Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Gender-Feminismus-Nachlese

Hadmut
21.7.2012 10:35

Interessantes und Kurioses, was sich seit meiner Buch-Ankündigung durch Leser-Hinweise oder sonstwie noch angesammelt hat. 🙂

Danke für die diversen Links!

  • Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat sich am 30. Juni 2012 darauf verständigt, das Professorinnenprogramm von Bund und Ländern fortzusetzen. Von 2013 bis 2017 sollen dafür 150 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

  • Microsoft hat feministischen Ärger bekommen, wegen des Zahlenwertes 0xB16B00B5. Microsoft ist selbst an Teilen des Linux-Kernels beteiligt und irgendeiner ihrer Programmierer hat für eine willkürliche Konstante diesen Wert gewählt. Liest man aber 0xB16B00B5 im Leet-Alphabet, heißt es „big boobs”, zu deutsch „Dicke Titten”.

  • Ein Professor der Uni Rostock hat Erkenntnisse darüber gesammelt, warum Mädchen die technischen Fächer meiden. Interessanterweise weichen die Erkenntnisse komplett von den Gender-Sichtweisen ab. So hat es seiner Ansicht nach fast nichts mit dem Schulunterricht zu tun (was die Genderistinnen ja immer so gerne als Grund hinstellen), sondern damit, ob es Väter als technikaffine Bezugspersonen gab. Demnach wären alleinerziehende Mütter der Hauptgrund für weibliche Technophobie und nicht irgendeine männlich ausgerichteter Unterricht – sogar im Gegenteil. Während die Genderistinnen predigen, dass Ursache allen Übels sei, dass alles auf Männer ausgelegt wäre und man das – per „gender studies” – unbedingt abschaffen und „dekonstruieren” müsse, scheint es eher so zu sein, dass Mädchen an einer Unterversorgung mit männlich-technischen Sichtweisen leiden. Der Gender-Feminismus würde also genau das falsche machen.

    Interessant ist dabei auch, dass der Professor zu dem Ergebnis kommt, dass Mädchen sich zwar nicht direkt für Technik interessieren, dass es aber ausgerechnet die Mathematik sei, die sie interessiert und zu den technischen Fächern bringt. Das ist besonders deshalb bemerkenswert, weil die Genderisten ja immer unterstellen, dass Frauen unlogisch und mehr kommunikativ-sozial sei und man ihnen das ganze logische Zeugs und das „Wahrheits-Regime” ersparen müsste, um sie zu technischen Fächern bringen müsste. Auch hier scheint der Genderismus also genau die falsche Richtung eingeschlagen zu haben und alles nur noch schlimmer zu machen. Zeigt aber auch wieder, dass Genderismus vor allem von einer technik-inkompetenten Minderheit betrieben wird, die sich anmaßt, ihre Position auf alle Frauen verallgemeinern zu können.

  • Zwei Forscherinnen aus London haben herausgefunden, dass Menschen besonders dann bestrafen, wenn sie sich selbst benachtteiligt fühlen.

    Feministinnen, besonders Genderistinnen, fühlen sich permanent benachteiligt, definieren »Frau« als die Bezeichnung für das als benachteiligt konstruierte Geschlecht, »Frau« als Synonym für untermenschliche Lebewesen, die zu dem einzigen Daseinszweck konstruiert worden seien, benachteiligt zu werden.

    Was bedeutet das wohl zusammen?

  • Die Deutschen sind massiv unzufrieden mit der Arbeit des Bundestags.

  • Das Wahlergebnis von Politikern hängt von der Stimmlage ab, haben US-Forscher herausgefunden. Je tiefer die Stimme, desto mehr Erfolg haben Politiker. Auch Rundfunk-Moderatoren haben häufig tiefere Stimmen als der Bevölkerungsdurchschnitt.

    Sie haben auch die Stimmen von Politikerinnen technisch transponiert und den Leuten in verschiedenen Tonlagen vorgespielt. Frauen sind mit hohen Stimmen attraktiver, werden aber mit tiefen Stimmen eher gewählt. Könnte natürlich ein Einflussfaktor für die Frauenquote in der Politik sein.

