Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Rant eines Professors über Studenten

Hadmut
21.4.2015 22:32

in der FAZ.


30 Kommentare (RSS-Feed)

Diesmal-Anonym
21.4.2015 22:58
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Zu den vielen “Krankheitsfällen”: Da zähle ich ich ebenfalls dazu. Es stand die Prüfung zu “Theoretische Elektrotechnik” an – vom Inhalt schlimmer, als es der Name erwarten läßt. Ich war für die Prüfung total unvorbereitet, und leider war der Abmeldetermin für die Klausur schon verstrichen. So ließ ich mir eine Krankheit bescheinigen. Vor- oder Nachteile hat es mir nicht gebracht, deshalb habe ich in der Hinsicht kein schlechtes Gewissen. Das kann aber vielleicht auch dort den erhöhten Krankenstand bei Prüfungen erklären.

Noch eine Anekdote: Ich hatte an einer “echten” Uni studiert, bei der ersten Physikprüfung fiel ich durch, bei der zweiten hatte ich das Skript in meinen Socken versteckt. Ich weiß nicht genau, ob es mir etwas gebracht hat, aber zumindest habe ich es nur gerade so geschafft, also eine 4 oder so.

Für einen Freund dagegen habe ich auf der Toilette und mit den dazugehörigen zeitlichen Einschränkungen ohne weiteres eine 3 oder 2 für sein FH-Studium geschrieben, ebenfalls in Physik; die Ansprüche waren schon eklatant unterschiedlich.


Hanz Moser
21.4.2015 23:12
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Herrlicher Artikel.

Persönlichkeitsrechte werden durch gelegentlichen Diebstahl gefährdet und Kameras aufhängen wäre das kleinere Übel. Kein Mensch kauft seine Bücher und er bekommt nur das Geld von den lumpigen 100 Exemplaren in der Bibliothek. Armer Mann, und das mit einem Professorengehalt.
Und dann diese faulen, dummen Studenten, mit ihren Zweitversuchen und dem absurden Anspruch, eine Klausur bei Krankheit nachholen zu können. Unmöglich. Vor allem diese Bafoeghanseln bringen völlig zu Recht das Blut in Wallung. 670 Euro im Monat sind ja dermaßen viel, das bekommt man ja nur mit dem Laubsauger reingeblasen. Und dann müssen sie auch nur die Hälfte zurück zahlen. Und sie können auch noch zuverdienen.

Ja, da hat er ganz recht damit, dass das in den USA besser ist als hier. Da gehen die Leute wenigstens mit einer Viertelmillion Dollar Schulden aus dem Studium und kaufen brav ihre Bücher. Und kontrollieren muss man sie bei Klausuren auch nicht, schließlich sind dort alle Leute ehrlich.

Wenn ich es mir aussuchen könnte würde ich mit meinen Steuern lieber ein paar Hartz 4 Punker bezahlen als den, die richten weniger Schaden an und haben ein sympathischeres Weltbild.


Collin
21.4.2015 23:29
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@Hadmut: Zum Vergleich, wie war das bei dir im Studium?


Hadmut
22.4.2015 1:53
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> @Hadmut: Zum Vergleich, wie war das bei dir im Studium?

Völlig harmlos.

Das Geld hat zwar auch nicht für alle Bücher gereicht, aber wir haben eben alles im Copy-Shop kopiert. Ich habe eigentlich alle wesentlichen Bücher – richtig oder als Fotokopie – zuhause gehabt. PDF und e-Books gab’s damals noch nicht.

Geklaut wurde zwar, aber nur von Fremden. Unter den Studenten, jedenfalls Informatikern, gab’s da eigentlich keine Reibereien oder sowas, alles wunderbar.

Ich kann mich spontan nur an einen Zwischenfall erinnern. Damals waren die Mathehörsääle überfüllt, und wer nicht frühmorgens da war, musste auf der Treppe sitzen. Da meinte mal einer, er könnte eine ganze Sitzreihe reservieren, weil er als erster da war (so wie Handtuch am Pool) und einfach deshalb, weil er sich den vordersten Sitz nimmt, den ganzen Rest der Reihe bis an die Wand belegen, und dann für 5 DM pro Platz verkaufen. Der hat kurz und trocken von denen, von denen er Geld haben wollte, ein paar auf die Fresse bekommen und das nie wieder versucht.

