Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Evakuierungsalarm! – Warum eigentlich nicht?

Hadmut
15.5.2015 19:12

Ich hab nochmal über die Evakulierung bei Heidi Klum nachgedacht. Und einige Kritik. Was man tun müsste.

Man findet inzwischen einige Zeitungsartikel mit mehr oder weniger heftiger Kritik am Ablauf der Evakuierung. Man habe die Leute nicht informiert. Oder erst die VIPs. Man habe den Leuten etwas erzählt von technischen Probleme, derentwegen die Sendung nicht fortgesetzt werden könnte. Unprofessionell, ungeplant, blablabla. Außerdem seien sich die Leute verarscht vorgekommen, weil man bei der heutigen Nachrichtenlage und im Zeitalter von Twitter ohnehin nichts mehr geheimhalten kann.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto unsinniger kommt mir das vor.

Wir üben doch schließlich bei Schiffsreisen, wie man die Rettungsboote erreicht. Und bei jedem Flug erzählen sie einem von neuem, wo die Notausgänge sind, hier die Masken, da die Schwimmweste, im Notfall ducken, und so weiter. Den Leuchtstreifen auf dem Boden folgen.

Warum schaffen wir das in einem Flugzeug mit ein paar hundert oder auch nur ein paar zig Leuten, aber nicht in einer Halle mit ein paar Tausend?

Es wäre doch mal sinnvoll, ein einheitliches Signal für Evakuierung vorzugeben und gesetzlich vorzuschreiben. Licht und Ton. Wir schaffen es ja auch, einheitliche Fluchtwegschilder aufzuhängen. In den USA gibt es in Hotels usw. halbwegs einheitliche Signale, auch mit Blitzlampen für Gehörlose.

Wäre doch mal was:

  • Ein festgelegtes einheitliches Symbol, ein Leuchtsignal, ein Tonsignal, Fluchtwegmarkierungen auf dem Boden (Selbstleuchtend oder sowas), damit jeder immer sofort weiß, was es bedeutet und was zu tun ist. Regelmäßig üben. Wenn man es in der eigenen Firma oder in der Schule geübt hat, weiß man auch, wie es woanders geht.
  • Vor jeder Veranstaltung muss eine Einweisung der Gäste erfolgen. Wenn’s im Flugzeug geht, geht’s auch in der Halle.
  • Das Hallenpersonal muss eingewiesen sein und wissen, was zu tun ist.
  • Die Sammelplätze draußen müssen markiert sein (sowas gibt es auch schon, aber nur in klein und für Firmenangehörige)
  • Im Notfall: Gar nicht mehr diskutieren oder irgendwelche Ausreden suchen. Evakuierungsalarm anschalten und alle raus, ohne irgendeine Erklärung oder Diskussion. Das muss jeder wissen, wenn dieses Signal erscheint oder der Alarmton zu hören ist, heißt das, aufstehen und auf dem kürzesten Weg rausgehen.

Warum haben wir sowas nicht?

25 Kommentare (RSS-Feed)

Der Stadtfuchs
15.5.2015 19:16
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Weil in einer Halle mit 10.000 Leuten vermutlich sofort eine Massenpanik ausbricht, wenn Du die Leute nicht gemütlich peu a peu von hinten wegholst, sondern die Alarmsirene anmachst….


Hadmut
15.5.2015 19:17
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Hat man doch jetzt auch nicht getan. Und die Leute haben sich beschwert, dass sie nicht informiert wurden. Man muss ja nichts über den Grund sagen, und es muss sich ja auch nicht nach Alarmsirene anhören.


Hadmut
15.5.2015 19:21
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Was hätten die eigentlich gemacht, wenn es gebrannt hätte oder tatsächlich eine Bombe, Handgranate oder ähnliches hochgegangen wäre?


Bruno
15.5.2015 19:27
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“Warum haben wir sowas nicht?”

Weil der Fall 1. zu selten ist. Und zweitens, weil genau das dem Fall: Es brennt! entspricht und Bauwerke idR dem Brandschutz und den Fluchtwegsvorschrifen entspechen muß.


