Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der soziale Indikator dafür, dass gesellschaftlich etwas nicht stimmt

Hadmut
21.4.2014 19:48

Ist mir vorhin so aufgefallen.

Ich hab vorhin ein paar Kisten mit altem Krempel aufgeräumt und hatte so nebenbei einen Fernseher laufen. Im Ersten kam die Sendung „Junges Deutschland”, hatte ich eher ziellos eingeschaltet, Hauptsache irgendwas dudelt und es ist nicht so langweilig.

Die Sendung war verblüffend gut.

Es ging um die Jugend. Ungefähr von der Zeit vor dem ersten Weltkrieg bis in die DDR. Wie man sie als Soldaten verheizte, wie sie rebellierten, wie sie tanzten, Beat, Rock’n’Roll und lange Haare statt Lipsi und Uniform. Meine Jugendzeit ist ja auch drin vorgekommen. Jo, war gut.

Und dann ist mir was aufgefallen.

Schon aus dem alten Griechenland wird ein Ausspruch kolportiert (soll es Sokrates gewesen sein?), wonach die Jugend dem Luxus fröhnt. Seit Jahrtausenden ist es eigentlich so, dass die Alten eine starre, konservative Ordnung vertreten, und die Jugend Regeln ablehnt, dagegen verstößt, das freiere und unbekümmertere Leben führt, das Uniforme und die Regeln ablehnt. Gibt sogar Evolutionsbiologen, die das für notwendig halten, um sich ausbreiten und verbessern zu können.

Auch wenn das seit Jahrtausenden so ist, habe ich gerade das Gefühl, dass es momentan gerade umgekehrt ist.

Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass meine Altersgruppe die ist, die sich am wenigsten uniformiert, am individuellesten, am coolsten, am lockersten ist. Die heutige Jugend kommt mir wie in ein festes ideologisches Korsett eingespannt vor, denen jegliche Innovation und Kreativität fehlt. Man merkt das an diesem Genderismus, aber nicht nur daran. Da werden strikte Regeln aufgebaut, so hat man zu sprechen, das darf nicht in der Werbung erscheinen, jene Marken muss man tragen, und dann diese schrecklich lange Liste von Dingen, die verboten sind. Das ist sexistisch, jenes umweltschädlich, dieses ist nicht fair gehandelt, sowas ist rassistisch, blablabla.

Hinter dem Begriff der „political correctness” verbirgt sich eine unglaubliche Borniertheit, Engstirnigkeit, Geistlosigkeit. Die Liste der Verbote ist weitaus länger als die Produktivität. Nach einem enormen Kreativitäts- und Produktivitätsschub in den 80er bis 00er Jahren und teilweise noch etwas danach (Digitaltechnik, Internet, Web usw.) setzt sich das alles in so eine Konsumhaltung, die in immer festere, neokonservative Regeln erstarrt.

Ich komme mir inzwischen vor wie jemand, der seine Freiheit gegen die rigiden Regeln der Jüngeren verteidigt. Dabei sollte es doch umgekehrt sein. Die Alten sind heute Rock’n’Roll, und die Jungen sind heute – ja, was eigentlich?

Und wisst Ihr, wo mir das auch aufgefallen ist? Bei der Werbung.

Ich kann mir erinnern, dass es in meiner Jugend- und Studienzeit verdammt geile Werbung gab, die ein Lebensgefühl transportiert hat. Langnese, Ice in the Sunshine. War der Brüller schlechthin.

Wenn heute Werbung kommt, ist die technisch ausgereift und filmisch perfekt, muss heute auch mal mit Witz kommen, aber irgendwas von freiem Lebensgefühl oder so kommt darin nicht mehr vor. Wieviel aktuelle Werbung kennt Ihr, die Euch spontan noch einfällt?

Einer der seltenen modernen genialen Werbefilme, der mir gerade einfällt, ist die Volkswagenwerbung mit dem kleinen Darth Vader. Wir sehen: eine junge Familie in endloser Spießigkeit. Der Witz liegt in der Funkfernbedienung. Genial gemacht, aber gesellschaftlich – Gähn.

