Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Kommt jemand mit auf Foto-Tour?

Hadmut
23.2.2011 10:37

Ich suche Mit-Reisende.

Ich war ja schon öfters mal in Australien und Neuseeland, und gerade erst vor einem Jahr auch in Christchurch. Es verursacht Unwohlsein, wenn man die Gebäude vor denen man kürzlich erst gestanden hat, nun (oder beim Erdbeben vor ein paar Monaten) in den Nachrichten eingestürzt wiedersieht oder den Supermarkt wiedererkennt, indem man eingekauft hat.

Mir geht gerade die irre Idee durch den Kopf, eine Fotoreise nach Neuseeland und Australien zu unternehmen, dorthin wo Erdbeben, Überschwemmung und Wirbelstürme gewütet haben und einfach mal zu fotografieren, wie es jetzt dort aussieht. Mal nicht die typischen Postkartenmotive und Hochglanzfotos.

Allerdings würde ich vorher noch mit deren Touristenzentren Kontakt aufnehmen, ob und wann die dort wieder Touristen gerne sehen (einerseits will man nicht im Weg stehen und den Leuten nicht das Gefühl geben, in der Katastrophe noch beglotzt und begafft zu werden, andererseits sind das alles Gegenden, die auf Tourismus elementar angewiesen sind und viel Aufwand dafür treiben, Touristen anzuziehen; die sind dort auch von der Mentalität nicht so empfindlich, sondern freuen sich eher, wenn man mal mit jemandem drüber quatschen kann).

Nachtrag: Ich hab mal bei der Wohnmobilvermietung, bei denen ich letztes Jahr was gemietet hatte, angefragt, wie so die Lage dort ist und ob bei ihnen jemand verletzt wurde. Doch schlimmer als befürchtet. Die Fahrzeuge werden für wichtigeres als Touristen benötigt. Auszug aus der Mail:

The state in Christchurch is terrible and we are in a national state of emergency- people lost their lives, however the employees at the CHC branch are all ok however some have lost their homes….The Chc branch is operating that is- we are checking people in and releasing vehicle for people who are going on holiday for confirmed bookings. At the moment we are not taking new bookings and we are supplying vehicle to the Civil defence as first priority and next for local people who need accommodation. This will be reviewed on a constant base.


6 Kommentare (RSS-Feed)

ins
23.2.2011 11:12
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U.a. hier gibts genug Photos:
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-02/fs-christchurch

Die warten vermutlich brennend auf Phototouris wie dich. Die brauchen helfende Hände, keine Touris mit Knipse+Wohnmobil die beide im Weg rumstehen.


Hadmut
23.2.2011 11:36
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Der Gedanke ist mir natürlich auch durch den Kopf gegangen.

Er ist aber bei genauer Betrachtung unsinnig. Man darf da nicht von deutschen Verhältnissen ausgehen.

Sowohl in Queensland als auch in Süd-Neuseeland ist seeeehr viel Platz. Man darf da nicht von deutschen Verhältnissen ausgehen. Wenn man da unterwegs ist und herumfährt, ist man zu 70-95% der Zeit in Gegenden, wo einen kein Mensch sieht. Ich habe in der Nähe von Christchurch am Straßenrand angehalten und mein Stativ mitten auf die Autobahn (!) gestellt, weil einfach niemand vorbeikam. Man kann dort ziemlich viele Erdbeben/Überschwemmungsspuren sehen, und dabei kilometerweit vom nächsten Menschen weg sein. „Im Weg rumstehen” ist dort nicht so wie hier. Man hat eher das Problem, daß einen so schnell keiner findet, wenn einem was passiert.

Zudem plane ich die Reise ja auch nicht sofort, sondern eher März/April, wenn die gröbsten Sachen dort erledigt sind.

Übrigens brauchen die auch – jedenfalls in Australien – keine helfenden Hände mehr, denn es haben sich dort viel mehr Freiwillige gemeldet, als sie einsetzen konnten. Die haben sie wieder nach Hause geschickt.

Zudem ist es ein normaler Vorgang, daß in Krisengebieten der Welt sehr viel Leute unterwegs sind und dokumentieren. Stört sonst auch niemanden.

