Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ich hab den Beruf verfehlt

Hadmut
6.7.2015 18:00

Finanzminister von Griechenland hätt ich werden sollen: Paar Wochen den Molly machen, auf allen Titelseiten sein, dick kassieren und gleich wieder weg, bevor der Laden zusammenfällt.


42 Kommentare (RSS-Feed)

SteffKo
6.7.2015 19:18
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Und vor allem sich auch noch als Held und Märtyrer feiern lassen. Zumindestens in den links angehauchten Blogs ala Tante Jay…


osthollandia
6.7.2015 19:27
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Lieber Hadmut,

da wärste aber was geworden. Dem gings etwa wie Dir mit Deiner Doktorarbeit. Ihr seid beide richtig gut in Euren Gebieten, beide richtig gute Arbeit gemacht (das Steuerabkommen mit der Schweiz ist jetzt unterschriftsreif, das haben die anderen in 5 Jahren nicht geschafft), und obwohl das eigentlich auch jeder weiß, hat man Euch beide zum Teufel gejagt.

Ihr habt beide Grenzen übertreten, die nicht sichtbar waren. Aus reiner Logik, Überlegung, was man wohl als nächstes tun muss.

Es waren auch die Gleichen Grenzzieher, die Euch das eingebrockt haben.

Ihr habt mehr gemeinsam, als Dir lieb ist. Ihr habt beide meinen vollen Respekt, auch wenn das nichts bringt.

LG osthollandia


Lernender
6.7.2015 19:33
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Vor allem das Bild, als er auf seinem Bike davonbrauste, seine Frau hintendrauf, wird einigen linken Frauen feuchte Träume bescheren.
Allerdings.. nur er hatte einen Sturzhelm auf, seine Frau nicht.
Wann kommt der Aufschrei??


Kai
6.7.2015 19:33
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Guck dir mal seine Vita vor Januar 2015 an: Der perfekte US/GB/FiveEyes Zögling, gepusht durch u.a. Bloomberg und das Adam Smith Institute kommt er anfang dieses Jahres zu seinem Ministeramt, eskaliert mal eben diesen – von US-Ratingagenturen über Jahrzehnte mitverursachten Megafinanzkrebs bis in den roten Bereich und verlässt das Amt fluchtartig unmittelbar nach dem absehbar negativen Referendum.

Wenn er sich damit nicht einen Edellehrstuhl an einer Ivy League Uni verdient hat, fress ich nen Besen.
Alles Absicht. Griechenland, Ukraine, egal, hauptsache Europa bleibt schön mit infighting beschäftigt.
Meisterhaftes social engineering, ich ziehe meinen Aluhut!


hhaien
6.7.2015 19:49
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… und alle Verantwortlichen hätten sich so gewünscht das er geblieben wäre…:

»Über seinen Blog gab heute Morgen Finanzminister Varoufakis seinen überraschenden Rücktritt bekannt. Seine Begründung:

Kurz nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des Referendums erfuhr ich, dass die Teilnehmer der Euro-Gruppe und andere Partner es “schätzen” … auf meine Anwesenheit bei den Sitzungen zu verzichten. Der Ministerpräsident ist der Ansicht, dass dies möglicherweise für ihn hilfreich sein kann, um eine Einigung zu erzielen. Daher verlasse ich das Finanzministerium.

Ich halte es für meine Pflicht zu tun, was ich kann, um Alexis Tsipras zu helfen, damit er das Geschenk des griechischen Volkes bei der Volksabstimmung so nutzen kann, wie er es für richtig hält.«

Er mußte also weg, von wollen kann wohl eher nicht die Rede sein.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45357/1.html


Andy
6.7.2015 20:59
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Ich versteh das Gejaule nicht. Demokratisch gewählt, dem von den Wählern erteilten Mandat (also den Wahlversprechen) treu geblieben und an der Stelle wo er nicht mehr weiterkam eine erneute Befragung des Volkes angeleiert um zu sehen ob er das falsche Pferd reitet. Tut er nicht, aber dennoch (statt am Stuhl zu kleben) jetzt weitgehend einvernehmlich abgetreten weil die Rest-EU-Presse ihn zur Hassfigur Nummer 1 / dem Zocker / dem Pleitegeier / dem Proleten herabgeschreibselt hat.

Das er weiter berät wurde bereits angesagt, aber halt sein seine Person die schon an und für sich abseits aller Fakten viel Druckerschwärze verbraucht zieht er aus dem Problemkomplex zurück um zu vermeiden das auf Grund der aufgeladenen Personenrhetorik bei den Verhandlungen Nachteile entstehen. Mich würde es nicht wundern wenn einer der Varoufakis-Ansätze 1:1 am Ende durchkommt. Nur mit einem anderen Unterzeichner.


Andy
6.7.2015 21:02
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Ich würde mir mehr solche Politiker auch für Deutschland wünschen. Rückgrat auch in schweren Zeiten und so. Weiterhin denke ich das es seit der Wahl in der Griechenlandfrage auch zu einem Teil darum ging eine linke Regierung in Grund und Boden zu holzen damit sowas ja keine Schule macht.

Wo kämen wir denn da hin wenn plötzlich in Randeuropa Linke auftauchen die die Pläne der weitgehend bürgerlich-konservativen Kräfte die in Europa regieren aufzeigen das es evtl. auch anderes geht. Das ist gerade für die Merkel ein Gespenst das ihr sicher einigen Schlaf kostet, vielleicht etwas weniger seit ihr Genosse Gysi den Parteivorsitz aufgegeben hat…


Krischan
6.7.2015 21:15
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Chatzimarkakis? Der Chatzimarkakis, dessen Doktorarbeit zu 70% abgeschrieben war? Der das damit begründete, er habe “in verschiedenen Weisen zitiert, was Platz für Spekulationen” schaffe? Der sabbelt mal in irgendeine Kamera hinein, daß Varoufakis jetzt – mit Popstar-Status – nicht nur €10,000, sondern €25,000 pro Vorlesung verlangen könne, also einfach mal so ins Blaue hinein vermutet.