Oder die Sparkassenwerbung in der Wagenburg: Papa, wenn ich groß bin, will ich auch Spießer werden. Genial gemacht, aber ein Appell an die Spießigkeit.

Es war mal hip und cool, Möbel bei IKEA zu kaufen. Heute uniforme Massenware.

Und so weiter.


35 Kommentare (RSS-Feed)

p90
21.4.2014 20:42
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Mir fällt überhaupt keine Werbung ein, die gucke ich seit Jahren nicht mehr.

Ansonsten klingt es für mich gerade eher nach “Früher war alles besser! Wir waren ja noch viel wilder als die Jugend !1!1!11!”

Ich sehe auch die heutige Jugend nicht in diesem “Dies ist Verboten, das ist Verboten” sondern eher die Ende Dreißiger, Mitte Vierziger.

Den meisten jungen Menschen, die ich kenne, geht der ganze politische Kram oder auch Feminismus ziemlich am Gesäß vorbei. Diese ganze Diskussion wird aus meiner Warte eher von einer kleinen Gruppe geführt die dafür um so lauter ist.


Hadmut
21.4.2014 20:50
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@p90: Da hast Du aber einiges falsch verstanden.

> Früher war alles besser!

Nein. Nicht alles. Wir waren besser. Warum? Weil wir jede Menge Spaß dabei hatten. Heute ist da alles so traurig und humorlos. Policital correctness gab’s bei uns damals so gut wie gar nicht.

> Wir waren ja noch viel wilder als die Jugend !1!1!11!

Wieder falsch.

Man war immer wilder als die Alten. Heute sind wir wilder als die Jugend. Und wir »waren« es nicht, wir sind es. Heute. Es geht nicht um früher und Vergangenheit, es geht um die Gegenwart.


Andy
21.4.2014 21:15
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In welchem Alter ist denn Deine Altersgruppe?


Hadmut
21.4.2014 21:17
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> In welchem Alter ist denn Deine Altersgruppe?

Im besten, Andy. Im besten.


_Josh
21.4.2014 22:14
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Joh, Sokrates war’s: Die Jugend liebt heutzutage den Luxus, sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.
😉


Keppla
21.4.2014 22:52
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Werbung wirbt mit Dingen, die man nicht hat, und tut das gezielt für’s zu vermarktende Produkt. Sie einfach als Indikator für die Zeit zu sehen greift da imho zu kurz.

Die “Ich will auch Spießer”-Werbung muss man imho im Kontext sehen, dass sie eine Imagekampagne eines Produkts ist, was als Spießig gilt, und von diesem Nachteil befreit werden soll. Für Menschen, die nicht irgendwie noch eine negative Assoziation zum Spießertum hatten (und seien es die vorwürfe von anderen) macht die Werbung keinen Sinn, denn im Kern macht sie nichts, außer, denen, die sich als “Spießer” sehen, eine Gesichtsrettende Argumentation zu liefern.

Keine Vorstellung des Produkts, keine Abgrenzung von der Konkurrenz. Nein, einfach nur ein “es ist ok, wenn du uns kaufst”

Außerdem richtet sich Werbung nicht notwendigerweise an die Jugend, sondern primär an die Kundschaft, weshalb die von dir genannten Beispiele nicht wirklich vergleichbar sind: “Ice in the Sunshine” richtete sich an die Jugendlichen, die 2 Mark übrig hatten. Klar dass man da ein Jugendliches Bild präsentiert. Die Sparkassen- und Volkswagenwerbung richtet sich an Typen mit Familie, die einen Neuwagen bzw Wohneigentum kaufen wollen, i.e.: “Spießer”.

Lebensgefühl gibt’s heute auch, spontan fällt mir da ein Spot der Bahn ein, wo Jugendliche nach einem Konzert nach Hause unterwegs waren, oder eine für Maggi, wo mit einer offenen Dose Ravioli auf einem Grill in einem Heft für Festivals geworben wurde.

