Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Kaputte Gesellschaft

Hadmut
1.5.2015 13:27

Zwei Artikel in der Gender-Postille die ZEIT:

Ein Artikel beschreibt den Aufstieg der Frauen in den USA. Der andere Artikel den Abstieg der Männer. (Gleiche Autorin)

Naja, könnte man nun sagen, was soll’s. Ab und zu ändert sich eben mal was, und das Ergebnis bleibt gleich, es verteilt sich nur etwas um.

Irrtum.

Denn die Frauen besetzen nicht die Berufe, die Männern verloren gehen, sondern andere. Männer verlieren industriell-produktive Berufe, wie etwa am Bau oder in der Fabrik, während Frauen in gesellschaftsbegleitende Dienstleistungs- und Schwafelberufe wie eben Jura, Pflegeberufe, Medienberater und sowas gehen.

Auch wenn Feministinnen das nicht gerne hören (oder vielleicht gerade deswegen): Der Frauenboom folgt dem uralten Schema der Marketenderin. Die Männer sind die Armee und die Frauen ziehen als Verkaufs- und Versorgungstrupp hinterher. Vielleicht würde man heute Cheerleader sagen: Die Männer machen das Spiel und die Frauen tanzen mit.

Marketender und Cheerleader sind ehrenwerte Berufe und Cheerleader ist körperliche Höchstarbeit. Aber es sind keine selbständigen Berufe, die ohne die anderen auskommen. Es sind Berufe, die das Männergeschäft begleiten. Und diesem Schema folgen immer noch die meisten Frauen, indem sie Berufe auswählen, die entweder nur als Begleitung einer funktionierenden Gesellschaft oder als deren Luxuserscheinung dienen, aber nicht die Gesellschaft und Infrastruktur im Kern aufbauen und halten.

Dazu gehört etwa die Baubranche. Oder überhaupt Handwerksberufe, viele Arbeiterberufe.

Zwar hat das massiv abgenommen. Wir erlebten im 18. und 19. Jahrhundert die industrielle Revolution, als Muskelkraft durch Dampfmaschinen ersetzt wurden.

Eine ähnliche Revolution erleben wir gerade wieder, nämlich durch enorme Fortschritte im Know-How der Maschinentechnik und die Digitalisierung, die die Automatisierung hervorgebracht haben. Vieles, was früher mit Arbeitskraft hergestellt wurde, erfordert heute nur noch Aufsichtspersonal (dafür aber ein Rudel Juristen und Patentanwälte).

Wo früher viele Leute in der Landwirtschaft arbeiteten, fährt heute einer alleine im computergesteuerten GPS-gelenkten Super-Traktor oder Riesen-Mähdrescher herum und sitzt im bequemen klimatisierten Sessel mit Unterhaltungsvideo.

Wir haben da momentan so eine iPhone-Sichtweise: Eigentlich braucht man nichts mehr außer einem Tablet-Computer und vielen Apps, damit geht nun alles.

Der Anteil körperlicher Arbeit ist dadurch deutlich zurückgegangen.

Aber er ist nicht vernachlässigbar.

Wer mal durch die USA gereist ist, der sieht, dass deren Infrastruktur unglaublich marode ist. Man wundert sich, dass das Land überhaupt noch funktioniert. Ich las neulich von Ortschaften, die ihre Verbindungsstraßen abgerissen und durch Schotterpisten ersetzt haben, weil sie sich den Wartungsaufwand für Asphaltstraßen nicht mehr leisten können (ich wusste bis dahin gar nicht, dass Schotterpisten im Unterhalt soviel billiger sind, ich dachte, die muss man ständig nachschaufeln).

Dummerweise kann man aber seinen Strom nicht per App beziehen und auch nicht sein Wasser. Und ein Tablet ist kein Dach über dem Kopf. Die Infrastruktur in den USA verfällt und sogar deren Häuser sind meist einfache Holzhütten, die nur aufgrund ihrer Plastikverkleidung aussehen, als wären sie aus Stein. Man wohnt darin zwar nicht schlecht, aber eben auch nicht lange – die Dinger brauchen Pflege und Reparatur.

Die USA laufen da gerade in eine Katastrophe. Momentan leben sie noch von der – inzwischen schon sehr geringen – Infrastruktursubstanz. Das geht noch ein paar Jahre gut so, solange die Infrastruktur das noch trägt, sich den „leichten” Berufen hinzugeben, den Bestand abzuwohnen und einfach von der rotierenden Geldmenge zu leben.

Aber irgendwann platzt das.

Und dann haben die ein Problem.

Und zwar eines, in das man zwar schnell, einfach und bequem hinein-, aus dem man aber nur sehr mühsam und langwierig wieder herauskommt. Wenn nämlich einer zusammenbrechenden Infrastruktur nur noch zwei Bevölkerungsgruppen gegenüberstehen: Arbeitsunfähige Männer, alt und krank oder jung, heruntergekommen und ohne Ausbildung auf der einen Seite, und Rechtsanwältinnen, Medienberaterinnen und CEOinnen auf der anderen Seite, noch ein paar Krankenschwestern, Literaturwissenschaftlerinnen und Friseusen. Dann fehlt noch ein Dürre wie die in Kalifornien, ein Erdbeben, größerer Waldbrand oder sowas, oder vielleicht ein geplatzter Tank mit Nuklearabfällen, die ins Grundwasser laufen, und dann war’s das.

Ich habe mal auf einer Konferenz über IT-Sicherheit einen Vortrag über Infrastrukturen im Krieg gehört. Hochinteressant. Man verglich die USA mit China.

In den USA war nur ein ganz winziger Teil der Bevölkerung (Zahl hab ich vergessen, irgendwas im untersten einstellen Prozentbereich) noch mit der Herstellung von Lebensmitteln beschäftigt, während ganz viele irgendwelche Büro-Jobs haben und ernährt werden müssten, was in Herstellung und Transport ganz schrecklich viel Energie und Technik benötigt. Die Schlussfolgerung war, dass die USA einen Krieg auf eigenem Territorium nicht lange aushalten würden, weil schon kleine Störungen der Energieversorgung oder ein Wegfall der Agrararbeiter dazu führt, dass die einfach verhungern. Und das, obwohl das Land riesige landwirtschaftliche Flächen hat. Es wäre verblüffend leicht, die USA militärisch niederzumachen, wenn man sie auf eigenem Territorium angreift.