Und Die Welt macht daraus “Varoufakis kriegt 25.000 Euro pro Vorlesung”.

Keine weiteren Fragen. Ich glaube, das muß man nicht weiter kommentieren.

Mir wäre lieber, man würde mal auf allen Seiten wieder emotionslos und sachlich über diese Krise, die zweifelsohne eine für Europa existenzielle Krise ist, reden. Dazu gehört auch, daß man in Kerneuropa den Leuten endlich klarmacht, daß ein Teil des Geldes der vergangenen “Hilfspakete” schlicht weg ist und der Preis (a) für einen künstlich deprimierten realen Wechselkurs in Kerneuropa ist und (b) für die Bankenrettung 2008/09. Zu der man politisch stehen kann, wie man will, aber sie war sicher nicht Alleinschuld der Griechen. Jetzt geht es lediglich darum, diesen Preis so niedrig wie möglich zu halten. Läßt man diese Krise eskalieren, mit einem “Dirty Grexit” am Ende, wird auch der Schaden für die europäischen Steuerzahler immens sein. Vielleicht sogar höher als für die griechischen. Und auch über die geopolitische Dimension sollte man sich im Klaren sein. Ein Grexit könnte, da man ein Land nach geltenden Verträgen nicht einfach aus der EU werfen kann, zu einem Failed State am Rande der EU führen, mitten im Spannungsgebiet zwischen Libyen, Ägypten, dem Nahen Osten und der Türkei. In einer Zeit, in der sich die EU ohnehin schon nicht auf eine vernünftige Flüchtlingspolitik einigen kann.

Darüberhinaus sind Sanktionen, wie aktuell gegen russische und ukrainische Oligarchen und Politiker, in der EU nur einstimmig zu verabschieden. Damit fiele auch die Rußlandpolitik in sich zusammen.

Nicht daß ich alle diese Positionen der deutschen und europäischen Politik mittragen würde, aber es geht in dieser Krise um weit mehr als das griechische Renteneintrittsalter oder die Mehrwehrtsteuer. Wer sich von deutschen Medien einreden läßt, Tsipras und Varoufakis seien irgendwelche unzurechnungsfähigen Hasardeure, geht v.a. deutschen Politikern auf den Leim, die meinen, sich mit ein paar schmutzigen Halbwahrheiten und Latrinenparolen durch die Krise manövrieren zu können. Einer Krise, die sie mit ihrem Versuch heraufbeschworen haben, die Kosten der Bankenrettung allein dem griechischen Steuerzahler aufbürden zu können. Hat einige Gemeinsamkeiten mit der französischen Politik gegenüber Deutschland nach 1918, und das ging schon damals nicht gut.


Geisterkarle
6.7.2015 21:51
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Also das er jetzt mehr bekommt(en kann) ist logisch. Aber der war ja schon davor ein international anerkannter und gefragter Ökonom. Ist also nicht neu, dass er Vorträge hält!


Kritiktier
6.7.2015 23:10
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Bitte nicht auf das billige Propagandabashing der deutschen Medien hereinfallen. Denn nur so geht die Saat der BILD auf.


_Josh
6.7.2015 23:11
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Finanzminister von Griechenland hätt ich werden sollen:

Hättest Du auch nur ein bisschen Knowhow in volkswirtschaftlichen Fragen angesammelt, es hätte dem nichts im Wege gestanden.

Paar Wochen den Molly machen,[…]

Den Molly hat ausschließlich die abartige, nichts könnende und nichts begreifende Journaille zu verantworten, sonst niemand. Varoufakis war und ist, neben dem linken “Zeckenstalinisten” Gregor Gysi, einer der wenigen Europäer, die diesen ademokratischen, völlig aus dem Ruder gelaufenen, oligarchischen Grosskapitaldreck namens Europäische Union in Gänze begriffen haben.

[…]auf allen Titelseiten sein,[…]

Issnichtwahr; inkompetenter, gebiaster Stimmungsmüll läuft auf allen Propagandakanälen?

[…] dick kassieren[…]

Genau der gleiche, hohle Quark, den Du regelmäßig den Babblern der Klientel anlasstest, die Du sonst im Visier hast. Zum einen hatte Varoufakis mit seinen Lehrtätigkeiten mehr Dollaris im Portemonaie, als mit seinem Abstecher als griechischer Minister, zum anderen ist er “gut” verheiratet — ein echter Dummkopf, der in diesem Zusammenhang den schnöden Zaster anführt.

[…] und gleich wieder weg, bevor der Laden zusammenfällt.

Irgendwie scheinen Dir die momentanen Temperaturen in D nicht zu bekommen; schon selten, einen solchen Schmuh von Dir zu lesen, selbst mit meiner Vermutung, Du wirst das übliche Leute, das hier war ein Spässle in wohlbekannter Scherzkategorie anfügen.


Hadmut
6.7.2015 23:14
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@Josh:

> Du wirst das übliche Leute, das hier war ein Spässle in wohlbekannter Scherzkategorie anfügen.

Ich muss gar nichts anfügen. Die guten Leser kennen sich hier aus und um die schlechten ist’s nicht schade.

Vergiss aber nicht, Dieter Nuhr noch anzublöken.


