Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über meinen alten Fahrlehrer

Hadmut
24.4.2009 23:42

*Seufz* Manchmal denkt man, man tut etwas Gutes, und dann geht es völlig in die Hose.

Ich habe vor 25 Jahren meinen PKW-Führerschein gemacht. Bei einem Fahrlehrer, mit dem ich sehr gut ausgekommen bin, mit dem ich mich damals prima verstand, mit dem es einen Riesen-Spaß gemacht hat. Ruck-Zuck hatte ich damals den Führerschein. Ich weiß es nicht mehr genau, es waren so um die 14 Fahrstunden. Aber ich weiß noch genau, daß es ziemlich genau 700 Mark gekostet hat, denn ich bin damals so lange im Sommer und sogar im kalten Winter mit dem Fahrrad zur Schule gefahren, bis ich mir durch die Einsparungen für die Schulbus-Monatskarten den Führerschein zusammengespart hatte. Drei Wochen vor dem 18. Geburtstag die Prüfung bestanden und dann zum Geburtstag morgens gleich auf der Behörde den “Lappen” abgeholt. (Und keine 1.000 Kilometer eigener Fahrerfahrung später saß ich dann schon bei der Bundeswehr im 12-Tonner mit Anhänger in der nächsten Fahrschule, bekam dann noch ne ausgiebige Geländeeinweisung, zwei eigene Fahrzeuge und wurde Chef-Fahrer. 🙂 ).

Oder anders gesagt: Ich hatte an die beiden Fahrschulen eigentlich nur gute Erinnerungen und damals viel Spaß (von einigen rustikalen Anekdoten bei Bundeswehr vielleicht mal abgesehen…).

Weil mein ehemaliger Fahrlehrer nach 25 Jahren immer noch im Dienst ist, habe ich ihn kürzlich jemandem unbesehen empfohlen. Das war ein Fehler. Leute können sich in 25 Jahren sehr verändern. (Natürlich hoffe ich, daß ich mich in 25 Jahren auch verändert habe, es wäre ja schlimm, sich nicht zu verbessern.) Aber mein Fahrlehrer hat sich nicht zum Besseren verändert.

Und was sich auch verändert hat, sind die wirtschaftlichen Umstände. Die Fahrschule ist nicht mehr so proppenvoll, wie sie es damals war. Und das wirkt sich auf die Fahrlehrerstrategie aus. Und zwar negativ.

Bei mir war das damals so, daß der Fahrlehrer von den Fahrstunden her voll ausgelastet war. Das heißt, daß seine Gewinnmaximierung darauf hinauslief, möglichst viele Schüler in möglichst kurzer Zeit durchzubringen, denn je mehr Schüler er hatte, desto mehr Grundgebühren für die theoretische Ausbildung konnte er kassieren, weil im theoretischen Unterricht ja problemlos auch mal 5 Leute mehr drinhocken können. Je weniger Stunden ein Schüler braucht, desto mehr Schüler passen in die Fahrstunden, die er damals erbringen konnte, und desto mehr Geld verdient er. Was zu meinem Vorteil war, denn in meinem Oberstufenjahrgang hatte ich damals – so weit ich herumgefragt habe – für den Führerschein auch am wenigsten gezahlt, wenn auch nur knapp weniger als die anderen. Und Probleme hatte ich auch nicht. Gleich in der ersten Fahrstunde durch die Innenstadt, zweite Stunde Anfahren am Hang, dritte und vierte Stunde Einparken, rumfahren und so, dann die schwierigen Stellen in der Stadt, die Sonderfahrten, noch ein bischen üben, Prüfung, fertig. Seither unfallfrei.

Nun habe ich kürzlich diesen Fahrlehrer jemandem empfohlen, so alt wie ich es damals war. Und es ging schief.

Schon die Strategie hat sich geändert. Die Fahrschule ist nicht mehr voll, nur noch wenige Schüler im theoretischen Unterricht. Und die Fahrstundenkapazität nicht ausgelastet. Was macht er also? Genau das Gegenteil, er versucht jetzt die Schüler so lange wie möglich fahren zu lassen. Hat ihm früher der Schüler mit wenigen Fahrstunden mehr Geld gebracht, ist es heute der mit vielen Fahrstunden.

Das fängt damit an, daß es nur noch Doppelfahrstunden gibt. Hatte ich damals nur für die Autobahnfahrten. Halte ich nicht für gut, denn beim Lerneffekt gilt nicht, daß es die Menge macht. Immer ein bischen und dann sacken lassen. Ich glaube nicht, daß einem Fahranfänger die zweite Hälfte der Doppelstunde etwas bringt – außer Erschöpfung. Ich muß sagen, daß ich damals auch nach dem Führerschein noch einige Wochen gebraucht habe, bis ich mich an das Autofahren als halbwegs normalen Vorgang und nicht als bewußt und vorsätzlich konzentrierte Tätigkeit gewöhnt hatte. Eine Stunde Auto fahren war für mich damals anfangs anstrengend und hat sich erst mit ein paar Fahrten nach Koblenz zur Kaserne gegeben. Einen Fahranfänger gleich mit 90-Minuten-Einheiten zu belasten, halte ich für Verschwendung und kontraproduktiv. Aber es gibt halt mehr Geld. Und noch bevor der Fahrschüler sich geistig an das Fahren gewöhnt hat, sind so viele Stunden verbraucht, wie ich damals für den ganzen Führerschein gebraucht habe.