Und nicht zuletzt würde ich nicht unbedingt im Fernsehen (a.k.a Youtube für >30-Jährige) nach Dingen suchen, die Jugendwirkung haben 😉


quarc
21.4.2014 23:12
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> Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass meine Altersgruppe
> die ist, die sich am wenigsten uniformiert, am individuellesten,
> am coolsten, am lockersten ist.

Dieses Gefühl könnte allerdings auch das erste Anzeichen dafür sein, altersbedingt den Zugriff auf die Realität etwas gelockert zu haben. Natürlich mag es sein, dass Du selbst noch cool und locker bist, aber gerade unter Deiner Generation finden sich auch andere. Die Unterschiede innerhalb einer Altersgruppe sind erheblich.

> Die heutige Jugend kommt mir wie in ein festes ideologisches
> Korsett eingespannt vor, denen jegliche Innovation und
> Kreativität fehlt. Man merkt das an diesem Genderismus, aber
> nicht nur daran. Da werden strikte Regeln aufgebaut, so hat
> man zu sprechen, das darf nicht in der Werbung erscheinen,
> jene Marken muss man tragen, und dann diese schrecklich lange
> Liste von Dingen, die verboten sind. Das ist sexistisch, jenes
> umweltschädlich, dieses ist nicht fair gehandelt, sowas ist
> rassistisch, blablabla.

Was Du hier beschreibst betrifft aber nicht heutige Jugend, d.h. die Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren, sondern eher die Altersgruppe zwischen 30 und 60 Jahren — also uns. Und natürlich, wie oben bemerkt, nicht alle gleichermaßen.


Joe Bernd
21.4.2014 23:34
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Hadmut Danisch hat im Grunde schon recht. Mir erscheint die gegenwärtige Jugend trimmt sich aus Verlustangst auf überangepasst und politisch überkorrekt: “Generation Casting”. Dieser mentaler Drall war ein wesentlicher Grund für den Untergang der Piraten. Die meisten Erstwähler wählen nun die CDU…


Hanz Moser
22.4.2014 0:04
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Ich seh das nicht ganz so glorreich fuer die Gruppe jenseits der 40, aber im Kern hast du Recht, Hadmut.
Du wirst gleich wieder jammern, dass dir die Zeit fehlt, aber die Shell Jugendstudie liefert in qunatitativen Daten dieselbe Tendenz. Den Jungen ist heute materielle Sicherheit, Familie und der Erwerb von Status wichtiger als Ideale.


Alex
22.4.2014 0:05
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Früher war alles besser, vor allem die Zukunft..


Oliver K
22.4.2014 0:49
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Hier, in Wales, an dem Rand des Nichts, sieht man auf jeden Fall eine allgemeine Hoffnungslosigkeit. Glaube, dies betrifft den ganzen Westen (Rest ist mir nicht klar; sehe gewisse Chancen in China, aber sobald sie Englisch sprechen, muessen sie auch zeigen, dass sie umweltbesorgt etc. sind). Der Horizont ist verschwunden, die Zukunft ist weg, ersetzt durch eine ewige Wiederholung von nun an des Immergleichen (das Ende der Geschichte), wo mit jeder Umdrehung ein Teil der Nicht-Obersten nach unten gestossen wird.

Einige Weibchen koennen sich freuen, dass von nun an die Welt der Hausfrauenwirtschaft immer aehnlicher werden wird, aber das sind wohl auch nur wenige. Fuer die jungen Maenner gibt’s nichts mehr zu erobern. Also bleibt nur die Resignation.

Mit Alain Badiou glaube ich auch, dass wir in einer Zeit des Uebergangs leben, wo aber, durch die allgegenwaertige Atomisierung, “Punktlosigkeit” des Denkens, kein Danach sichtbar wird. Alles ist halbfalsch und halbwahr. Wie koennen wir die Kraft aufbringen, dies alles zu trennen?

Der Kapitalismus hat seine produktiven Kraefte erschoepft, er steht nun den Produktivkraeften im Wege. Aber seine Ueberwindung braeuchte eine gewaltige Anstrengung, auch theoretisch — wo soll das herkommen, bei der allgemeinen Depression? (Meines Erachtens brauchen wir einen neuen theoretischen Abschluss der Welt; mit Badiou glaube ich auch, Endlichkeit versus Unendlichkeit ist ein entscheidender Knackpunkt hier — inoffiziell war die Welt unendlich, nun redet nur noch die Finanzwirtschaft vom Unendlichen.)

