Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Group Think

Hadmut
24.5.2014 18:13

Ach, gar? Nur drei Tage? Würde bedeuten, dass der Gruppendruck eher so ein Notfall-Programm für die erste Reaktion ist.

16 Kommentare (RSS-Feed)

Heinz
24.5.2014 20:09
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Die ersten ( und bislang einzigen) drei Kommentare unter dem Artikel sind gut.


qed
24.5.2014 21:08
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Das überrascht nicht wirklich, denn seit Jahrzehnten grämen sich die Demagogen dieser Welt über die nachgewiesene Unwirksamkeit ihrer Bemühungen. Am nächsten kam noch Großmeister Goebbels der Wahrheit, indem er propagandistische Wirksamkeit nur für die Inhalte erkannte, die völlig stereotyp, affektiv hoch aufgeladen und mindestens halbwahr sind.

Die große Enttäuschung sprang auch unserer Qualitätsjournaille anläßlich der EUkrainekrise aus dem Gesicht, als sie arg haderten mit ihrer Leserschaft, die ihnen ihre Märchen einfach nicht mehr abnahm. Jüngstes Beispiel ist die FOZ, die glänzte mit den feuchten Träumen linkssoziologischer Berufslügner:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/langzeitstudie-kriminalitaet-waechst-sich-aus-12953300.html

Unter dem Artikel steht die Kapitulationserklärung qualitätsjournaillistischen Wirkens, meines Wissens in der sich elitär gebärdenden FOZ ein Novum:

“Der Stil der Diskussion lässt Respekt und Höflichkeit vermissen. Eine sachliche Auseinandersetzung zum Thema scheint nicht mehr möglich zu sein. Daher beenden wir die Diskussion an diesem Punkt.”


ST_T
24.5.2014 22:37
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@qed

Jop, ich habe mal selbst Stichproben gemacht, indem ich Beiträge geschrieben habe.

Einige davon waren vom Ton her böser, einige weniger böse. Hier mal ein paar Korrelationen:

1.) Im Test waren SZ, ZO und FAZ.
2.) Ich hatte auf jeder dieser Zeitungen einen Account.
3.) Ich habe über Monate Kommentare veröffentlicht, davon waren einige grenzwertig, andere hingegen waren nur sehr kritisch bezüglich der aufgeführten Fakten.
In keinem Fall aber habe ich unbelegte Ansichten und Mutmaßungen oder Unterstellungen geschrieben.
Auch habe ich nichts geschrieben, was von der hiesigen Meinungsfreiheit im GG nicht gedeckt worden wäre. (Zumindest nehme ich das an) Ich weiß, dass die Verlagshäuser im Grunde eine eigene Philosophie zur Auslegung haben.
Ich habe auch wenige neutrale/gemäßigte Kommentare geschrieben, nur um
zu bestätigen, dass Kommentare auch tatsächlich veröffentlicht werden, so eine Art Dummy-Test.

Fazit:
ZO:
Die ZO zensiert oft, der Ton im Forum ist dementsprechend rau. Dennoch muss ich dazu sagen, dass sie nur dann zensiert, wenn es dazu auch einen Grund gibt. Bei Debatten wird am Anfang weniger zensiert, später mehr. Auch werden ganze Debatten gesperrt.
In bestimmten Debatten (z.B. Israel und Ukraine) wird sehr ideologisch gefärbt zensiert, anders geltende Meinung als die der Redaktion werden nicht zugelassen.
Des Weiteren wird mithilfe der “Redaktionsempfehlungen” nicht nur außergewöhnliche Kommentarleistung gelobt, sondern stattdessen auch Kommentare, welche der Meinung der Redaktion entsprechen, somit wird ein “quasi-Monopol” erschaffen.

