Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Presse steigt wieder auf den generischen Maskulinum um

Hadmut
18.4.2014 22:29

Sonst regt sich die Presse immer über den generischen Maskulinum auf, es müssen immer die Leserinnen und Leser sein. Werden aber in Korea eine Fähre versenkt und hunderte Leute getötet, dann reden fast alle wie selbstverständlich vom „Dritten Offizier”, der die Fähre gesteuert hat, obwohl es eine Offizierin war. (siehe auch hier oder hier) Immer so, wie man’s gerade braucht.


21 Kommentare (RSS-Feed)

max
18.4.2014 23:27
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Ist aber so schon länger üblich.
Man benühe einmal eine Suchmaschine nach Ärztinnenpfusch.
Findet man nur was, wenn man es getrennt schreibt.


Herbert
19.4.2014 0:07
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interessante Entdeckung … schon richtig perfide, wie dieses System arbeitet.


ST_T
19.4.2014 2:32
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Dumm nur, dass Du da selbst drauf reingefallen bist.

Im Koreanischen gibt es kein grammatikalisches Geschlecht. Aus einer offiziellen koreanischen Meldung einen Mann oder eine Frau auszumachen, dürfte nicht einfach werden. Das erschließt sich zwar im Kontext, dürfte aber für den durchschnittlichen westlichen Journalisten ohne weitreichende Kenntnisse schwierig sein. Und wie ich schon mehrfach schrieb, halte ich von den Korrespondenten in Asien generell nicht viel.
Und selbst bei der Namensgebung ist das nicht eindeutig, da es a) keine so große Anzahl an koreanischen Namen gibt (Nur zur Info: Es gibt etwa 300 Familiennamen in Korea.) und b) diese nicht ausschließlich für ein Geschlecht reserviert sein müssen, geht der Schuss nach hinten los.

Selbst beim “Korean Herald”, einer überregionalen Tageszeitung, ist nur von “inexperienced sailor” die Rede, was Mann oder Frau bedeuten kann.

http://www.koreaherald.com/view.php?ud=20140419000038

http://www.koreaherald.com/view.php?ud=20140418000715

Aus dem Grund kann es gut sein, dass die Meldung, dass es sich um eine Frau handelt, erst später nachkam, aber die Medien aus reiner Neuheitengeilheit schon einmal zumindest den Umstand berichtet haben, dass der Kapitän vor Sinken des Schiffes das Kommando abgegeben hat.

Und da im Deutschen, wie Du ja selbst sagst, das generische Maskulinum gilt…

(Übrigens: Dieser Beitrag sollte nicht allzu ernst genommen werden, ich möchte aber aufzeigen, dass man das Ganze auch anders verstehen kann.)


Hadmut
19.4.2014 10:09
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@ST_T:

> Dumm nur, dass Du da selbst drauf reingefallen bist. Im Koreanischen gibt es kein grammatikalisches Geschlecht. Aus einer offiziellen koreanischen Meldung

Nein. Du bist reingefallen.

Die Meldungen waren übrigens englisch und nicht koreanisch, wo es aber auch kein Geschlecht gibt, da heißt es einfach officer.

Daraus einen generischen Mann zu machen war hier eben die Standard-Denke der Medien. Mir geht’s hier allein um die deutschen Medien. Ständig muss es „Professor oder Professorin” heißen, aber wenn’s um Schuldige geht, ist plötzlich selbstverständlich, officer mit Offizier und nicht „Offizier oder Offizierin” oder irgendso einem Sprach-Scheiß wie OffizierIn oder Offizier*in zu schreiben.

Könnte man als „sexistisch” bezeichnen.


hans
19.4.2014 3:43
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Mensch Danisch, das weisst du doch, es geht doch hier nicht um Logik oder gar, igitt igitt, Gerechtigkeit, es geht nur um Macht und Macht und Macht. Da machts frau wie fraus braucht, basta.


Wieso generisch? Das Maskulinum ist wie das Femininum ein Politikum

Carsten

Mit dem Zweiten lügt man besser


Rocco
19.4.2014 7:35
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Is in den 3 Artikeln eine ‘-in’. Nur die Konsequenz, daß er Kapitän Haftbefehl erhält, weil er ‘die unerfahrene 26-jährige Offizierin’ hat steuern lassen, ist wiedermal typisch. Er wird angeka***ct, weil
sie Mist gebaut hat. Und hier will ja wohl niemand ernsthaft behaupten daß Frauen Fehler machen und so ein Schiff nicht bereits von Geburt an steuren können. Wer das anzweifelt ist ein gar finster dreinblickender Patriarch


Hadmut
19.4.2014 9:58
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> Is in den 3 Artikeln eine ‘-in’.

Ja, die hatte ich ja auch nicht als Beispiel, sondern gezielt als Beleg dafür herausgesucht, dass es eine Frau war.