Demgebenüber sei in China ein großer Teil der Bevölkerung noch in primitiven ländlichen Gegenden, in der die sich selbst versorgen müssen und das auch ständig tun. Sofern man China nicht flächendeckend radioaktiv verseucht (was niemand machen sollte, weil das dann auf der Erde überhaupt niemand mehr überlebt), kann man China nicht zum Verhungern bringen. Die Großstädte zwar, aber China hat genug Reservebevölkerung, die sich selbst ernährt und dabei auch komplett ohne Strom, Wasser, Infrastruktur auskommen kann.

Ein Angriffskrieg auf China könne deshalb zwar enormen Schaden, aber nie existenzbedrohenden Schaden anrichten. Die USA währen hingegen leicht zu vernichten, indem man die Energie- und Nahrungsmittelversorgung angreift.

Und mir scheint es so, als würden die das gerade selbst machen.


43 Kommentare (RSS-Feed)

Peter
1.5.2015 13:56
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Das erinnert mich irgendwie an Douglas Adams’ berühmte Arche-B.


Hadmut
1.5.2015 14:00
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Komisch, ich hab beim Schreiben auch an die Telefonhörerdesinfizierer denken müssen…


Emil
1.5.2015 14:15
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> … weil schon kleine Störungen der Energieversorgung oder ein Wegfall der
> Agrararbeiter dazu führt, dass die einfach verhungern.

Ein weiterer Punkt: in den USA bekommen fast 20% der Bevölkerung (rund 50 Millionen Leute) staatliche Lebensmittelhilfen (SNAP). Für die sind Lebensmittel etwas, das es im Supermarkt automatisch gibt, wenn man eine von der Sozialbehörde ausgestellte Magnetkarte (EBT card) vorlegt.

Letztes Jahr konnte man mehrfach beobachten was passiert, wenn das EBT-System wegen Computerausfall oder Software-Fehlern kurzfristig nicht funktioniert. Es kam zu Hamsterkäufen, weil die Karten plötzlich kein Limit mehr aufwiesen, und auch zu Plünderungen. Sollte das System mal längere Zeit komplett ausfallen, wird es dort Mord und Totschlag geben.


Horsti
1.5.2015 14:32
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Im Grunde sind die meisten Frauenberufe von Männern quersubventioniert, denn sie verfügen oft, im Gegensatz zu den typischen Männerberufen, über keinen meßbaren Beitrag zur Wertschöpfung.
Auch bei der Frauenquote ist so: Die Männer gründen die Unternehmen, die Frauen verlangen ihren Anteil in den Führungspositionen nachdem der Mann unter Eingehen von Risiken das Unternehmen ans Laufen gebracht hat. Das ist nichts anderes als das Hausfrauenprinzip der 50er-Jahre, nur “modern” getarnt.


bluecow
1.5.2015 14:54
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sollte uns hier auch mal der Treibstoff ausgehen sieht die welt auch wieder anders aus.
wenn die gesellschaft dann wieder von manpower abhängig ist haben hoffentlich alle noch in erinnerung wie wir von den feministinnen behandelt wurden.


Aranxo
1.5.2015 15:20
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Wundert Euch das? Ist doch auch genauso wie in der Arche-B.
Wie ist denn die USA zustande gekommen? Da sind alle die hingezogen, die man woanders nicht haben wollte oder die da Zuhause keinen Fuß auf den Boden bekommen haben. Strafkolonie, Mayflower usw. Eigentlich müsste man sich eher wundern, wie die es überhaupt zur Weltmacht gebracht haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass man anderswo auch gerne die hochintelligenten, aber unbequemen verscheucht.


splitcells
1.5.2015 15:41
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Ich sehe es schon kommen, wenn es dann tatsächlich passiert:
“Wie konnte es passieren?”
“Das konnten wir nicht wissen!”
“Der da ist schuld!” bzw. Gender korrekt
“Die da ist schuld!”

Es wird Zeit für mehr Konkurrenz aus China.


Stefan Müller
1.5.2015 15:54
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Danke! Ich danke Hadmut D., dem aufrechten Arbeiter, dass er mit der Kraft seiner Oberarme unsere Infrastruktur instand hält. Möge die Vorsehung es verhindern, das er jemals auf eine schwafelnde Pflegekraft angewiesen ist, die sich um die Sauberkeit seiner Körperöffnungen sorgt.

Ach ja, die Quellen, die man verlinkt, darf man ruhig zu Ende lesen. Der Grund, warum Männer gegenüber Frauen in den USA zurückfallen, ist laut dem Artikel, die mangelhafte Vorbildfunktion der Väter und mangelhafte Schulleistungen schon in der Grundschule. Im Klartext: Männer sind zu faul und zu dumm für die Gegenwart.


Hadmut
1.5.2015 16:32
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> Danke! Ich danke Hadmut D., dem aufrechten Arbeiter, dass er mit der Kraft seiner Oberarme unsere Infrastruktur instand hält.

Gern geschehen. 🙂

Nach inzwischen 17 Jahren Aufbauarbeit an unserer Infrastruktur ist es wunderbar, dafür auch mal ein kleines Danke zu erhalten.


aga80
1.5.2015 16:29
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Komisch warum musste ich nur bei dem Kriegsvergleich an das Büch Darknet von Suarez denken, bei dem Bevölkerungsgruppen, die sich auf Selbstversorgung umgestellt haben und sich gegen die Knechtschaft mit Gen veränderten Feldfrüchten ausgesprochen haben, erst Juristisch und dann Paramilitärisch bekämpft wurden … (auf US-Territorium) .

Der Adams vergleich mit der Golgafrincham Arche-B Passt hier leider auch hervorragend.


jck5000
1.5.2015 16:30
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Ich finde, Deine Beispiele hinken. “Cheerleader” ist kein Beruf (also, finde ich jetzt…), und die Marketenderin… naja, ich musste das zwar googlen, aber die en:wiki sagt jetzt nicht, dass das ein Frauenberuf war. Ich glaube auch nicht, dass es eine prickelnde Idee ist, so als Frau mit vielen Wertgegenständen einer Horde mordlustiger Söldner zu begegnen. Die Stadt Salzburg:

http://www.salzburg.com/wiki/index.php/Marketenderin

liest sich da schon anders als die Wikipedia, die so tut, als wäre das ein Frauenberuf gewesen. Ich behaupte mal, die Kaufleute, die die Truppen versorgten, kamen halt irgendwann auf die Idee, dass Nutten auch ein vermarktbares Produkt sind. Und schon wieder haben wir ein neues Wort für Prostitutierte gelernt.