SZ:
Die SZ zensiert extrem oft, greift aber nicht unbedingt in die Kommentare ein. Es scheint eine Art innere Blacklist zu geben, nach der bestimmte Kommentare bestimmter Accounts per se nicht zugelassen werden. Das habe ich mithilfe eines Freundes getestet, der dort auch schreibt.
Auch hat das nichts mit der Heftigkeit an sich zu tun, sondern eher mit der Kritik am journalistischen Vorgehen. Manchmal bekommt man freundlicherweise eine Antwort der Redaktion auf mutmaßliche Fehler, das heißt aber dann nicht, dass ein Leserkommentar veröffentlicht wird.

Beispiel:
Es gab ein Interview mit einem, der als “Zivilisten” bezeichnet wurde, in einer ostukrainischen Stadt. Im Zuge des Interviews wurde auch genannt, dass er pro-Ukraine ist, und zwar soweit, dass er sich ein Tattoo hat stechen lassen mit der Schrift “Ruhm der Ukraine.” Dieses sollte ihm, laut eigener Aussage, mit einer Glasscherbe durch “pro-russische” Separatisten ausgeschnitten werden.
Ich habe dann im neutralen Ton darauf hingewiesen, dass dieses Tattoo und diese Symbolik ein Symbol rechter Gruppen in der Ukraine ist, wie etwa der Tagesspiegel auch beschrieben hat. Ich habe dazu mehrere Quellen gehabt, die allesamt sicherlich nicht ideologisch gefärbt sind, zumindest nicht so wie etwa “Stimme Russlands”.
Der Kommentar wurde nie zugelassen.

FAZ:
Die FAZ hingegen scheint eine wahrhaftige Doppelmoral zu pflegen. Auf der einen Seite wirbt sie für Transparenz und Klarnamen, auf der anderen Seite hingegen gilt diese Transparenz nicht für die Zensur der Kommentare, diese erfolgt nach eigener ideologischer Gesinnung. Wer etwa gegen Erdogan schreibt hat weitestgehend freie Hand, darunter fand ich auch Aussagen anderer Foristen, die sehr_grenzwertig waren.
Kommentare, die sich gegen die eigene Regierung richten oder gegen das Handeln bestimmter Personen (zum Beispiel Steinmeier-Video der WELT) werden ausnahmslos zensiert, außer denen, die den Politikern zustimmen. So wird auch hier ein “quasi-Monopol” gebildet.
Auch Fragen an andere Foristen endeten darin, dass ich erfahren habe, dass ihre Kommentare genauso zensiert werden, wenn sie so schreiben…

————–

Fazit:
Deutschland ist eine Demokratie, aber offensichtlich gilt das nicht für die Online-Foren von Zeitungen. Jede der drei “Qualitätsmedien” zensiert im grenzwertigen Maß Kommentare und andere Meinungen als die der Redaktion.
Die ZEIT z.B. hat sich, als im Zuge der Ukraine-Krise die Anzahl kritischer Kommentare immer größer wurde, sich als nahezu einzige Zeitung mit dem Phänomen der “Andersdenkenden” befasst, nicht aber ohne diese durch Suggestionen und ähnlichen manipulativen Kram als “Spinner” darstehen zu lassen.
Kritiken an “Gender” und “Diversity” werden übrigens fast durch die Bank zensiert, Ausnahme sind dabei nur sehr wenige Kommentare.

Offenbar scheint dieses Mitläufertum auch für Zeitungen zu gelten, da sich alle Arten von Manipulationen der Online-Foren sehr ähneln.
Das das drei Tage anhalten soll bezweifle ich ernsthaft bei einem Zeitraum von mehreren Monaten.


HF
25.5.2014 8:09
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Alles bloss Chemie! Das Herdengift wirkt wie andere Drogen auch.


Ron
25.5.2014 9:13
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@ST_T
Merkwürdigerweise scheint im SPON-Forum bei Gender-Artikeln keine große Zensur vorzuherrschen. Meistens sind, bei den überwiegend positiv verfassten Genderartikeln, die ersten Kommentare durchweg ablehnend und kritisch gegen Gender – und anscheinend zugelassen.


