Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Christen haben kurze Beine…

Hadmut
23.2.2011 15:58

…oder so ähnlich.

CDU und CSU betonen ja immer wieder ihr C und ihre „christlichen Werte”. Ich halte ja nichts vom Christentum, und schon gar nichts von dem, was die unter „Werte” verstehen. Aber in der Demokratie müssen ja verschiedene Geschmäcker bedient werden. Und weil man dafür so viel schöne rechtskonservative Stimmen bekommt, hat die liebe Bundeskanzlerin (dieselbe übrigens, die jetzt der Meinung ist, daß sie zu Guttenberg nicht als Meßdiener Wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt hat, und das mit dem Doktorschwindel doch gar nicht so schlimm sei, schließlich habe er ja gebeichtet) doch kürzlich dazu aufgerufen, die Christliche Botschaft zu verkünden:

Verflixt noch eins, was war da jetzt nochmal die Botschaft und Verkündung des Christentums? Kriegt das noch wer zusammen?

Nee, ich mein jetzt nicht das mit den alten Männern in seltsamen Kleidern, die sich an Kindern vergreifen. Nee, auch nicht die Folter- und Hinrichtungsmaschine in deren Firmenlogo. Da gab’s doch noch irgendwas anderes. Hatten die da nicht irgendwie so was mit zehn Geboten? Du sollst nicht lügen, nicht stehlen, nicht falsch Zeugnis ablegen? Irgendsowas hatten die da doch, oder? Oder täusche ich mich da jetzt…


14 Kommentare (RSS-Feed)

Steffen
23.2.2011 16:19
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Ich gebe zu bedenken, daß die Christenheit sich da ebenfalls nicht einig ist. Schließlich gibt es inzwischen tausende verschiedener Gruppen und Grüppchen, die alle der Meinung sind, daß sie und nur sie die alleinige Wahrheit verkünden.

Aber so wie ich das Christentum verstanden habe, dann besagt das folgendes:

Der Mensch an sich ist sündig (was das auch immer sein mag). Und deshalb braucht der Mensch Erlösung (was das ebenfalls auch immer sein mag). Geben kann einem das nur Gott (wieso ist ebenfalls offen). Deshalb hat er seinen Sohn geopfert um uns die Sünden zu nehmen (wo da jetzt die Verbindung zur ‘Sünde’ ist, ist mir ebenfalls schleierhaft)

Und jetzt gehen die Details los. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann gehen gewisse protestantische Strömungen (beginnend bei Martin Luther) davon aus, daß man nur an Jesus glauben müsse, und zwar nichts weiter. Nur glauben. Das und nur das. Dann und nur dann sind einem sämtliche Sünden vergeben (egal, wie schlimm man gewütet hat), und man darf sich aufs Himmelreich freuen. Man darf alles machen. Nur nicht ungläubig werden. Das ist das schlimmste. Dann kann man noch ein so selbstloses und gutes Leben geführt haben, dann blüht einem zwangsweise die Hölle.

Und das passt doch perfekt auf das Selbstverständnis der christlichen Parteien, oder? Es ist alles ok, was sie so anstellen. Da sie christlich sind, ist ihnen alles vergeben.


Hadmut
23.2.2011 16:27
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Ach, so!? Ja, daß der Mensch an sich voll Sünde ist und Fehler macht, hat der zu Guttenberg ja auch gesagt…


und lange Nasen


Hadmut
23.2.2011 17:03
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Haha, stimmt. Der ist gut.


Wolfgang
23.2.2011 18:12
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Das mit der “Folter- und Hinrichtungsmaschine im Firmenlogo” ist eine grandiose Formulierung, die ich wohl häufiger plagiieren werde.

Dafür gebe ich die Formulierung “pseudokannibalistisches Ritual” für das “Abendmahl” (das ist mein Fleisch, das ist mein Blut) frei, mit dem ich schon manchmal Zustimmung geerntet habe, aber natürlich auch schon mal “anecke”.


Stefan W.
23.2.2011 20:03
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Ich bin ja leider indoktriniert worden, und kenne mich ein wenig aus.

> Du sollst nicht lügen, nicht stehlen, nicht falsch Zeugnis ablegen?

Lügen ist doppelt – es gibt nur das falsche Zeugnis, und im Ganzen lautet es, etwas differenzierter: “Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider Deinen Nächsten.”

Das wäre also ein Meineid, um jmd. anderen zu belasten.

Sich selbst entlasten, oder andere entlasten – das ist gar nicht umfasst, aber keine Sorge – 90% der Christen glauben wirklich, es gäbe ein allgemeines Lügeverbot.

Stehlen und Morden ist wirklich sanktioniert (3 Ave Maria, 2 Rosenkränze u. ein Vater Unser).


Hadmut
23.2.2011 20:13
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Ja, daß bei denen das Lügen erlaubt ist, kann ich mir vorstellen.

Ich war mal in Australien zur Besichtigung in einem alten Gefängnis, das jetzt ein Museum und eine Gedenkstätte ist, und in dem auch Hinrichtungen stattfanden. Während es überall im Land „Du sollst nicht töten” heißt, steht in der Gefängniskirche „Du sollst nicht morden”, damit die Wärter die Hinrichtungen durchführen und sich dabei einreden können, daß sie christlich handeln.


