Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Politischer Journalismus – misstrauische Leser

Hadmut
7.7.2015 19:05

Man hat den Journalismus umgebaut und verformt. Und jetzt stellt man wohl so langsam fest, dass der Leser es nicht mag.

Ein Leser hat mich heute auf diesen Artikel hingewiesen. Der Deutschlandfunk, der ja in letzter Zeit auch immer mehr nach links-feministisch abkippt, beklagt sich paradox (oder, um genauer zu sein, berichtet dementsprechend über eine Medienkritik, wobei mir nicht klar wurde, ob das nun ein Buch oder ein Artikel oder was sein soll, erst unten im Text wird so nebenbei erwähnt, dass es wohl um ein Buch „Die Unbelangbaren” geht):

Einerseits meckert man an, dass die Presse nicht (mehr) links genug sei. Was erstaunlich ist, denn unsere Presse ist ja schon massiv linkslastig, aber da die Meckerei hier vom Chefredakteur einer SPD-nahen Zeitung kommt, sind die Ewartungshaltungen da wohl unterschiedlich. Was dem Leser schon viel zu links, ist der SPD noch nicht links genug. Absurderweise sehen sie sich dabei nicht selbst als politisch oder überpolitisiert an, sondern jede Abweichung von ihrer Zwangs- und Einheitslinie:

Eine zentrale Gruppe von “Alphajournalisten” agiere mehr und mehr so, als hätte sie ein politisches Amt inne. Das habe beispielhaft auch die Berichterstattung über Peer Steinbrück im Wahlkampf 2013 gezeigt. Statt sich mit den Argumenten des SPD-Kanzlerkandidaten auseinanderzusetzen, habe man ihn als Menschen diskreditiert.

Unpolitisch ist man also, wenn man die Ansichten von Steinbrück zum Thema nimmt (natürlich zustimmend…), politisch ist man, wenn man die Person betrachtet.

Abgesehen davon, dass es so nicht zu beurteilen ist, ob eine Beschäftigung mit der Person nun vertretbar oder unsachlich war, hätte ich nun politisch und unpolitisch eher umgekehrt definiert.

Wenn es tatsächlich um ein Buch „Die Unbelangbaren” geht, drängt sich die Frage auf, ob es darum geht, Journalisten dafür zu belangen, dass sie nicht linker Meinung sind oder zu wenig links schreiben.

“Also am meisten hat mich geärgert ein Artikel, der im “Spiegel” fünf Tage vor der Wahl war, wo ein sehr profilierter Journalist, der es besser weiß, ich kenn ihn ja auch, versucht hat, sozusagen, dem Steinbrück den “Gnadentod” zu geben und in Form einer Reportage, er sei da ein paar Tage lang neben dem Steinbrück hergelaufen, im Sinne der “schmutzigen Psychologie”, wie das in der Medienwissenschaft auch genannt wird, am Ende zu dem Fazit kam: Dieser Mann ist charakterlich ungeeignet.

Ach. Ist das nicht genau die Taktik, die die SPD beim Genderismus die ganze Zeit betreibt?

Und was will er damit sagen? Dass man Journalisten dafür belangen müsste, einen SPD-Kandidaten nicht gut zu finden?

Thomas Meyer, seit vielen Jahren Stellvertretender Vorsitzender der Grundwertekommission der SPD und Sozialdemokrat durch und durch, geht noch einen Schritt weiter. Er glaubt, dass linke Politik heute bei den meisten Journalisten grundsätzlich auf große Widerstände stößt, was sich dann in der Berichterstattung niederschlage.

“Wir haben in der Sozialforschung interessante Studien, gute Studien, die sagen: Diese Akademiker, die zum Teil aus Mitte/linken Elternhäusern der 68er kommen und jetzt plötzlich in Wohlstandsberufe des wissenschaftlichen , des kulturellen Sektors hineinwachsen, wie zum Beispiel die Journalisten, die haben doch eine sehr starke besitzbürgerliche, Besitzstands wahrende, aufstiegsorientierte Mentalität, eine große Verachtung für alles, was links oder mittelinks ist. Das langweilt die, das ödet die an. Deswegen kann man sagen, dass systematisch eigentlich die linken, die mittelinken Themen – Ungleichheit, Wirtschaftsmacht, Ausgegrenztsein – aus den Medien raus ist, aus deren Weltbild.