    Das erinnert mich daran, was ich mal irgendwo gelesen habe: Weil sowohl Gehirn, als auch Gehör sich nicht mit einem Schlag, sondern evolutionär entwickelt haben, sind die evolutionär älteren Teile des Gehörs auch mit den älteren Teilen des Gehirns verbunden und umgekehrt. Das Gehör hat evolutionär mit tiefen Frequenzen angefangen und die dann immer mehr zu den hohen ausgebaut. Deshalb sei es so, dass etwa die Beats bei Musik in den Bässen wummern, weil das an die Urinstinkte und das Emotionale hämmert, während wir Informationen mit den hohen Tönen aufnehmen, etwa den Nachrichtensprecher. Deshalb können wir am Telefon auch verstehen, was jemand sagt, aber nicht immer, wer am Apparat ist, weil das eine evolutionär sehr neue Fähigkeit sei und deshalb die hohen Frequenzen braucht, beim (herkömmlichen) Telefon aber die Frequenzen irgendwo bei 7 oder 8 3,5 bis 4 kHz gekappt werden.

  • Bei der CDU eskaliert der Streit über die Frauenquote.

    Ratet mal, warum ich es so eilig hatte, das Buch rauszukriegen. Wenn man nun wüsste, wer da in der CDU die Quoten-Gegner sind, könnte man über ein Freiexemplar nachdenken.

  • Apropos CDU: Sie sagen zur „Gleichstellung”:

    Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein Grundrecht, das im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert ist.

    Scheint, als ob man sich bei der CDU nicht so sonderlich gut mit dem Inhalt und dem Zustandekommen des Art. 3 GG auskennt.

  • Wieder mal mein Lieblingsthema, dass eine Korrelation noch keine Kausalität ist: Wissenschaftler aus Helsinki haben nachgewiesen, dass das Wirtschaftswachstum direkt mit der durchschnittlichen Penislänge korreliert. Je länger die Penisse, desto mehr Erfolg hat die Wirtschaft.

    Da Feministinnen und Genderistinnen ja so wahnsinnig auf Statistiken und die Auslegung von Koinzidenzen und Korrelationen nach dem Weg des geringsten intellektuellen Aufwands stehen: Bitte, da habt Ihr’s. Damit ist ja wohl klar belegt, welche Auswirkungen eine Frauenquote auf die Wirtschaft hat. Und alles ganz wissenschaftlich.

  • Nachtrag: Den hatte ich noch vergessen: Bei Daimler werden Managern die Gehälter gekürzt, wenn sie nicht genug Frauen befördern.


37 Kommentare (RSS-Feed)

Georg
21.7.2012 11:09
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Das ist besonders deshalb bemerkenswert, weil die Genderisten ja immer unterstellen, dass Frauen unlogisch und mehr kommunikativ-sozial sei und man ihnen das ganze logische Zeugs und das „Wahrheits-Regime” ersparen müsste, um sie zu technischen Fächern bringen müsste.

Magst Du mal dazu irgend ein Beispiel zeigen, wo sie das machen?


Hadmut
21.7.2012 11:46
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Ich hab gerade ein 500-seitiges Buch darüber geschrieben, wo sie das machen…


Johanna
21.7.2012 12:47
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beim (herkömmlichen) Telefon aber die Frequenzen irgendwo bei 7 oder 8 kHz gekappt werden.

Äh, nö, noch nicht mal: ISDN und analoges Telefon liegen in etwa im Bereich von 300 Hz bis 3,5 kHz. Rundfunk auf Kurz- und Mittelwelle ca. 4,5 kHz (Rest der Welt) bzw. 5 kHz (Nordamerika). Der Bereich bis 3,5 kHz deckt die Grundfrequenz und den ersten und zweiten Formanten selbst bei hohen Vokalen problemlos ab. Alles darüber ist Luxus und nur für Gesang und Musik von Bedeutung. Gut, das war jetzt Klugscheißerei, aber ob Lektoren solche Ungenauigkeiten entdeckt hätten?