Ein anderer Punkt ist, daß die dortige Infrastruktur sehr stark auf Fremdenverkehr ausgelegt ist und die keine großen Reserven haben. Wenn bei denen wochen- oder monatelang keiner kommt und mal ein Zimmer oder einen Camperplatz mietet oder mal was essen geht, dann sind die pleite. Wenn der Fremdenverkehr dort abreißt ist das ein viel größerer Schaden als wenn mal jemand im Weg rumsteht.

Außerdem stehe ich nicht im Weg rum. Sowas tue ich nicht. Ich will ja keine Katastrophenbilder vom Notarzt schießen, der gerade das Kind aus den Trümmern zieht, sondern eher zermatschte Felder, Risse in der Landschaft, verschobene Schienen, Straße und Zäune, Ruinen oder sowas. Eher sowas, wo keine Menschen mehr unterwegs sind. Da steht man auch niemandem im Wege rum.

Im übrigen bin ich allergisch gegen solche „Gutmenschenreflexe”.

Ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, die am Pauschalurlaubsort ein 5-Sterne-Hotel mit deutschem Essen und Unterhaltung erwartet und dann sagt, Oh, habt Ihr gerade etwas Unordnung? Na, dann bleibe ich erst mal weg und komme wieder, wenn Ihr wieder hübsch aufgeräumt und frische Laken aufgezogen habt.

Das ist mir viel zu zynisch.


Hadmut
23.2.2011 11:49
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Übrigens, mal so nebenbei bemerkt:

In Haiti hat man sich nicht über die Leute beschwert, die dort waren, um zu sehen und zu berichten.

Sondern man hat sich beschwert, daß nach kurzer Zeit keiner mehr kam.


Hadmut
23.2.2011 11:55
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Noch ne Anmerkung:

Es ist dort auch nicht so wie hier in Deutschland, daß es nur zwei Möglichkeiten gibt, daß man entweder nur zum Gaffen da oder weg ist.

Sowohl die Australier, als auch die Neuseeländer sind sehr viel kommunikativer und hilfsbereiter als die Deutschen und leben sehr viel mehr „draußen” und mit den anderen verwoben. Es ist dort völlig normal und selbstverständlich, weil historisch-kulturell bedingt, daß man sich gegenseitig – auch völlig Fremden! – hilft. Ein Stil den ich gerne mag.

Ich hätte deshalb auch überhaupt kein Problem damit, dort mal einen Tag oder zwei irgendwas zu helfen, so gut ich kann. Das ist die Lebensweise dort. Muß mich ja nicht wie ein Deutscher benehmen.


Tilman
23.2.2011 16:12
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Gerade in Gegenden die vom Tourismus abhängig sind ist “Wegbleiben im Katastrophenfall” das schlimmste was man tun kann. Dann verstärkt man das wirtschaftliche Desaster nur noch.

Natürlich sollte man gesunden Menschenverstand walten lassen… aber dass man nicht debil knipsend danebensteht wenn ein Kind aus den Trümmern gezogen wird… also DAS sollte nun wirklich selbstverständlich sein.

Das Ausbleiben der Touristen sorgt für die wirtschaftliche Sogwirkung von Unglücken für ganze Regionen. Weil zwei Haitianer mit Cholera über die Grenze in die Dominikanische Republik kamen verbreitet die Presse dummdreiste Schlagzeilen à la “BOAH CHOLERA IN DER DOMREP” und ließ damit das Weihnachtsgeschäft zusammenbrechen.

Beim Ausbruch des zweiten Golfkriegs hatte ein Freund in Ägypten zum Schnäppchenpreis ein ganzes Nilkreuzfahrtsboot (inklusive der verzweifelten Besatzung) für sich allein.

Über die Auswirkungen der momentanen politischen Veränderung in Ägypten auf den Tourismus mag ich garnicht nachdenken. Wer da auch immer an die Macht kommt wird erstmal einen Zusammenbruch der Tourismusindustrie (die ca.12% der Werktätigen dort beschäftigt) verkraften müssen.


Hadmut
23.2.2011 16:25
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Ja. Nach Ägypten zu reisen und Kamel zu reiten oder Pyramiden anzugucken, sobald die sich wieder aufgerappelt haben, ist sicherlich hilfreicher zugunsten einer Demokratie und gegen Extremismus, als denen naseweise Ratschläge zu erteilen. Ägypten ist mir nur noch zu heiß, und da wüßte ich auch nicht, was ich zur Dokumentation der Ereignisse fotografieren kann. Zumal ich mich dort nicht auskenne und die Landessprache nicht kann.