Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Respekt vor der Google-Symbiose

Hadmut
10.12.2009 22:26

Mein Respekt vor Google wächst erheblich.

Daß Google eine Datenkrake ist, kann man nicht bestreiten. Ich habs ja gerade selbst geschrieben.

Und ich hatte bei Google schon sehr frühzeitig den Verdacht, daß die CIA oder NSA dahinterstecken, denn es war schon in der Anfangszeit von Google auffällig, daß niemand – nicht mal die damalige Top-Suchmaschine Altavista – so systematisch, regelmäßig, häufig und flächendeckend Webseiten scannte. Es drängte sich einfach der Gedanke auf, daß eine öffentlich zugängliche Suchmaschine die perfekte Legende für das flächendeckende Überwachen des Internet sein könnte. Und jahrelang war unklar, woraus sich Google eigentlich finanziert.

Die meisten Suchmaschinenaktivitäten beobachte ich heute außer aus den USA auch aus Russland und China – den Ländern, die angeblich am stärksten Wirtschaftsspionage betreiben. Das ist zwar kein Beweis, aber es weckt die Aufmerksamkeit.

Und Google erfaßt inzwischen alles, auch wo wir sind, mit wem wir kommunizieren, wonach wir suchen, was wir wann vorhaben. Was wir bloggen, was wir schreiben, was wir lesen. Und es wird immer mehr. Erst wußten sie nur, nach welchen Seiten wir suchen. Mit GoogleDNS wissen sie auch, welche Seiten wir besuchen ohne sie zu suchen. Insofern ist der Gedanke, daß ein riesiges Spionageprojekt dahintersteckt.

Nun muß man aber auch zugeben, daß Google hervorragende Dienste anbietet. Die Google-Dienste wie Mail, Kalender usw. sind zwar nicht perfekt, aber ziemlich gut. Besser als was Linux und Windows bisher so hervorgebracht haben. Und kostenlos. Und jede Menge Speicherplatz geben sie einem gleich mit dazu. Und das funktioniert stabil und gut.

Google Maps und Google Earth sind einfach toll. Und hervorragend geeignet um Reisen usw. zu planen. In den USA (und demnächst wohl auch bei uns) bekommt man eine famose Straßennavigation kostenlos geschenkt. Für den Preis, daß Google weiß, wo man hinfährt.

Mein Google Android-Handy ist auch toll. Es weiß immer, wo ich bin. Und zwar selbst dann, wenn ich den GPS-Teil ausschalte. Es kann (übrigens auch der iPod) über die empfangenen WLAN-Stationen verblüffend genau feststellen, wo ich bin. Aber auch wenn ich das abschalte, weiß das Gerät über die GSM-Sender auf ca. 200-500 Meter genau, wo ich bin. Und um alle die schönen Google-Dienste zu nutzen, schaltet man ein, daß die Ortsangaben übertragen werden. Bei jeder Google-Anfrage. Google weiß damit, wo man ist. Ohne den Mobilfunkprovider zu fragen. Und gibt einem passende Antworten für die nähere Umgebung, was wirklich nützlich ist. Und betrachtet man Landkarten, müssen die Google-Kacheln heruntergeladen werden, und Wikipedia-Artikel usw. usw. Das alles ist schön und unheimlich nützlich. Man hat wirklich etwas davon. Und alles so kostenlos.

Und man – jedenfalls ich – muß zwei Dinge anerkennen:

  • Die haben’s wirklich drauf. Google hat jede Menge richtig gute und tolle Ideen. Die packen Sachen an, die bisher keiner so, in dieser Konsequenz und für den Benutzer kostenlos angepackt hat. Man kann nicht leugnen, daß da ein paar richtig gute Köpfe arbeiten. Und zwar solche, von denen es nicht viele gibt. Und die haben richtig gute Ideen.
  • So sehr Google auch Daten sammelt, ich könnte mich jetzt nicht erinnern, daß da schon mal ein Mißbrauch bekannt geworden wäre. Offenbar verkaufen sie wohl keine Daten an die Industrie (außer indirekt über benutzerangepaßte Werbung). Wo auch immer diese Daten hinfließen, sie scheinen an jemanden zu fließen, der gut darauf aufpaßt.