Ah, ja. Schuld sind wieder die anderen. Auf die Idee, dass linke Politik vielleicht deshalb anödet, weil sie öde ist, sind die noch nicht gekommen.

Wenn ich sowas lese, frage ich mich aber, welches Niveau die eigentlich erwarten. Wir werden seit Jahren von der gesamten Presse dauerbombardiert mit Feminismus, Frauenquoten, Schwulenakzeptanz, Transentoleranz, geschlechtlicher Vielfalt, Genderklos. Dauerthema schwul, jeden Tag, jedes Medium. Und die meinen nun, die linken Themen seien aus den Medien raus.

Regen die sich vielleicht gerade darüber auf, dass der Genderismus schon alle links-Kontingente der Presse ausgeschöpft und sogar weit überreizt hat, und deshalb für andere Themen nichts mehr übrig bleibt?

Schön finde ich dann aber das da:

Meyers durchweg lesenswerte Analyse fasst sehr gut den Stand der bisherigen Kritik an der Mediendemokratie in Deutschland zusammen. Er berücksichtigt jedoch zu wenig den Strukturwandel, der sich durch die Digitalisierung vollzieht. Das “Veröffentlichungsmonopol der Schlüsseljournalisten”, wie Meyer es nennt, ist längst obsolet geworden – obwohl die großen Medien natürlich die öffentliche Debatte immer noch prägen. Meinungsumfragen belegen, dass Journalisten immer weniger Vertrauen genießen. Der Titel von Meyers Buch “Die Unbelangbaren” ist allein deshalb schon falsch. Journalisten werden sehr wohl für ihre Berichterstattung zur Rechenschaft gezogen durch sinkende Auflagen beispielsweise.

Das ist eine interessante Aussage. Die „großen Medien” hätten kein Monopol mehr.

Das könnte man auf den ersten Blick so verstehen, als ob jetzt eben auch kleine Medien wie Lokal- und Nischenzeitungen mal dran wären. Nur: Die gibt es ja eigentlich kaum noch. Wir hatten ja in den letzten Jahren/Jahrzehnten eine massive Medienkonzentration auf einige wenige Konzerne, die Meinungen diktieren. Also konstruierte Monopolisten. Und die haben jetzt kein Monopol mehr.

Wer dann macht ihnen Konkurrenz?

Vielleicht alle, die, die im Internet so schreiben? Vielleicht sogar Blogger?

Herrlich.

Und Journalisten würden heute durch sinkende Auflagen dafür zur Rechenschaft gezogen. Äh, Moment. Wofür? Dafür, dass sie nun zu viel oder zu wenig links sind? Egal. Die SPD betreibt ja schon die Zwangsabgabe für Printmedien, damit es auf die Auflagen gar nicht mehr ankommt.

Seltsam ist aber dann diese Aussage:

Die Medienverdrossenheit hat mit der Politikverdrossenheit längst gleichgezogen. Der Spielraum der Politik, ihre Themen notfalls auch gegen die Gesetze der veröffentlichten Meinung durchzusetzen, wäre heute möglicherweise größer denn je – wenn die Politik das überhaupt wollte.

Klar, wenn die Medien durchpolitisiert sind, schlägt die Politikverdrossenheit auf die Medien durch. Warum sollte man auch unterschiedlich verdrossen sein, wenn’s doch letztlich das gleiche geworden ist?

Aber „Spielraum der Politik, ihre Themen notfalls auch gegen die Gesetze der veröffentlichten Meinung durchzusetzen” ausgerechnet aus Richtung der SPD hört sich gruselig an. Als ob man die Geister, die man gerufen hätte, nicht mehr richtig los würde. Also ob man erst mühsam die Presse politisiert hat, und sich jetzt darüber ärgert, dass die nicht ganz so in linke Richtung geklappt sind, wie man sich das wünschte.

23 Kommentare (RSS-Feed)

osthollandia
7.7.2015 20:10
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Die Medien sind nicht durchpolitisiert, sie sind durchökonomisiert. Ansonsten weiß ich nicht mehr, was linke Politik sein soll. Früher war das mal “wir wollen mehr Demokratie wagen” eines Willy Brandts. Links war ausgleichend, oft unbequem und nie einfach. In ihrem Zentrum stand der Mensch.