Hadmut
21.7.2012 12:53
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@Johanna: Hmpf, ja, Du hast Recht, die Abtast-Frequenz bei ISDN ist 8kHz, die Nyquist-Frequenz daher die Hälfte. Denkfehler meinerseits, ich hab mich von der Abtastfrequenz beirren lassen. Und das nach ein paar Jahren Beschäftigung mit Fourier-Transformationen.

Da sieht man mal, wie gut Frauen in Mathe sein können…


Johanna
21.7.2012 12:58
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…oder wie gut sie auswendig lernen können, aber das werden wir wohl nie erfahren.


Torsten
21.7.2012 14:04
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Vielleicht ist dieser Blogeintrag noch von Interesse, auch vor dem Hintergrund des Piratendaseins 🙂 http://streetdogg.wordpress.com/2012/05/17/wie-die-piratenpartei-zu-einer-pro-frauenquote-partei-wurde/


Robert
21.7.2012 15:00
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“Zwei Forscherinnen aus London haben herausgefunden, dass Menschen besonders dann bestrafen, wenn sie sich selbst benachtteiligt fühlen.”

Vielleicht können Sie das auch auf sich selbst beziehen. Sie haben ja einen sehr frontalen/direkten Stil, gerade wenn es um ihre Dissertation geht. 😉


Hadmut
21.7.2012 15:03
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Und was hat das mit einem „frontalen/direkten Stil” zu tun?

Welchen Stil sollte man denn sonst für ein solches Thema wählen?


irgendeiner
21.7.2012 17:02
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“Alles darüber ist Luxus und nur für Gesang und Musik von Bedeutung”

…kein Luxus, sondern Ortung.


Milo
21.7.2012 23:46
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Nun ja, es gibt eine ganze Reihe Denkfehler in vielen populären Thesen. Ja, die Mehrheit der Ingenieure usw. sind Männer. Daraus folgt aber nicht, dass die Mehrheit der Männer gute Ingenieure oder Mathematiker wären. Vielmehr ist es so, dass auch der Großteil der Männer in der Schule in diesen Fächern nicht sonderlich exzellent ist. Und das müsste die Behauptung eines “männlichen” Unterrichts widerlegen können.

Ich selbst bin auch ein Mann und fand Mathe in der Schule nicht so toll. Der Mathe-Unterricht zu meiner Zeit war eine didaktische Katastrophe, nur lag das nicht an der Ausrichtung auf ein Geschlecht, sondern am ganz grundsätzlichen Mangel an Didaktik. Die Folge: Das Gros der Schüler insgesamt ist irgendwann abgehängt worden. Von der scheinbar bevorzugten Gruppe der Männer haben sich eben auch nur einige wenige an die Spitze setzen können, der Rest war genauso Durchschnitt wie die Damen eben auch.

Vielleicht ließe sich das auch in Zahlen belegen: Wie hoch ist der Anteil von Ingenieuren an der Gesamtbevölkerung? Wie hoch ist der Anteil an technikfernen Berufen? Wie hoch ist der Männeranteil in diesen Feldern? Usw. Möglicherweise stellt sich dann heraus, dass “Geschlecht” oder “Gender” keine sinnvolle Erklärung für die Frage des technischen Nachwuches ist.


Steffen
22.7.2012 14:42
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“So hat es seiner Ansicht nach fast nichts mit dem Schulunterricht zu tun (was die Genderistinnen ja immer so gerne als Grund hinstellen), sondern damit, ob es Väter als technikaffine Bezugspersonen gab. Demnach wären alleinerziehende Mütter der Hauptgrund für weibliche Technophobie und nicht irgendeine männlich ausgerichteter Unterricht – sogar im Gegenteil.”