Prostituierte ist natürlich ein Beruf, sogar ein typischer Frauenberuf.

Und ich finde auch, dass “die Soldaten machen die Arbeit, die Marketender hängen sich nur dran” eine sehr seltsame Auffassung ist. Kaufleute sind ein notwendiger Beruf, da sie einen Markt bieten und Angebot und Nachfrage zusammenbringen, was bei einem ausreichend breiten Angebot für alle beteiligten sinnvoll ist. Rechtsanwälte hingegen sind verzichtbar, wenn Gesetze einfach und Richter kompetent wären. Soldaten sind auch schwer verzichtbar – die könnten als Polizei doppeln – taten sie in einfacheren Kulturen auch – aber eine Armee ohne Logistik ist nutzlos (sagt schon Sun Tsu), und ein Logistikexperte (hier: der Marketender) erfüllt durchaus einen wichtigen Job.

Aber gut, das war nicht Thema. Zum Thema hab ich aber nichts zu sagen, da stimme ich im Kern zu.


Hadmut
1.5.2015 16:37
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@jck5000: Da bist Du komplett falsch informiert. Und einfach irgendwas zu behaupten, damit die eigene Vorstellung wieder stimmt, ist kein akzeptabler Vortrag.

Kaufleute haben normalerweise ein stehendes Gewerbe oder einen festen Bereich. Sie reisen nicht hinter ihre Kunden her.


Kelvin
1.5.2015 16:46
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Passend dazu:
“Die Anstalt” vom 28. April 2015 – ZDF – komplette Sendung mit Carolin Kebekus
https://www.youtube.com/watch?v=34WwERH07hw


Marcus Junge
1.5.2015 17:45
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“Wenn nämlich einer zusammenbrechenden Infrastruktur nur noch zwei Bevölkerungsgruppen gegenüberstehen:”

Da fehlt die 3. Gruppe, die der “Fachkräfte”, die Schwarzen und Latinos, als Hauptträgergruppe der gemeinen Kriminalität, die die so gern die eignen Städte abfackeln und die Geschäfte der eigenen (schwarzen) Nachbarn plündern, weil die Polizei “böse” war. (Würden Polizisten in den USA immer so wüten wie die Schwarzen, wenn mal wieder ein Polizist von einem Schwarzen ermordet würde, man hätte jeden Tag eine brennende Stadt in den Schlagzeilen). Jedenfalls werden die noch für viel Erheiterung in so einem Szenario sorgen, wie oben dargelegt.

——

Zum Vergleich China – USA

Ähnliche Überlegungen gab es 1950 – 1953 beim Krieg um Korea. MacArthur wollte China nuklear angreifen, Truman machte nicht mit. Man könne in China zwar die Städte vernichten, aber es so nicht besiegen, da es ländliche geprägt sei (und außerdem dann Stalin direkt mitgemischt hätte). In identischer Weise wurde dann bezüglich der UdSSR argumentiert, deren Stadtbevölkerung prozentual viel geringer war, als bei den USA. Vernichtung der Industrie ja, aber ein Sieg sei so nicht möglich. Was sich heute bei Rußland nicht so sehr geändert haben dürfte.

—-

Stefan Müller

Ja klar, die dummen Männer. Das kann man auch genau in der anderen Art erklären. Früher durften Jungen noch Jungen und Mädchen noch Mädchen sein. Heute sollen alle Mädchen sein.
Früher gab es viel mehr männliche Lehrer, ganz früher waren das an den Volksschulen ehemalige Unteroffiziere, die so ihr Auskommen bis zur Pension fanden, wie auch bei der Reichsbahn. Heute sind Lehrer fast nur Frauen, die für Mädchen unterrichten und Jungen benachteiligen, weshalb deren Leistung leidet.

—–

“Im Grunde sind die meisten Frauenberufe von Männern quersubventioniert, denn sie verfügen oft, im Gegensatz zu den typischen Männerberufen, über keinen meßbaren Beitrag zur Wertschöpfung.”

Man kann das auch anders ausdrücken (Ich erinnere mich zwar nicht mehr an die genauen Zahlen, aber so ungefähr stimmt es), die BRD hat so 25 bis 30 Millionen die Einkommenssteuer zahlen. Etwas unter der Hälfte davon ist wertschöpfend beschäftigt, der Rest bei Staat und Dienstleistung tätig. Das sagt ausdrücklich nichts über die Verteilung Mann / Frau dabei aus, aber die Angaben machte der Artikel, den da mal las auch nicht.

—-

Ansonsten finde ich auch das der Vergleich etwas hinkt, aber eine taugliche Zuspitzung darstellt. Viele Bereiche des Dienstleistungsgebietes sind nötig, was nicht nötig ist entstand im Zuge von Gender, Verbürokratisierung, Asozialstaat und Feminismus. Das wären dann (Beispiele, gibt ja viel mehr): “Gleichstellungs”beauftragten, Sozialarbeiter, Integrationslotsen, Genderlehrstühle, der Rest der Asylindustrie und die “beste” Verwaltung aller Zeiten, mit 10x mehr Personal, als das Kaiserreich hatte (ohne Computer, mit Deutschland von der Maas bis an die Memel und Kolonien).


Ivo
1.5.2015 18:09
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Ja, die Infrastruktur der USA ist teilweise recht marode, jedenfalls aus deutscher Sicht.
Aber, nennen Sie mir ein Land vergleichbarer Größe, das eine bessere Infrastruktur hat.


Hadmut
1.5.2015 21:47
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> Aber, nennen Sie mir ein Land vergleichbarer Größe, das eine bessere Infrastruktur hat.

Wozu? Was würde das ändern?

Geht’s den Amerikanern besser, weil es sonst keinem besser geht?


Gerald
1.5.2015 18:15
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@ Helmut

Wäre es Ihnen möglich oder wären Sie so nett das noch etwas auszuführen? Das fand ich eigentlich den Spannendesten Part, der aber irgendwie abgebrochen wirkt:

“Und dann haben die ein Problem.