Stefan
23.2.2011 20:40
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Sei versichert, daß die meisten Christen einen alten Hui auf das “C” geben – sie wissen ganz genau, daß da nichts dahintersteckt. Im Gegenteil, die meisten “überzeugten”, konservativen Christen lehnen die CDU gebau deswegen ab, weil sie sich dieses heuchlerische Mäntelchen umhängt. Es ist da keinesfalls drin, was außen draufsteht. Keinesfalls.


Steffen
23.2.2011 20:46
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@Wolfgang: Ich habe ja meine ganz eigene Theorie über das Abendmahl.

Ich meine, Jesus nennt dort den Wein “sein Blut”. Könnte es sein, daß das ganze einfach viel weltlicher gemeint war als der ganze weltfremde Theologiewust glaubt? Und Maria Magdalena … könnte die ganz einfach nur seine Freundin gewesen sein?

Vielleicht war Jesus ja wirklich eher so eine Art “Brian”, und der ganze durchgeknallte Krempel wie Jungfrauengeburt, die ganzen Wunder usw. wurden ihm von einer verrückt gewordenen Masse dazugedichtet, die auf Teufel komm raus einen Messias haben wollten?


Hadmut
23.2.2011 21:01
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…eigentlich sollte es hier um Angela und Karl-Theodor und nicht um Jesus und Maria Magdalena gehen…


Karlsruher
23.2.2011 21:29
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@Hadmut: “Du sollst nicht morden” entspricht aber dem hebräischen Urtext und so heißt es auch in der deutschen Einheitsübersetzung. “Du sollst nicht töten” entspringt Übersetzungsfehlern im Mittelalter und steht auch so (falsch) in der Lutherbibel.
Siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote#Wortlaut
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/6703
Viele evangelische Christen rechtfertigen aber diese falsche Übersetzung, wie z.B. hier:
“Die Kirche darf und muss das Gebot erweitern.”
http://www.heinrich-tischner.de/21-th/2bibel/theol/frd-bbl/2b5gebot.htm#T%C3%B6ten%20oder%20morden


Hadmut
23.2.2011 21:48
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@Karlsruher: Nun gut, das gibt Freiräume, für Inquisition und so. Die wußten da wohl schon, was sie sich offenlassen.

Sind ja alles ganz nette Vorgaben für eine Regierungspolitik…


Karlsruher
23.2.2011 21:31
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US-amerikanische Fundamentalisten hingegen beharren natürlich auf dem Original, wenn sie die Todesstrafe rechtfertigen wollen.
So sind sie eben, die zerstrittenen Christen, jeder meint am besten zu wissen, was “Gott gemeint” hat.


Stefan W.
24.2.2011 1:30
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@Steffen: Dieses Blut-Christi steht in der Tradition von Tieropfern. Man hat damals gerne noch einen ‘Sündenbock’ verwendet – einen Ziegenbock, dem man symbolisch die Sünden aufgehalst hat, und der wurde dann in die Wüste getrieben, um dort zu verrecken, und stellvertretend für den wahren Übeltäter zu büßen.

Eine ziemlich bösartig, unmoralische Angelegenheit, aber ein Fortschritt wenn man bedenkt, dass davor Menschenopfer nicht unüblich waren. Gott verlangt von Abraham, dass dieser seinen eigenen Sohn schlachtet, nur um seinen blinden Gehorsam zu demonstrieren.

Auch an diesen Mythos schließt sich das Menschenopfer, das Jesus sein soll, an.

Nachdem erst Gott derart grausam gegen Abraham ist demonstriert er die gleiche Grausamkeit an sich selbst, in dem er seinen Sohn, der Jesus nach christlichem Glauben ist, opfert. Er opfert aber wirklich, während Abrahams Sohn in einem LMRT (last moment rescue thriller) davon kommt, als Abraham gerade Ernst machen will.

Damit wird einerseits ein gewisser Erkenntnisschritt vollzogen, denn indem Gott so menschenähnlich gemacht wird – im AT heißt es schon: nach seinem Bilde schuf er [Gott] ihn [den Menschen] – wird der Verdacht genährt, es könne doch umgekehrt sein, und der Mensch war es, der Gott schuf.

Moralisch ist es aber eine Zementierung des Sündenbocks, der Idee, man könne jmd. Fremden für eigene Schuld büßen lassen, durch ein sinnloses Opfer etwas gut machen, durch selbstauferlegtes Leid anderen helfen.

Wer hier schlimmer ist – die Christdemokraten die sich als Christen bezeichnen, und nur zu Weihnachten in die Kirche gehen, oder die Christen, die das auch noch ernst nehmen, da bin ich mir nicht so sicher.

Besagtes Video oben stammt m.W. aus der Woche, als die Feuilletons voll waren mit Klagen, dass die CDU gar nicht mehr stockkonservativ sei, und die Präimplantationsdiagnostik auf dem Altar der Wertedebatte feierlich von der als Wissenschaftlerin verkauften Kanzlerin geopfert wurde. Dass das ihre Überzeugung ist, das kaufe ich ihr nämlich nicht ab – das war ihr Manöver die innerparteiliche Kritik ruhig zu stellen, in dem sie alle überraschend rechts überholt hat.