Interessant, ich kann dazu eine persönliche Beobachtung beisteuern. Ist natürlich nur anekdotisch, aber vielleicht trotzdem interessant:

Meine Frau hat Mathematik studiert, arbeitet in der Softwareentwicklung in der Logistik, findet automatisierte Lagersysteme, Flughäfen, Flugzeuge und ähnliches superinteressant. Und sie verabscheut diesen ganzen Gender-Feminismus-Firlefanz.

Ihr Vater war beruflich im Fördertechnikbereich tätig. Vom Naturell ein ganz typischer Bastler und Schrauber, so sehr daß er nach seiner Pensionierung ein kleines Geschäft gegründet hat wo er für die Modelleisenbahnszene Elektronikreparaturen durchführt.

Wie gesagt, nur ein Einzelfall, aber das war das erste an das ich denken musste als ich von der “Unterversorgung mit männlich-technischer Sichtweise als Grund für weibliche Technophobie” gelesen hatte, wie wichtig Väter als Vorbild sind, und daß Frauen über Mathematik den Zugang finden. Der Zusammenhang war zu auffällig.


Milo
22.7.2012 15:13
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” Das ist besonders deshalb bemerkenswert, weil die Genderisten ja immer unterstellen, dass Frauen unlogisch und mehr kommunikativ-sozial sei und man ihnen das ganze logische Zeugs und das „Wahrheits-Regime” ersparen müsste, um sie zu technischen Fächern bringen müsste.”

Da geht übrigens einiges durcheinander, entweder beim Autor oder bei den Feministinnen selbst. Gender meint doch, Geschlecht sei vollends durch die Gesellschaft geformt worden. Also kann es keine typisch weiblichen Eigenschaften geben. Also können Frauen auch nicht per se “kommunikativ-sozial” sein. Wer das behauptet, hat sich von der ursprünglichen Gender-Idee weit entfernt.

Aber es ist auch schwer zu durchschauen, wo die Gendertheorien aufhören und wo esoterische Große-Mutter-Ansichten beginnen. Ein Teil des Feminismus neigt nämlich durchaus zu solchen Idealbildern, was Frauen von Natur aus seien. Und das wird dann verquickt mit Vollmondmystizismus und Homöopathie und derlei Dingen, weil angeblich die Frauen der Natur näher stünden als die verkopften Männer. Möglicherweise ist diese esoterische Strömung eigentlich sehr, sehr konservativ, hat dafür aber erfolgreich die links-alternativen Milieus bevölkert, wie man an den Grünen sehen kann.


Hadmut
22.7.2012 15:27
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@Milo: Da geht noch mehr durcheinander, auch biologische und kulturelle Frau. Es gibt auch keinen einheitlichen Genderismus, sondern da wird einfach behauptet, was gerade gebraucht wird. Sie sind durchaus auch untereinander zerstritten, und eine der wichtigsten Eigenschaften des Genderismus ist ja, dass nichts wirklich klar, eindeutig, konsequent durchdefiniert ist. Ich weiss jetzt leider nicht mehr auswendig, wo ich das gelesen habe und von wem das stammte, aber irgendein Soziologe (oder Philosoph) vertrat die Auffassung, dass der Mensch an sich widesprüchlich ist und deshalb auch die Theorien widersprüchlich sein müssten.

Man muss gar nicht zum kommunikativ-sozialen gehen. Wenn man den Standpunkt einnimmt, dass es eigentlich gar keine Frauen gibt (und darüber streiten die Genderisten heftig), dann ist schon die Forderung nach einer Frauenquote unsinnig. Eine der Fragen, die ich in diesem besagten Piratinnen-Abend da stellte und die zum Eklat führten, weil sie sie partout nicht beantworten wollten, war, woran man bei einem Bewerber eigentlich feststellt, ob er/sie/es auf die Frauenquote angerechnet wird oder nicht. Denn wenn man dieser Gender/Queer-Sichtweise folgt, wird es verflixt schwierig wenn nicht unmöglich, Personen eindeutig zu Mann oder Frau zuzuordnen, was sie ja auch gar nicht wollen. Das soll alles so ein diffuser Übergang sein.