Heute macht man Quoten und rennt dem Mammon hinterher. Man verhunzt die Sprache und behauptet Gerechtigkeit geschaffen zu haben. Man zerstört die Bildung und macht alles gleich. Man beruft den Homo Ökonomikus, zum absoluten Ideal, stilisiert die schwäbische Hausfrau und ignoriert die Logik.

Das machen aber CDU/CSU/SPD/GrünInnen/Linke, die übertrumpfen sich im Anbiedern an die Reichen. Und denen gehören übrigens auch die Zetungen, so dass die Journallie sofort um Lohn und Brot zittern muss, wenn sie ihren Job macht. Und denke niemand, das Liz Mohn (Burda) und Friede Springer (Springer) völlig für Lau die Busenfreundinnen unserer Kanzlerin sind.

Das ist schei*e, aber nicht links. Es ist faschistisch.


Senec
7.7.2015 21:09
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> … wobei mir nicht klar wurde, ob das nun ein Buch oder ein Artikel oder was sein soll, …

Ist ein Buch, siehe hier: amazon.de/Die-Unbelangbaren-politische-Journalisten-mitregieren/dp/351812692X

Aus dem Text:
> … nutzen ihre Position immer häufiger, um in der politischen Arena mitzumischen. Eine problematische Entwicklung, schließlich können wir Fernseh- und Zeitungsmacher, anders als Politiker, nicht einfach abwählen.

Naja, abwählen geht nicht. Das passiert über die Auflage, was bei Politikern nicht geht, leider. Ausnahme ist der ÖR. Wegen der Zwangsabgabe ist es denen wurscht wieviele Zuschauer und Zuhörer die haben.


dentix07
7.7.2015 21:29
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@ osthollondia
Bei meinen Recherchen im Netz fand ich, daß die SPD mit ihrer Holding (ddvg) einer der ganz Großen in Deutschland ist. CDU/CSU, Grüne und Ganzlinke sind da weit abgeschlagen.
Liz Mohn ist Bertelsmann, nicht Burda! (Was es auch nicht besser macht!)
Allerdings ist Burda an der Axel-Springer-Gesellschaft für Publizistik, die alle Aktien der Axel Springer Verlag AG hält, beteiligt!
Beteiligungen der SPD (ganz oder teilweise im Besitz der ddvg)
(Liste nicht vollständig):

Printmedien:
Chemnitzer Morgenpost
Cuxhavener Nachrichten
Delitzscher Rundschau
Döbelner Rundschau
Dresdner Morgenpost
Dresdner Neuesten Nachrichten
Eilenburger Rundschau
Frankenpost
Frankfurter Rundschau
Freies Wort
Göttinger Tageblatt
Grimmaische Rundschau
Hannoversche Allgemeine
Kieler Nachrichten
Leipziger Rundschau
Leipziger Volkszeitung
Lippische Landeszeitung
Lübecker Nachrichten
Morgenpost Sachsen
Neue Presse Coburg
Neue Presse Hannover
Neue Ruhr Zeitung (NRZ)
Neue Westfälische
Niederelbe Zeitung
Nordbayerischer Kurier
ÖKO-TEST Magazin (!)
Oschatzer Rundschau
Sächsische Zeitung
Südthüringer Zeitung
Vogtland Anzeiger
Vorwärts
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ)
Westfälische Rundschau
Wochenspiegel Sachsen
Wochenspiegel Thüringen

Rundfunk:
Antenne Sachsen
Antenne Thüringen
Hit Radio Antenne Niedersachsen
Hit Radio Brocken
Radio Bielefeld
Radio Emscher Lippe
Radio EN
Radio FFN
Radio Gütersloh
Radio Herford
Radio Hochstift
Radio Lippe
Radio Mainwelle
Radio Westfalica
Radio 91.2 (Lokalfunk Dortmund)

Dazu noch Druckereien, z.B.:
Oliva Druck- und Verlagsgesellschaft mbH 100%
Druckhaus Bayreuth Verlagsgesellschaft mbH 47.5%
Dresdner Druck- und Verlagshaus GmbH & Co KG 40%
usw.

