Ansichten eines Informatikers

Die Statistik beweist: In Berlin boomt das Verbrechen

Hadmut
3.5.2014 22:56

Stand neulich in der BZ:

Die Kriminalität explodiere. Vergleicht man den März 2014 mit März 2013, dann sind viele Kriminalitätszahlen förmlich explodiert. Schwarzfahren +850%. Vergewaltigung +22%. Kindesmissbrauch +52%. Wohungseinbrüche +24%. Baustelleneinbruch +72%. Fahrraddieblstahl +100%.

Wahnsinn. Berlin versinkt in Kriminalität. Ist ja auch die Schlagzeile.

Oder doch nicht?

Liest man den Text, dann steht da in der Prosa versteckt was anderes. Die Polizei sagt nämlich, dass nicht jetzt die Kriminalität übermäßig hoch sei, sondern umgekehrt es letztes Jahr im März noch saukalt war und Schnee lag. Da hatten auch die Kriminellen keinen Bock und sind lieber zuhause geblieben. Und dass die extreme Zahl von Schwarzfahren (+850%) daran läge, dass die Verkehrsbetriebe damals Probleme bei der Erfassung hatten und die Fälle jetzt nachgemeldet hätten.

Nicht jeder statistische Anstieg ist auch wirklich ein Anstieg.

Die Polizei meint übrigens, dass Mord und Totschlag um 39% gesunken seien.

10 Kommentare (RSS-Feed)

anstaltszauber
3.5.2014 23:29
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Probleme bei der Erfassung = Es wurde schlicht nicht kontrolliert, weil der alte Vertrag mit der externen Firma, die das für die BVG macht, ausgelaufen war und gegen die Neuvergabe geklagt worden war….


Andy
4.5.2014 0:16
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Kindesmissbrauch ist neuerdings also witterungsabhängig. Soso. Wobei man doch weiss das die meisten Taten in der Familie stattfinden. Und da würde man ja fast denken das die Täter das im eigenen Heim erledigen wo es schon muckelig warm ist.

Sinkende Mordzahlen kann man dann vielleicht damit erklären das die Gerichtsmediziner den einen oder anderen trotz zahlreicher Messerstiche im Rücken als Selbstmord abgeheftet haben, damit zeitig Feierabend ist und man irgendwo draussen ein kleines Fruhlingsbier schlürfen kann.

Jaja, Statistiken und ihre Erklarungsansätze…


_Josh
4.5.2014 0:22
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Wie das so mit Regentenpropaganda ist: Eigentlich geht’s/ sollte es gehen um Verbrechen, also Sachen, die mit Minimum einem Jahr Knast strafbewährt sind — bereits beim Erstdelikt, für solche Sachen wurde die “Kriminalitätsstatistik” ursprünglich in’s Leben gerufen.

Wenn man dann allerdings diesen Quark wie “Du Arschloch, Bulle”, “Fick Dich, Drecksfreisler”, Schwarzfahren, gelegentliches Kiffen & somit Besitz von Gras, “Wiederstand gegen die Staatsgewalt” beim Gezerre auf Demos, etc. herausrechnet, dann bleibt nicht mehr viel übrig, so propagandatechnisch für die “Qualitäts”medien.

Nichts Neues im Westen.


Cornelius
4.5.2014 8:36
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@Josh
Dieser Kommentar ist leider eine ziemliche Verharmlosung. Aus welchen Gründen sollten Vergehen aus der Statistik herausgehalten werden? Vergehen wie Diebstahl, Betrug oder Körperverletzung sind ja nicht unbedingt als unbedeutend einzustufen.
Und im Übrigen ist bei vielen Tatbeständen von einer Dunkelziffer auszugehen.
Und zu den absoluten Zahlen der erfassten Tatverdächtigen hilft ein Blick in die PKS. Da geht es nicht nur um harmlose Pöbeleien, im Gegenteil…
Wenn ich als Normalbürger mal überlege, welche und wie viele Straftaten zum Nachteil von Familie und Freunden in den letzten Jahren begangen wurden, wird mir bei so einem Kommentar schlecht.