Horsti
19.4.2014 8:56
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Die TAZ tut sich da auch besonders hervor. Die meisten Artikel werden dort mit Binnen-I geschrieben. Geht es um negativ besetzte Begriffe, wird das generische Maskulinum wieder rausgekramt. (Täter, Verbrechter, Mörder etc.)


kardamom
19.4.2014 10:55
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…so geht es halt, wenn man aus den internationalen Ticker-Meldungen heraus das Wort “officer” übersetzt. Den englischsprachigen ist es piepschnurz, welch Sexus dem “Officer” zugeordnet ist. Die gender-korrekte Übersetzung gibt es nicht.
“…die dritte Offizierung oder der dritte Offizier…” – wie – waren da zwei an Bord mit dem Dienstgrad “dritter Offizier” und man weiss nicht, welcher von beiden gesteuert hat?

siehe auch: http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/1428/generisches-maskulinum-feminismus/ :

Wenn es zum Beispiel im Englischen heißt “cops save dogs from the hands of dog thieves” dann kann man das ja nicht übersetzen mit

“Polizisten und Polizistinnen retten Hunde und Hündinnen aus den Händen von Hunde- und Hündinnendieben und Hunde- und Hündinnendiebinnen”, denn
1, das steht da nicht
2, wäre es sperrig und schlecht lesbar
3, ob Polizistinnen, Räuberinnen und Hündinnen beteiligt waren geht aus dem Englischen überhaupt nicht hervor.


p90
19.4.2014 11:28
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@kardamom
Genau. Das ist ja der Punkt.

Wenn es aber um etwas positives geht wird diese Sprachverunstaltung aber praktiziert weil politisch so gewollt, wenn es um etwas negatives geht wird nur noch im Maskulinum gesprochen weil man ja die Sprache nicht verhunzen will.


Wayne
19.4.2014 12:01
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Bei der Bundeswehr werden m.E. auch die männlichen Bezeichnungen für Dienstgrade verwendet


Caless
19.4.2014 13:52
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In einer englisch gehaltenen Vorlesung eines deutssprachigen Informatikprofessors kam ein paar mal “Manpower and womanpower” vor. Es geht doch auch im englischen. 😉


ST_T
19.4.2014 15:16
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Die Frage wäre interessant, aber bisher sehe ich dafür bis auf Deine subjektive Wahrnehmung keine empirischen Belege. Deine eigenen zitierten Artikel sprechen gegen deine Vermutung.

Wie gesagt, ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen mit der Übersetzung bzw. “Berichterstattung” westlicher Medien aus asiatischen Ländern, und da wird extrem viel verfälscht oder weggeschnitten. Es ist daher herzlich wenig verwunderlich, wenn China z.B. davon nicht gerade angetan ist, dass diese Menschen von dort berichten; meistens wird nur die Hälfte der Wahrheit berichtet.

All das soll das Vorgehen der chin. Regierung nicht rechtfertigen, ich sehe nur keinen großartigen Unterschied zwischen staatlich verordneter Zensur und dem, was Medien hierzulande von den Zuständen dort verschweigen bzw. nicht nennen, und so einseitige Propaganda betreiben. Das kann man sogar belegen, daher würde mich übrigens Deine Ausführungen auch gar nicht so sehr wundern, wenn sie belegt werden würden.

Nur wollte ich mal der Advocatus diaboli sein und Dir mal das zeigen, was du selbst propagierst: Eine Korrelation ist noch lange keine Kausalität. Aber wenn sich vermehrt Indizien für die Richtigkeit Deiner Thesen finden lassen, wäre das sicherlich ein höchst interessanter Fund.


Karsten
19.4.2014 22:18
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Heute in der Tagesschau: “… die dritte Offizierin …”


quarc
20.4.2014 0:55
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Soweit ich weiß, wurde bisher auch bloß für unbestimmte Personen oder für bestimmte Gruppen unbekannter Geschlechtermischung vom vom generischen Maskulinum abgewichen.

Im vorliegenden Fall hat man aber eine bestimmte Person deren Geschlecht lediglich zunächst nicht bekannt war. Dafür hat die Presse nach wie vor Maskulinum verwendet.


Andreas
20.4.2014 9:29
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o.T.
“Straßenname verstößt gegen Grundgesetz” meint eine Kölnerin und klagt:
http://www.ksta.de/kalk/zweideutiger-strassenname-in-koeln-klage-gegen–am-lusthaus-,15187508,26856604.html


Striesen
20.4.2014 9:45
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OT: Sie botschaftert wieder

UdL Digital hat einen kompetenz-adäquaten Moderator gefunden. So besteht keinerlei Gefahr.

http://www.huffingtonpost.de/2014/04/19/story_n_5178064.html?utm_hp_ref=germany


Heinz
20.4.2014 15:54
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der…
Mörder, Kinderschänder, Vergewaltiger, (Straf-)Täter, Betrüger,…


Heinz
20.4.2014 16:01
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@kardamom
>“cops save dogs from the hands of dog thieves”

nein, man könnte, wie Hadmut bereits erwähnte, immernoch PolizistInnen, Polizist_innen, Polizist*innen, Polizistinnen oder Ähnliches sagen, wird sonst (vgl. “Professorin”) auch gemacht.


kardamom
21.4.2014 19:33
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@ heinz

> man könnte … sagen

nein, kan man nicht SAGEN.

Allesamt entweder unaussprechlich oder gesprochenerweise den männlichen Sexus ausschliessend.

Ist das Blödheit oder blinder Fanatismus, wenn einer Sexus und Genus nicht von einander unterscheiden kann?

http://www.vds-münchen.de/fileadmin/galerie/2009-08-01__Artikel_Sprachfeminismus.pdf