Offizielle Inhaber(in) der ddvg ist übrigens Hendricks, Dr. Barbara (*) (94.67%) und die Solidarität Verwaltungs- und Treuhandgesellschaft mbH (5.33%)
[Quelle: BIW (Bürger in Wut) und die kek (Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich)]
(*) Ja genau, die derzeitige Bundesumweltministerin!

Glaubst Du ernsthaft z.B. einem Redakteur des Provinzblattes NW (neue Westfälische) ginge es besser als einem bei Springer, Burda, Holtzbrinck, wenn er “seinen Job macht”, sprich ernsthaften Journalismus; und evtl. noch der SPD ans Bein pinkeln? Auch da ginge dann das Telefon und jemand, z.B. vom ddvg, würde ihn fragen: “Magst Du Deinen Job?”


Hadmut
7.7.2015 23:18
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Boah, is ja der Hammer. Da steckt die SPD überall mit drin?


Alex
7.7.2015 22:26
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Das beste am 21. Jahrhundert ist das Ende der SPD


JohnDoe15
7.7.2015 22:33
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“Wer dann macht ihnen Konkurrenz?

Vielleicht alle, die, die im Internet so schreiben? Vielleicht sogar Blogger?

Herrlich.”

Was hab ich da schallend gegrinst!


Matthias
7.7.2015 23:35
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Treuhänder ist immer der aktuelle Bundesschatzmeister! Das ist derzeitig Dietmar Nietan und schon lange nicht mehr Frau Hendricks …


osthollandia
7.7.2015 23:47
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@dentix
Vielen Dank für die Korrektur und die super Recherche zur SPD. Ich wusste, das es bei denen schlimm ist, so schlimm hatte ich es nicht vermutet.

Und nein, ich hab das nicht gedacht, das es irgendwo besser ist. Bei den ÖR regiert die Politik direkt mit rein. Unser örtliches Käseblatt wird kostenlos an die Haushalte abgegeben, nicht selten sind Anzeigen vom regionalen Chemie-Riesen enthalten. Und aufgemerkt, eigenes Betrachten, nach sagen wir “Zwischenfällen” (Feuerwehr fährt durchs Dorf “bitte Fenster und Türen geschlossen halten”) kommt der jeweilige Chefredakteur imer mit Artikeln “Nie hat eine Gefahr bestanden, Danke für die tolle Bewältigung der Krise”. Jahr auf 2 Später hat der dann ehemalige Chefredakteur einen neuen Job: Pressesprecher mit Reisen nach Singapur inkl. Ehefrau. Und wer da wirklich mal gegen anstinkt, der muss dann beim Kopp Verlag schreiben.

Egal welchen Stein du umdrehst, es ist immer eklig. Immer das Gleiche, der selbe Horror.


Reinhard
8.7.2015 3:06
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Hadmut, ich finde “links” und “rechts” sind nur Richtungen auf der Landkarte, wenn man nicht weiß wo NOSW ist.

Politik mit “links” und “rechts” zu bezeichnen finde ich so hypersimplifizierend und dämlich wie zu sagen “die Griechen haben ja schon Milliarden bekommen, wieso sind die dann immer noch nicht alle reich?”. Wieso benutzt du diese Nomenklatur noch.


Hadmut
8.7.2015 8:05
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@Reinhard: Was schlägst Du also als Verbesserung vor?


Jürgen Sprenger
8.7.2015 7:48
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@Hadmut Boah, is ja der Hammer. Da steckt die SPD überall mit drin?

Was für ein Glück, dass die SPD nicht links ist.


Studolio
8.7.2015 8:08
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Schöne Liste, aber eine Zeitung aus der Reihe lese ich täglich und diese ist als stock-konservativ bekannt.


Wolf-Dieter
8.7.2015 8:22
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@Hadmut – dein inflationärer Gebrauch des Attributs Links irritiert.

Wenn du jemanden falsch und verschlagen findest, sag falsch und verschlagen. Wenn du jemand korrupt findest, sag korrupt. Wenn du jemand nicht vertrauenswürdig findest, sag, du traust dem nicht weiter als du dein Auto werfen kannst.