Wenn man aber nicht mehr klar feststellen kann, wann jemand auf die Frauenquote angerechnet wird und wann nicht, wird es völlig absurd, eine Frauenquote zu fordern.

Das ganze Ding ist in sich völlig unlogisch.


Hadmut
22.7.2012 15:48
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@Milo: Hat übrigens auch damit zu tun, dass sie rhetorisch nicht zugegeben wollen, dass sie Stellen für Leute wollen, die wenig oder nichts können, und deshalb fingieren sie damit eine Art alternativer Fähigkeit, um eine gefühlte Befähigungsparität herzustellen. Sonst wäre argumentativ nicht zu vermitteln, dass sie Stellen ohne Befähigung haben wollen.


Milo
22.7.2012 15:49
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@Hadmut: das ist in der Tat unlogisch. Gab es nicht mal vor einiger Zeit einige Piraten mit Bärten, die bei einer Veranstaltung auftauchten und sagten, sie wollten sich nicht anhand ihrer Bärte als Männer festlegen lassen? Das meinten die ironisch und war ein schönes Beispiel für die Schwierigkeiten von “Gender”.

Man darf allerdings das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Wer als Mann sich dagegen wehrt, dass Männer oft als dumpfe, gefühllose und gewaltgeile Wesen dargestellt werden, macht im Grunde auch schon “gender”. Er sagt nämlich, dass Teile der Geschlechtsrolle durch die Gesellschaft geformt werden. Das heißt in diesem Falle: Große Teile der Gesellschaft bauen auf dem negativen Männerbild als Unterdrücker Institutionen auf, die die vermeintlich dunkle Seele der Männer bezähmen sollen. Wer so etwas kritisiert, tut das mit einer Art “Gender”-Denkmodell.

Die Überspitzung, dass es weder Männer noch Frauen gäbe, ist allerdings grober Unsinn.


Milo
22.7.2012 15:54
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“Hat übrigens auch damit zu tun, dass sie rhetorisch nicht zugegeben wollen, dass sie Stellen für Leute wollen, die wenig oder nichts können, und deshalb fingieren sie damit eine Art alternativer Fähigkeit, um eine gefühlte Befähigungsparität herzustellen. Sonst wäre argumentativ nicht zu vermitteln, dass sie Stellen ohne Befähigung haben wollen.”

Ich sehe darin die naive Annahme, dass die Damen glauben, sie könnten ohne Fachkenntnis auskommen. Weil Fachkenntnis ist ja männlich durchsetzt und darum patriarchalisch. Nur, ohne Fachkenntnis laufen die tollen Telefone nicht, mit denen sie gerne kommunizieren.

Mein Eindruck in der Uni war es, dass manche glaubten, sie könnten die vertiefte Auseinandersetzung mit Wissen abwählen, wenn es ihnen irgendwie nicht passte. Und da man wenig Mittel hatte, um die Leute dazu zu zwingen, schien diese Annahme auch plausibel. Man entwickelte eine Weltanschauung, die diese Ablehnung vom angeblich “männlichen” Wissen rechtfertigte. Als Lehrender konnte man sich dann in Diskussion über Sinn und Unsinn des vermittelten Wissens verstricken. Die alte Weisheit, dass man Regeln dann kritisiert udn aufbricht, wenn man sie beherrscht, hatte da kaum einen Platz.


Hadmut
22.7.2012 16:10
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@Milo: In Deutschland braucht man keine Fachkenntnisse. Einmal zur Professorin ernannt ist man unkündbar und wird von der Öffentlichkeit bis ins Grab bezahlt. Sobald man die Ernennungsurkunde als Beamtin erhalten und die Probezeit überstanden hat, kann einem nichts mehr passieren. Das ist öffentlicher Dienst, das muss man nichts können.