Klaus
6.7.2015 23:31
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Das Beste kommt noch:

Tsakalotos ist wohl ein absoluter Hardliner.

cu


Manfred P.
6.7.2015 23:40
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>Allerdings.. nur er hatte einen Sturzhelm auf, seine Frau nicht.
Wann kommt der Aufschrei??

Entschuldige mal, der Helm versaut der Armen doch die Frisur!


Deckname: Ossi
6.7.2015 23:44
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Ne Hadmut!
Auf solche Berufe sollte man verzichten können.
So habe ich die Berufswahl “Arzt” schon 1976 ausgeschlossen, weil, wenn man gut im Arztberuf sein will, muss man der Karriere wegen viele Kröten schlucken können.
Und die Vision, später mal der Leibgynäkologe von Margot Honnecker zu werden, näh, näh, näh. Man hat ja noch Ehre im Leib.

Und den Rücktritt von Herrn Whatthefuckis sollte man nicht überbewerten. Das gehört nämlich alles zu den “Known Knowns”.
Wer und welches Spiel mit wem und warum gespielt wird, weiß man doch eigentlich gar nicht. Schon gar nicht die “Known Unknowns” und erst recht nicht die “Unknown Unknowns”.
Entscheidend ist das, worüber nicht berichtet wird und wo die Omertà des “Inner Circles of power” gilt.

Vielleicht ist der Rücktritt ja sowas wie “guter Bulle” & “böser Bulle” im Tatort. Oder wie bei den Religiototen – “Sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und es kam schlimmer.”
Das wurde mir schon oft berichtet, warum soll es nicht auch auf einen “Marxistischen Finanzminister” zutreffen? Soll auch er doch einfach seinen Spaß bei den Pappnasenmeetings in Brüssel ausleben dürfen, gibt ja eh keine Protokolle zu diesen Diktaten. Man darf also auch Verbalinjurien und sonstige unflätige Worte verwenden.


Krischan
6.7.2015 23:59
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@Kritiktier
Saat der Bild? Ich hab das Gefühl, die ARD ist ganz vorne dabei:
https://www.youtube.com/watch?v=wf6BHqO2A0c
https://www.youtube.com/watch?v=GQpwrtTST_M


Gedöns
7.7.2015 0:01
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@Krischan
Wo ist das Problem? Im Jahre 2040 wird die Hälfte der Menschheit unter 25 Jahren in Afrika leben – da wird es ganz sicher einige 100 Millionen Wanderungswillige geben, um es mal ganz vernünftig zu sagen. Griechenland hat dagegen poplige 10 Millionen Einwohner, die Arbeitslosenquote ist wohl nicht einmal halb so groß wie die der Muslime in Europa und Wohnraum brauchen sie auch nicht, wenn sie zu Hause bei ihrer Arbeit bleiben. Und das soll teuer werden? Also bitte – wo ist bei Griechenland jetzt das Problem?


Hannes
7.7.2015 0:11
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Ich verstehe nicht warum so viele Leute meinen Varoufakis verteidigen zu müssen.
Was hat er denn groß erreicht außer groß herumzupöbeln? Der Staatsbankrott Griechenlands scheint so ziemlich unausweichlich zu sein, die ewigen Hinhaltetaktiken haben versagt und es gibt keine Anzeichen, dass sich am griechischen Staatshaushalt etwas substanziell verändert hat. Das kann man jetzt natürlich der EU anlasten, aber das Verhalten der griechischen Regierung und das von Varoufakis außen vor zu lassen halte ich persönlich für eine Verschließung gegenüber der Realität.
Ja wow, er ist renommierter Wirtschaftwissenschaftler. Von denen halte ich in etwa so viel wie von den meisten Sozialwissenschaftlern. Viel Getöse und Herumtheoretisieren und am Ende weiß wieder mal keiner wie viel davon jetzt real anwendbar sein wird und/oder ob es überhaupt so wirkt wie beschrieben.


Wolfgang
7.7.2015 0:21
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Wenn Dieter Nuhr denn wenigstens “frotzeln” würde… er lallt schlicht nur noch Propaganda-Dünnsinn und ist nicht einmal komisch dabei. Anblöken ist da eigentlich noch zu wenig. Teeren, federn und auf ner Eisenbahnschiene aus der Stadt tragen wäre angemessen.

Zum eigentlichen Thema ist schon so ziemlich alles gesagt, daher belasse ich es dabei.


Jakob
7.7.2015 0:35
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Das mit den 25000 Euro pro Vorlesung ist einfach nur eine Schätzung von irgendeinem Experten in einem Interview. Wirklich belastbare Quellen dafür habe ich nicht gefunden. Und selbst wenn die Summe tatsächlich stimmt ist es nicht wirklich ungewöhnlich, dass Politiker nach Ende ihrer Amtszeit gegen ein entsprechendes Honorar Vorträge halten. Ähnliches gibt es auch bei vielen anderen ehemaligen Politikern wie beispielsweise bei Schröder, Fischer oder Clinton. Meiner Meinung nach ist das erheblich weniger problematisch als die hochdotierten Aufsichtsratsposten, die deutsche Ex-Politiker als Dank für konzernfreundliche Entscheidungen während ihrer Amtszeit regelmäßig bekommen.