Durch diese fundamentale Inadaequatheit der Wirtschaftsordnung zerfaellt langsam alles. Wir befanden uns noch auf dem Weg nach oben, und dies hat allem eine Richtung gegeben. Jetzt sind wir in einer scheinbar endlosen Ebene angelangt, wo es an den Raendern nur steil bergab zu gehen scheint. Und da bricht natuergmaess nun der Wahnsinn aus, alles versucht gleichzeitig in alle Richtungen zu gehen, und dies immer am gleichen Ort (sexuelle Orientierungen z.B.).


toff
22.4.2014 2:05
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Vielleicht steht die Jugend auch vor so noch nie dagewesener Gesellschaftssituation:

Zwar herrscht keine wirkliche Kriegs-und Katastrophengefahr;
allerdings scheint doch sehr absehbar, daß der Wohlstand der Elterngeneration für die meisten nicht haltbar sein wird

-vielleicht die Ansgt, den Frühherbst einer sterbenden oder sich im Niedergang befindlichen Gesellschaft mitzuerleben –

(Aufstieg bzw. Konkurrenz Chinas, schon heute sind 40% deutscher Kinder Muslime, Überalterung bzw. in 20 Jahren hat ein Arbeitender zwei Rentner zu versorgen, bei gleichzeitg eigenen Rentenansprüchen die geringer sind als das eingezahlte Geld),
Sinnkrise (vielleicht weil heute die 1. Generation ohne echte Krisen/Kriege aufwächst), Medienseuche (damit meine ich, daß effektiv unendlich Unterhaltungs- und Ablenkungsangebote bereitstehen, überall, sogar dank Smartphone auf Klo und im Keller, bald VR mit Oculus usw.),…

Dazu kommt bizarrer Kram wie immer mehr Extremtätowierte, “Künstler” – irgendwie scheinen viele Menschen eine wirklich freiheitliche und “Schlaraffenland”-GEsellschaft nicht sonderlich gut zu verarbeiten, es kommt zu seltsamen Dekadenzerscheinungen, die, wenn doch nicht quantitativ, sicher doch qualitativ zunehmen.

Die Frühsexualisierung schreitet ja nicht erst seit neuestem voran – noch vor 20 Jahren war das, was heute im Nachmittagsprogramm gesendet wird, selbst im Nachtfernsehen undenkbar.


phaidros52
22.4.2014 5:48
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@Alex Nö, früher war die Zukunft nicht besser. Wir haben noch mit dem möglichen Supergau und Atomschlag täglich leben müssen und während meiner BW-Zeit waren wir 1 Anruf weit vom Ausrücken an die Grenze mit scharfer Munition weg.

@Hadmut Zumindest zu meiner Jugendzeit war “schocken” das Wichtigste. Lange Haare vollgemalter Parka, Jeans am Sonntag, Löcher in den Jeans…das alles diente dazu, zu “schocken”, somit den Widerstand gegen die verstaubte und verrostete Gesellschaft drastisch zum Ausdruck zu bringen.

Ich bin davon überzeut, dass wir eine besondere Zeit erleben durften, mit Flower Power und der radikalen Umkehr im Denken (sowie sich die 68er auch in z.B. philosophischen Schriften nachweisen lassen etc.) und ich habe immer tief bedauert, dass meinen Kindern nicht sowas widerfahren ist.

Peace Bruder


Ich als Mittzwanziger sehe das ganze (mit einigen Einschränkungen) ähnlich.

Die Einschränkungen wären zunächst mal, dass dieses Fem-Gedöns ganz definitiv nicht repräsentativ für meine Generation ist. Da bist du der selektiven Wahrnehmung erlegen. Ich lebe in einer Stadt, in der 25% der Einwohner Studenten sind. Darüber hinaus gilt die Stadt als ziemlich alternativ. Doch selbst hier ist der Anteil dieser Fraktion recht überschaubar. Er brüllt halt am lautesten, dem bist du wohl erlegen.