Und einem Kumpel von mir, der sich ein paar Kröten verdienen wollte, indem er Vordiplomsstudenten Nachhilfestunden anbot, ist es mal passiert, dass einer anrief und fragte, wie er aussieht. Als er verwundert zurückfragte, was das denn für eine Rolle spielte, rückte der Anrufer damit raus, dass er ihm 200 DM dafür zahlen wolle, wenn er an seiner Stelle und mit seinem Studentenausweis die Prüfung für ihn schreibt. Hat der Kumpel aber sofort abgelehnt.

Und natürlich auch mal Übungsblätter abgeschrieben, wenn die Zeit einfach nicht gereicht hat.

Aber ansonsten war das eignetlich alles sauber, koscher, ehrlich. Vor allem keine Sabotage anderer.


Hanz Moser
21.4.2015 23:41
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Hmm, der Mann scheint auch Dreck am Stecken zu haben. Es gab wohl einen Untersuchungsausschuss, nachdem sich eine ganze Reihe Leute über sein Gebahren beschwert haben. An den Volltext in Nature komme ich von hier nicht, aber im Groben umreißt es die Zeit: http://www.zeit.de/2004/29/B-Lehrerzimmer

Schon lustig, wenn jemand von Ehrlichkeit und Ehre schwafelt, der es als Professor fertig gebracht hat wissenschaftliche Unredlichkeit bescheinigt zu bekommen.


Maik
22.4.2015 1:43
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Was soll los sein? Die Universitäten sind zum (notwendigen) Ausbildungsbetrieb mutiert, das ist los. man braucht den Schein, um in Deutschland eine berufliche Stellung und eine Position zu bekommen, für die man vor 30 Jahren mit Realschulabschluss und abgeschlossener Ausbildung hingekommen wäre. Nimmt man die alltäglichen Promotionsskandale, das fast zwangsläufige Versagen bei der Gewährleitung und Kontrolle wissenschaftlicher Mindeststandards als Sahnehäubchen hinzu, hat man den perfekten Mix für eine Institution, die man nur noch überstehen muss, um endlich das machen zu können, was man machen will. Alles “normal” also.


Gerald
22.4.2015 2:00
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*gähn*

Geschichten vom Planeten Berlin.

Dieser Planet ist wirklich voll mit 1. Weltproblemen.


Jens
22.4.2015 2:39
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“der Betriebsrat ist selbstverständlich gegen jede Videoüberwachung”

Ist der Autor wirklich Professor? Als ordentlicher Beamter wüsste er, dass es natürlich ein Personalrat ist, kein Betriebsrat.


Schwärmgeist
22.4.2015 8:45
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Dazu paßte ein anderer Artikel, der am selben Tag auf “FAZ.NET” erschien: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/ausbildung-zu-wenige-azubis-immer-mehr-studenten-13540074.html .

Das sind die Folgen des Bildungsumbaus: Alle drängen an die FHs und Unis, mit hohen Abbrecherquoten, und die Betriebe gucken in die Röhre. Bei den Grünen habe ich jede Hoffnung aufgegeben, aber immerhin in der SPD müßte doch noch genügend Restverstand vorhanden sein, um zu erkennen, daß sie das Bildungsressort zu lange Phantasten überlassen hat.

Was war denn eigentlich so schlecht am Bildungssystem der 70er bis 90er Jahre? Die Gymnasien, für alle kostenlos, waren in einem guten Zustand. Die Mittlere Reife war noch wirklich etwas wert, und auch mit einem guten Hauptschulabschluß gab es Perspektiven.

Heute vertrauen manche Eltern kaum noch dem örtlichen Gymnasium und schicken ihre Kinder, obwohl sie es sich eigentlich gar nicht leisten können, auf Privatschulen.