Zu dem Einkommen als Politiker in Griechenland: Er hat 31000 Euro für die 160 Tage im Amt bekommen. Das entspricht einem Jahreseinkommen von ca. 70000 Euro. Dazu kommen noch ein paar zusätzliche Zahlungen (Bürokosten, Kommunikation, …). Für eine Führungsposition ist das meiner Meinung nach auf jeden Fall äußerst moderat (man vergleiche das mal mit dem üblichen Einkommen für Führungskräfte in der Wirtschaft). Eine besondere Pension bekommt er für die kurze Amtszeit auch nicht. Die gibt es erst ab vier Jahren im Amt. Übrigens ist Herr Varoufakis wohl recht sparsam mit Steuergeldern umgegangen und ist beispielsweise per Economy Class geflogen, während sich deutsche Politiker gerne mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr zu Terminen fliegen lassen. Aber all diese Fakten halten gewisse Medien nicht davon ab, daraus einen Skandal zusammenzuschreiben:

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/viel-geld-fuer-160-tage-gianis-varoufakis-verdiente-sich-als-finanzminister-eine-goldene-nase_id_4797887.html


Heinz Günter
7.7.2015 6:31
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Siehe http://tagesschauder.blogger.de/stories/2497248/ (vom 27. April 2015)

[…]
Was könnte es also mit der Vorbereitung der Varoufakis-Absetzung auf sich haben?
Wenn ein neuer griechischer Finanzminister kommt und neues Vertrauen einsammelt, so dass erst einmal weitergerettet wird, dann kann man vermuten, dass das der Zweck war.
Der Stern der Rettung wird weiterstrahlen.


Schwärmgeist
7.7.2015 7:25
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Kurios ist ja, daß Varoufakis für den Fall, daß die Griechen mit Ja stimmen, seinen Rücktritt angekündigt hatte. Nun tritt er nach dem gegenteiligen Ergebnis zurück. Wie sich mir die Sachlage darstellt, ist er zurückgetreten worden. Mit dem Nein im Rücken hätte er gern weitergemacht – amtsmüde war der nicht. Er hat also nicht den Lafontaine oder Gysi gemacht.

Ich weiß nicht, was ich von diesem Typen halten soll. Ich halte ihn für einen intellektuellen Theoretiker, der abseits der Universitäten kaum Erfahrungen gesammelt hat und sich mit dem Realitätsabgleich schwertut. Schäuble spricht nicht einmal Hochdeutsch, Varoufakis glänzendes Englisch – daß die beiden nicht miteinander können, war wohl unausweichlich.


Zäld
7.7.2015 7:45
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Kann mir mal jemand erklären, was da jetzt eigentlich noch verhandelt werden soll? Die Befragung ergab: Nein, wollen wir nicht. Alles klar, Verhandlung beendet.

Die Frage lautete doch nicht: “Wollt ihr, daß wir Geld bekommen, ohne daß wir sparen müssen?”. Erwarten die griechischen Politiker jetzt tatsächlich, daß die Geldgeber sagen “Ach so, na dann geben wir euch das Geld eben so.”?

Ich versteh’s nicht.


Dirk S
7.7.2015 9:15
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@ Hannes

Ich verstehe nicht warum so viele Leute meinen Varoufakis verteidigen zu müssen.

Weil der eine linke Ikone ist und schon allein deshalb aus linker Sicht sakrosankt zu sein hat. Viele Linke glauben auf diesem Wege zeigen zu können, dass die politische Linke über “Fachleute” verfügt. Blöd nur, dass Varoufakis ein “studierter Zocker” ist, eigentlich der “Feind”. Na ja, linke Träumereien eben.

Was hat er denn groß erreicht außer groß herumzupöbeln?

Die letzten Leute, die es mit Griechenland gut meinten, verprellt?

Der Staatsbankrott Griechenlands scheint so ziemlich unausweichlich zu sein, die ewigen Hinhaltetaktiken haben versagt und es gibt keine Anzeichen, dass sich am griechischen Staatshaushalt etwas substanziell verändert hat.

Na ja, das griechische Volk will das mit den Veränderungen ja auch nicht, wie das Votum am Sonntag bestätigt hat. Eigentlich sollten EU und Euro-Gruppe auf stur schalten und den Griechen ihren Willen lassen: Keine Reformen und kein Geld. Dann werden auch die Griechen erkennen, dass man “Würde” nicht essen kann. Wobei mir ehrlich gesagt nicht einleuchtet, was das Verweigern notwendiger Reformen mit “Würde” zu tun haben soll. Ist doch eigentlich nur dämlich.

Das kann man jetzt natürlich der EU anlasten, aber das Verhalten der griechischen Regierung und das von Varoufakis außen vor zu lassen halte ich persönlich für eine Verschließung gegenüber der Realität.

Das wird man in GR der EU anlasten, schoan allein aus Prinzip. Die Griechen sind nie an etwas schuld, immer die anderen. So wie im Kindergarten. Die Lagarde hat das erkannt. Die Griechen verhalten sich wie kleine Kinder, die bockig von Mutti mehr Taschengeld haben wollen, ohne dafür was tun zu müssen.

Ja wow, er ist renommierter Wirtschaftwissenschaftler.

Wobei Wirtschaftswissenschaft mit Wissenschaft genauso viel zu tun hat, wie Wissenschaft in der Wirtschaft. Scientia Taverna oder so. 😉

Von denen halte ich in etwa so viel wie von den meisten Sozialwissenschaftlern. Viel Getöse und Herumtheoretisieren und am Ende weiß wieder mal keiner wie viel davon jetzt real anwendbar sein wird und/oder ob es überhaupt so wirkt wie beschrieben.