Milo
22.7.2012 16:19
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@Hadmut, das ja, aber wer Häuser oder Autos bauen oder Computer programmieren will, der wird ohne Kenntnisse nicht weit kommen. Und irgendwo lauern ja doch diese Tätigkeiten am Ende. Aber klar, man kann auf eine Ebene flüchten, wo man in große Worte flüchtet und seinen Untergebenen es überlässt, diese in konkrete Produkte umzusetzen. Wäre doch mal spannend, ob die auch eine Quote an den Reißbrettern und Konstruktionstischen fordern. 😉 Oder eine Quote für Gelbe ADAC-Engel.


Hadmut
22.7.2012 16:27
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@Milo: Das ist aber doch genau der Knackpunkt. Deshalb suchen sie sich doch vor allem solche Ziele raus, bei denen man fachlich nicht viel können und sich nicht selbst erwirtschaften muss. Deshalb haben sie mit dem öffentlichen Dienst angefangen. Und deshalb kommen sie jetzt damit daher, dass der öffentliche Dienst ein Modell für die Wirtschaft sein müsse, weil man im öffentlichen Dienst keine positive Arbeitsbilanz haben muss, sondern von der Gesellschaft durchgefüttert wird.


Uwe
22.7.2012 17:32
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@Hadmut “Ich weiss jetzt leider nicht mehr auswendig, wo ich das gelesen habe und von wem das stammte, aber irgendein Soziologe (oder Philosoph) vertrat die Auffassung, dass der Mensch an sich widesprüchlich ist und deshalb auch die Theorien widersprüchlich sein müssten.”

Adorno. Du hast es im Buch erwähnt. Im Zusammenhang mit der Verleihung des Adorno-Preises an Butler.


Hadmut
22.7.2012 17:38
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Danke!


Michl
22.7.2012 18:00
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Da würde ich doch mal an Helsinki die Frage richten was falsch ist, mal ganz abgesehen davon, dass es an Kausalität mangelt, ihr Ergebnis oder der Mythos über die langen Penisse in Afrika. Wirtschaftlich toll läuft es in Afrika ja nicht gerade.


Steffen
22.7.2012 20:26
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“… weil die Genderisten ja immer unterstellen, dass Frauen unlogisch und mehr kommunikativ-sozial sei und man ihnen das ganze logische Zeugs und das „Wahrheits-Regime” ersparen müsste, um sie zu technischen Fächern bringen müsste. Auch hier scheint der Genderismus also genau die falsche Richtung eingeschlagen zu haben und alles nur noch schlimmer zu machen.”

Ich habe gerade mal mit meiner Frau über das Thema geredet. Sie hat noch einen interessanten Punkt gebracht: Was ganz verheerend wirkt ist wenn den Mädchen eingeredet wird (direkt oder indirekt) daß sie Technik prinzipiell nicht könnten, eben weil sie Mädchen sind.

Interessant daß das an genau das erinnert, was die Genderisten anstellen. Genau die sind es nämlich, die den jungen Frauen einreden, daß sie “mehr kommunikativ-sozial” seien. Damit machen sie exakt diesen Fehler: “Ihr seid zu blöd für Technik”. Die “Lösung” des Genderismus sieht dann noch so aus, daß sie die technischen Fächer auf das Niveau runterziehen wollen (“wir müssen weg von dem ganzen Logik- und Wahrheitsregime”), auf das sie selbst die Frauen gestellt haben, und damit haben sie es endgültig vermasselt. Eigentlich “dekonstruiert” sich der Feminismus somit selbst.

Aber vielleicht haben die Genderisten ja gar kein Interesse daran, daß der Anteil von Frauen in technischen Bereichen steigt? Wäre das irgendwann der Fall, dann wäre das die absolute Katastrophe für den Genderismus/Feminismus. Dann wäre er nämlich überflüssig. So scheint das ganze ein ganz hinterhältiger Betrug zu sein: Die eigene Zielgruppe subtil kleinhalten um den Status Quo für eigene Zwecke zu zementieren.


Hadmut
22.7.2012 20:33
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@Steffen: Nee, ich glaub das liegt etwas anders. Leute, die Frauen und technisch unfähig sind, erklären einfach alle Frauen für technisch unfähig und technische Anforderungen deshalb als frauendiskriminierend und damit abschaffungspflichtig, um sich Zugang zu verschaffen.