Ist doch alles kein Problem.


rleo
8.7.2015 9:09
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“Man hat den Journalismus umgebaut und verformt”

Das war schon immer so.
Ein unabhängige Presse gibt es nicht.
Kein Verlag kann vom Verkauf leben.
Und wer zahlt, und das sind nicht die Leser, bestimmt die Inhalte.
Einfach mal die Hochglanzwerbungkosten überschlagen, die in einer Ausgabe eines Printmediums investiert werden, dann hat man die ‘Meinungsmacher’.
Woher der Glaube kommt, dass in Printmedien sachlich berichtet wird, ist mir unklar.

Als ich vor einigen Jahren (>30) aus dem Osten in den Westen kam, hat man die Leute mit Hochschulbildung über die ‘Otto Benecke Stiftung’
http://www.obs-ev.de/startseite-und-aktuelles/
betreut.
Ich erinnere mich an einen Vortrag zum Thema Lebensqualität in der BRD, Medien und Meinungsmache.
a) wir leben in einem der besten Länder der Welt
es gibt Wohlstand für viele, hohe Absicherung gegen die
Widrigkeiten des Lebens, ein gutes Gesundheitssystem, hohe
Qualität der Lebensmittel, Reisefreiheit,
gute Bildung, sehr gute Wissenschaft, …

Das stimmt weitgehend, auch nach eigener Erfahrung

b) glaubt man den Medien, Print/Fernsehen usw.
erfährt man das genaue Gegenteil:
wir leben in einem der schlimmsten Länder der Welt,
Gifte überall, schlechte Krankenhäuser, miese Politiker,
immer steht irgendein relevantes System kurz vor dem Zusammenbruch
es kann so nicht weiter gehen,
wählt mich, oder die NGO, oder den Esoteriker, …

Ziel dieser Vorlesung war nicht, uns die BRD schmackhaft zu machen,
Ziel war, bei allen Informationen, die so im Westen scheinbar ungefiltert auf uns einprasseln, aufzupassen.
Immer nach den Quellen zu schauen, nach den Stakeholdern (wer hat welche Interessen) und danach entscheiden, ob es die Zeit wert ist, ein Printmedium zu kaufen.

Alle Jahre wieder wird in den ach so miesen Medien wieder mal die Selbstbeweihräucherung angestoßen,
wohin hat sich das entwickelt, wie konnte das passieren, die Leser laufen uns weg, die Medien haben zu viel/zu wenig Macht, die Politiker reden zu viel rein, …
Und dann kommen die ‘Rechthaber’ aus ihren Löchern und wissen alles besser, ja wenn, und wenn und, … dann lese ich auch wieder dies und das,

Das sind doch alte Kamellen, alle Jahre wieder.

Fazit:
In einer scheinbaren Medienvielfalt und dem Eindruck, über die Medien viel zu erfahren, bleibt man dumm.
Es kommt heute mehr als früher darauf an, Informationen selbst zu filtern, sich die Informationsquellen zu suchen, denen man vertraut und zu überlegen, warum man diesen vertraut.
Davon gibt es einige, das muss jeder selbst wissen.

Im Internetzeitalter hat sich das nicht verbessert.
Im Gegenteil, der Eindruck man kann alles ‘ergoogeln’ und jede Meinung, pro/kontra ausgewogen und glaubhaft, finden und zum ‘Beweis’ verlinken, ist ein Irrtum.
Der Aufwand, Information zu filtern, ist deutlich höher geworden.
Und wer das nicht rechtzeitig, z.B. schon im Elternhaus, mitbekommen hat erliegt allen möglichen ‘Zeitgeistern’.


Dirk S
8.7.2015 9:54
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@ osthollandia

Die Medien sind nicht durchpolitisiert, sie sind durchökonomisiert.

Na und? Ein völlig normaler wirtschaftlicher Prozess, der besonders durch das mangelnde Niveau der Presse weiter angeheizt wird. Je weniger sich die Presseerzeugnisse von einander unterscheiden, umso stärker wird der wirtschaftliche Druck. Übrigens stehen die Politisierung und Ökonomisierung der Presse in keinem Widerspruch, im Gegenteil: Die Politisierung dürfte der Grund für die sinkenden Umsätze sein und damit der Anlass für die Ökonomisierung. Ist schließlich eagl, in welchem Blatt man den gleichen Kram liest.

