Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Fahrkarten-Automaten-Chaos

Hadmut
23.5.2008 15:51

Da les ich gerade in SPIEGEL Online einen Artikel, der mir aus der Seele spricht: Technikärgernis Stempelautomat. Darüber hab ich mich auch schon oft geärgert. Warum bin ich nicht selbst auf die Idee gekommen, darüber was ins Blog zu schreiben?

Ich war kürzlich in Berlin. Da hat es eine ganze Menge von Fahrkartenautomaten mit Touchscreen usw. Aber bis man da rausbekommen hat, was man braucht, geht auch Zeit ins Land. Man muß zuerst den Fahrkartentyp auswählen und sieht dann erst ziemlich spät, was diese Karte kostet. Um herauszufinden, ob man mit einer Wochenkarte, oder einigen Tageskarten, oder gar Einzelfahrscheinen günstiger kommt, bedarf ziemlicher Tipparbeit, bis dahin ist die U-Bahn schon weg. Warum es nicht möglich ist, zuerst auszuwählen, wo man hinwill und dann einfach eine Übersicht über die verschiedenen Kartentypen mit Preis zu bekommen? Wäre wohl zu einfach. Man könnte mal darüber nachdenken, ob die Technikausbildung am Forschungsstandort ihr Geld wert ist, wenn solche Schnittstellen dabei herauskommen.

Auch das andere beschriebene Problem, daß man in Deutschland nie so genau weiß, ob man die Fahrkarte so verwenden kann oder ob man sie entwerten muß, und wenn ja, ob man sie vor der Rolltreppe, auf dem Gleis oder im Zug entwertet, ist völlig undurchsichtig und kaum ersichtlich. Es steht auch nirgends dran. Es wird erwartet, daß man ortskundig ist und das weiß oder ahnt. Im Ausland ist das einfacher, da muß man durch Automaten durchgehen und dabei die Karte durchflutschen lassen.

Was mich übrigens auch schon geärgert hat: In Deutschland ist überhaupt vieles im Zusammenhang mit Verkehr schlecht oder gar nicht beschriftet. Kommt man in eine Stadt, die einem nicht als Einwohner vertraut ist, ist es manchmal ziemlich schwierig herauszufinden, wo es lang geht. Ich bin vor einiger Zeit mal ziemlich hilflos in der U-Bahn-Station am Frankfurter Hauptbahnhof herumgeirrt, weil die Brüder es nicht für nötig hielten, irgendwo mal einen Liniennetzplan aufzuhängen. Weit und breit niemand, den man fragen könnte. Die Verkäufer: “Tut mir leid, ich bin nicht von hier.” Polizei läuft auch genug herum, die wissen es aber auch nicht, die sind auch nicht “von hier”. Es steht nirgends und fragen kann man auch niemanden. Alles beruht darauf, daß man sich selbst auskennt. Ziemlich fremdenfeindlich. Und damit meine ich nicht erst Ausländer, sondern alles was nicht zu den lokalen Eingeborenen gehört.

Umsteigen kann zur Herausforderung werden. Jedenfalls in Berlin. Da sieht der Plan so aus, als könnte man direkt von der U- in die S-Bahn umsteigen. Von wegen. Da muß man teilweise ziemlich suchen und sich durchfragen, bis man endlich die S-Bahn-Station gleichen Namens gefunden hat. Ein paar Wegweiser wären schon zuviel verlangt.

Zufällig hatte ich heute morgen entdeckt, daß man beim Karlsruher Verkehrsverbund die Karten neuerdings per Handy kaufen kann. Das wirft Fragen auf.

Etwa die, ob man dann wegen Schwarzfahrens dran ist, wenn im falschen Augenblick der Akku leer ist.

Oder nach der Sicherheit. Laut Webseite wird die Authentizität über ein “animiertes Logo der KVV” bewiesen. Da lachen die Hühner. Und dann gibt es dazu noch ein “Kontrollwort”, scheint wohl so ein Passwort zu sein, das sich in regelmäßigen Zeitabständen ändert. Das Kontrollwort per Netzwerk zu verbreiten und die Animation zu extrahieren und in eigene Java-Programme einzufügen sollte kein großes Problem sein, Bin man gespannt, wann die ersten Fälschungen auftauchen.