Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Eine Korrelation ist keine Kausalität

Hadmut
31.5.2014 18:56

Noch zwei Fälle aus der Presse.

Facebook bringt eine Studie, wonach gute Schulnoten mit der Zahl der Freunde korreliert sind. Aussage des Professors:

“Wir können mit statistischer Sicherheit sagen, dass Männer mit vielen FB-Freunden bessere Noten haben als Männer mit wenigen FB-Freunden, während der Effekt bei Frauen genau andersherum ist.” Huch? Männer profitieren von Facebook, Frauen aber nicht?

Und da kommt dann gleich noch eine Korrelation mit dem Geschlecht mit dazu. Der SPIEGEL macht daraus gleich die Aussage, dass Leute mit vielen Facebook-Freunden auch bessere Noten hätten. Oder doch eher umgekehrt? Und sie meinen, das läge daran, dass Männer Fachebook als Werkzeug benutzten, also mehr Freunde = mehr Werkzeug = bessere Hausaufgaben, während Frauen sie für die Freizeit nutzten, also mehr Freunde = mehr Freizeit = weniger Hausaufgaben.

Das bringt wieder das alte Dialektik-Problem, wie eine mehr-mehr-Korrelation zu bewerten ist. Bedingt das eine das andere (also positive Korrelation), oder kommt der, der das eine loswerden will, zum anderen, weil es dagegen wirkt (also negativ korreliert ist). Oder am konkreten Beispiel: Unter den Leuten, die viele Kopfschmerztabletten nehmen, sind auch mehr solche mit Kopfschmerzen. Heißt das nun, dass Kopfschmerztabletten Kopfschmerzen verursachen (von wegen „mit statistischer Sicherheit sagen”), oder dass die, die viele Kopfschmerzen haben, auch viele Tabletten fressen, weil sie diese bekämpfen? Also letztlich in einer Kontrollgruppe mit gleich viel Kopfschmerzen die, die die Tabletten fressen, am Ende weniger Kopfschmerzen haben?

Das Problem ist immer dasselbe, dass man über Gruppen mit ungleichmäßigen Eigenschaften betrachtet und sich dann willkürlich einen Zusammenhang ausdenkt. Sowas geht imer schief.

Der dialektische Klassiker ist das Dilemma mit der Seife. Man soll ein Stück Seife verschenken und dazu entscheiden, welchem von zwei Menschen man sie schenkt. Dem sauberen oder dem schmutzigen? Dem sauberen, weil er Seife verwendet und damit etwas anzufangen weiß, und sie damit nicht vergeudet ist? Oder dem Schmutzigen, weil der sie braucht, uns sie bei dem vergeudet wäre, der schon sauber ist?

Noch ein schönes Beispiel: Pornos machen doof. Diesmal im Focus.

Sie wollen festgestellt haben, dass eine Korrelation zwischen viel Pornokonsum und Hirneigenschaften besteht, die man gemeinhin unter dem Begriff »dumm« zusammenfasst. Die Porno-Gegner meinen gleich, dass Pornos ja offensichtlich dumm machten. Diesmal ist es aber die Wissenschaftlerin, die aufgepasst hat:

In einer Email an die Nachrichtenagentur „Reuters“ gibt Studienleiterin Simone Kühn zu, dass es noch viele offene Fragen gebe: So gehe aus der Studie nicht eindeutig hervor, ob tatsächlich der Konsum von Pornos zu den beobachteten Veränderungen im Gehirn führe – oder ob Männer, deren Gehirn auf diese Weise ausgebildet sei, eher zu Erotikfilmen greifen als andere. Denkbar sei sogar, dass beides zuträfe.

Hurra. Da hat endlich mal eine aufgepasst.

Vielleicht müssen Dumme ja auch einfach länger Pornos gucken, bis sie die Handlung verstanden haben.

Womit wir von der Wissenschaft zur allgemeinen Bevölkerung rumschwenken. Die drehen sich nämlich aus empirischen Beobachtungen auch die Kausalität so hin, wie sie sie gerade brauchen. Deshalb macht der Volksmund aus der beobachteten Korrelation auch ein „Dumm fickt gut” und nicht „Ficken macht dumm”.