Das nächste Ding war dann das, daß der Fahrlehrer sich nebendran gesetzt hat und nur dumme, demotivierende Sprüche abgelassen hat. Von Lehren und Ausbilden keine Spur. Setzt sich daneben und sagt nur, daß der Schüler nicht selbständig die Anforderungen erfüllen kann. Wie soll er auch, wenn der Fahrlehrer lustlos danebensitzt und nur Sprüche klopft?

Ich habe inzwischen mal selbst mit dem Fahrlehrer gesprochen. Wollte ihn einfach mal besuchen und ihm die Hand schütteln, als ich mal in der Nähe war. Unglaublich. Der hört einem überhaupt nicht mehr zu, läßt nur noch oberlehrerhafte billige Sprüche auf Bauernregel-Niveau los, hört nur noch sich selbst reden. Kritik läßt er überhaupt nicht mehr zu, nur noch selbstherrlich. Und immer wieder der gleiche Spruch gegenüber Schülern und Eltern: Ist es Ihnen etwa egal ob er sich im Verkehr umbringt oder verletzt? Das sind solche Universal-Totschlag-Argumente, die mir so auf den Wecker gehen. Solche “Damit-hab-ich-immer-Recht-wer-will-mir-da-noch-widersprechen”-Sprüche. Geistig nicht mehr erreichbar. Ich habe versucht, mich mit dem Mann zu unterhalten, er hält aber nur noch flache Monologe und gestattet einem, zuzuhören. Was ist da passiert? Holt man sich einen Charakterschaden, wie auch mancher Schullehrer oder Richter, wenn man 25 Jahre lang von Beruf nur immer Recht hat und nur immer mit unterwürfigen jüngeren Schülern zu tun hat? Oder haben sich durch Studium, Berufstätigkeit und akademische Kriegführung meine eigenen Maßstäbe so sehr verändert? Die meisten Fernsehsendungen, die mir damals so gut gefielen, öden mich heute bei den Wiederholungen so an, daß ich es kaum schaffe, mir eine Folge davon anzusehen. Hat der mich vielleicht damals mit der Sprücheklopferei noch beeindruckt und ich habe es selbst nicht gemerkt, während es mir heute sofort negativ auffällt?

Bei mir damals hatte er das, was man bei Männern noch als “stattliche Figur” schönreden konnte. Bauch halt, aber noch nicht negativ. Heute ist er richtig fett. Und zwar so fett, daß er kaum noch in seinen Golf reinkommt, und noch schwerer wieder raus. Ich weiß nicht, ob ich das gut finden soll. Ein Fahrlehrer muß nicht nur ohne weiteres an seine eigenen Bedienelemente kommen. Er muß auch in der Lage sein, jederzeit und auch gegen den Fahrschüler in das Lenkrad zu greifen, zu schalten usw.

Das Fahrlehrergesetz schreibt vor, daß die Fahrlehrererlaubnis zu widerrufen ist, wenn gewisse Vorraussetzungen entfallen sind, wozu auch die körperliche Eignung zählt. Muß man dazu erst blind werden oder ein Bein verlieren, oder genügt es schon, wenn man so fett ist, daß man nicht mehr auf normale Weise in ein Auto steigen kann?

Da gingen nun die Fahrstunden hin, kosteten immer mehr Geld, der Fahrlehrer macht nichts, außer dem Schüler zu sagen, daß er nichts kann. Auf deutsch: Immer mehr Fahrstunden brauchen soll. Und den Schüler so demotiviert und niedermacht, daß der einen regelrechten Horror vor den Fahrstunden entwickelt, obwohl er anfangs mit so viel Spaß ans Autofahren gegangen ist. Da hat der Schüler die theoretische Prüfung gut bestanden und freut sich, und bekommt vom Fahrlehrer an den Kopf geworfen, daß der gar nicht verstehen könnte, wie er die Prüfung habe bestehen können. Und solches mehr. Beispielsweise so nach der Fahrstunde zur Verabschiedung der Hinweis, daß der Schüler so richtig schlecht fahre. Aber keinen Hinweis darauf, was schlecht wäre, woran der Schüler arbeiten müsse. Psychologische Kriegführung gegen den Schüler, damit der schön lange braucht. Jedesmal ist der Schüler mehr genervt.

Ich mache mir inzwischen ernsthafte Vorwürfe, diesen Fahrlehrer empfohlen zu haben.

Ich überlege ernstlich, die Vorgänge der örtlichen Aufsichtsbehörde mitzuteilen. Das kann so eigentlich nicht angehen.


2 Kommentare (RSS-Feed)

Jens
25.4.2009 3:01
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Wegen so einem Fahrlehrer habe ich damals die Fahrschule gewechselt … Pflichtstunden nur über Land, nach > 5 Stunden noch nicht einmal eingeparkt …


Jens
25.4.2009 3:02
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Ähm, nicht Pflichtstunden, die normalen Stunden.