Wäre das denkbar, daß das Modell des Trojanischen Pferdes – oder des Bundestrojaners – längst veraltet ist? Daß der Überwacher nicht mehr versucht, heimlich irgendwelche Spyware einzuschleusen, die früher oder später sowieso entdeckt würde, sondern mit dem Überwachten eine Symbiose eingeht? Der Überwachte liefert freiwillig seine Daten und bekommt dafür erhebliche Vorteile, die er auch subjektiv als für ihn günstig einstuft. Völlig offen, ohne Geheimniskrämerei. Der Überwacher bekommt, was er will, ohne schlechtes Gewissen, weil völlig freiwillig. Und vielleicht ist das Modell so gut, daß der Überwacher nicht mal zahlt, sondern alles in allem sogar noch daran verdient, nicht über die Weitergabe der Daten, sondern die Einblendung von Werbung usw.

Wäre das nicht eine bemerkenswerte Symbiose?

Und würden dadurch nicht sämtliche Spyware-Filter und all das Bundestrojaner-Geschrei elegant ausgehebelt?

Nur so’n Gedanke…


2 Kommentare (RSS-Feed)

Nur: Wir wissen ja, wie Regierungsprojekte aussehen. Da werden ein paar 100 Millionen Taler den größten Wahlkampfspendern in die Hand gedrückt, und nach 3 Jahren und noch ein paar 100 Millionen obendrauf kommt … was bei raus. Aber sicher kein Google.
Andererseits: Ob die CIA in 25 Jahren noch eine Rolle spielen wird? Wer weiß… Bei Google lehne ich mich mal mit einer 25-Jahre-Prognose aus dem Fenster und behaupte: Ja.


yasar
11.12.2009 10:54
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Um es mit Lakoon (bzw. Vergil) zu sagen: “Quidquid ist est, timeo danaos et dona ferentes.”

Google macht das was es tut, sehr gut. Und alles für den Benutzer kostenlos. das macht es zu einem perfekten Danaer-Geschenk. Damit ist deine Aussage:

Wäre das denkbar, daß das Modell des Trojanischen Pferdes – oder des Bundestrojaners – längst veraltet ist?

nicht korrekt. Google IST das trojanische Pferd.

Ob die Geheimdienste dahinterstecken? Glaube ich nicht. Zumindest nicht von Anfang an. Ich denke eher, da haben zwei Type eine tolle Idee gehabt, die sich dann zum Selbstläufer entwickelt hat. Es ist dann eher denkbar, daß durch den Erfolg von Google erst die Begehrlichkeiten von den Drei-Buchstaben-Organsisationen geweckt worden sind. Und durch passende Gesetze, wie z.B. die für die homeland security, verschaffen sie sich den Zugriff.

Der Erfolg von Google steht und fällt natürlich damit, daß keine “Skandale” über google bekannt werden. Daher wird vermutlich hier sehr viel Aufwand hineingesteckt, und als Berufsparanoiker wird man davon ausgehen, daß die Geheimdienste dafür sorgen, daß es keine Datenskandale über google gibt.

Andererseits ist es genauso denkbar, daß die Geheimdienste gar nichts damit zu tun haben und einfach nur Sergey Brin und Larry Page einfach nur nach der Weltherrschaft streben, so wie man es in vielen schlechten Filmen schon gesehen hat.

Und schließlich sollte man bei aller Paranoia nicht vergessen: Es könnte tatsächlich alles harmlos sein und google sich wirklich nach seinem Motto “don’t be evil” richtet.

PS: Man sollte nicht vergessen, daß viele “alternative” Suchmaschinen und andere Dienste im Hintergrund wieder auf google zurückgreifen.