Ach komm, es gibt einen Unterschied zwischen Wirtschaftswissenschaftlern und Sozialwissenschaftlern:
Sozialwissenschaftler beobachten und versuchen aus den Beobachtungen Erkenntnisse zu gewinnen und diese dann zu Theorien zu verarbeiten.
Wirtschaftswissenschaftler hingegen halten sich erst gar nicht mit Beobachtungen auf, sondern postulieren etwas, basteln sich ein paar Theorien und behaupten dann, dass wäre die Wahrheit, weil das in ihren Spielversuchen (die nach ihren Theorien aufgebaut sind) irgendwie so halbwegs funktioniert. Doof nur, dass schon der postulierte “Homo Oeconumicus” keine Entsprechung in der realen Welt des Home Sapiens hat. Aber, man kann ja nicht alles haben.

Ökonomische Grüße,

Euer Dirk


Dirk S
7.7.2015 9:31
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@ _Josh

Genau der gleiche, hohle Quark, den Du regelmäßig den Babblern der Klientel anlasstest, die Du sonst im Visier hast. Zum einen hatte Varoufakis mit seinen Lehrtätigkeiten mehr Dollaris im Portemonaie, als mit seinem Abstecher als griechischer Minister, zum anderen ist er “gut” verheiratet — ein echter Dummkopf, der in diesem Zusammenhang den schnöden Zaster anführt.

Ich finde es toll, dass du es noch schaffst, ganz idelaistisch zu denken, so ganz ohne Mammon und so. Aber glaube mir, wenn du erst mal die Halbzeit hinter dir hast und in ein Alter kommst, wo du merkst, dass Schmerzen bedeuten, dass du noch lebst, dann wirst auch du ernüchternd feststellen, dass es am Ende doch nur ums Geld geht. Je mehr jemand hat, umso mehr. Es ist Teil unserer Spezies, den Hals nicht voll zu bekommen. Zumal der Marktwert eines Ex-Ministers höher ist, als eine einfachen Profs. Und die Vita von Varoufakis zeigt, dass er schon lange zum politischen Establishment der griechischen Politik gehört. Und ja, es ist normal und vernünftig einen Zusammenhang mit dem Zaster anzunehmen. Gerade bei einem Politiker. Egal ob links oder rechts oder sonstwas. Der Mammon herrscht. Immer.

Ministeriale Grüße,

Euer Dirk


Dirk S
7.7.2015 10:04
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@ Andy

Ich würde mir mehr solche Politiker auch für Deutschland wünschen.

Ich nicht. Ich finde Politiker, die andere Völker bzw. deren Repräsentanten beleidigen, einfach nur widerlich. Ein Minister hat eine ganz andere Verantwortung gegenüber seinem Volk als ich. Ich kann auch mal daneben greifen, ein Minister nicht. Schon allein, weil die Konsequenzen völlig andere sind.

Rückgrat auch in schweren Zeiten und so.

Welches Rückrad? Andere zu beschimpfen ist kein Rückrad. Das ist gelinde gesagt ein schlechter Stiel. Vor 100 Jahren wäre Varoufakis’ Verhalten Grund für einen Krieg gewesen.

Weiterhin denke ich das es seit der Wahl in der Griechenlandfrage auch zu einem Teil darum ging eine linke Regierung in Grund und Boden zu holzen damit sowas ja keine Schule macht.

Quark, eine linke Verschwörungstheorie, um das sich früh abzeichnende Versagen der Regierung Tsipras anderen anzulasten. Die Wahrheit ist, dass die Regierung Tsipras von Anfang an auf eine Spaltung der Euro-Zone hingearbeitet hat und versuchte, Merkel und Schäuble zu isolieren. Dumm nur, dass sie damit die einzigen, die zu einem größeren Entgegenkommen bereit gewesen wären, gegen sich aufgebracht und zu den Hardlinern getrieben haben. Professionalität sieht anders aus.

Wo kämen wir denn da hin wenn plötzlich in Randeuropa Linke auftauchen die die Pläne der weitgehend bürgerlich-konservativen Kräfte die in Europa regieren aufzeigen das es evtl. auch anderes geht.

Ein Volk verarmen kann jede Regierung, nur schaffen das anscheinend Linke schneller als andere. Tsipras und sein Kindergarten sollen es den anderen Regierungen in Europa zeigen? Der Witz ist gut, die Regierung Tsipras wird als die Regerung in die Geschichte Griechenlands eingehen, die es geschafft hat, Land und Volk in bittere Armut und tiefste Not zu stürzen. Und der Rest Europas fängt schon mal an, Care-Pakete zu packen. So geht es natürlich auch. Sind das die linken Ziele? Armut für alle (außer den Oberapparatschniks)?

Das ist gerade für die Merkel ein Gespenst das ihr sicher einigen Schlaf kostet,

Merkel macht sich nur Gedanken über ihre Wiederwahl (laut Spiegel will sie nochmal antreten). Und da wären weitere Millarden für GR hinderlich, also kann Tsipras schon mal überlegen, an wen er welche Insel verkaufen will. Kreta dürfte archäologisch interessant sein, sollten sich DE und GB mal überlegen zusammenzuwerfen. Dürfte sich lohnen.

vielleicht etwas weniger seit ihr Genosse Gysi den Parteivorsitz aufgegeben hat…

Das einzige Positive, was mir zu Gysi einfällt ist, dass er nicht so jämmerlich spricht, wie die meisten Oberen der Linkspartei. Bei einigen hat man den Eindruck, die hätten am Morgen vergessen, ihre Antidepressiva zu nehmen, so kläglich klingen die. Da ist Genosse Gregor mit seiner festen Stimme ja noch wohltuend, obwohl ich mit ihm nicht einer Meinung bin.
Und für Merkels Schlaf war Gysi nie eine Gefahr, die fürchtet sich eher vor den Abweichlern in ihrer eigenen Partei und den Querschlägern der CSU. Aber vor den Linken, pfft, warum sollte sie? Die sind allenfalls ein Problem vom Siggi.

