Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Linux (Ubuntu) an LCD-Fernseher mit HDMI

Hadmut
23.11.2008 13:23

Lösung für ein Problem gefunden, das mich Nerven gekostet hat.

Ich habe mir kürzlich bei Aldi, Marke Tevion (gehört wohl inzwischen zu Medion) so eine kleine, preisgünstige, eierlegende Wollmilchsau von Fernseher gekauft. Eigentlich auf dem Papier eine sehr gute Ausstattung, 16:9 LCD, DVD-Player eingebaut, jede Menge Schnittstellen, SCART, Komponenten, Video, S-Video, VGA, HDMI-Eingang.

Zwar im Prinzip nicht schlecht, die Zufriedenheit hielt sich aber in Grenzen:

  • Display ist von mäßiger Qualität, stark winkelabhängig, was besonders schmerzt, weil der Standsockel fest ist und das Display nicht im Winkel gekippt werden kann. Außerdem ist die Interpolation griselig.
  • Die SCART-Buchse ist so dämlich angebracht, daß man die normalen abgewinkelten Stecker nicht verwenden kann sondern ein Kabel mit geradem SCART-Stecker braucht.
  • Programme umschalten dauert lang, und aus irgnedwelchen Gründen, die ich technisch noch nicht verstanden habe, braucht der Fernseher bei Kabel1 manchmal mehrere Minuten, bis er den Ton gefunden hat.
  • Eine Automatische Erkennung des Bild-Formates gibt es nicht. Dazu kommt, daß die Sender sich da nicht einigen können. Also stellt man ständig mit der Fernbedienung den Aspekt zwischt 4:3, 16:9, Panorama, Zoom usw. hin und her.
  • Man merkt, daß das Ding intern wüst analog verbunden ist. Der eingebaute DVD-Player ist zwar nicht schlecht, aber man muß wieder den Aspekt verändern und die Lautstärke ganz hochdrehen, weil der Ton vom DVD-Player zu leise ankommt. Zwar ist löblich, daß der DVD-Player wohl den Strom abgedreht bekommt, wenn man als Quelle etwas anderes wählt, das heißt aber auch, daß man nicht während eine DVD läuft mal kurz Pause machen und schnell Nachrichten gucken kann, denn dann macht der Player einen kompletten Reset.
  • Ärgerlich auch: Die automatische Erkennung eines Signals auf dem HDMI funktioniert nicht, man muß immer mit der Fernbedienung umschalten. Meinen Festplattenrekorder mit HDMI-Ausgang hatte ich mal eine Zeit lang am HDMI-Eingang, war damit aber gar nicht zufrieden, weil man ständig hin- und herschalten und die Auflösung ändern muß. Harmonierten gar nicht. Auf die altmodische Weise am SCART funktioniert alles prima, sobald der Rekorder eingeschaltet wird, übernimmt er über die Schaltspannung das Bild. Und das ist nicht schlechter als über HDMI, weil der Rekorder ja ohnehin nur ein normales PAL-Bild liefern kann.
  • Sehr positiv immerhin: Das Ding hat außer Stand-By noch einen richtigen mechanischen Schalter. Aus ist Aus.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe einen LCD-Fernseher, an dem sich noch ein HDMI-Ausgang ungenutzt langweilte. Außerdem hatte ich noch einen Mini-PC mit DVI- und HDMI-Ausgang über, für den ich gerade kein LCD-Display mehr übrig hatte. Es drängte sich geradezu auf, den Mini-PC an den Fernseher anzuschließen, um den als Ersatz-Arbeitsplatz oder auch als Multimedia-Maschine zu nutzen.

Die Sache mit der X11-Darstellung hat mich einiges an Zeit gekostet: Das Bild hatte ständig eine falsche Auflösung und war außerdem zu groß skaliert. Anders als bei normalen Computermonitoren war der Rechner nicht in der Lage, die Auflösung des Displays zu erkennen.