Ansonsten weiß ich nicht mehr, was linke Politik sein soll.

Alles, was den leistenden Menschen Einkommen wegnehmen will, um damit Faule zu bespaßen. Die Definition wird dir und vielen anderen nicht gefallen, wäre aber eine zulässige. Beschreibt sie doch die gängigen Prinzipien linker Politik. Und die Mittel linker Politik sind Unfreiheit, ein allgewaltiger Staatsapperat, Überwachung, Einschüchterung und Kontrolle der Bevölkerung. Na, kommt einem das nicht bekannt vor?

Früher war das mal “wir wollen mehr Demokratie wagen” eines Willy Brandts.

Klang toll, aber was ist dabei rausgekommen? Na? Genau, Freiheitsbeschränkungen, Überwachung und staatliche Bevormundung. Wobei ich das gar nicht mal so sehr dem Willy persönlich ankreiden will, das meiste düfte der RAF-Panik geschuldet sein.

Links war ausgleichend, oft unbequem und nie einfach.

Stimmt, im Tod sind alle gleich. Ob verhungert oder ermordet, dass ist dann auch egal. Unbequem und nie einfach? Kommt darauf an, wie leicht sich willfährige Schergen finden lassen. Wobei, die Geschichte zeigt, dass es an solchen Typen nie gemangelt hat.

Hast du schon mal überlegt, wie sich linke Ansprüche zu der Realität linker Herrschaften verhält?

In ihrem Zentrum stand der Mensch.

Im Zentrum linker Politik stand der Mensch? Haben Linke eine andere Definition von Menschen, so etwas wie Borg oder Ameise? Im Zentrum linker Politik stand immer die “Revolution” und die Vorteile deren Nutznießer, schon seit dem Pleitier Marx. Warum glaubst du, haben alle Völker, die konnten, Linke Staatsformen früher oder später abgewählt? Weil linke Politik immer Massenarmut bedeutete, Bespitzelung, Massenmord und Terror.

Heute macht man Quoten und rennt dem Mammon hinterher.

Ja und? Besser Quoten-Medien (und damit die Enscheidung der Kunden) als Staatsmedien. Die “Prawda” hat genauso gelogen wie die Bild. Unterschiede? Die Bild hatte mehr Bilder. Das wars im Großen und Ganzen.

Man verhunzt die Sprache und behauptet Gerechtigkeit geschaffen zu haben.

Journalisten sind tendenziell links-grün und neigen somit ohnhin zu Soziodialekten. Ob die da jetzt noch Gendersprech mit aufnehmen oder nicht, ist doch völlig egal. Richtiges Deutsch kann in den Redaktionen ohnhin nur noch die Rechtschreibkorrektur. Die Journallie bekommt inzwischen kaum einen richtigen Satz mehr auf die Reihe. In diesem Sinne herrscht gerechtigkeit: Es sind alle gleich unfähig. Ist doch toll (aber nicht erstrebenswert).

Man zerstört die Bildung und macht alles gleich.

Besonders in Bundesländern mit tendenziell linken Regierungen. Man könnte auch sagen, je linker die Regierung eines Bundeslandes, umso schlechter die Bildung. Ich weis gar nicht, worüber du dich beschwerst.

Man beruft den Homo Ökonomikus, zum absoluten Ideal

Das tut außer in den Wirtschaftswissenschaften eigentlich keiner (mehr). Außerdem ist der Homo Oekonimikus ein synthetisches Konstrukt ökonomischer Theorien, das bekanntlich eher weniger auf die Realität anwendbar ist.

stilisiert die schwäbische Hausfrau

Die schwäbische Hausfrau ist das deutsche Beispiel für Haushaltsdiziplin. Und? Lieber eine schwäbische Hausfrau an der Ausgabenfront, als eine eitle Pfauin, die das Geld (der Steuerzahler) irgendwo sinnfrei versenkt. Für das Geld, dass die Elbphilamonie gekostet hat (wenn sie denn irgendwann mal fertig ist), könnte Hamburg mindestens die Hälfte aller Schlaglöcher dicht machen lassen oder den Haushalt konsolidieren. Aber das wäre ja Hausfrauendenken, nicht wahr?

und ignoriert die Logik.