Schwärmgeist
22.4.2015 8:52
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Noch ein Nachtrag: Wenn ich vom Bildungssystem der 70er bis 90er spreche, beziehe ich mich auf Westdeutschland. Ostdeutsche mögen sich hier bitte nicht übergangen fühlen – ich kenne mich da einfach nicht aus, weiß nicht einmal, welche Schulformen es in der DDR gab. Mir wurde ja schon – und das zu Recht – gesteckt, ich möge nicht über Dinge schreiben, von denen ich nichts verstehe.


ck
22.4.2015 10:20
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Einige Anekdoten aus meinem Studium (Münster, in den Neunzigern). Entweder selbst erlebt oder von vertrauenswürdigen Kommilitonen:

Das beste Buch zur Vorlesung ist natürlich immer das, was der Professor selbst geschrieben hat. Mit “Hörerschein” in den lokalen Buchhandlungen für einige Prozent günstiger zu bekommen. Die wenigen vorhandenen Exemplare in den verschiedenen Bibliotheken befanden sich üblicherweise als Dauerausleihe bei den Assisstenten des Professors. Also zusammengetan, gekauft und kopiert.

“Sie werden die Klausur nicht bestehen. Aber wenn Sie ein wenig nett zu mir sind drücke ich bei der Korrektur gerne ein Auge zu.”

Und natürlich die Klausurvorbereitungskurse. Mehrere Stunden, an diversen Abendterminen vor der Klausur. Durchgeführt von den Assistenten des Professors, die selbstverständlich auch diejenigen waren, die die Klausuraufgaben stellen und korrigieren. Veranstaltugnsort: Räumlichkeiten der Universität. Kosten zwischen 50,- und 100,- DM, zahlbar natürlich in bar an die Assistenten. Die Klausuraufgaben unterschieden sich von den “Übungsaufgaben” dann bei einigen Ziffern.


JochenH
22.4.2015 11:21
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Bei uns war das Wichtigste, dass man Unterlagen über Prüfungen der letzten Jahre hatte. Danach musste man sich vorbereiten, weil es immer irgendwie ähnlich war. Ansonsten eben bei schriftlichen Prüfungen rausgehen und Zettel verstecken oder mit höheren Semestern reden, die einem helfen konnten.

Heute ginge das leichter, da mit dem Smartphone Klausur abphotographierbar und an einen Experten geschickt!


Gästle
22.4.2015 12:48
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Der Südkurier berichtet auch: http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Studenten-wehren-sich-gegen-Vorwuerfe-von-Uni-Professor-Axel-Meyer;art372448,7796761 Interessant finde ich die Stellungnahme der Uni. Wenn schon nach außen ein derart harter Ton angeschlagen wird, wie sieht es dann erst intern aus?

Es scheint sich um ein weiteres selbsternanntes Zentrum des Universums zu handeln.


maSu
22.4.2015 13:21
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Der Professor tut mir nicht leid, denn:

Professoren, die Vorlesungen auf Grundlage eines Buches (meistens noch eines ihrer eigenen Bücher!) halten sind unterste Schublade. Da brauche ich keine Vorlesung, da kann ich das Buch lesen und zur Klausur erscheinen. Auch ist da die Frage nach der Transferleistung, wenn es doch um die Reproduktion des abgedruckten Wissens geht. Bei uns wollte damals auch ein Professor diese Schiene fahren: “Kauft mein Buch, da steht alles drin!” und die Vorlesungen waren dann wirklich Seite für Seite aus dem Buch und es gab Widerstand, weil das Buch keine Pflichtlektüre für alle Studenten sein kann/darf!
Da stehen zudem auch wirtschaftliche Interessen im Raum, wenn jeder Jahrgang 200x ein Buch kaufen soll. Und um Anerkennung usw geht es da auch.

Bloß weil es Vorlesung heißt, will ich keinen Deppen als Vorleser da vorne stehen haben. Dafür ist er nämlich überbezahlt.

und das in Büros eingebrochen wird: Es wird sogar in Toilettenhäuser eingebrochen. Ich würde weder die Arbeit, noch die Klausuren des Professors durch so einen Einbruch unnötig aufwerten wollen. Denn es kann auch einfach Vandalismus gewesen sein.

