Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Lizenzbestimmungen für Computer-Fonts

Hadmut
9.7.2012 21:14

Aus den Lizenzbestimmungen eines käuflichen OpenType-Zeichensatzes von myfonts.com:

The Author absolutely forbids the use of the Font Software in the following case : texts or others documents or files constituting or including insults, threats, propaganda or apology of : pedophily, rapel, racism, segregation, anti-semitism, all sort of violence, murder, and, generally, all plan aiming to degrade or ill-treat the living, especially human.

Jetzt wollen sie einem schon vorschreiben, was man damit schreiben darf.

Schon bei Beleidigungen muss man aufpassen, ob man den Zeichensatz noch verwenden darf.


13 Kommentare (RSS-Feed)

Stefan H
9.7.2012 21:28
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Ob es da wohl jemals ein Gerichtsurteil geben wird?
Ich hoffe nicht….


tessarakt
9.7.2012 22:02
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Könnte aber sehr interessant werden. AGB-Inhaltskontrolle, analoge Anwendung des Erschöpfungsgrundsatzes, Umfang des Schutzrechtes …


Hanz Moser
9.7.2012 22:04
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Ich glaube nicht, dass das in Deutschland vor einem Gericht bestand haette.

GlovePIE, ein sehr nuetzliches Tool fuer diverseste Eingabegeraete, hat eine aehnlich daemliche Lizenz. Der Autor verbittet sich den Einsatz in Israel, weil das seinen politischen Ueberzeugungen widerspricht.


Stefan W.
9.7.2012 23:33
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Einfach nicht Benutzen. “Violence” ist ein so vager Begriff.

@tessarakt: Wenn man die Lizenzbedingungen vorher kennt – wieso benutzt man es dann? Wenn man solche Lizenzen nach dem Kauf findet, dann müssen diese nicht so exotisch sein, um hinfällig zu werden.


node
10.7.2012 8:41
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@Stefan W:
Wenn man die Lizenzbedingungen vorher kennt – wieso benutzt man es dann?

mal ehrlich: liest du IMMER alles?

Die meisten Bestimmungen / AGB / EULA sind doch von vornherein so unverschämt lang, kleingedruckt , hellgrau auf weiss oder sonst irgendwie absichtlich schwer lesbar gestaltet. Und wenn lesbar, dann der massen abartig lang, dass einem garantiert zur Hälfte die Lust vergeht.
Die meisten Leser würden nicht merken wenn sie sich beim Kauf von irgendwas zur Armee verpflichten würden – bis die Feldjäger vor der Tür stehen, weil sie nicht pünktlich erschienen sind.

Zum Thema: violence: darf man mit der Schrifttype nun auch keine Romane schreiben/ historische Texte abschreiben?
Oder gar Kindergedichte abschreiben ?

Hätten Hemmingway, Bukowski oder Ludlum je einen Roman geschrieben?
Wie stehts mit der Bibel?
Wie Hältst du’s mit der Religion?…. mal im allgemeinen gefragt?

Oder wussten die Bescheid und haben deshalb zum Bleistift gegriffen?
und wann kommt die Nutzungsvereinbarung für Bleistifte??


Hanz Moser
10.7.2012 12:29
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Vor Jahren hatten sie mal bei RTL in irgend einer Sendung einen Versuch. Bei irgend einer Festivität hatten sie einen Porsche hingestellt und es gab ein Gewinnspiel. Auf den Karten musste man seine Bankverbindung angeben, der Porsche war keiner der Preise und im Kleingedruckten stand, dass man sich zum Kauf von “10 verdammt teuren Waschmaschinen” verpflichtet.
Einwerfen sollte man die Kärtchen in das einen Spalt geöffnete Fenster des Porsches, der hinterher ziemlich voll war.
Fazit: Die Volksseele kann kochen, aber nicht lesen.

Und die Frage, warum man so etwas nutzt, wenn man die Bedingungen liest und nicht einverstanden ist kann man auch anders sehen. Wenn da etwas steht, was eh ungültig ist, kann man es auch ignorieren.


Christian Horn
10.7.2012 12:43
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Dann wird jemand als Drohbriefeschreiber nicht nur vom Empfänger, sondern auch vom Autor des Fonts vor Gericht gebracht? Klingt nach einer lustigen Anklageschrift. Frage mich, ob es das schon wo anders so gibt. Wird jemand von einem Auto überfahren, klagt der Hersteller i.d.R. nicht. Was wäre wenn? Erinnert mich alles ein wenig an die ethischen Ergüsse aus dem Heise-Forum zum Thema Linux in Militärmaschinen

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-US-Navy-ruestet-bei-unbemannten-Drohnen-auf-Linux-um-1614825.html

und ob man das per GPL verbieten sollte.