Joe
15.5.2015 19:32
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@Hadmut: Wäre dann wahrscheinlich so abgelaufen wie bei der Loveparade?


Max
15.5.2015 19:47
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Zeitungsberichte von den immer achso kritisierten Medien sind natürlich eine absolut seriöse Quelle. In jedem modernen Stadion gibt es ganz klare Ablaufpläne darüber, wie zu evakuieren ist. Und natürlich werden VIPS zuerst evakuiert. Hier wird gezeigt, wie :)https://www.youtube.com/watch?v=H-h_xgdM8FI


derdiebuchstabenzaehlt
15.5.2015 20:08
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@ Hatmut und @ Stadtfuchs -> Zielkonflikt … Bombe und Panik sind nicht ohne.

Wird bald eh keine grösseren Veranstaltungen mehr geben, bei den Bomben all-überall. 🙂


jck5000
15.5.2015 20:32
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Ich sag auch Massenpanik. Und das mit den Flugzeugen ist doch nur Show. Entweder isses nicht so schlimm, dann haste Zeit, oder es ist wirklich was schlimmes passiert – dann läuft man _auf_ den Sitzlehnen, die Gänge sind eh dicht mit rausgefallenem Zeug, Leichen und panischen Deppen. Wird jedenfalls Stewardessen so beigebracht. D.h., Erklärung hilft nix gegen Massenpanik.

Bei Booten ist das anders, da ist “Ruhe bewahren” eine gute Strategie.


jck5000
15.5.2015 20:34
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Kleine Anekdote hierzu: Ich war mal bei Shell in Den Haag. Shell hat statistisch sehr viele tödliche Arbeitsunfälle wegen Feuern am Arbeitsplatz (ratet, warum). Was Shell dagegen tut? Jedem Besucher einen dreiminütigen Vortrag über Feuergefahren, einen Merkzettel und die gekennzeichneten Fluchtwege erklären.

Natürlich in der Firmenzentrale.


Masochist
16.5.2015 1:43
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Alarm, beschilderte Fluchtwege, Notbeleuchtung etc. sind für Brandfälle doch selbstverständlich. Im Fall einer Bombendrohung wird davon kein Gebrauch gemacht, weil solche generellen Handlungsanweisungen und Muster für Anschläge ausgenutzt würden. Es ist einfacher, eine Bombe im Umfeld einer Massenveranstaltung, etwa auf dem Parkplatz, zu deponieren als im Zentrum. Die Leute sind dort am sichersten, wo sie sich gerade befinden, bis Fluchtwege und Sammelstellen inspiziert sind.


Stefan W.
16.5.2015 6:01
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Ich halte die Idee es paarmal zu trainieren und einheitlich zu gestalten für gut.

Wenn niemand weiß was der Grund für die Evakuierung ist, und der Großteil trainiert ist von kleineren Einheiten, wie Schulen, wo tottrampeln in Panik bei der Übung nicht so wahrscheinlich ist, dann ist vielleicht auch eine Massenpanik vermeidbar.

Eine Kontraindikation wäre nur, wenn der ausgewiesene Fluchtweg ausgerechnet in das Zentrum des Feuers führt.


Jan Lul
16.5.2015 10:24
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“Ein festgelegtes einheitliches Symbol”
“Gar nicht mehr diskutieren oder irgendwelche Ausreden suchen.”

Also ein antrainierter Reflex für Terrorpanik, den man vor Wahlen gezielt ein paar Mal abrufen kann? So wie auch die broadcast messages in Mobilfunknetzen regelmäßig zum Angst machen vor Wahlen benutzt werden?

Was wir brauchen ist ein Training um Angst zu unterdrücken, insbesondere bei größeren Menschenansammlungen.


Jan Lul
16.5.2015 10:29
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Noch etwas: Uns hat man als Kindern beigebracht, dass man nicht ohne Not um Hilfe schreien darf.