Und zwar eines, in das man zwar schnell, einfach und bequem hinein-, aus dem man aber nur sehr mühsam und langwierig wieder herauskommt. Wenn nämlich einer zusammenbrechenden Infrastruktur nur noch zwei Bevölkerungsgruppen gegenüberstehen: Arbeitsunfähige Männer, alt und krank oder jung, heruntergekommen und ohne Ausbildung auf der einen Seite, und Rechtsanwältinnen, Medienberaterinnen und CEOinnen auf der anderen Seite, noch ein paar Krankenschwestern, Literaturwissenschaftlerinnen und Friseusen. Dann fehlt noch ein Dürre wie die in Kalifornien, ein Erdbeben, größerer Waldbrand oder sowas, oder vielleicht ein geplatzter Tank mit Nuklearabfällen, die ins Grundwasser laufen, und dann war’s das. ”

Danke schön. 🙂


DrMichi
1.5.2015 18:17
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Dmitry Orlov, Reinventing Collapse. Nuff said.

http://www.amazon.com/Reinventing-Collapse-Experience-American-Prospects/dp/0865716854

The United States is in steep decline. Plagued by runaway debt, a shrinking economy, and environmental catastrophes to rival Chernobyl, the United States has been retracing the trajectory of the Soviet Union in the early 1980s toward national bankruptcy and political dissolution. By comparing a collapse that has run its course to one that is now unfolding, Dmitry Orlov holds a unique lens up to America’s present and future.

As Orlov’s predictions continue to come true, his writing continues to gain mainstream acceptance. This revised and updated edition of Reinventing Collapse examines the circumstances of the demise of the Soviet superpower and offers clear insights into how we might prepare for the events that are unfolding here.

Kompakte Häuser und ne Datscha sind praktischer als Ze Söbörban Laifsteil.


Klaus
1.5.2015 18:37
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Vergleicht man untergegangene Hochkulturen (z.B. Römisches Reich) untereinader stellt man folgendes fest:

– Die Nahrungsmittelversorgung wird ausgelagert
– Im Kernland Brot & Spiele
– Die Armee wird eingedampft und durch Söldner ersetzt
– An der Bildung der eigenen Leute wird gespart
– Handwerk & Co wird ausgelagert (auf die Provinzen).

Es gibt noch ein paar Kriterien, ich finde leider die Quelle nicht mehr.

Beispiele sind:
Römer, moslemische Ägypter vor dem Mameluken Aufstand, Byzantinisches Reich, Maya

cu


Thomas Bliesener
1.5.2015 19:39
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@Stefan Müller:
> die mangelhafte Vorbildfunktion der Väter

Worauf könnte dies zurückzuführen sein?

> und mangelhafte Schulleistungen schon in der Grundschule.

Höchste Zeit für eine Frauenquote in diesem von Männern dominierten Bereich. Wir (bzw. die USA) brauchen mehr Grundschullehrerinnen!


Maxwell
1.5.2015 21:20
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@ Stefan Müller

“Danke! Ich danke Hadmut D., dem aufrechten Arbeiter, dass er mit der Kraft seiner Oberarme unsere Infrastruktur instand hält. Möge die Vorsehung es verhindern, das er jemals auf eine schwafelnde Pflegekraft angewiesen ist, die sich um die Sauberkeit seiner Körperöffnungen sorgt.”

Ich habe beides gemacht und muss sagen: Kein Vergleich. Als Facharbeiter in einem handwerklichen Beruf musste ich richtig hart arbeiten, mit viel Termindruck. Die Aufgaben waren manchmal körperlich extrem hart, nicht selten riskant und durchaus auch geistig anspruchsvoll. Und ja: Ich habe essentielle Infrastruktur erhalten und neu errichtet.

Es ist ein wirklich tolles Gefühl wenn man am Ende eines Tages auf das geschaffene Werk blickt, wenn etwas funktioniert, neu errichtet wurde. Sehr zufriedenstellend.

Jetzt arbeite ich als Pflegekraft, einer der Berufe der angeblich so extrem hart ist. Die Arbeit ist für mich als Mann ein Spaziergang, körperlich sowieso (die Hälfte der technischen Hilfsmittel mit denen die Damen arbeiten sehe ich nur in den seltensten Fällen an; bis die den Kran geholt haben habe ich den Transfer schon erledigt und noch dazu für den Patienten schonender). Aber auch psychisch stecke ich mehr weg, jedenfalls beobachte ich das sich die Männer in dem Job wesentlich weniger aufregen – kommt vermutlich davon weil die meisten vorher in Werkstätten und auf Baustellen richtig gelitten haben. Kurz: Im Frauenberuf schneidet man als Mann wie ein Messer durch Butter, was sich daran ablesen lässt, dass Männer trotz ihres geringen absoluten Anteils weit überproportional in Führungspositionen geklettert sind. So ist das jedenfalls in meiner Institution. Man sieht das auch in Supermärkten, wo es wieder mehr Männer gibt und prompt auch die Marktleiter spawnen.

Diese Dienstleistungsjobs sind wirklich ein Traum im Vergleich zu den traditionellen Männerjobs: Angestellenverhältnis, bessere Leistungen (oft öffentlicher Dienst), bessere Krankenversicherng (öffentlicher Dienst, Pflege usw.) Bezahlung und “erweiterte Verdienstmöglichkeiten” sind zwar meist geringer aber dafür hat man Sicherheit und mehr Energie in der Freizeit die eigenen Interessen zu verfolgen.

Der Nachteil ist – und das arbeitet Danisch sehr gut raus – das diese Jobs auf einer grundsätzlichen Ebene nicht produktiv sind. Dadurch geht mir eine gewisse psychologische Befriedigung ab, die ich im klassischen Männerberuf schon hatte. Aber das kann ich ja jetzt ausgiebig nebenberuflich machen 😉

Der Punkt, den ich hinzufügen möchte: Männer machen die Jobs die da sind, die vernünftig sind und wir passen uns an. Wenn Männer in Frauenberufe gehen werden die dadurch aufgewertet und wir steigen dort überdurchschnittlich schnell auf. Siehe auch:

http://www.arbeit-wirtschaft.at/servlet/ContentServer?pagename=X03/Page/Index&n=X03_1.a_2009_03.a&cid=1237936223181

“Früher einmal war die PR vorwiegend ein Männerberuf und überaus lukrativ bezahlt. Wer in dieser Branche einen Job hatte, war gut dran. Dann drängten gut ausgebildete und hoch motivierte Frauen in diesen Beruf. Und ganz hurtig mutierte die PR zu einem Berufsfeld mit sinkenden Honoraren und Gehältern. Dieser Automatismus lässt sich auch in anderen Berufen beobachten. (…) Auf der anderen Seite, dort wo zunehmend auch Männer ihr berufliches Glück suchen, steigt das soziale Ansehen von Jobs und damit über kurz oder lang auch die Löhne.”

