Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Physik: Groß schlägt dick

Hadmut
25.5.2014 16:24

Noch ne Beobachtung so nebenbei.

Weil ich gerade das schöne Wetter genutzt habe, um die Winterbettdecken zu waschen und für das Einlagern über Sommer richtig trocken zu kriegen, noch so eine Erkenntnis nebenbei.

Bis zu meinem Umzug nach Berlin hatte ich bisher immer Bettdecken und -wäsche in der Standardgröße. Weil’s vor Jahren mal ein Problem mit der Zentralheizung gab, habe ich mir da mal für mittelteures Geld im Bettenfachgeschäft so eine richtig schöne, kuschelig warme Winterdecke gekauft, die ihre Isolationswirkung daraus bezieht, dass sie aus zwei normalen Decken besteht, die außenrum, aber eben nicht flächig miteinander vernäht sind. Dadurch bildet sich zwischen den zwei Deckenschichten ein Luftpolster, das gut isoliert. Sehr angenehm die Decke. Im Winter. Im Sommer nicht auszuhalten, deshalb nehme ich im Sommer ne andere (oder wenn’s ganz warm ist, auch mal nur den Bezug ohne was drin). Sowas mag ich, denn – nennt mich Banause – ich bevorzuge ganz einfache Synthetik-Decken. Diesen ganzen Krempel aus Daunen, Wolle, irgendwelchen Natur-Öko-Fasern und eingearbeiteter Kokos-Matte kann ich alles nicht ab. So ne ganz gewöhnliche Steppdecke aus der Massenproduktion mit Synthetikfüllung ist mir am liebsten. (Als Kind hatte ich solche Federbetten mit Daunen drin. Ganz schrecklich. Nie wieder.)

Beim Umzug nach Berlin hatte ich wieder mal das Problem, für gewisse Zeit zwei Wohnungen zu betreiben. Ich hatte hier so eine möblierte 1-Zimmer-Wohnung, zu der auch Bettwäsche gestellt wurde. Ganz dünne, billige. Und es ward gerade kalt. Also hab ich mir beim Discounter-Supermarkt die nächstbeste billige Bettdecke gekauft. Die hatten da gerade was im Sonderangebot: Übergröße. Zwei Decken, eine dünne für den Sommer, eine dicke für die Übergangszeit, und wenn man’s ganz warm braucht, kann man beide mit Druckknöpfen zusammenheften, wieder das Prinzip der Doppeldecke mit Luftschicht. Und Übergröße gefällt mir gerade, weil ich zwar eher klein bin, mir aber normale Bettdecken trotzdem ständig zu kurz sind. Keine Ahnung, was ich falsch mache.

Die Überraschung:

Diese billige Supermarkt-Decke, ist zwar viel dünner als meine alte Winter-Doppeldecke aus dem Bettenfachgeschäft, und hat ungefähr nur ein Drittel gekostet, hält aber so warm, dass ich die Kombination aus dünn und dick mit Druckknöpfen nur eine einzige Nacht benutzt habe, war mir zu warm. Nur die eine, dickere der beiden Einzeldecken reicht mir im Winter völlig, das Zwischenluftpolster brauche ich gar nicht.

Warum ist das so?

Weil sie besser abdichtet.

Die alte, dicke, aber normal große Decke ist nicht groß genug, um immer und rundherum mit der Matratze abzuschließen. Irgendwo zieht sie immer Nebenluft rein, und muss den Wärmeverlust mit dickerer Isolierung ausgleichen.

Die neue, viel dünnere, billige aber deutlich größere Decke in Übergröße ist so groß, dass sie rundherum (Prinzip Ravioli) gut und flach auf der Matratze aufliegt, auch noch bei Bewegung. Und unter den Füßen. Bis hoch zum Hals. Dadurch kommt weniger Außenluft rein und es fühlt sich mindestens genauso warm an. Und das, obwohl die Decke ja alles andere als luftdicht ist, und sie durchaus Luft durchlässt, sonst würde man ja schwitzen.

Die Erkenntnis:

Dicke Bettdecken lösen das falsche Problem. Ein Großteil der Körperwärme geht nicht durch die Decke durch verloren, sondern außenherum, wenn die Decke nicht genug zur Matratze abschließt und es kalt reinzieht. (Was, nebenbei bemerkt, auch das Funktionsprinzip des Schlafsacks ist.)


8 Kommentare (RSS-Feed)

Georg_B
25.5.2014 16:47
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Ja bekanntes Problem.

Lösbar mit Heizung aufdrehen (Normalmensch) oder Holzkohlegrill anzüngen (Zigeuner) oder Benzintonne anzünden (Hobo).


Pete
25.5.2014 17:48
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Mich deucht, ich bin hier im Blog eines Ingenieurs gelandet 😉


Lars
25.5.2014 18:25
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ham mir schon das sommerloch? 🙂 🙂 🙂


Marc
25.5.2014 20:29
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Besonders gut eingepackt war für mich immer: an den Füßen die Decke umklappen, so dass sie auch unter den Füßen liegt 😀


Steffen
25.5.2014 23:03
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(Zusammenhänge zwischen amerikanischen Schlafgewohnheiten und Konvektion sind rein zufällig.)

Ich frage mich, wieviel Wärme im beschriebenen Fall noch durch Konvektion via Raumluft entzogen werden kann. (Wahrscheinlich 100%, wenns genug zieht, bzw. annäherend 0% wenn absolut kein Luftzug stattfindet.)

Die Gegenteilige Situation wäre wohl keine / eine kürzere / eine dünne Bettdecke und etwas Konvektion mittels eines Ventilators.

Eine weitere Frage, an die mich diese Situation errinnert wäre die Rolle der abgeführten Feuchtigkeit (durch die Matratze / die Decke) und der Luftfeuchtigkeit im Schlafkomfort. Ich werde mal ein wenig nachforschen, wenn ich die Zeit dazu finde.


breakpoint
26.5.2014 8:55
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Seit ich eine eigenen Wohnung habe bevorzuge ich auch Komfortgröße (220cm * 155cm). Für zwei ist das aber trotzdem zu klein.

Eigentlich ist es eine Binsenweißheit, dass in allen Richtungen eine thermische Isolation gegeben sein sollte. Sonst zieht’s irgendwo.

@Steffen
Da gibt es zu viele (unbekannte) Parameter, um da eine einigermaßen zutreffende Abschätzung machen zu können: Luftemperatur, -feuchtigkeit, -druck, Masse und Oberfläche des/der Schlafenden, Wärmeleitfähigkeit und -durchgangskoeffizient der Bettdecke, usw, usf.

Und wenn ich mich so richtig schön eingekuschelt habe, interessiert mich das auch gar nicht.


Klaus
26.5.2014 10:52
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Glücklicher!
.
Ganz schlimm anno 1973 in Folkestone/England in einem kleinen Hotel. Das Bett hatte allen Ernstes Plastikbettwäsche in rosa. Plastik! Rosa! Das Zeug klebte fürchterlich am Körper. Es war zum Glück nur für eine Nacht.


_Josh
26.5.2014 19:56
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@Georg_B: Ich lachte, hart. =:->