Was der Link zu der Werbung soll, verstehe ich nicht. Die heutige Jugend sieht ohnehin kaum Fernsehen (vielleicht ist das auch eine Art, sich der Deutungshoheit deiner Generation zu entziehen?), also wen interessiert die Werbung? Dich oder mich?

Wie gesagt, deine Analyse, dass die Jugend heute nicht so rebellisch ist, dass deine Generation “cooler” ist (oder es zumindest zu sein versucht) teile ich. Aber ich sehe das aus einer anderen Perspektive. So, wie ich das sehe, hat sich deine Generation verweigert, erwachsen zu werden. Sie ist nicht spießig geworden. Sie versucht immer noch, cool zu sein. Wenn man sich dagegen nun versuchen soll, abzugrenzen, was kann man dann machen? Natürlich, man wird seinerseits spießig. Weil ihr nicht erwachsen werden wolltet, mussten wir das machen, um uns gegen euch abzugrenzen. Das ist unsere Art der Rebellion.
Das wäre ein Gedanke. Ein anderer Gedanke: Ihr habt uns vorgelebt, was es heißt, “cool” zu sein, oder unkonventionell oder rebellisch (oder es zu versuchen). Das wirkte auf uns derart abstoßend, dass wir lieber gleich erwachsen geworden sind – oder spießig, oder angepasst, oder wie auch immer man das nennen will.


Hadmut
22.4.2014 9:40
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> So, wie ich das sehe, hat sich deine Generation verweigert, erwachsen zu werden. Sie ist nicht spießig geworden.

Jau. 😀


wollepelz
22.4.2014 7:07
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Also so REIN SUBJEKTIV muss ich dem Hadmut Recht geben. Ich laufe mut meinen 41 Jahren immer noch “sehr langhaarig” – Haare bis zum Ar… – durch die Gegend, spiele privat für mich Schlagzeug, höre “fiesen” Heavy Metal – mein Geschmack ist krasser denn je – usw.

Tja, das bewahrt mich allerdings nicht davor, dass ich meinem Sohn peinlich bin. Ich weiß, das ist normal. Allerdings ist mein Sohn mit seinen 8 schon konservativer als ich. hm… Aber er ist ja erst 8 und zeigt zumindest coole Tendenzen. (Zumindest aus meiner Sich; er hat ja auch kein anderes familiäres Vorbild als mich… Gemein, wa? :D)

Ich finde ja auch, dass das TV-Program und die Medienlandschaft über die letzten Jahre unerträglich geworden ist. Wird doch eine Einheitsmeinung nach feministischem Genderwahnprinzip verbreitet, die uns zimelich viele Freiheiten bezüglich der freien Meinungsäußerung nimmt und auch diverse andere Gefahren mit sich bringt.

Manchmal habe ich ein richtig schlechtes Gewissen, wenn ich mich für gewisse Dinge einsetze, ob ich nicht zu konservativ sei. Dann aber fällt mir immer mehr auf, dass es im Kern ja um Meinungsfreiheit, Individualität usw. geht. Dann fällt mir auf, dass diese Werte eben nicht den Geschmack des Konservativismus haben sollten. Sie sollten eher den Geschmack des Humanismus haben und dann ist alles wieder gut.

Die politische Korrektheit mit der unseres Kinder gefüttert werden, sind die ersten Schritte zurück ins Mittelalter. Daher müssen die wohl cool gebliebenen – nun älter werdenden – für diese Werte kämpfen. Die Jugend ist mittlerweile ja schon zu verseucht.

Obwohl: Letztens habe ich in meiner Partei bei der “Neuenbegrüßung” eine Menge sehr junge Leute gesehen. Das jüngste Neuparteimitglied war 14 und hat sich extrem vernünftig geäußert. Das hat mir Hoffnung gegeben.

Die Zeit meines Sohnes kommt hoffentlich auch noch. 😀


steffen
22.4.2014 8:36
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@toff: Du schreibst “schon heute sind 40% deutscher Kinder Muslime”.