“Und das, obwohl Untersuchungen nahelegen, dass Männer in überwiegend von Frauen dominierten Berufen, schneller Karriere machen als in sogenannten klassischen Männerberufen. Sie fallen eher auf und werden auch oft von Kolleginnen und Vorgesetzten stärker gefördert als Frauen in derselben Position.” (“Förderung” brauchen Männer aber nicht, es reicht schon wenn sie nicht bei dieser grassierenden Teilzeit-Entprofessionalisierung mitmachen und am Arbeitsplatz präsent sowie leistungsbereit sind bzw. Verantwortung nicht scheuen. Dann steigen sie ganz automatisch auf.)

D.h., es ist ziemlich lächerlich die Männer abzuschreiben, nur weil ihre traditionellen Berufsfelder in vielen westlichen Staaten momentan am Rückzug sind. Wir passen uns an und machen was gerade anliegt. Männer haben andere Probleme: Ihre staatlich geförderte Demontage als Väter, ihre systematische Dauerbenachteiligung die vermutlich schon im Kindergarten beginnt, die misandrische Grundstimmung in der Gesellschaft. Nichts von dem hat direkt mit den Veränderungen in der Berufswelt zu tun.


Klaus
1.5.2015 21:22
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Noch ein Kommentar von mir.

Zitat aus Abstieg Männer:
Angesichts des schrumpfenden Verdienstpotenzials ihrer Partner und deren statistisch nachgewiesener Unzuverlässigkeit als Ernährer sollten Frauen in der Arbeiterschicht eine rationale Entscheidung treffen und “einfach Nein zur Ehe sagen”, argumentierten Naomi Cahn und June Carbone, zwei Wissenschaftlerinnen, die den Effekt steigender sozialer Ungleichheit auf Familien untersucht haben.
Ende

Da Männer schlechter verdienen als Frauen, sollten diese NEIN zur Ehe sagen um nicht Unterhalt zahlen zu müssen?

Und Männer haben JETZT schon eine “statistisch nachgewiesener Unzuverlässigkeit”.

Ich finde das sagt doch alles, heirate nie einen Mann unter deinem sozialen Stand..

cu


Maxwell
1.5.2015 21:48
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“Zitat aus Abstieg Männer:
Angesichts des schrumpfenden Verdienstpotenzials ihrer Partner und deren statistisch nachgewiesener Unzuverlässigkeit als Ernährer sollten Frauen in der Arbeiterschicht eine rationale Entscheidung”

Die rational Entscheidung wäre es stabile Ehen anzustreben. Denn dann geht es gemäß verschiedenen Untersuchungen *allen* besser, auch die Männer machen mehr Kohle und die Familieneinkommen steigen und die Kinder profitieren sowieso. Männer gegen Frauen ist idiotisch.

Stabile Familienverbände sind aber nicht im Interesse derer die von ihrer Zerstörung profitieren.


Ivo
1.5.2015 22:21
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@Hadmut: “Geht’s den Amerikanern besser, weil es sonst keinem besser geht?”
Nein.
Aber es ist ein Unterschied, ob man die Infrastruktur eines relativ kleinen Landes wie DE aufrecht erhalten muß, und selbst bei uns gibt es in diesem Punkt ja massive Probleme, oder die eines riesigen Flächenlandes wie die USA, Rußland, China, Brasilien oder Australien.
Das ist auch einer der Gründe, warum es einem zu uns wiederum sehr kleinen Land wie Estland gelungen ist, eine IT-Infastruktur auf die Beine zu stellen, die die unsere weit in den Schatten stellt.
Im übrigen, ich habe berufliche wie private Verbindungen in die USA und bin daher relativ oft dort, daher kenne ich auch viele andere Seiten diese widersprüchlichen Landes, manche sind einfach nur beeindruckend, manche erstaunlich, über andere schüttelt man als Europäer eher den Kopf und einige wenige sind schlicht zum Kotzen.
Jedenfalls, von der teilweise maroden Infrastruktur auf den Zustand der USA als ganzes zu schließen, ist einfach nur dumm.


Hadmut
1.5.2015 22:27
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> von der teilweise maroden Infrastruktur auf den Zustand der USA als ganzes zu schließen, ist einfach nur dumm.

Das habe ich nicht getan.

Ich habe sie als Beispiel gebracht, nicht als Ausgangspunkt der Überlegung. Außerdem bringt der ganze schöne Rest ohne Infrastruktur nicht mehr viel.

Ich war früher mehrmals in den USA, und habe 26 der US-Bundesstaaten gesehen. In den letzten Jahren war ich nicht mehr dort, dafür mehrmals in Australien. Und die Infrastruktur in Australien ist einigermaßen in Ordnung, da sehe ich keine wesentlichen Probleme.


Ivo
1.5.2015 23:12
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@Hadmut: Ich habe mit “dumm” nicht Sie gemeint, sondern Kommentatoren wie Aranxo.
Australien kam mir auch als erstes als positives Beispiel in den Sinn, aber bei genauerer Betrachtung weiß ich nicht, ob man den Vergleich zu den USA wirklich ziehen kann, denn der größte Teil des Landes ist ja eher unbewohnt, aber Sie kennen Australien besser als ich.
Was ich in den USA z.B. wirklich schlimm finde, ist daß sie das zu großen Teilen völlig verkommen lassen haben, worauf sie früher so stolz waren, die Eisenbahn.