Steffen
22.7.2012 20:41
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@Hadmut: Ok, aber könnte der Betrug nicht auch noch zusätzlich in die Richtung funktionieren, daß machtgierige aber fachlich unfähige Frauen auch deshalb einfach alle Frauen für technisch unfähig erklären, um sich unliebsame Konkurrenz aus dem Weg zu halten?

Die Vorgehensweise des Genderismus erinnert mich nämlich durchaus an das der sog. “Sozialmafia”, also der Kreise, die selbst massiv von den Phänomenen Massenarbeitslosigkeit / Hartz 4 usw. profitieren, weil sie sich selbst als schamlose Nutznießer des Elend profilieren können, und deshalb das Elend selbst zementieren.

Siehe z.B. folgender Spiegel-Artikel:

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/schlecker-frauen-anschlussbeschaeftigt-als-opfer-a-840500.html


Hadmut
22.7.2012 20:49
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@Steffen: Ausschließen will ich’s nicht, aber so direkt drängt sich mir der Gedanke jetzt nicht auf. Bisher ging’s nach meinem Eindruck darum, den Leistungsvergleich zwischen Mann und Frau auszuhebeln, nicht zwischen Frauen. Zumindest wär’s mir nicht ins Auge gesprungen.

Danke für den Link, ich guck mal rein.


Hadmut
22.7.2012 20:55
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@Steffen: Folgt man dem Spiegel-Artikel, könnte man eher auf die Idee kommen, dass Genderisten Frauen deshalb als technisch unfähig hinstellen, um sich mit ihrer Frauenquote als deren Retterin ala Robin Hood aufzuspielen.

Denn nur mit der Unstellung, dass Frauen nicht nur diskriminiert, sondern auch fachlich nicht konkurrenzfähig sind, lässt sich die Gleichstellung (statt Gleichbehandlung) rechtfertigen.

Würden Frauen nämlich sagen, dass sie zwar diskriminiert werden, aber (oder obwohl sie) genauso schlau wie Männer sind, würde das nur für die Forderung nach Gleichbehandlung reichen.


Steffen
22.7.2012 20:57
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@Hadmut: Daß es auch unter Frauen massivste Konkurrenz gibt, siehe folgender Cartoon. Den ‘Alex’ Strip kann ich sowieso generell empfehlen. Der spielt in einem ganz anderen Umfeld (Banken) als wir Geeks gewohnt sind. Der Zeichner des Strips war selbst Banker, kriegt seine Ideen von befreundeten Bankern, und der Strip wird in einschlägigen Kreisen als “ghastly true” bezeichnet.

http://www.alexcartoon.com/index.cfm?cartoons_id=4187


Hadmut
22.7.2012 21:04
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Har Har…


Bob
23.7.2012 11:16
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“Damit ist ja wohl klar belegt, welche Auswirkungen eine Frauenquote auf die Wirtschaft hat. Und alles ganz wissenschaftlich.”

Und wieso verkürzt jetzt die Frauenquote die Penislänge? O_o


Roland
23.7.2012 13:54
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Hadmut, es ist nicht ganz so, daß beispielsweise Professurem im öffentlichen Dienst so leicht ohne jede Qualifikation zu erhalten sind.
Da sind Berufungskommissionen vor und natürlich der hochschulinterne Neid nebst der hohen Bewerberzahl. Selbst wenn das zuständige Fachministerium die Vorgabe “Frau” macht, gibt es tatsächlich fast immer auch wirklich “qualifizierte” Frauen.
Zumindest hier in B.W. haben die Hochschulen einen sehr hohen Grad an Selbständigkeit. Daher können die es sich gar nicht leisten, einen zu hohen Anteil an “Nichtskönnern” mitzuschleppen. Das war vermutlich zu Beginn eines Fachs noch etwas anderes. Bei “harten” Fächern kann sichs auch gar nicht ändern, bei “weichen” Fächern ist inzwischen die Konkurrenz ausgesprochen stark. Beispielsweise in “Musik” (B.W. hat allein 5 Musikhochschulen) gibts trotz der de fakto Gehaltsabsenkung durch Änderung der Besoldung ( von früher “C” auf heute “W” ) eine unglaublich hohe Anzahl sehr sehr qualifizierter Bewerber……..