17 Kommentare (RSS-Feed)

yasar
31.5.2014 19:16
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> Vielleicht müssen Dumme ja auch einfach länger Pornos gucken, bis sie die Handlung verstanden haben.

Wie? Es gibt Pornofilme, die Handlung haben, die über das philosophieren über Stroh hinausgeht? 🙂


Pornos machen doof

Das ist ein bekannter temporärer Effekt. Er hängt mit der Blutmenge zusammen.

Carsten

http://www.saranyakrishnan.myewebsite.com/img/mid/24/anne-geddes.jpg


Phil
31.5.2014 20:48
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@yasar “Pirates XXX”? Seinerzeit der teuerste Film … sogar mit Special Effects 😉


derdieBuchstaben zählt
31.5.2014 20:51
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@ yasar

Solltest die Pornos nochmal gucken, bis Du die Handlung verstanden hast … 🙂


maSu
31.5.2014 20:51
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ach Hadmut … die letzten beiden Absätze sind göttlich 🙂 YMMD sagt man da!


Noob
31.5.2014 20:51
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@yasar: hab icvh auch gehört, deswegen schau ich mir ganz viele davon an und suche die handlung, hab aber noch keine gefunden. (wie bei den grossbuchstaben :P) aber ich geb nicht auf, ich suche weiter,


Was mich immer stört, ist, dass da nie die Stärke des Zusammenhangs und das Signifikanzniveau angegeben wird. So lässt sich mit der Statistik reichlich wenig anfangen.

Und außerdem: Was sagt die Anzahl der FB-Freunde schon aus? Hier wird stillschweigend vorausgesetzt, dass eine hohe Zahl gleichbedeutend mit einem hohen individuellen Zeitvertreib auf FB sei. Das müsste aber erstmal belegt werden.

Vielleicht sind die guten Schüler ja auch einfach nur sozialinkompetente Streber, die ihr niedriges Ansehen bei den Klassenkameraden dadurch zu kompensieren versuchen, dass sie eine möglichst große Zahl von “Freunden” auf FB zusammenadden?
Zumindest kann ich mich erinnern, dass es zu meiner Schulzeit ein paar solcher Fälle gab, wenn auch damals noch auf SchülerVZ.


joachim
31.5.2014 22:26
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Ich kaufe immer 2 Bücher, weil ich es beim ersten Male eh nicht verstehe. Bin ich deswegen gebildeterß


rleo
31.5.2014 22:56
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Kann sein, dass das so ist.
Ich nehme an, per FB werden die Prüfungsantworten und -tricks geleakt.
Als ich studierte, es gab noch kein Internet, gab es eine relativ leichte Zwischenklausur, bei der 50% das Ziel nicht erreichten.
Das diente dazu, Leute, die eh kein Interesse an dem speziellen Fach hatten, auf andere Fächer umzuleiten.
Wer Interesse am Fach hatte, für den war diese Klausur ‘mit links’ zu schaffen.
Damit es nicht ganz so schlimm wurde, hatte man die Antworten auf dem Klo ausgehängt und denen, die das nicht gleich kapierten, doch geraten, mal auf das Klo zu gehen (Rat kam von der Aufsicht).
So ist mir das hinterher erzählt worden.
Maw. 50% haben es nicht kapiert und sind durchgefallen.
Mit den heutigen Mitteln entfällt das, da geht einer aufs Klo, und sendet das an seine FB Freunde.
Den Zusammenhang FB und besseren Noten könnte man so ‘erklären’.
Aber ob daraus auch ein besserer Wissensstand resultiert, wage ich zu bezweifeln.
Da nehme ich eher das Gegenteil an, männlich und weiblich.


Thomas Bliesener
31.5.2014 23:55
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Spurious correlations: http://www.tylervigen.com/


Manuel
31.5.2014 23:59
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Es gibt aber auch noch die Möglichkeit, dass es keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen zwei korrellierenden Eigenschaften gibt.
Um beim Pornobeispiel zu bleiben: Was wäre, wenn intelligente Männer einfach mehr realen Sex haben, weil Frauen tendentiell mehr auf intelligente Männer stehen und deshalb schauen intelligente Männer weniger Pornos?