Aber natürlich waren das faule Stundenten, die eh unterste Schublade sind. Und dann noch diese Ausländer, die kostenlos unterrichtet werden… oh nein. Ich empfehle dem Herrn eine gewisse Beschäftigung für so manch einen Montag-Abend.

Und die Studenten bekommen ja alles doppelt und dreifach! Genau!

1) Bafög muss man durchaus zurückzahlen – schafft man das Studium nicht, dann hat man durchaus hohe Schulden!

2) Helikopter-Eltern sind nicht zwingend reich, auch ärmere Eltern können sich benehmen wie geisteskranke Spinner, wenn es um die Kinder geht.

3) Studenten haben an vielen Standorten extreme Wohnungsprobleme

4) Durchfallquoten sind enorm. Denn: Bei mir im Studium waren die Klausuren wohl so ausgelegt, dass man weitere Versuche nutzen musste. 80-90% Durchfallquoten in Physik kann man nur dann akzeptieren, wenn die Studenten mit allen Versuchen (damals: Freiversuch, 3 reguläre Versuche, mündliche Nachprüfung) realistisch bestehen können. Ansonsten muss man eine härtere Vorauswahl treffen. Sich darüber zu wundern, dass wirft die Frage auf, welche Klausuren dieser Professor jemals bestanden hat.

5) Kontrollen. Natürlich muss man kontrollieren, WER da eine Klausur schreibt. Auf dem Zettel steht am Ende auch nur eine Matrikelnummer. Dadurch wird auch Diskriminierung reduziert, weil die Prüfungen für den Prüfer (und besonders den Zweitprüfer, der den Kurs mitunter gar nicht kennt) ziemlich anonym sind.

Insgesamt empfehle ich dem Professor weiterhin hauptberuflich Fische zu füttern … nur zukünftig besser bei Seaworld.

Frohen “rant zurück”.


Heinz
22.4.2015 14:01
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OT:

wer sich gruseln will: http://www.sagwas.net/enter/

Hier das Programm:
http://www.fes.de/forumpug/inhalt/documents/FlyerWessenInternet.pdf

Es sind viele dabei, von Kübra bis Kemper. Gerade spricht Gesterkampf in, wie ich finde, extrem herablassender und beleidigender Art über Leute, die anderer Meinung als er sind. Nachher tritt noch der Komplexitäts-Experte Michael-Seemann auf.


Basti
22.4.2015 14:15
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Etwas OT: Soeben hat die Süddeutsche vermeldet, dass 1500 neue “Juniorprofessorenstellen” geschaffen werden sollen. Bedingung: 50% davon sollen mit Frauen besetzt werden. Man stelle sich nur den Qualitätsverlust in männerdominierten naturwissenschaftliche Fakultäten vor. Überspitzt formuliert: Männer dürfen sich dann um die Posten streiten und auf der anderen Seite ist für bald jede Frau, die nur den Wunsch hat in der Wissenschaft zu bleiben oder für die Wirtschaft ungeeignet ist, sofort eine Professorenstelle da.
http://www.sueddeutsche.de/bildung/foerderprogramm-des-bundes-neue-stellen-fuer-juniorprofessoren-1.2446798


Rechnungsprüfer
22.4.2015 14:35
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300 Mio Euro kostet dieses Profesorinnenprogramm?
Ich hatte irgendwie 150 Mio in erinnerung

Professorinnenprogramm fördert 400. Berufung
http://www.bmbf.de/press/3780.php


Manfred P.
22.4.2015 16:17
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Bezüglich der Diebstähle in den Büros fällt mir nur Sgt. Hartman aus Full Metal Jacket ein, der Private Paula mit einer offenen Feldkiste erwischt.

Sein Kommentar: “Wenn es nicht so viele Arschlöcher wie Sie mit offenen Feldkisten gäbe, dann würde auf dieser Welt auch nicht mehr geklaut!”