Grund dafür: Der Monitor hält sich nicht für ein Computer-Display, sondern für einen Fernseher. Er gibt nicht die Auflösung an, die er tatsächlich hat, sondern alles, was er verdauen will, auf daß Videorekorder, DVD-Player usw. über HDMI nahezu jede beliebige Auflösung rübergeben können. Das ist sicherlich nicht unsinnig, es erhöht die Ansteck-Kompatibilität, weil Video immer “geht”. Allerdings dann auch mit sehr reduzierter Qualität, weil das alles auf Rescaling rausläuft. Das mag bei einem Videobild aus 5 Metern Entfernung egal sein, aber bei einem Computer-Desktop stört das extrem, wenn es flimmert und unscharf ist.

Man kann sich mit

xrandr -q

anzeigen lassen, was das Display so verträgt und was gerade eingestellt ist. Normalerweise nimmt sich der Computer dann die höchste Auflösung, was hier problematisch war, denn der Computer ging auf 1920×1080, obwohl das Display nur 1440×900 hat und runterskaliert. Das ist gut für HD-Fernsehen, es ist gar nicht gut für Computer-Desktops. Also die Auflösung gewaltsam mit

xrandr -s 1440×900

eingestellt. Nächstes Problem: Immer noch unscharf, außerdem zeigt der Fernseher nur einen Ausschnitt des Bildes, die Gnome-Balken oben und unten fehlen.

Nächste Lösung: Der Fernseher zeigt nicht einfach an, was auf dem HDMI reinkommt, sondern geht immer noch von einer “doofen” Bildquelle aus, die das Fernsehsignal im falschen Verhältnis oder mit schwarzen Balken anzeigt. (oder ist einfach intern so hintereinandergeschaltet, daß das anders nicht geht). Jedenfalls geht auch das digitale HDMI-Bild wieder durch die Aspekt-Skalierung des Fernsehers und damit wieder durch die Beschneidung und Skalierung. Lösung: Aspekt auf 16:9 stellen.

Dann ist das Bild halbwegs akzeptabel, aber immer noch weit von der Qualität eines normalen Computermonitors entfernt. Immer noch leicht unscharf und etwas flimmernd, was wohl damit zu tun hat, daß das Ding intern immer noch analog verarbeitet und das Bild auch skaliert, und zwar 1:1.

Das heißt aber ganz klar, daß ein Billig-Fernseher mit HDMI keine hinreichende Ähnlichkeit mit einem Billig-Computerdisplay mit HDMI und gleicher Auflösung hat. Obwohl auf der Packung explizit als “Computermonitor” beworben ist das Ding dazu nicht zu gebrauchen, da würden einem die Augen tränen.

Sinnvoll ist die Kombination nur, wenn man den Rechner nur zur Bildwiedergabe bzw. für Videos verwendet, als Multimedia-Orgel. Normal arbeiten ist da nicht gut möglich.

Wenn ich dann noch herausgefunden habe, warum der Ton nicht funktioniert, obwohl ich unter Linux HDMI als Tonausgabequelle eingestellt habe, schreib ich wieder was dazu.

Nachtrag: Videoplayer wie xine oder mplayer verursachen starkes Bildflackern und haben extreme Bildaussetzer. Da stimmt noch was mit der Synchronisation oder so nicht. Derselbe Recher lief an einem echten Computermonitor einwandfrei.

Nachtrag 2: Das beschriebene Flackern und einige der Bildfehler waren auf den Graphiktreiber für die ATI X1200 zurückzuführen. Nachdem ich den fglrx wieder durch radeonhd ersetzt habe (der in einer früheren Distribution mit der Karte nicht klarkam) ist das Flackern weg und das Bild deutlich besser und auch schärfer (hat wohl mit der Wiederholrate oder so zu tun, sonst könnte ich mir nicht erklären, wie man auf einem digitalen Ausgang die Schärfe verbessern kann). Dafür funktionieren manche Programme wie mplayer nicht mehr, weil sie sich über fehlenden Xvideo-Support beschwerden. Toll.