Alex
10.7.2012 16:49
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Tja, würde es um Architekten gehen..
Bei denen ist es bereits so, dass sie einem verbieten dürfen und können dass eigene Haus anzumalen wie man es selber will.

Nächster Vorschlag:
Papierhersteller geben an, wie man ihre Seiten nutzen darf..

@Christian Horn
Ansich fände ich es gut, wenn Linux auf einer freien Lizens wäre, die Morden verbieten würde.

Aber mir ist es wichtiger, dass ich mit Sachen die mir gehören(1) machen darf was ich will. Und dieses Recht muss ich auch den Mördern zugestehen.

Wobei – nach GPL müssten sie ja bei der Auslieferung der Drohnen den Sourcecode mitliefern – da bezweifle ich mal stark dass sie das machen, und das wäre kriminell.


tane
10.7.2012 19:42
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Das ist alles schoen etc, aber verfehlt das eigentliche Problem. Ist es sinnvoller Waffen zu verbieten oder Leuten beizubringen dass man niemanden umbringen sollte? Ersteres ist sicher in Ordnung und wirkt auf Wahrscheinlichkeiten ein, aber nur wenn man Zweiteres dennoch tut und nicht davon ausgeht, es gibt keine mehr, also muessen wir das nicht machen. Und genau so kommen mir solche Regelungen vor (abgesehen vom Hausfaerbungsverbot). Denn dann heißt es beim groeßten Trottel nachher nurnoch, mit Font X ist das Schreiben von Hasspamphleten verboten, mit Font Y aber nicht, daraus folgt es ist Ok. Das mag sich sehr daemlich anhoeren, aber das Schreiben von Drohbriefen etc. ist ja sowieso schon verboten, und gerade in unserem Land gibts auch genug, was nichtmal unter Meinungsfreiheit faellt und auch verboten ist. Eins sollte reichen, wenn das nicht ankommt, liegt doch da der Fehler.

Im Bezug auf GPL kann ich sowas absolut nicht unterstuetzen, außerdem wuerde es in dem Fall halt wieder eine Extralizenz (siehe LGPL) geben, die man dann ja schoen MGPL nennen koennte… Oder die US-Streitkraefte besinnen sich mal darauf wo sie herkommen und basteln ein schoenes Betriebssystem in Ada, das waere mal was feines, und wenn gut gemacht, sicherlich das sicherste.


Thomas
10.7.2012 19:43
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Danke für diesen Hinweis, hat mir gerade ein gutes Lachen entlockt!

Das sittliche Niveaulimbo in Richtung Erdmittelpunkt schreitet mit großen Schritten voran!

Sollte sowas Praxis werden, ist es eine Frage von Wochen, bis man “create your own fonts”-Programme kostenlos runterladen kann.


Tentacolon
10.7.2012 23:06
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Bitte erhellt mich, aber wird von GPL-Jüngern nicht immer gepriesen, dass man praktischerweise ohne Lizenz in den allermeisten Jurisdiktionen ohnehin kein Recht hätte, $Software zu verwenden?

Ist das auch für (GPL-)Software bescheuert, oder sollte das auch bei Schriftdateien zählen?


Christian Horn
11.7.2012 10:23
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@Alex

Prinzipiell halte ich da nichts von, es sollte weder die Aufgabe der Industrie noch die irgendwelcher (Open-Source-) Programmierer sein in solch einem Ausmaß Legislative zu spielen. Das System findet ja eh erst im zweiten Schritt Anwendung, wenn der Täter vor Gericht kommt und ich sehe da keinen Schaden der dem Programmierer entstanden wäre. Leuten zu verbieten anderen Menschen zu schaden klingt erstmal gut, verhindert aber keine Verbrechen. Die Strafen sind ja schon kein Hindernis, die Leute Rauben und Morden, obwohl sie die Konsequenzen kennen.


O.
21.7.2012 13:20
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Die GPL will ja, daß die Weitergabe der SW möglich ist – unabhängig von der Gesinnung des Nutzers. Der Quellcode muss aber entweder anbei sein, oder leicht zu beschaffen sein.

Was die Drohnen angeht: derjenige, der sie “empfängt” wird kaum gegen GPL-Verletzung noch klagen können, und ob der Quellcode nicht mitausgeliefert wird, lässt sich schwer prüfen lassen.

Vielleicht steht da ja irgendwo:

“If you want to read the license, open the drone, and
then at the terminal type “cat COPYING” and press enter afterwards.”

Diejenigen, die die Dronen nicht bekommen (was eher von (lebensverlängerndem) Vorteil sein kann) bekommen auch die Software nicht und haben daher auch auf den Quellcode keinen Anspruch.