3lric
25.5.2014 9:28
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Darum wird der soziale Druck ja auch konstant hoch gehalten. 😉


Francis Schmit
25.5.2014 11:00
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Frage an ST_T als Kenner der Ideologien der Redaktionen : Welche Tageszeitung oder Wochenzeitschrift bringt eine ausgewogene Berichterstattung oder Besprechung der deutschen Kolonisation, die nicht von der DDR oder von feministischen Professorinnen beherrscht wird ? Merkmal: der Begriff “Kolonisation”(operative Kolonisation, Römische Kolonisation) wird generell durch das Reizwort “Kolonialismus” , der als rein europäischen Ideologie in Übersee nichts bewirkt hat. ersetzt


ST_T
25.5.2014 11:17
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@Ron

Wie gesagt, das ist von Zeitung zu Zeitung abhängig. Ich muss aber dazu sagen, dass ich SPON grundsätzlich kaum bis gar nicht lese und mir daher nie angeschaut habe, inwieweit dort zensiert wird.

Meine eigene Recherche ist auch keine Wissenschaft sondern lediglich Beobachtung. Es hat mich einfach einmal eine Zeit lang interessiert…


HiWi
25.5.2014 17:51
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Aber, aber. Dir fallen doch sonst sie Kausalitätsfehler sofort auf.

“Die Probanden hatten die Gruppenmeinung quasi wieder vergessen. Warum die soziale Konformität nach wenigen Tagen wieder verschwindet, dafür haben die Forscher bislang keine Erklärung”

Doch, haben sie, sie steht im Satz vorher. Vergesslichkeit. Das Kurzzeitgedächtnis merkt sich Dinge nicht lange. Sie haben nicht untersucht wie lange Druck wirkt, sondern wie lange das Kurzzeitgedächtnis sich an allgemeine Dinge erinnert. Druck in Verbindung mit Angst, anderes Gehirnareal zuständig, wirkt nämlich länger. Keinem fällt es auf, dumme “Wissenschaftler”, dumme “Journalisten”, dumme Leser, dumme Welt. 🙁


kokko
25.5.2014 18:10
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um sozial erwünschte antworten zu liefern / andere zu spiegeln muss man erstmal um das erwünschte/den fakt wissen

ist mMn dann eher wenig verwunderlich, dass
1. man bei lediglich 1/4 an übereinstimmung am anfang rel einfach eine angleichung der ergebnisse ans gruppenergebnis bekommen kann

2. man nach ~3tagen und 280bildern aber kaum noch erinnert bei welchem von den bildern die gruppenmeinung positiv oder negativ von dem eigenen gefühl/bewertung der attraktivität abweicht und somit dann wieder ausgangswerte von nur 1/4 an übereinstimmung herauskommen

bei konkreten normen die man nicht mal einfach so vergessen kann (aka gendermainstreaming ist toll oder volkXY sind untermenschen und gehören als solche behandelt)wird es dann eher interessant wie lang die sich halten und in welchem kontext man da von seiner eigenen meinung abweicht bzw die gruppenmeinung beibehält…

das experiment hier ist mMn mehr ein test der merkleistungen der probanden…


qed
25.5.2014 18:51
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@ Ron, @ ST_T

kann ich im wesentlichen so bestätigen, nur bei SPON nicht- allerdings bin ich da vor langer Zeit schon rausgeflogen.

Zunächst mal: daß bei SPON Genderismuskritik durchgeht, ist relativ neu, früher waren sie da ganz radikal.
Die Prantl- Prawda lese ich aus Prinzip nicht.
ZO läßt meinem Eindruck nach Genderkritik nur selten und in völlig kastrierter Form zu, bei Politthemen wie Ukraine und allem, was der ‘Atlantikbrücke’ zuwiderläuft, wird radikal zensiert oder ganz geblockt.
Besonders hinterfotzig: FAZ. Die Beobachtung von ST_T kann ich nur bestätigen. Was ebenfalls nie toleriert wird: Kritik an Artikeln der herausgebenden Herrgötter.
Bei der FAZ meine ich eine interessante Beobachtung gemacht zu haben: Sie ändert die Haltung! US- Kritik ist völlig sakrosankt geworden, ebenso Gender zunehmend. Auf Erdogan darf beschimpft werden. Man bemerkt es als langjähriger FAZ- Leser besonders an den Schreiberlingen: die Artikeldichte der progressiven Afterkriecher nimmt stark zu, altes Urgestein kommt kaum noch zu Wort. Selten habe ich da so dämliche Artikel von irgendwelchen Greenhorns gelesen wie zur Ukraine.
Mir scheint, sie kopieren die CDU mit ihrer Linksdrift, um gegen die stetig fallende Auflage anzustinken. Dazu paßt auch die Quasi- Übernahme des linken Kampfblattes FR.