Andreas
4.5.2014 9:51
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_Josh
4.5.2014 15:05
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@Cornelius:

Wenn ich als Normalbürger mal überlege, welche und wie viele Straftaten zum Nachteil von Familie und Freunden in den letzten Jahren begangen wurden, wird mir bei so einem Kommentar schlecht.

Seltsam. Wenn ich mir als ebenfalls (#1) Normalbürger ebenfalls (#2) mal überlege, welche und wie viele Straftaten an Familie und Freunden in den letzten Jahren begangen wurde — in der Verbrechens”hochburg” Frankfurt — dann komme ich auf genau eines: Ein Fahrrad wurde gestohlen.

PS: Wenn Dir schlecht von einem Kommentar wird empfehle ich Dir 1. einen Arztbesuch und/ oder 2. radikale Internetabstinenz.


RedHead
4.5.2014 18:28
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Also im Jahr 2013 müsste jeder Berliner gleich mehrere Bombenanschläge, Morde und ähnliches begangen haben, anders sind ja 50 Millionen Datensätze durch Funkzellenabfragen kaum zu rechtfertigen, das lässt ja die Strafprozessordnung nicht zu:
http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article127594968/Berliner-Polizei-kontrolliert-50-Millionen-Handydaten.html
Erstaunlich, dass 2014 überhaupt noch jemand am Leben war, um weitere Verbrechen zu begehen. Die sind vermutlich alle extra angereist und deshalb wird auch der Flughafen nicht fertig gebaut – eine reine Vorsichtsmaßnahme. Auf die Flut neuer Bombenleger ist Berlin noch nicht vorbereitet.


DerMike
4.5.2014 20:51
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Ich finde auch immer sehr schwach von Journalisten wenn
sie solche Statistiken dex Lesx (is das richtig so? Dem Leser
darf man ja nich mehr schreiben) präsentieren.

Richtig wäre ja zu sagen:
Zahl der ermittelten Verbrechen
um x% gestiegen.

Eine höhere Rate kann ja auch einfach daher kommen
dass z.B mehr Polizisten eingesetzt wurden und somit
auch mehr Verbrechen ermittelt wurden.

Die Gefahr sich darin dass der Leser
somit in die Irre geführt wird und dessen
Meinungsbildung fehlgesteuert wird.

Angenommen eine konservative Law ans Order Partei
bangt um ihre Wiederwahl weil ihr Vorpreschen in Sachen VDS sie Stimmen gekostet hat und möchte noch schnell ein paar
Stimmen zurückholen und dazugewinnen.
Dann ruft man kurz den Polizeipräsidenten (mit gleicher Parteitzughörigkeit) an und bittet ihn er solle doch paar Polizisten weg von der
Abteilung “Kreditkartenbetrug im Internet” hin zur Abteilung “Kinderpornos im Internet” umstellen.
Schwupps steigt die Zahl der ermittelten Fälle von KiPos
und schwupps steht dann in der Zeitung
“Kindesmißbrauch im Internet massiv angestiegen”.

Was macht dann also manch ein Wähler?
Genau, den Kindern zuliebe doch die Partei wählen,
weil diese Partei und die von ihr geforderte VDS
ja angeblich die einzige Möglichkeit sind die Kids zu schützen.


Kreuzweis
5.5.2014 9:56
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In einer Stadt, wo eine Richterin bei allergrößter Hitze 5 Tage lang von keinem Lebewesen ungerochen, vom polizeilichen Suchtrupp ungefunden abhängen kann und die Bevölkerung sowas schafköpfig frißt, da gilt, sag ich mal wieder:
“You get what you want!”


Alex
9.5.2014 11:15
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Und die etwas andere Sichtweise auf Kausalität und Korrelation:
http://dilbert.com/fast/2014-05-09/