Wenn sich der Alarm als Luftnummer herausstellt um die Quote zu heben (was ich sehr stark vermute!), dann gehören die Verantwortlichen und die ausführenden ermittelt und öffentlich gefistet bis zum Ellbogen.
Die Körperöffnung dürfen sie sich aussuchen, benutzt wird dann eine andere.


yasar
16.5.2015 11:36
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> Flugwegmarkierungen auf dem Boden

Bis in welche Höhe sichtbar?

🙂


Erna
16.5.2015 13:07
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>Die Leute sagen nicht: »He, ich kann gar keinen Rauch riechen, brennt es hier wirklich?« Nein, die sagen: »Ach du Scheiße, ein Feuer! NICHTS WIE WEG!«
Und die Chance, dass jemand ausflippt, steigt, je mehr Menschen aufeinanderhocken. Und jeder, der ausflippt, erhöht den Stresspegel, steckt weitere an.
Ein “Evakuierungsalarm” ist bei großen Menschenmassen so ziemlich das dümmste, was man machen kann. Da sind sich alle Experten einig.


Hadmut
16.5.2015 13:20
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> Ein “Evakuierungsalarm” ist bei großen Menschenmassen so ziemlich das dümmste, was man machen kann. Da sind sich alle Experten einig.

Ach, und deshalb übt man ihn auf Schiffen und in Flugzeugen?

Vielleicht liegt das Problem eher darin, dass wir Gebäude so bauen, dass das da nicht funktioniert.


Knut
16.5.2015 14:29
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Wenn man die VIPs mit den FANs rausführt, gibt es haufenweise Leute, die vergessen was los ist und Schnappatmung, Selfiedrang oder aktutes Autogrammfieber haben. Die Leute sind in der Veranstaltung, weil sie das interessiert. Da kann man nicht davon ausgehen, dass die beim Anblick von Modepromis gefasst den Saal verlassen.


TOPCTEH
16.5.2015 17:52
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Bei mir inne Firma machen wir regelmäßig Räumungsübungen, da sind dann u.U. bei den großen Gebäuden auch tausende Leute dabei, die raus müssen. Wir haben gerade nebenan eine große Baustelle und so haben wir daher mehrere Szenarien: Ein Teil des Gebäudes stürzt in die Baugrube (siehe Köln), ein Bagger knabbert tragende Teile unseres Gebäudes an oder auf der Baustelle geht die WK2-Bombe hoch. Außerdem habe ich gelernt, dass wir auch ein Szenario “Fluggerätabsturz” haben, da wir in der Einflugschneise der Rettungshubschrauber zu einem großen Klinikum liegen. Egal was ist, es heißt immer: “alle raus, und zwar so schnell wie möglich!” Warum dies bei einer großen Veranstaltungshalle nicht auch so sein sollte, kann ich daher irgendwie nicht nachvollziehen. Da haben doch die Feuerwehr und das Amt für $wasauchimmer ein Wörtchen mitzureden.


Heinz
16.5.2015 22:05
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> Eine Kontraindikation wäre nur, wenn der ausgewiesene Fluchtweg ausgerechnet in das Zentrum des Feuers führt.

Deshalb gibt es auch immer mehrere Fluchtwege, durch verschiedene Brandbereiche.


Heinz
16.5.2015 22:15
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> da wir in der Einflugschneise der Rettungshubschrauber

Ja und?
Wegen sowas muss man nicht evakuieren ob ein Rettungshubschrauber oder ein Sportflugzeug interessiert das Gebäude doch nicht, nur das eine Büro, in das der Heli fliegt.