Kommentare schreiben, halte ich dennoch für sinnvoll, auch wenn sie zensiert werden: meiner Info nach werden zu Hauptthemen sehr akribische Auswertungen angestellt- wie sonst sollte es ihnen aufgegangen sein, daß ihnen ihre Leserschaft nicht mehr glaubt, wie es jetzt anläßlich des Ukrainekomplexes deutlich wurde?

Das alarmiert sie alle, denn solche Leser kaufen auch das Mainstreamschundblatt nicht mehr.

Gabriele Krone- Schmalz hat es kürzlich auf den Nenner gebracht: Journalisten, denen nicht mehr geglaubt wird, sind erledigt.

Hoffen wir mal das Beste, daß das Berufslügnerpack bald auf dem Arbeitsamt Schlange steht!


Emil
25.5.2014 19:08
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@Ron
Ich kommentiere öfter mal im SpOn-Forum, etwa 20% meiner Kommentare wurde zensiert, wobei mir die Kriterien nicht klar sind. Es wurden durchaus grenzwertige Kommetare veröffentlicht, während relativ harmlose nicht durchkamen. Ich vermute, das hängt sehr stark vom jeweiligen Zensor ab, eine klare Linie konnte ich jedenfalls nicht erkennen.

Mir ist außerdem aufgefallen, dass sich Kommentare manchmal auf andere Kommentare beziehen, die nicht mehr vorhanden sind. Es wird also offenbar nicht nur zensiert, sondern auch nachträglich gelöscht. Möglicherweise lassen sie ein paar kritische Kommentare anfangs stehen, um den Kommentatoren eine angeregte Diskussion vorzuspiegeln, und löschen erst hinterher was ihnen nicht in den Kram passt.


vortex
25.5.2014 21:27
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@qed
“Jüngstes Beispiel ist die FOZ, die….”
I see what you did there.


qed
26.5.2014 9:21
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@ vortex:

Das mußte sein.
Nirgendwo als in diesem Blatt wird deutlicher, daß genitale Qualifikation umgekehrt proportional zur Qualität ist. Und es bleibt der böse Verdacht, daß die Aussage sogar eine Kausalität darstellt.


kdm
26.5.2014 14:57
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ST_T:
Das ist auch meine Erfahrung. Bei ZEIT hab ich vor geraumer Zeit ganz aufgehört, zu kommentieren.
Bei SZ und FAZ erscheinen DIE Kommentare nicht, die sich kritisch oder auch nur ironisch mit dem Autor des jeweiligen Artikels befassen; in Sachen Ukraine besonders auffallend bei den extrem NATO/USA/EU-freundlichen Artikeln der Atlantiker Kornelius, Nonnemacher und Frankenberger (und deren Jünger).


Jeeves
26.5.2014 15:09
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Ich – als eigentlich Nicht-Fernseher – möchte nochmals “Die Anstalt” (ZDF) vom 29. April loben, in der der Zusammenhang
— deutsche “Qualitäts”presse & seltsame Ukraine-Artikel —
sehr gut erklärt wurde. Das war eine Wende in meinem Leser-Verhalten. Mir (und zig anderen) wurden die Augen geöffnet und die schon vorhandene vage Ahnung bekam endlich den Beweis: Ach, SO funktioniert das!