Ivo
1.5.2015 23:34
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Eine andere Sache, die mittlerweile wirklich schlimm ist, eher passend zum Lieblingsthema dieses Blogs, ist die PC.
Ich habe kürzlich mit einem mittelständischen Unternehmer in Californien gesprochen, der hat mir sein Leid geklagt, weil er eigentlich nicht mehr weiß, wie er die verschiedenen Gruppen seiner Angestellten korrekt bezeichnen soll, Latinos, Weiße, Afroamerikaner u.s.w., das geht alles nicht mehr, er meinte auf meine Nachfrage, er versuche jede Zuschreibung zu vermeiden und alle sozusagen als “grüne Männchen” zu betrachten, kein Witz. Die haben da wirklich richtig Angst, sich durch eine falsche Bezeichnung gewaltig in die Nesseln zu setzen.
Tja.


dentix07
2.5.2015 1:12
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“Die Infrastruktur in den USA verfällt und sogar deren Häuser sind meist einfache Holzhütten, die nur aufgrund ihrer Plastikverkleidung aussehen, als wären sie aus Stein. Man wohnt darin zwar nicht schlecht, aber eben auch nicht lange – die Dinger brauchen Pflege und Reparatur.”
Die brauchen Steinhäuser auch und sind teuer.
Das in den USA Holzhäuser vorherrschen liegt, soweit ich weiß, a. daran, daß sie sowohl in Herstellung als auch Reparatur und Erhalt weniger kosten, b. haben die Amerikaner, weil sie wesentlich mobiler sind als Europäer (wesentlich häufiger z.B. wegen des Jobs umziehen) eine andere Einstellung zum Haus. Das Haus ist viel weniger “ewige Heimat” für sich und die folgenden Generationen.

Städte/Verstädterung! Laut Netz sind in den USA 83% der Bevölkerung Statdbewohner. Aber die Summe der 100 größten Städte der USA – von New York City (8.175.000 Einwohner) bis Spokane (209.000 Einwohner)- ergibt “nur” 59.857.000 Einwohner, von insgesamt ca. 319 Millionen.
Da sollte man berücksischtigen was denn als Stadt definiert ist. Diese Definition ist je nach Land/Staat unterschiedlich. In Island, Dänemark, Finnland, Schweden, Norwegen, Spanien reichen schon 200 Einwohner, in Kanada sind’s 1000, in D und F gilt eine Ansiedlung ab 2000 Einwohner aufwärts als Stadt, in den USA sind min. 2500 Einwohner nötig, in Österreich brauchts dafür 5000, in den Niederlanden, Argentinien, Griechenland, Schweiz, Portugal, Malaysia, Senegal 10.000, in Japan ist es erst eine Stadt ab 50.000 Einwohner aufwärts.
(Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung Japans 2013 (lt. Weltbank) 92.32 %! Wie hoch wäre er wohl würde man die dänische Stadtdefinition anwenden? 99,9 %?)
Vorsicht also vor Vergleichen bei unterschiedlichen Maßstäben!


Schwärmgeist
2.5.2015 8:28
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> Man kann das auch anders ausdrücken (Ich erinnere mich zwar nicht mehr an die genauen Zahlen, aber so ungefähr stimmt es), die BRD hat so 25 bis 30 Millionen die Einkommenssteuer zahlen. Etwas unter der Hälfte davon ist wertschöpfend beschäftigt, der Rest bei Staat und Dienstleistung tätig. Das sagt ausdrücklich nichts über die Verteilung Mann / Frau dabei aus, aber die Angaben machte der Artikel, den da mal las auch nicht.

So sieht man also, daß man in Hadmuts Text bequem “USA” durch “Deutschland” ersetzen könnte. Auch Deutschland lebt von der Infrastruktursubstanz. Mein Eindruck ist es schon länger, daß kaum noch jemand wirklich produktiv arbeitet. Die beim Staat angestellt sind, zahlen in Wirklichkeit überhaupt keine Steuern, denn das ist ja alles linke Tasche, rechte Tasche. Wir haben ein ganzes Heer an Sozialarbeitern, das nicht das geringste Interesse hat, daß ihm jemals die Klientel ausgehen könnte. Ein weiteres Heer schreibt Texte, die die Menschheit nicht braucht. Auf ewig wird das so nicht gutgehen.


CountZero
2.5.2015 11:46
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@Schwärmgeist: volle Zustimmung!

@Emil:
> Letztes Jahr konnte man mehrfach beobachten was passiert, wenn das EBT-System wegen Computerausfall oder Software-Fehlern kurzfristig nicht funktioniert. Es kam zu Hamsterkäufen, weil die Karten plötzlich kein Limit mehr aufwiesen, und auch zu Plünderungen. Sollte das System mal längere Zeit komplett ausfallen, wird es dort Mord und Totschlag geben.

Meine Rede seit Jahren. Das System heute ist so komplex geworden, dass kleine Störungen schon für riesige Instabiliäten sorgen. Siehe das Argument mit Selbstversorgung in China vs. USA.

@Maxwell: Danke für den Post, ich lerne gerade richtig viel hier (keine Ironie!).


JochenH
2.5.2015 13:28
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Ich finde dieser Artikel ist einer der besten, die Hadmut je geschrieben hat! Er hat die Logik der Autorin nämlich aufgegriffen und umgekehrt, auch mit Logik. So wird aus der Intention der Autorin das Gegenteil.

Sie wollte mit den beiden Artikeln ausdrücken, dass die US-Gesellschaft sich in eine Richtung verändert, die Frauen entgegen kommt. Das hat sie schlüssig verargumentiert und es ist schlichtweg zutreffend.

Nun kommt Hadmut und denkt weiter. Klar haben die Amis mehr weibliche Anwälte als der Rest der Welt zusammen und dazu Medienberaterinnen und Marketingexpertinnen. Aber wenn das Dach undicht ist oder die Straße kaputt, dann stellt man fest, dass der kleine Betrieb, der das mal gemacht hat, nicht mehr existiert. Der Chef ist in Rente und seine Tochter Marketingexpertin oder neulich tauchte die Berufsbezeichnung “Netzwerkforscherin” auf, das klingt besser als Straßensanierung, hilft aber keinen Deut weiter, die Schlaglöcher zu stopfen.

Die Amis sind aber stark, ich denke am Ende werden diese geschmähten Handwerksberufe richtig lukrativ werden, weil Strom, eine frisch geteerte Straße und Trinkwasser eben doch wichtiger sind als gut gestaltete Werbung.