Hadmut
23.7.2012 14:00
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@Roland: Deine Überlegungen stehen aber in Widerspruch zu empirischen Beobachtungen. Und im Widerspruch zum Hintergrund der Gleichstellungsforderung, wonach jegliche Qualitätsanforderungen abgeschafft werden müssen.

Und dass Selbständigkeit bei Hochschulen nicht zu Qualität, sondern zu wuchernder Korruption führt ist auch bekannt und gezeigt.


lercherl
23.7.2012 22:01
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Auch ein hübsches Beispiel von Kompetenz und Qualität in der Forschung:

http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/02/haitit-haarp-tesla-claudia-von-werlhof.php


Milo
24.7.2012 8:47
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@lercherl
Oh! Mein! Gott!

Die Frau ist ja krude. Mir ist es ein Rätsel, wie eigentlich gebildete Frauen so derart in Spleens abrutschen können. Ich meine, das sich dies für ein ganzes Milieu behaupten lässt im Laufe der letzten Jahrzehnte. Zunächst angetreten, um mit marxistischen Theorien die Welt zu verändern, wandte man sich der Esoterik und der Spiritualität zu. Das ist jetzt natürlich grob überzeichnet.

Aber eine Kontinuität gibt es. Marx war vernunftbetont, aber er hat dennoch eine Heilslehre entworfen, die Erlösung durch die Revolution. Die heute gängigen esoterischen Richtungen sind natürlich auch Heilslehren. Der Feminismus ist genauso eine Heilslehre, weil er einen Aufbruch in ein vollkommen besseres Leben verspricht, sobald das Patriarchat den Frauen nicht mehr im Wege stehen würde.

Insofern passt das dann alles wieder.


Leon
24.7.2012 13:28
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Ich hätte mal eine Frage: Du bist doch laut Eigenaussage Mitglied in der Piratenpartei, die dem Vernehmen nach gerade ein massives Problem mit Radikalfeministinnen haben.

Engagierst du dich da dagegen bzw. engagierst du dich da für die Recht von Männern? Gibt es da schon Zusammenschlüsse?

Es ist ja bald Programm-Parteitag in Bochum. Gibt es da deines Wissens schon Anträge, um dem Feminismus eindeutig programmtisch entgegen zu treten?

Grüße und mein Kompliment, ich lese hier immer sehr gerne


Hadmut
24.7.2012 13:32
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Es gab da mal irgendeine Gruppe, aber das war eher dubios, die sind wieder eingegangen.

Bisher habe ich da auch nicht allzuviel gemacht, mangels Zeit, außer eben zweimal an dieser Familien-AG teilzunehmen (siehe den Blog-Artikel von kürzlich mit den 400 Kommentaren) und jetzt das Buch zu schreiben.

Es ist aber verdammt schwer, da noch etwas zu erreichen, weil die Zensur-Filter bei den Piraten inzwischen massiv von den Feministinnen kontrolliert werden. Die haben mich damals gleich nach meiner Kritik an besagtem Abend gleich von der Mailing-Liste abgehängt usw. Ich weiß, dass auch Parteipublikationen zensiert werden, dass da nichts Frauenkritisches mehr auftauchen kann. Schwierige Sache.


Leon
24.7.2012 15:14
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Ok, danke für die Antwort. Ich glaube schon, dass da noch etwas Potenzial für eine Gegenbewegung da wäre. Vielleicht mal ein Programmantrag auf dem BPT als “Testballon” oder so wäre eventuell nützlich.

Mit Mitgliedern wie dir, die sich auf Grund von empirischen wissenschaftlichen Erkenntnissen ihre Meinung bilden, haben die Piraten jedenfalls ein nötiges Gegengewicht zu feministischen Ideologen!