dentix07
16.5.2015 23:42
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“Wir üben doch schließlich bei Schiffsreisen, wie man die Rettungsboote erreicht. Und bei jedem Flug erzählen sie einem von neuem, wo die Notausgänge sind, hier die Masken, da die Schwimmweste, im Notfall ducken, und so weiter. Den Leuchtstreifen auf dem Boden folgen.”
Das es geübt wird und bei jedem Flug neu erzählt wird, heißt ja nicht, daß es – im Ernstfall – auch funktioniert.
Wäre sicher mal interessant zu untersuchen, wie sich die Menschen auf Schiffen, in Flugzeugen, in Bussen und Bahnen, in Gebäuden, in U-Bahnen etc. bei einem echten Notfall verhalten haben, denn Notfall- und Evakuierungspläne sind inzwischen überall vorhanden. (Wie hat z.B. die Evakuierung des Flugzeugs auf dem Hudson geklappt? Ist das problemlos abgegangen? Wie war das auf der Titanic? )
Ich vermeine mich dumpf an einen Vorfall vor einigen Jahren in einer Discothek zu erinnern, wo, obwohl es obige Pläne gab, die Besucher – meine es war ein Feuer – in Panik gerieten und es gerade dadurch zu Toten kam. Und da war doch auch mal was Ähnliches mit einem Fußballstadion.
Im Falle DSDS wäre es optimal gewesen den Besuchern zu erklären: “Auf Anweisung z.B. der Feuerwehr müssen wir jetzt eine Notfallübung machen! – Bitte soundso aufstellen und das Studio zügig zu den Sammelpunkten draußen verlassen!”
Solange die Besucher es für eine Übung halten, wären sie zwar verärgert, aber solche überraschenden Übungen kennen die Meisten (gabs sogar schon vor fast 40 Jahren an meiner Schule) und folgen den Anweisungen, kriegen sie mit daß es ein Ernstfall ist, geraten sie in Panik! Und dann gibt’s mit Sicherheit Tote!
Die Pläne, die Leuchtstreifen etc. sind hilfreich solange keine Panik ausbricht, bzw. wo Menschen im Ernstfall mehr als Einzelne (z.B. Hotel, Bürogebäude) mit der Situation konfrontiert werden.


dentix07
17.5.2015 13:59
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Äh, meinte natürlich GNTM!


yasar
18.5.2015 12:01
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Kurze Info, die in der heutigen RNZ stand:

Die Anruferin hat eine Druchwahl benutzt, die nicht öffentlich bekannt ist bzw. nach außen kommuniziert wurde. Damit dürfte der personenkreis deutlich eingrenzbar sein, der es gewesen sein könnte.

Sieht also nach Insider- oder Racheraktion aus.


Manfred P.
18.5.2015 23:32
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Das Problem skaliert vermutlich nicht.

Was bei 10 oder vielleicht noch 100 Leuten gut funktioniert, muss nicht mit 1000 Leuten funktionieren.

Wenn aufgrund eines Alarmsignals 1000 Leute gleichzeitig durch 5 Eingänge wollen, gibt’s ein ziemliches Gequetsche und niemand kommt raus.

Die Idee standardisierter Alarme ist an sich gar nicht schlecht. Allerdings sind Flugzeuge vom geometrischen Aufbau her ziemlich ähnlich, Gebäude nicht.


mî†õm²
19.5.2015 2:46
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kontraproduktive herangehensweise. seit Charlie Hebdo war das der dritte vorfall einer terrordrohungsbedingten absage / räumung. frei nach dem Münchener Olympischen motto von 1972, “the show must go on”, muss man bei derartigen drohungen weitermachen, ohne das auch nur öffentlich bekannt zu geben. wenn jemand einen terroranschlag machen will, dann gelingt der in der regel auch. vereitelt kann er nur dann werden, wenn man andere menschen (digital [und damit überwacht]) miteinbezieht. wer allerdings freiheit opfert, um vermeintliche sicherheit zu haben, verliert am ende beides. wenn bei einem ereignis menschen sterben, weil sie ein terrorist gesprengt hat, dann müssen wir mit dem risiko leben. immerhin besser, als alles mögliche abzusagen. wenn noch ein paar solcher terrordrohungsbedingten absagen / räumungen kommen, dann muss man direkt hoffen, dass eine davon das Oktoberfest trifft, damit die CSU endlich was dagegen macht. vom widerstand der CSU gegen die CDU abhängig sein – wer kann sowas wollen?

CU TOM