Journallie und Logik? Politiker und Logik? Linke und Logik? Schon mal aufgefallen, dass das alles nicht zusammenpasst? Außerdem muss etwas, das logisch erscheint nicht richtig sein.

Das machen aber CDU/CSU/SPD/GrünInnen/Linke, die übertrumpfen sich im Anbiedern an die Reichen.

Ach ja? Wo wurden denn zuletzt den Reichen gegeben? Mir fallen nur beispiele ein, bei denen dem Mittelstand genommen und den Leistungsunwilligen gegeben wurde. Meinst du die Bankenrettung? Da wurden bevorzugt Staatsbanken gerettet, also nix mit Reichen, der Staat hat nur sein Versagen vertuscht. Also, hast du mal ein paar Beispiele?
Und wenn sich einige Politiker für Parteispenden bei Vermögenden anschleinem, was solls? Die wirklich teuren Geldzuschustereien betreffen vor allem die Bespaßung der Unterschicht.

Und denen gehören übrigens auch die Zetungen, so dass die Journallie sofort um Lohn und Brot zittern muss, wenn sie ihren Job macht.

Zeitungen leben von ihren Anzeigekunden, nicht so sehr von den Zeitungskäufern, die sind nur für die Attraktivität für Anzeigenkunden wichtig. Und damit hat man auch schon das Dilemma: Artikel gegen Anzeigenkunden führen leicht zum Verlußt des Anzeigenkunden, das reduziert die Einnahmen der Zeitung und gefährdet damit den eigenen Arbeitsplatz. Na ja, alternativ könnte man es ja auch mit einem Zeitungspreis von 10.-€ versuchen.

Und denke niemand, das Liz Mohn (Burda) und Friede Springer (Springer) völlig für Lau die Busenfreundinnen unserer Kanzlerin sind.

Nö, die freuen sich, Verbingungen in die “Zentrale der Macht” und so Einfluss zu haben. Und? Das wünschen sich doch alle in der Pressebranche. Ist aber immer noch besser als nur Staatsmedien. Eine vollständige Trennung von Presse und Politik wäre natürlich am besten. Nur wohl auch unrealistisch.

Das ist schei*e, aber nicht links. Es ist faschistisch.

Ist suboptimal, da hast du recht. Erst recht für Linke, die eine kontrollierte Presse bevorzugen, am besten eine linke Staatspresse. Links ist eigentlich die Kontrolle der Medien durch den (linken) Staat. Faschistisch ist das hingegen nicht, jedenfalls nicht, wenn man für Faschismus die außerhalb des linken Soziodialektes übliche Definition anlegt. Wenn die Medien durch einen rechten Staat kontrolliert werden, dann wäre das faschistisch. Wobei, der Unterschied zu den linken Vorstellungen ist da auch nur minimal.

Übrigens, schon allein deshalb sind Linke in der Bevölkerung unbeliebt: Die quaken immer nur von Faschismus und auch sonst nur in ihrem Soziodialekt. Und somit voll an der Bevölkerung vorbei. Mehrheiten findet man so nicht.

Dialektfreie Grüße,

Euer Dirk


Leon I
8.7.2015 11:05
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Wo gibt es denn Journalisten, die nicht “links” sind? Wenn ich die geschlossene Lügendecke zur angeblich herrschenden begeisterten “Willkommenskultur” bezüglich der 100.000den illegalen Einwanderer (angebliche “Flüchtlinge”) lese, kann ich keine entdecken.*

*ja, es gibt auch richtige Flüchtlinge; leider sind die aber nicht die Regel (oder zum Glück für dieselbigen – wie man’s nimmt).


old fart smell-well
8.7.2015 12:52
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Gäähhn olle Kamellen aber Danisch wieder ganz erstaunt, hat er noch nie davon gehört – LOL.

Schaut mal wo Bertelsmann überall drinnhängt und wen Liz Mohn regelmässig zum Kaffee bittet. Dagegen sind die SPD-Geflechte nicht mal ein müder Furz.

Aber immer lustig auf die “Linken” eindreschen, besser kann man seine eigene Ahnungslosikeit nicht zur Schau stellen.