JochenH
2.5.2015 13:33
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Zum Thema China: sehr interessant, da meine Frau Chinesin ist. Ich habe mit ihr Hadmuts Artikel diskutiert gestern Abend und sie meint, dass China dieses Problem kennt. Dort ist es so, dass der Staat knallhart in Infrastruktur investiert. 100.000 km Autobahnnetz neu, obwohl da nicht überall gleich viel los ist, die größten Häfen und Flughäfen der Welt und der allergrößte ist gerade in Planung, der kommt in den Dajing Distrikt in Peking, wo meine Frau arbeitet im Hospital.

China setzt auf Infrastruktur, Gesundheit der Bevölkerung, kostenlose und gute Bildung und innere Geschlossenheit und Ruhe. Ich war in Summe länger als ein Jahr in China und weiß das zu schätzen. Es ist eine homogene, friedliche Gesellschaft, die sich selbst genug ist und ihren eigenen Weg konsequent geht.

Ich wage es kaum zu sagen als westlicher Demokrat, aber ich halte das chinesische System insgesamt für das einzig tragfähige, was es auf diesem Planeten gibt. Alle anderen Systeme funktionieren entweder nicht oder laufen in Katastrophen.


Schwärmgeist
2.5.2015 17:58
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@JochenH

> Ich wage es kaum zu sagen als westlicher Demokrat, aber ich halte das chinesische System insgesamt für das einzig tragfähige, was es auf diesem Planeten gibt. Alle anderen Systeme funktionieren entweder nicht oder laufen in Katastrophen.

Das finde ich sehr schade, daß Du das schreibst. China hat gewaltige Probleme nicht nur mit seiner Willkürjustiz, sondern auch hinsichtlich Umweltverschmutzung und einer ziemlich aggressiven Außenpolitik. Immerhin kann eine Diktatur Überbevölkerung effektiver entgegentreten als eine freiheitliche Gesellschaft, das würde ich als Argument mal so stehenlassen, wenn auch zähneknirschend.

Ansonsten kann ich mich mit der Idee nicht anfreunden, daß Technokratenkader ein ganzes Volk bevormunden. Sicherlich wird man China nicht von heute auf morgen in eine Demokratie transformieren können. Es gölte Hungersnöte und Bürgerkriege zu vermeiden, aber natürlich wünsche ich auch dem chinesischen Volk langfristig Demokratie und eine Regierung, die die Menschenrechte achtet.

Ich hatte auch mal einen Chinesen als Kollegen. Ein netter Mensch, wirklich. Als er mir erzählen wollte, was Mao für ein dufter Typ war, bin ich bald vom Glauben abgefallen. Die lernen in der Schule offenbar nichts Kritisches über Mao. Den Deutschen wirft man gern ihren Untertanengeist vor. Den chinesischen, überhaupt den asiatischen, finde ich bald noch unheimlicher.


Maxwell
2.5.2015 19:15
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@JochenH

“Die Amis sind aber stark, ich denke am Ende werden diese geschmähten Handwerksberufe richtig lukrativ werden, weil Strom, eine frisch geteerte Straße und Trinkwasser eben doch wichtiger sind als gut gestaltete Werbung.”

In diesen “Infrastrukturberufen” verdient man schon heute sehr gut. Ich habe Verwandtschaft in den USA, u.A. einen “Plumber” und einen “Müllmann”. Die verdienen dort Kohle in Dimensionen von denen man in Deutschland und Österreich in diesen Berufen nicht einmal zu träumen wagt, wobei das Handwerk nur dann extrem lukrativ wird, wenn die economy stimmt (was in den letzten Jahren leider nicht so der Fall war). Es ist ein Irrtum zu glauben das formal höhere Qualifikationen automatisch zu mehr Kohle führen, da in den USA auch Studienkredite zurückgezahlt werden müssen. Und wer richtig viel Kohle in kurzer Zeit verdienen will geht auf einen Bohrturm… 😉

Glaub mir: Diese in jeder 2ten US-Serie glorifizierten “Glanzberufe” wo krass gestylte Anwältinnen/Inspektorinnen/… in coolen Glastürmen sitzen bleiben für die meisten Studentinnen ein Traum. In manchen Gegenden (z.B. New York) gibt es solche Milieus durchaus, aber nur wenige bekommen dafür die Eintrittskarten.


Schwärmgeist
2.5.2015 20:34
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Aus meiner Schulklasse sind zwei richtig reich geworden. Einer als Maurer und Bauunternehmer, ein anderer mit Gas, Wasser, Scheiße, wie man so sagt. Nicht alle, aber viele Handwerker verdienen gut. Ich gönn’s ihnen auch eher als den meisten Germanisten und Kulturwissenschaftlern. Germanisten sind bei mir seit 1996 eh unten durch.


JochenH
2.5.2015 20:44
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Schwärmgeist: an deinem Kommentar merke ich, dass dir das chinesische System unbekannt ist. Die haben gesunde Menschen und investieren wie blöd in Infrastruktur. Die Partei hält sich aus dem Wirtschaftsleben ziemlich raus, hat mit dem ursprünglichen Kommunismus längst abgeschlossen. Die Menschen leben frei und machen im Grunde, was sie wollen. Dazu haben sie einen Nationalstolz, wie bei uns nur noch die Franzosen.

Sie machen dort diesen Irrsinn mit Gender oder Zuwanderung bildungsferner Völker nicht mit. Politik ist fast nur Innenpolitik, außerhalb Chinas wollen sie freien Handel und Rohstoffe, aber egal wo sich Leute die Köpfe einschlagen, China will da nicht mitmachen.

Das Wachstumsdogma kennen sie auch nicht, sie bauen sich ihre Welt eben zusammen, wie es China passt. Umwelt ist da einzig echte Problem, aus meiner Sicht müssen sie die Megastädte entzerren 25 Millionen Menschen wie in Peking in einer Stadt geht eben nicht.

Es gibt wenig Gewalt und Kriminalität, quasi keine Überfälle. Politik ist recht bürgernah, aus meiner Verwandtschaft engagieren sich Personen auch politisch (2 Frauen).

Das Ganze wirkt gesund, wenn man sich dort aufhält über längere Zeit.


