Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Bertolt-Brecht-Angriff

Hadmut
2.7.2008 0:08

Vorhin auf SWR3, Anke Engelke erzählt was über Bertolt Brecht, nämlich einen interessanten Angriff gegen Integrität/Authentizität.

Bert Brecht sei ein ziemlich schlechter Schüler gewesen, geradezu eine “faule Sau” wie Anke Engelke das so charmant ausdrückte. Es kam so weit, daß er kurz vor dem Durchfallen stand. Ausgerechnet in einer Deutscharbeit hatte er so viele Fehler gemacht, daß die Note so schlecht ausfiel, daß die Versetzung futsch war.

Brecht strich dann in der Arbeit noch mehr Fehler an, und zwar solche, die keine Fehler waren, sondern wo es richtig war. Dann ging er zum Lehrer und beschwerte sich darüber. Der Lehrer entschuldigte sich und erklärte, daß er auch nicht verstehe, wie ihm das habe passieren können. Natürlich wurden die falschen Fehler “zurückgenommen” und die Note verbessert. Und Brecht wurde in die höhere Klasse versetzt.

Ist das nicht ein geiler Angriff?

3 Kommentare (RSS-Feed)

lammy
2.7.2008 8:54
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hehe, ja. So etwas ähnliches hat sich zu meiner Schulzeit auch mal erreignet. Lateinarbeit. Der Lehrer hat sich notiert, wer wann sein Heft am Ende abgegeben hat. Ein Mitschüler hat anschließend allerdings nicht sein Heft brav auf den Stapel gelegt, sondern wieder eingesteckt.

Als der Lehrer dann die korrigierten Arbeiten zurückgeben wollte, hat er sich kleinlaut bei dem Schüler entschuldigt, daß er das Heft wohl verloren haben muss …

Leider weiß ich nicht mehr, wie die Benotung dann ausfiel, oder ob der Schüler nochmal nachschreiben musste oder so …

Ciao
lammy


yasar
2.7.2008 11:48
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@lammy:

Genau deswegen, nehme ich die Klausuren meiner Studenten persönlich entgegen, hefte Sie ab und lasse den Betreffenden noch auf einem Abgabe-Zettel unterschreiben.

Die Anwesenheit der Studenten stelle ich natürlich vorher fest, so daß eventuelle Differenzen sofort auffallen. und nicht abgegebene Klausuren ziehen automatisch ein nicht bestanden nach sich.

@allgemein
Der Brecht-Angriff funktioniert aber nur dann, wenn der Lehrer nur aufgrund der “zurückgenommenen” Fehler die Note korrigiert und nicht die absolute Fehleranzahl in Betracht zieht. Trotzdem ein toller Angriff.


nadar
2.7.2008 21:39
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Wenn ich mich richtig erinnere, stand diese Geschichte in DDR-Lesebüchern. Der “erfolgreiche” Angriff Brechts fand erst im dritten Anlauf statt, zwei vorherige waren fehlgeschlagen (einer war wohl, die Anstreichungen des Lehrers zu entfernen).
Falls mir der Text wieder einmal unter die Finger kommt, denke ich an Dich 😉