Großes Kino 🙂


Fredi
22.4.2015 16:38
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@Gerald: Ausnahmsweise nicht Berlin, sondern Konstanz. Spaßig auch, dass in den Leserkommentaren des Öfteren der Einwurf kommt, dass der gute Professer Meyer nur sehr selten die Vorlesung überhaupt selbst hält. Meist scheinen das seine Assistenten zu machen.


Joe
22.4.2015 18:49
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ihm 200 DM dafür zahlen wolle, wenn er an seiner Stelle und mit seinem Studentenausweis die Prüfung für ihn schreibt

Ganz klar:

– die 200 Mark nehmen
– die Prüfung schreiben
– und absichtlich vermasseln

😉


Stannis Baratheon
22.4.2015 19:43
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Und kontrollieren muss man sie bei Klausuren auch nicht, schließlich sind dort alle Leute ehrlich.

In Villabajo wird noch abgeschrieben oder in Büros eingebrochen, in Villariba ist man a schon weiter: Einfach den Mitlaboranten ein bisschen Paraformaldehyd in die Wasserflaschen packen und die Konkurrenz ist hoffentlich erledigt.

http://www.straitstimes.com/news/singapore/courts-crime/story/astar-scholarship-holder-ouyang-xiangyu-expelled-stanford-20150408


Emil
22.4.2015 20:14
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@ck

Und natürlich die Klausurvorbereitungskurse. Mehrere Stunden, an diversen Abendterminen vor der Klausur. Durchgeführt von den Assistenten des Professors, die selbstverständlich auch diejenigen waren, die die Klausuraufgaben stellen und korrigieren. Veranstaltugnsort: Räumlichkeiten der Universität. Kosten zwischen 50,- und 100,- DM, zahlbar natürlich in bar an die Assistenten. Die Klausuraufgaben unterschieden sich von den “Übungsaufgaben” dann bei einigen Ziffern.

Sowas gab es während meines Studiums nicht und ich habe auch an meiner Uni nie von sowas gehört. Das hätte gewaltig Stunk gegeben, das kannst du mir glauben.

Das einzige, was ich in dieser Richtung kenne, sind (externe) Repetitorien bei den Juristen, aber da scheint das so üblich zu sein.

Darf man fragen, was du studiert hast?


Heinz
22.4.2015 20:14
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@Schwärmgeist

in den 90ern war’s mit den DDR-Schulen nicht mehr so dolle 😉

Davor trifft es aber Deine Einschätzung. Schüler, die die 10. nicht schaffen würden, gingen entweder mit der 8. ab (nach 9 Schuljahren) und wurden Bauarbeiter oder Hausmeister. Die Stasikinder durften Abitur direkt machen, die anderen dann eben zusammen mit der Lehre oder nebenberuflich. Einen Studienplatz zu bekommen, das war schwierig. Mit der 10. (also heute Realschulabschluß) stand einem einigermaßen Angepaßtem das meiste offen, da das Abitur wie gesagt gemeinsam mit der Ausbildung abgelegt werden konnte.
Das Bildungssystem war viel durchlässiger als heute, weil Leistung mehr zählte als Geld und sogar politische Überzeugung.

Nachteile sind vermutlich bekannt: Denunziation, Erpressung, Wehrlager, FDJ-Nachmittage, Appelle…

Aus meiner heutigen Sicht (Kind der 70er der DDR, nach der Wende lange mit einer Westdeutschen liiert), waren die 70er im Westen die beste Zeit, die Deutschland lange hatte und vermutlich haben wird. Seltsam, daß ausgerechnet damals so, freundlich ausgedrückt, ideologische Dreckswerke wie “Rolltreppe abwärts” oder später “Die Wolke” Verbreitung fanden.


Thomas
23.4.2015 0:06
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Emil
23.4.2015 9:11
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@Thomas
> Die Reaktion der Universität: …

Mehrere in diesem Text enthaltene Passagen empfinde ich als diffamierend und beleidigend und verurteile sie entschieden. Als Rektor der Universität Konstanz entschuldige ich mich persönlich für diese von einem Universitätsmitglied gemachten Aussagen.