JochenH
2.5.2015 20:46
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@Maxwell: ich halte den Kommentar von Hadmut aber für zutreffend. Die Amis haben zu sehr ihre Gesellschaft auf Hochglanzberufe umgestellt, es fehlt an der Basis. Deren Gebäude sind nach wie vor furchtbar, die Auto so lala und die Straßen teilweise beschämend. Strom fällt auch gern mal aus, also das ist nicht gut.


ein anderer Stefan
3.5.2015 1:08
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JochenH: Dann vermitteln die Medien hierzulande aber ein sehr schräges Bild von China, mit nicht wenigen Hinrichtungen, Internetzensur, politischen Gefangenen etc. Alleine schon die Tatsache, dass die Todesstrafe dort praktiziert wird, ist für mich ein Indiz, dass die Menschen eben nicht “frei” leben. Muss man das Tiananmenmasssaker noch erwähnen? Freie Meinungsäußerung scheint dort auch nicht eben erwünscht zu sein. Die Tibetfrage ist ja wohl auch kein öffentlicher Diskussionsgegenstand. Aber man kann sich ein totalitäres, brutales System natürlich auch schöndenken…


quarc
3.5.2015 1:41
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> […]
> Männer verlieren industriell-produktive Berufe, wie etwa am Bau
> oder in der Fabrik, während Frauen in gesellschaftsbegleitende
> Dienstleistungs- und Schwafelberufe wie eben Jura, Pflegeberufe,
> Medienberater und sowas gehen.
> […]
> Arbeitsunfähige Männer, alt und krank oder jung, heruntergekommen
> und ohne Ausbildung auf der einen Seite, und Rechtsanwältinnen,
> Medienberaterinnen und CEOinnen auf der anderen Seite, noch ein
> paar Krankenschwestern, Literaturwissenschaftlerinnen und Friseusen.

Also Krankenschwestern und Pfleger sind schon noch wichtige Berufe. Die würde ich nicht mit Juristen und “irgendwas mit Medien” in einen Topf werfen. Das passt übrigens auch in Deine Beobachtung, denn diese Pflegeberufe erfordern immer noch hohen Körpereinsatz und sind auch teilweise in ihrer sehr körpernahen Tätigkeit nichts für schwache Nerven.

Generell ist in unseren modernen Industriegesellschaften kaum ein Beruf noch “selbstständig”. Auch der Bauarbeiter ist darauf angewiesen, nicht mehr alle seine Bedürfnisse als Selbstversorger befriedigen zu müssen.


brrr
3.5.2015 2:30
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Eine Quelle, die bei diesem Thema meiner Meinung nach auf keinen Fall fehlen sollte:
http://www.hubert-brune.de/heinsohn_zitate.html

Hier wird der Untergang des römischen Reiches bevölkerungspolitisch sowie ökonomisch analysiert.
Auch die Situation bzw. der Wandel der Stellung der Frau, die Art, wie die Gesellschaft mit Familie und Sexualität umging, spielte dabei, zum Erstaunen der ungebildeten Halb-Proletarier der Gegenwart, eine nicht zu unterschätzende, wenn nicht gar bestimmende Rolle.
Die Einschätzung der “Studienfächer” Germanistik und Soziologie, die hier vorherrscht, ist also zu teilen.
Die Altphilologie hingegen wusste um die Mechaniken des Niedergangs jedoch zu jeder Zeit. Interessant ist es, zu wissen, dass es mittlerweile mehr Gender-“Professuren” als solche der Altphilologie gibt.
Der Niedergang der abendländischen Bildung verläuft parallel zum Niedergang der Philologie.


Schwärmgeist
3.5.2015 10:38
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Unser Rohstoff ist Bildung. Keine Ahnung, was unsere Politiker geritten hat, Bildungsabbau zu betreiben und für immer mehr Nachschub an Schülern zu sorgen, die nicht einmal unsere Sprache richtig sprechen können. Das ist für Deutschland ökonomischer Selbstmord.

Übrigens halte ich nicht alle Geisteswissenschaften für Unfug. Natürlich brauchen wir als Kulturnation auch Soziologen, Pädagogen, Germanisten und Theaterwissenschaftler. Dann ist Theaterwissenschaft halt ein Orchideenfach – na und? Muß es auch geben. Nur die Proportionen sind völlig aus dem Ruder geraten, wenn 50 Prozent der Schüler die FHs und Unis stürmen und dann gar nicht wissen, was sie dort überhaupt tun sollen.


JochenH
3.5.2015 11:47
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zu China: ich fasse mal die Vorteile zusammen, die das Land als das Stabilste erscheinen lassen aus meiner Sicht:

1. Bildung
Bildung wird zentral und leistungsorientiert vermittelt. Die Besten werden gefördert. Der Staat schaut hier auf keine sozialen Aspekte, sondern Leistung. zB kommt meine Frau aus einer Familie mit 7 Kindern, alle haben studiert, weil die Leistung gepasst hat.

2. Infrastruktur
Der Staat investiert in Flughäfen, Massentransport, Straße etc. Das Ganze mehr als jeder andere Staat dieser Welt und zwar WEIT mehr.

3. Gesundheit
Chinesen ernähren sich tendenziell gesund. Nahrung besteht fast nur aus Naturprodukten, dadurch gibt es wenige dicke Menschen. Das Gesundheitssystem ist staatlich und wird zentral finanziert.

4. Familie/Kultur
Werte werden hoch gehalten in China. Die Familie ist wichtig, Arbeiten und das Achten anderer Menschen gelten als gutes Benehmen. Aggressives Auftreten gilt als Gesichtsverlust.

5. Innenpolitik
Chinesen sind ziemliche Chauvenisten, sie betrachten sich und ihre Kultur als überlegen. Konsequenz daraus ist, dass sie sich stark abgrenzen in ihrem Land. Die Invasion bildungsfernen aggressiver Muslims und Schwarze wird es in China nicht geben. Aus Kriegen halten sie sich raus, haben aber auch kein Mitleid mit anderen Ländern. Solange die China nicht angreifen können die machen, was sie wollen.


Stefan S
3.5.2015 12:37
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@Schwärmgeist:
>Nur die Proportionen sind völlig aus dem Ruder geraten, wenn 50
>Prozent der Schüler die FHs und Unis stürmen und dann gar nicht
>wissen, was sie dort überhaupt tun sollen.

Das ist in großen Teilen schlicht verdeckte Arbeitslosigkeit. Ich hab’ von einigen Leuten, die relativ obskure Fächer studieren oder studiert haben, als Begründung gehört: Nach dem Abi hab’ ich 50 Bewerbungen auf Ausbildungen im Büro geschrieben, alles Absagen. Und bevor ich nix mache, habe ich dann ein Studium angefangen, was mich persönlich interessiert.