Diese Zahl erscheint mir extrem zu hoch. Und mit Googeln finde ich auf die Schnelle auch nur Zahlen in die Richtung, daß jedes zehnte Kind in Deutschland muslimische Eltern hat. Also nur 10%.

Hast du eine zuverlässige Quelle für die 40%?


claus
22.4.2014 9:09
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Hadmut, Du hast mir aus der Seele gesprochen. Diese Beobachtung hatte ich auch schon gemacht und nicht wenige aus meinem Bekanntenkreis wundern sich genauso über die Spießigkeit, Verkrampf- und Humorlosigkeit der Jugend. In einem Haufen von Jugendlichen kommen wir uns geradezu jung vor.


Thomas
22.4.2014 10:11
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Sehe ich ähnlich. Ich bin als Kind als Cowboy verkleidet mit nem selbstgebasteltem Flitzebogen rumgerannt, wir haben Einkriege gespielt und Freundschaft war das Beste was es gab. Mit meinem besten Freund damals haben wir Bud Spencer und Terence Hill nachgeahmt und heute rennen die alle durchgeföhnt mit I-Pad herumstolpernd rum und denken an morgen wie verbessert “cool” man doch sein kann…

Und politisch korrekt zu sein ist nichts anderes als feige und verblödet!

Gender ist der größte Schwachsinn den ich je gehört habe und es gibt tatsächlich Neusprech, 1984 sollte Pflichtprogramm in deutschen Schulen werden und Satan das Vorbild als der ewige Rebell;)

Möge die Macht mit uns sein, die dem behämmerten Zeitgeist entgegen stehen!


yasar
22.4.2014 10:29
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> 40% deutscher Kinder sind Muslime?

Das muß eine verzerrte Wahrnehmung sein, die nur innerhalb gewisser Ghettos zutrifft.

Selbst Kinder muslimischer Eltern(-teile) sind nicht immer Muslime.

Anderseits, wenn man bedenkt, daß nach mulimischer Lehre jeder als Muslim geboren wird und dann ggf. auf “Irrwege” gerät, wären 40% untertrieben. Das müßten dann eher 100% sein.


@ Hadmut: Ich meine das nicht positiv. Ich glaube, es ist die Aufgabe der Elterngeneration, spießig zu sein, und ihren Kindern damit etwas zu bieten, wogegen sie rebellieren können. Das hat deine Generation aber nicht getan, sie ist ihrer gesellschaftlichen Aufgabe nicht nachgekommen. Genauso, wie sie es verpasst hat, ausreichend zu ficken (mit entsprechendem Outcome), um ihre Rente zu finanzieren.
Insgesamt kommt deine Generation, also meine Elterngeneration, wenn ich das mal so sagen darf, bei mir gar nicht gut weg. Dieses verkrampfte hip bleiben wollen finde ich furchtbar. Da bin ich lieber konservativ.


maSu
22.4.2014 11:41
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Ich denke, jede Jugendgeneration hat so ihre No-Gos. So wie man zu mancher Zeit besser nicht im Anzug (=uniformiert) auftreten sollte, gibt es auch heute Dinge, die man je nach (sub)kultureller Zugehörigkeit vermeiden sollte.

Ich muss aber sagen, dass es heute sehr viele anerkannte bzw. akzeptierte Strömungen gibt und es werden stetig mehr. Egal ob Punk, Metal, Emo, Gothic, … für jede Musikrichtung gibt es eine eigene subkulturelle Strömung mit ihren eigenen Regeln.

Die Werbung im TV versucht den Mainstream abzudecken und alle irgendwie zu erreichen. Klar ist das dann meist nicht so individuell wie “früher”, das bedeutet aber nicht, dass es diese Strömungen nicht gibt, sie treten eben nur nicht massenmedial auf.

Zeitgleich nimmt mMn der Druck auf die neuen Generationen stetig zu:

Hauptschulabschluss bedeutet meist das gesellschaftliche bzw. zumindest das berufliche “Aus”, der Leistungsdruck steigt enorm, fast jeder zweite hat ein Studium als Ziel und das nicht weil es der Traumjob ist, sondern weil viele sonst Angst haben nicht vernünftig abgesichert leben zu können. usw usf.