Ich werde diesen Vorgang weiterverfolgen und habe veranlasst, mögliche Konsequenzen gegenüber Herrn Meyer zu prüfen.

Prof. Meyer mag nicht ganz koscher sein, aber die politische Korrektheit die dieser Rektor an den Tag legt und die Drohung mit Konsequenzen halte ich für total daneben.


Michael
23.4.2015 9:30
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@Heinz

> Die Stasikinder durften Abitur direkt machen, die anderen dann eben zusammen mit der Lehre oder nebenberuflich.

> Das Bildungssystem war viel durchlässiger als heute, weil Leistung mehr zählte als Geld und sogar politische Überzeugung.

Du musst dich schon entscheiden 🙂

Fakt ist, dass es natuerlich ‘normales’ Abitur gab. Da gingen wenn ich mich recht entsinne, ca. 3-4 Leute von 25-30 einer Klasse hin. Zugesichert war das Offiziersbewerbern, relativ sicher war es fuer maennliche Zoeglinge die die Leistung brachten UND sich fuer 3 Jahre als Unteroffizier auf Zeit verpflichteten. Die Maedels mussten das nicht, aber sollten wenigstens brav in der FDJ sein (und auch die Leistung bringen).

Ich hab mir’s politisch vergeigt, allerdings nach meiner Lehre die Sache ueber Abendschule nachgeholt (ein Sammelbecken fuer Leute mit meinen oder aehnlichen Problemen). Und ueber eine Spezialkonstellation der DDR – die mir eigentlich als Knueppel zwischen die Beine fahren sollte – paradoxerweise gerade mein Lieblingsstudium der Mathematik bekommen.


Schwärmgeist
23.4.2015 19:47
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Herr Rüdiger schreibt also:

Die Studierenden und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Der Mann ist doch für die deutsche Sprache auch schon verloren.

Sind Programmierer denn Programmierende, Tänzer vielleicht Tanzende?

“Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter” ist wenigstens kein Verstoß gegen unsere Grammatik, aber hält der Prof. das wirklich konsequent in allen Texten durch, bei jeder Pluralgelegenheit? Da blähen sich die Texte doch glatt um zehn Prozent mit heißer Genderluft auf. Denn wer einmal “Bürgerinnen und Bürger” schreibt, der muß sich fragen lassen, warum er es denn an anderer Stelle nicht tut. Daher: Gar nicht erst damit anfangen.


Schwärmgeist
23.4.2015 19:53
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Und hier noch gleich ein Plädoyer gegen das generische Femininum hinter: “Wer einmal damit anfängt, die muß sich fragen lassen” klingt reichlich schräg. Wer das nicht sehen mag, der hat immerhin seine Muttersprache nicht mehr auf seiner Seite.


Schwärmgeist
23.4.2015 20:06
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Es wundert mich übrigens, daß Hadmut das nicht verlinkt hat. Jetzt hat es auch noch Nigel Short erwischt: http://www.spiegel.de/panorama/leute/schach-grossmeister-nigel-short-veraergert-frauen-mit-aeusserung-a-1029487.html .

Ganz witzig sind auch die Leserkommentare. Da wird ein seltener Ausnahmefall, nämlich Judit Polgár, herangezogen, um Short zu “widerlegen”.

Dabei sagt Short ja nicht, daß Frauen nicht gut Schach spielen könnten. Er sagt nur, und das richtig, daß sie es seltener gut können als Männer.

Aber fürs Schach, wo ja nun alle körperlichen Vorteile des Mannes keine Rolle mehr spielen sollten, gemeinsame Turniere für Männer und Frauen zu fordern, das ging den Bewegten denn doch zu weit.


Gästle
19.5.2015 15:56
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War doch alles nicht so schlimm: „Um eine Debatte über bildungspolitische Entwicklungen in Deutschland anzustoßen, habe ich einen polemischen Artikelstil gewählt“. Pauschalisierend sei es auch nicht gemeint gewesen.

Da war der Gegenwind doch stärker als gedacht.