, und ich glaube auch, das ist DPA/CIA-getrieben. Und man schaue sich den Berliner Tagesspiegel an, früher liberal, heute fast links der TAZ anzusiedeln.

Früher haben nur Linke “demonstriert”, Rechte sind “aufmarschiert”.
Linke sind “Aktivisten”, Rechte sind “Populisten”, “Rechtsextreme” etc. das kennt man schon.

Nun aber gibt es nur noch “Rassisten”, “Feinde” und “Hasser”, keine Kritiker oder Andersdenkende mehr. Primitivsprache ohne Ende. Entspricht halt dem linken Niveau. Und wird überall übernommen, selbst von der konservativen(?) “Welt”.


Josh
27.7.2015 17:39
Kommentarlink

> Fast hätt’ste mich reingelegt…

War jetzt nicht die primäre Absicht. 😉

Es ging eher darum, den Schwachsinn der FAZ zu einer sinnvollen Aussage zu ergänzen.