Schlaflose Grüße,

Euer Dirk


NonKon
7.7.2015 10:27
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Au ja, Varoufakisbashing! Der tägliche Müll unserer Systemmedien reicht nicht, da müssen der Danisch und seine Foristen noch einen drauf legen.

Jawoll, am deutschen Wesen sollen sie genesen, diese Griechen. Und wer mitsingen will muss den Text kennen. Ist es das was Du uns (auch noch) sagen willst? Ich habe verstanden: Danisch kennt die Regeln.

So, jetzt atmet erst mal ruhig in eine Tüte, werft euer Hirn an und denkt darüber nach! Varoufakis auf das zu reduzieren was Deutsche Krawallmedien und Politiker rausrotzen ist billig und wird dem Mann nicht mal annähernd gerecht.


Hadmut
7.7.2015 18:27
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@NonKon:

> da müssen der Danisch und seine Foristen noch einen drauf legen.

Ja.

Erstens habe ich eine eigene Meinungsfreiheit und muss die nicht an die »Systemmedien« abtreten oder die als meinen Stellvertreter benennen.

Zweitens nehme ich mir das Recht heraus, da, wo meine Steuergelder reinversumpfen, auch noch zusätzlich meinen Senf dazuzugeben, damit die nicht zu wenig bekommen.


Andy
7.7.2015 10:35
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> Ich verstehe nicht warum so viele Leute meinen Varoufakis verteidigen zu müssen.

Der Grund für mich ist das der Mann für eine Idee, ein Konzept steht das durchaus Schule machen sollte. Da hat man nämlich das Undenkbare getan: jemanden der sich auskennt mit Wirtschaft in das Amt des Wirtschaftsministers gesetzt. Keine politischer Radfahrer (nach oben buckeln, nach unten treten), kein gedienter Parteisoldat, kein personeller Sondermüll der ein Amt brauchte, nein jemanden der vom politishcen Geschäft im Prinzip unverdorben war und Ahnung hatte.

> Was hat er denn groß erreicht außer groß herumzupöbeln?

Er hat die Interessen des griechischen Staates vertreten. Ob er das nun per Fax macht oder ob ein wenig “pöbelt” (wobei das halt IMO auch vom Pöbelblatt der Nation überrepräsentativ berichtet wurde) ist persönliche Präferenz.

> Das kann man jetzt natürlich der EU anlasten, aber das Verhalten der griechischen Regierung und das von Varoufakis außen vor zu lassen halte ich persönlich für eine Verschließung gegenüber der Realität.

Die Regierung agiert nicht im Vakuum. Sie ist demokratisch gewählt und seit Sonntag wissen wir auch nach wie vor mit einer gesunden Mehrheit versehen.

> Ja wow, er ist renommierter Wirtschaftwissenschaftler. Von denen halte ich in etwa so viel wie von den meisten Sozialwissenschaftlern.

Ich finde da gibt es zwei Versionen. Die einen ergreifen diese Laufbahn, studieren die Vergangenheit und bilden sich ein damit die Zukunft, also zB das jährliche Wachstum auf die Nachkommastelle genau vorherzusagen. Wenn es wie immer daneben geschätzt ist suchen sie eine Ausrede und fangen wie ein perpetuum mobile wieder von vorne an. Das ist die Mehrzahl, sie sind weitgehend Idioten und meist in lukrativen Beschäftigungsverhältnissen, vermutlich weil Wirtschaft zu 90% Psychologie ist und wir positive Einpeitscher brauchen.

Und dann gibt es die die Vergangenheit studiert haben, die Strukturen kapieren, und feststellen das es so nicht weitergeht, nicht weitergehen kann und wir dringend mal out of the box denken müssen bevor die ganze Scheune, die schon arg im Gebälk ächzt, endgültig zusammenkracht.

> Übrigens ist Herr Varoufakis wohl recht sparsam mit Steuergeldern umgegangen und ist beispielsweise per Economy Class geflogen,

Ich fand das in den Fernsehbildern immer sehr cool, wie er mit seinem ollen Mopped und nem total unstylishen Rucksack vorfährt, den Bock vor der Tür abstellt und reineiert. Tsipras kam halt immer mit seiner Limousine, vermutlich Sicherheitsbedenken. Wobei die eigentlich ja auch vor Varoufakis gelten müssten. Und bei den Konferenzen kamen die Finanzminister allesamt in High-End Kutschen, vermutlich gepanzert. Varoufakis dagegen im silbernen VW-Pampersbomber. Mag sein das es Kalkül war, aber selbst wenn – es hat Geld gespart.

Für mich wird bei dem Gepöbel der Journaille hierzulande eigentlich immer klarer worum es geht – eine linke Regierung, legitim gewählt, darf es nicht geben im Europa der mitte-konservativ-rechten Regierungen. Das muss mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden weil es ja eine Gefahr an sich darstellt. Ein Paradigmenbruch, ein Weg, neben Muttis Alternativlosigkeit, den man auch mal gehen könnte.


Krischan
7.7.2015 11:23
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@Gedöns
Ich verstehe Deinen Kommentar leider nicht.

>> Wo ist das Problem? Im Jahre 2040 wird die Hälfte der
>> Menschheit unter 25 Jahren in Afrika leben

Prognosen 25 Jahre in die Zukunft? Sorry, zu unsicher, um da irgendwas drauf basieren zu können.

>> da wird es ganz sicher einige 100 Millionen Wanderungswillige geben,
>> um es mal ganz vernünftig zu sagen. Griechenland hat dagegen poplige
>> 10 Millionen Einwohner

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

>> wo ist bei Griechenland jetzt das Problem?