Heiko
8.7.2015 13:16
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@Hadmut @Reinhard
Zusätzlich zu dem veralteten eindimensionalen Links-Rechts-Modell kann man einfach eine zusätzliche Dimension einführen. Nämlich Autoritär und Liberal. So, wie es beim Political Compass gemacht wird. Die Testfragen finde ich zwar stark verbesserungswürdig, aber das Modell gefällt mir.

http://www.politicalcompass.org


DrMichi
8.7.2015 14:39
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Ich… äh, also. Da bin ich doch baff. 1.9% der Auflagen im Deutschen Markt werden über Beteiligungen von einer PARTEI mitkontrolliert.

Schrecklich.

Holdinggesetz abschaffen. Jetzt. Institutionen (Firmen, Kommunen, Parteien, Vereine) sollten keine Firmen besitzen können. Das ist pervers.


Karl S.
8.7.2015 15:40
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@Alex: Das Schlechte am 21. Jahrhundert ist aber, dass davon noch sehr viel übrig ist.


Gutartiges Geschwulst
8.7.2015 21:38
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@old fart smell-well: “Schaut mal wo Bertelsmann überall drinnhängt … . Dagegen sind die SPD-Geflechte nicht mal ein müder Furz. … Aber immer lustig auf die “Linken” eindreschen, …”

Die Schweinereien des Einen verschwinden nicht durch die Schweinereien des Andern. Insofern ist Ihr Kommentar ein müder Furz.
Abgesehen davon, dass die Bertelsmann-Stiftung auch SPD-Politiker unterstützt, was einem Durchblicker Ihrer einmaligen Größenordnung vermutlich längst bekannt ist.


Holunderblütentee
8.7.2015 22:27
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@Dirk:
“Für das Geld, dass die Elbphilamonie gekostet hat (wenn sie denn irgendwann mal fertig ist), könnte Hamburg mindestens die Hälfte aller Schlaglöcher dicht machen lassen”

Ach was. Wenn es deinen Interessen entspricht (holperfreies Fahren), dann muss die Gemeinschaft aka Staat also zahlen? Kann man auch “auf hohem Niveau klagen” nennen. In Indien reichen den Leuten auch Feldwege und kaum einer muss hungern. Wenn du teure Teerstrassen willst, dann kauf sie dir doch selber. Ich habe nicht mal eine Auto, warum soll ich dafür zahlen?

Dass du nicht mal weißt, warum ein Staat nicht wie ein Einfamilienhaushalt geführt werden kann, macht deine ganzen “klugen” Ratschläge obsolet. Du kannst Betriebswirtschaft, aber nicht Volkswirtschaft. Die ist aber relevant für den Staat, BWL ist sekundär.

Deine Definitionen von links sind einfach deine willkürlich empfundenen. Die ursprüngliche Einteilung geht auf die eine, nicht ganz unbedeuteunde Versammlung in einer Frankfurter Kirche zurück.
Links saßen die Arbeiter, Bauern, Besitzlosen. Rechts die Aristokratie.
Wenn du nicht von Stand und Geburt her reicht bist, kannst du dich demgemäß als Aristokrat gebärden, wirst aber nie einer sein. Schon aus Gründen der Etikette nicht. Den Sprachduktus zu kopieren reicht da nicht.

“Da wurden bevorzugt Staatsbanken gerettet”. Hm, die Deutsche Bank und die PNB Parbias, die Hypo sind ja auch Staatsbanken. Genauso wie zuvor GoldmannSachs, JP Morgan und wie sie nicht alle heißen.

Mythen erzählen kann jeder.


Frank
9.7.2015 11:51
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DirkS

>Wo wurde denn zuletzt den Reichen gegeben?

Die Milliardäre haben ihr Vermögen in den letzten fünf Jahren (Trotz oder wegen Krise??!)verdoppelt.
Eine einzige Umverteilung von Unten nach Oben, von Oben betrachtet ist Mittelstand auch unten.
Ist also nicht viel mit LINKS nur weil die Linken, als nützliche Idioten, das Elitenprojekt der Zerstörung bestehender Systeme und Ordnung vorantreiben.
Und das Abspeisen der Chancenlosen mit billigen Breitbildschirmen und Fritten ist eher ruhigstellen als bespaßen.