Würde man also zwei Vergleichsgruppen bilden, eine mit intelligenten und eine mit dummen Männern, und beiden Gruppen den realen Sex verbieten und dann beobachten, welche Gruppe mehr Pornos schaut, könnte auch rauskommen, dass beide gleich viel schauen und sich die Intelligenz im Laufe des Expierments auch nicht ändert…

Dann würde im Spiegel stehen: Sex mit Frauen macht Männer intelligenter.

Dann regt sich aber bestimmt eine Queer-Aktivistin auf, weil diese Erkenntnis ja homophob sei.

Vlt. könnten Forscher dann noch feststellen, dass Sex mit schönen Frauen noch intelligenter macht als Sex mit hässlichen Frauen, immerhin könnte es sein, dass schöne Frauen noch mehr (im Schnitt) darauf achten, dass ihre Sexpartner ihnen intellektuell mindestens ebenbürtig sind. Könnte man ja so mal vermuten.

Dann sind aber die Gender-Aktivistinnen am toben und es gibt einen neuen Aufschrei.

Kann man nur hoffen, dass kein Forscher auf die Idee kommt, das zu untersuchen. Er könnte vlt. was finden…


Andy
1.6.2014 0:56
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>> Vielleicht müssen Dumme ja auch einfach länger Pornos gucken, bis sie die Handlung verstanden haben.

Made my day. Erklärt vielleicht auch warum Gonzoporn so beliebt geworden ist. Allgemeine Verdummung machte eine Vereinfachung des Genres notwendig.


derMike
1.6.2014 10:00
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Zur Facebook-Geschichte:

Ich denke der Zusammenhang ist nicht
Mehr Freunde—> bessere Noten, sondern
bessere Noten—> mehr Freunde

Wenn ich mal meine FB Freunde anschaue, dann sind max 5%
auch tatsächliche Real Life Freunde, den Rest habe ich z.B während des Studiums, Auslandssemester, Praktikas usw. aufgesammelt.
Und bei vielen meinen Freunden bei denen ich das beurteilen kann ist es ähnlich.
Jedesmal wenn ich in ne Gruppe Internet/FB -affinen Menschen gekommen bin kam ein ganzer Schwung neuer FB Freunde dazu.

Und da nur jemand mit guten Noten auch in solche Gruppen gerät
(der Hauptschüler macht eine Ausbildung und das wars)
hat auch nur jemand mit guten Noten so viele Freunde.

Auch kostet Sudieren Geld, Auslandsaufenthalte sowieso.
D.h auch nur derjenige mit nem Elternhaus das die subventionieren kann kann auch mehr Freunde einsammeln.
Bzw. die Eltern bezahlten Nachhilfe damit er es aufs Studium schafft….


Heinz
1.6.2014 10:03
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@Andy
> Made my day. Erklärt vielleicht auch warum Gonzoporn so beliebt geworden ist. Allgemeine Verdummung machte eine Vereinfachung des Genres notwendig.

Also ich hab auch schon historische (alte) Pornofilme gesehen (aus Forschungszwecken versteht sich) und kann dir sagen, dass die Filme sicher nicht durch ihr Handlung bekannt geworden sind.
Als Beispiel:
http://youtu.be/5HfVjf6_ny8


yasar
1.6.2014 11:03
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@Phil:

Ich dachte. das wäre alles was man an Handlung bräuchte:

https://www.google.de/search?q=stroh+maske+youtube


[…] Vielleicht müssen Dumme ja auch einfach länger Pornos gucken, bis sie die Handlung verstanden habe… […]


Lohengrin
2.6.2014 23:54
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Es gibt Pornos, die wegen ihrer Handlung berühmt geworden sind. Zum Beispiel Kasimir der Kuckuckskleber.
http://www.youtube.com/watch?v=SHgrpasBNz4