Das Problem ist, daß das Problem nicht gelöst, sondern nur verschoben wird. Dabei werden die Kosten immer größer. Kosten nicht nur in finanzieller Hinsicht. Sondern auch in Bezug auf die zunehmende Spaltung Europas, Förderung radikaler Kräfte, Verelendung einer ganzen Generation.

Wenn man die Krise weiter so vor sich hin schiebt, werden die Kosten noch größer sein. In finanzieller Hinsicht stehen die ELA (vulgo “Notkredite”) der EZB im Feuer, etwa €90Mrd + die ganzen Hilfspakete, von den auf Deutschland etwa €70Mrd entfallen. Letztere wären dann echte Kosten für den Steuerzahler. Wenn Griechenland einseitig einen Ausfall hinlegt, könnte das auch für den deutschen Steuerzahler interessant werden, kommt etwa auf €9,000 pro deutschem Staatsbürger. Aber auch aus nicht-finanzieller Sicht dürften die Kosten immens sein, vor allem geopolitisch.

Kurz gesagt, die Griechen haben die Europäer am Sack. Varoufakis weiß das, Tsipras weiß das. Auch Schäuble und Merkel wissen das. Nur während erste auch ihr eigenes Volk davon überzeugt haben (ein Mitgrund für das Votum am Wochenende) steht das in Deutschland noch aus. Und deshalb wird es auch neue Verhandlungen geben.


NonKon
7.7.2015 11:26
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Feigling!


Bildreporter
7.7.2015 15:44
Kommentarlink

Also Hadmut, wir kennen und mögen ja deine direkte und unverblümte Art, die oft als neunmalklug und überheblich herüberkommt. Mindestens ein Video mit dieser Art durften wir bei einer Veranstaltung ja schon sehen.

Damit wärst Du als Finanzminister eines Pleitestaates gefundenes Fressen für Bildzeitung & Co. Die Überschriften will ich mir gar nicht vorstellen.

Für Kurzweil wäre aber gesorgt…


Gedöns
7.7.2015 18:42
Kommentarlink

@Krischan
„Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“//
Natürlich überhaupt nichts …
„Wenn Griechenland einseitig einen Ausfall hinlegt, könnte das auch für den deutschen Steuerzahler interessant werden, kommt etwa auf €9,000 pro deutschem Staatsbürger.“//
Diese 9000€ kommen nicht auf den deutschen Staatsbürger zu, weil es dann eine Währungsreform gibt und danach auch keine Gläubiger mehr.
Ansonsten: ist doch alles nichts neues:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_M%C3%BCnzunion


Manfred P.
7.7.2015 19:04
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Eigentlich vollkommen irre, diese Griechen… einen Ökonomie-Professor zum Wirtschaftsminister zu machen.

Wo kommen wir denn da hin, wenn Minister fachlich Ahnung haben von ihrem Ressort???

Hatten wir das nicht auch mal? Ludwig Erhardt, Bundeswirtschaftsminister… war der nicht auch Ökonomieprofessor?

Mit dem sind wir auch richtig schlecht gefahren damals.


Hannes
7.7.2015 21:31
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@Dirk

Du hast Recht, ich muss mich wohl bei den anständigen Sozialwissenschaftlern entschuldigen. Die solls ja noch geben.


Krischan
7.7.2015 21:40
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@Gedöns
Warum sollte es in Deutschland nach einem Zahlungsausfall Griechenlands eine Währungsunion geben? Und warum sollte es danach keine Gläubiger mehr geben? Das ergibt alles überhaupt keinen Sinn was Du sagst.


Gedöns
8.7.2015 8:49
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@Krischan
Nicht „Währungsunion“, sondern Währungsreform. 9000€ Staatsverschuldung pro deutschem Bürger wären dann wohl ca. 700 Milliarden zusätzliche Staatsverschuldung bzw. schlagartig über 100% BIP und das sieht ja dann schon genauso wie hier aus:
http://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2015/06/SLE_BIP-und-Staatsverschuldung-GR-1998-2014_IWF-Daten.png
Aber auch sonst sollte man den Kindern vielleicht beim neu geplanten Fach „Alltagswissen“ lehren, daß der Besitzer der Geldscheine im Portemonnaie immer eine Zentralbank ist und wenn der Staat jammert, daß er kaum noch die Zinsen zahlen kann (bzw. kaum noch Kredite zu diesem Zweck bekommt), hat diese dann ein Einsehen und erklärt das ihr gehörende Geld (und somit auch sämtliche Schulden) einfach für wertlos – quasi der totale Schuldenschnitt und der heißt eben „Währungsreform“. Ist immer lustig zu hören, wie die Gläubiger „ihr“ Geld wieder haben wollen …
Tja, und danach muß man dann schauen, wer bei einem neuen € überhaupt mitmachen will/ darf …


Dirk S
8.7.2015 10:53
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@ Andy

[…] nein jemanden der vom politishcen Geschäft im Prinzip unverdorben war und Ahnung hatte.

Also, die politische Unverdorbenheit kannst du laut Wikipedia knicken.