Als meine Großeltern noch lebten, da hat man oft ihre Kindheitsgeschichten gehört und da war es ganz normal, dass die Eltern Maler oder Maurer waren. Das war nichts “schlimmes”. Heutzutage erlebe ich aber mehr und mehr, das Handwerksberufe bzw. allgemein nicht akademische Laufbahnen abwertend gesehen werden. Anwälte können aber keine Wände mauern, verputzen, spachteln, tapezieren und streichen.

Die sinkende Wertschätzung der nicht akademischen Laufbahnen übt weiter Druck auf die Jugend aus.

Ich erlebe es zB mit zunehmender Häufigkeit dass junge Frauen Anfang 20 psychische Probleme haben: Essstörungen, Ritzernarben usw… Ich weiß ja nicht, also vor 10 Jahren sah das noch etwas anders aus und damals hatte ich alleine Altersbedingt mehr Kontakt mit Frauen der Altersklasse und hatte nicht so viele gesehen, bei denen ich dachte “oh nein, schon wieder ein Wrack..”.

Ich glaube daher, dass du (H. Danisch) es dir evt. etwas leicht mit einem etwas oberflächlichen Urteil machst 😉


Ron
22.4.2014 12:47
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>>Man war immer wilder als die Alten. Heute sind wir wilder als die Jugend. Und wir »waren« es nicht, wir sind es. Heute. Es geht nicht um früher und Vergangenheit, es geht um die Gegenwart.

Ehrlich? Ich habe den Eindruck, dass viele der 30-49 stellenweise ganz schön humorlos sind (Helicoptereltern etc.). Wenn die Jugend sich heute daneben benehmen möchte, dann wird viel schneller nach der Obrigkeit gerufen und der Repressionsapparat angeworfen – und zwar nicht von den Rentnern, sondern von der Generation davor.


Stefan W.
22.4.2014 14:43
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Jau, wir waren alle Punks und Hausbesetzer und Piercings und Tattoos haben wir auch – nun, nicht erfunden, aber den Knackies und Matrosen abgerungen.


Karl
22.4.2014 15:15
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@Hadmut: Vielleicht hat sich nur das bevorzugte Medium der Jugend geändert? (Diverse Webseiten (Diskusionsforen, Soziale Netzwerke, …))


Gast$FF
22.4.2014 15:17
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> Die Frühsexualisierung schreitet ja nicht erst seit neuestem voran – noch vor 20 Jahren war das, was heute im Nachmittagsprogramm gesendet wird, selbst im Nachtfernsehen undenkbar.

Jou. Aber Nachmittagsprogramm ist irrelevant. Die Kinder sind heutzutage schließlich so ab ca. zehn Jahren mit eigenem Tablet und Smartphone im Web unterwegs. Stichwort Redtube und so. Fernsehprogramm ist da in der Hinsicht doch wohl Pipifax.


Joe
22.4.2014 15:22
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Auch wenn das seit Jahrtausenden so ist, habe ich gerade das Gefühl, dass es momentan gerade umgekehrt ist.

Ja, das nennt man Backlash und ist eine zyklische Entwicklung des Zeitgeistes. Unterhaltsam ist übrigens der linksextremistische Schwachsinn in der selbsternannten “freien Enzyklopädie” dazu:

https://de.wikipedia.org/wiki/Backlash


Gast$FF
22.4.2014 15:26
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> Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass meine Altersgruppe […] am coolsten, am lockersten ist.

Und sich darüber echauffiert, dass sich jemand in 100 m Entfernung (!) im Freien (!!) eine Kippe anzündet?!

SCNR 😉


Hadmut
22.4.2014 15:32
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> Und sich darüber echauffiert, dass sich jemand in 100 m Entfernung (!) im Freien (!!) eine Kippe anzündet?!

Weil’s cool ist sich der Gestank-Toleranz-Ideologie zu verweigern und auf seine eigenen Werte wert zu legen.


Sebastian
22.4.2014 17:12
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“Wieviel aktuelle Werbung kennt Ihr, die Euch spontan noch einfällt?”