Zitat Wiki (https://de.wikipedia.org/wiki/Yanis_Varoufakis) von heute:

Kontakte zur Familie Papandreou

Zugang zur politischen Elite Griechenlands bekam Varoufakis im Alter von 17 Jahren. Bei der Parlamentswahl 1977 wurde mit Petros Moralis ein ehemaliger Mentor von Varoufakis ins griechische Parlament gewählt. Moralis war seinerzeit enger Vertrauter des Parteivorsitzenden der sozialdemokratischen PASOK, des späteren Ministerpräsidenten Andreas Papandreou. Um seinen Förderer an dessen neuer Wirkungsstätte zu erleben, suchte Varoufakis Moralis im Parlament auf. Dabei lernte er auch Papandreou persönlich kennen. Bereits 1975 trat Varoufakis’ Mutter der Griechischen Frauen-Union bei, deren Vorsitz Papandreous Frau Margarita führte. Papandreou, promovierter Ökonom an der Harvard University, stellte Varoufakis für seine anstehende Bewerbung ein Empfehlungsschreiben aus. Im Jahr 2000 kehrte Varoufakis nach 23-jährigem Auslandsaufenthalt nach Griechenland zurück.

Als Anfang 2004 Giorgos Andrea Papandreou, der Sohn des 1996 verstorbenen Andreas Papandreou, den Vorsitz der PASOK übernahm, offerierte dieser Varoufakis eine Tätigkeit als Wirtschaftsberater der Partei. Im Dezember 2006 distanzierte sich Varoufakis jedoch von Papandreou, weil er die wirtschaftspolitische Haltung der PASOK nicht mitverantworten wolle. Ab 2007 befasste sich Varoufakis neben seinen Tätigkeiten an der Universität Athen primär mit der globalen Finanzkrise, die zum Auslöser der griechischen Staatsschuldenkrise wurde.

Wirkt plötzlich alles doch ein wenig anders, nicht wahr?

Unverdorbene Grüße,

Euer Dirk


Maesi
8.7.2015 11:20
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@Andy

>> Ich verstehe nicht warum so viele Leute meinen Varoufakis verteidigen zu müssen.

>Der Grund für mich ist das der Mann für eine Idee, ein Konzept steht das durchaus Schule machen sollte.

Das finde ich hochinteressant. Welches Konzept hat denn dieser Mann (und natürlich auch die Regierung, der er angehört) überhaupt? Bitte erleuchte mich.

Bis jetzt hat die griechische Regierung meiner Meinung nach nur ein Konzept: Schmarotzen auf Kosten anderer, und dieses Parasitentum soll auch in Zukunft mit neuen Krediten fortgesetzt werden.

In einem Punkt hat die griechische Regierung hingegen Recht: der griechische Staat ist pleite. Deshalb sollte man dem griechischen Staat keine neuen Kredite mehr geben, dann löst sich das Problem der Verschuldungsspirale von selbst.

Und jenen edelmütigen Europäern, die den griechischen Staat unbedingt vor dem Bankrott retten wollen, empfehle ich, ihr eigenes Privatvermögen dafür einzusetzen anstatt Steuergelder.

Den Linken erkennt man übrigens zuverlässig daran, dass er das Geld anderer für die Verwirklichung seiner idealistischen Träumereien einsetzt aber nicht das eigene. Im Gegenteil! Meist profitiert der Linke noch davon, denn von den Steuergeldern wird häufig auch er selbst alimentiert.


dustbunny
8.7.2015 20:50
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@Manfred P.

Hatten wir das nicht auch mal? Ludwig Erhardt, Bundeswirtschaftsminister… war der nicht auch Ökonomieprofessor?

Beinahe: Betriebswirt und … Soziologe.
*BA-DUMM-TSSS*

Mit dem sind wir auch richtig schlecht gefahren damals.

Wer weiß, wie weit ihr ausschließlich mit seinen Ideen gekommen wärt. Glücklicherweise hatte er als Unterstützung für »seine« wirtschaftspolitischen Erfolge damals den Marshall-Plan in der Hinterhand. Obwohl er diese Art Wirtschaftssteuerung ablehnte, hat er die Hilfen doch angenommen. Dagegen hat das, was Schwarze Null und Konsorten derzeit für Griechenland bereithalten, aber eher den Glanz von Morgenthau.


Dirk S
9.7.2015 10:25
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@ Maesi, @Andy

Liest euch mal diesen Text (http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/schuldenkrise-in-griechenland-chronik-des-desasters-13686169.html) durch, der beleuchtet die ganze Griechenlandkrise vom historisch-gesellschaftlichen Standpunkt aus und gibt einem ganz andere Einblicke in das Problem. Und es wird einem plötzlich auch das Verhalten der Herren Tsipras und Varoufakis klar, also was die wirklich an- und umtreibt und warum wir die nicht so richtig verstehen. Wir denken eben zu sehr in den uns vertrauten Kathegorien. Wir alle! Und das passt da eben nicht.

Informative Grüße,

Euer Dirk


Schwärmgeist
10.7.2015 6:48
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@dustbunny

> Dagegen hat das, was Schwarze Null und Konsorten derzeit für Griechenland bereithalten, aber eher den Glanz von Morgenthau. Hier das Interview: http://www.deutschlandfunk.de/griechenland-krise-geld-kann-ein-land-nicht.694.de.html?dram:article_id=323320 .

Wirklich. Nach der Rechnung von Herrn Sinn ist Griechenland bereits in den Genzß von 35 Marschallplänen gekommen. Der 36. wird es dann auch nicht mehr reißen. Überhaupt redet doch niemand ernsthaft davon, daß Griechenland Schulden zurückuahlt – da wird so lange an den Zinsen und Laufzeiten gedreht, bis am Ende ein Schuldenschnitt steht, der nur nicht so heißen muß.

Wie aber soll es gestoppt werden, daß Griechenland auf immer weitere Schulden angewiesen ist? Jetzt sollen schon wieder 53 Mrd. dazukommen, dabei hatte doch Varoufakis neulich noch getönt, das stolze Land brauche keine weiteren Kredite mehr. Und nun das: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-bittet-um-53-5-milliarden-euro-a-1042961.html .