Vor allem die Toyota Werbung

” Mein Papa ist mein grösster Held”

Aufgefallen ist sie mir “nur” weil sie zur Abwechslung mal männerfreundlich war.

Schande das sowas schon auffällt.


anonym
22.4.2014 17:40
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Das kann ich bestätigen, als junger Mensch. Ein Beispiel in meinem Bekanntenkreis: jemand verlässt den Raum, wenn in einem Video über eine bestimmte Religion ein Witz gemacht wird (ist ja nicht in Ordnung). Das meint er völlig ernst und würde ich auch schuldig fühlen, eventuell noch zu lachen. Aus der (Überraschung) linken Ecke..

Da herrscht eine zwanghafte Angst bei einigen, die sie nur durch maximales Antifa, Antirechts, Antichauvi, Antikapitaismus, Anti* bekämpfen können.


node14u
22.4.2014 19:36
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früher war eben alles nur früher… und eben demnach gab es euch ein später.
früher konnte man dem bauern seinen knock anstecken, und konnte sich später gedanken über ne ausrede machen….
früher bekam’st da für wenn’s rauskam irgendwas von “ein an die ohren” bis zu ” den A*** versohlt” und dann war früher später auch wieder vergessen . cool gell ?

heute kannst du nichts früher unternehmen weil alles schon auf youtube da war und dir nichts neues einfällt .. und wenn doch gibts kein später- weil es schon zu spät ist wenn dein kumpel das video gepostet hat… dumm nur das er auch noch deinen anmen in den titel geschrieben hat.
später kann dir auch niemand dein früher verzeihen- und entschuldigen brauchst dich auch nicht mehr weil vorher die nachbarn die polizeirufen und später bereuen früher nur duch nachdenken erspartbliebe…

uncool

wie schreibt ein forist in seiner signatur:
das geile am 40+ ist, das du all die coolen dinge schon gemacht hattest bevor es internet gab…

was für eine gnade…
DANKE DAFÜR


HF
23.4.2014 12:28
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Was du schilderst ist nur eine Präadaption an die postindustrielle Gesellschaft. Die Jugend ist bloss besser darauf vorbereitet als du.


Joe
23.4.2014 14:28
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Ich komme mir inzwischen vor wie jemand, der seine Freiheit gegen die rigiden Regeln der Jüngeren verteidigt. Dabei sollte es doch umgekehrt sein. Die Alten sind heute Rock’n’Roll, und die Jungen sind heute – ja, was eigentlich?

Neulich trug es sich zu, daß meine fast 60jährige Mutter erfolglos versucht hat, mich zu WhatsApp zu bekehren. Ihr ganzer Best-Ager-Bekanntenkreis sei ja auch dort, warum denn ich nicht…

Moment mal! Haben nicht früher Kinder versucht, ihre Eltern zu technischen Gadgets zu überreden? Wer erinnert sich noch an die Oma, die Postkarten geschrieben hat, weil sie mit dem Telefon nicht klarkam und für die ein Mikrowellenherd Teufelszeug war?

Seit wann ist das denn umgekehrt? Wie erreichen Konzerne plötzlich Leute außerhalb der “werberelevanten Zielgruppe”?

Gar nicht auszudenken, was wäre, wenn ich selber Kinder hätte…

das geile am 40+ ist, das du all die coolen dinge schon gemacht hattest bevor es internet gab

Da ist was dran. Die 90er waren irgendwie cooler, selbst für IT-Nerds…


TOPCTEH
23.4.2014 20:52
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Haha, toller Thread mitvielen Gleichgesinnten! Oh ja, das mit dem Nicht-Erwachsen-Werden kenne ich nur zu gut. Aber nur so hat “meine” Generation (ich bin jetzt ca. 49,825) all’ die tollen technischen Dinge erfinden können, die es heute gibt. Mein Sohn (17) findet mich daher “voll peinlich”, weil ich Deephouse, Chillstep etc. höre (warum nicht, ich muss doch nicht, nur weil ich bald 50 bin, nur noch SWR1 *uärks* hören dürfen…).