Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Spiegel-Displays

Hadmut
17.2.2008 11:54

Es ist zum Haare ausraufen: Warum der Versuch, ein Notebook zu kaufen, in der Enttäuschung endet.

Es ist jetzt nicht so, daß es schwer wäre, ein Notebook zu kaufen. Bei Aldi, MediaMarkt, Saturn, Metro und wie sie alle heißen bekommt man die Dinger so ab 700 Euro in brauchbarer Ausstattung hinterhergeworfen, Doppelkernprozessor, 2-3 GB RAM, >= 160 GB Platte, Ethernet, WLAN, evtl. Kartenleser, viel mehr braucht man eigentlich nicht.

Wenn da nicht diese vermaledeiten Spiegel-Displays wären.

In den Läden, die sie ausstellen (Metro, MediaMarkt usw.) sieht man dann immer schon aus 20 Metern Entfernung, daß die Displays heikel sind, weil meist etwas schräg gestellt sind und sich dann die Leuchtstoffröhren an der Decke so spiegeln, daß man nichts mehr erkennt. Ich habe bei meinem letzten Notebook den Fehler gemacht, mir mal so ein Spiegeldisplay zu kaufen. Grausam:

  • Man sieht jeden Dreck, kleinste Fusselteile, Fettspuren usw. Ganz schlimm wird es, wenn die lieben Kollegen meinen, sie müssen einem auf dem Monitor etwas zeigen und dann immer gleich mit dem Finger drauffassen müssen. Schrecklich. Aber selbst wenn man wie ich darauf achtet, den Monitor nicht mit den Fingern anzufassen, sind die Fettflecken kaum zu vermeiden: Die Displays sind nämlich so dünn und flach, daß sie sich etwas durchbiegen und im geschlossenen Zustand bei geringster Belastung die Tastatur berühren, und dann sieht man den Abdruck der Tasten auf dem Display. Scheibenreiniger gehört zur Standardausstattung.
  • Wenn man Licht von oben oder hinten hat (und das hat man auf Reisen oft, z. B. in Zügen, Flugzeugen, Flughäfen usw. hat man immer irgendwelche Fenster, sieht man nichts mehr.

Es ist mir ein Rätsel, welcher Teufel die Notebook-Hersteller reitet, nur noch diesen Mist zu verbauen. Fragt man mal, bekommt man die bescheuerte Antwort, daß diese Displays brillianter und besser abzulesen wären. Ja, vielleicht zu Hause im dunklen Zimmer. Wäre mal interessant herauszufinden, wer dahintersteckt.

Außerdem ist es wirklich widersinnig. Denn wenn man sich mal die vielen LCD- und Plasma-Fernseher anschaut, die ja nun wirklich nicht für Reisen gedacht sind, sondern an geeigneter Stelle zu Hause aufgestellt werden und dort bleiben, wo man den angeblichen Vorteil ja noch für möglich halten könnte, fällt einem auf, daß gerade die keine Spiegel- sondern matte Displays haben. Das Argument der besseren Farben stimmt somit also nicht. Also ist das eigentlich keine Frage der Meinung oder des persönlichen Geschmacks der Display-Hersteller, sondern da muß was anderes dahinterstecken.

Die nächste Steigerung des Schwachsinns ist diese absurde “Klavierlackoptik”, der sie jetzt alle hinterherrennen. Irgendeine Marketing-Abteilung hat das eingeführt, und viele machen den Blödsinn nach.

Da gibt es Notebooks, die schon von vorherein eine Schutzfolie auf der Außenseite (!) des Displays brauchen, damit das Notebook nach dem Auspacken wenigstens 3 Tage lang ordentlich aussieht. Wenn ich überlege, daß meine alten Notebooks von Reisen und dem Transport in Taschen trotz hart- oder unlackiertem Metallgehäuse im Laufe der Zeit diverse Kratzer und Scheuerstellen abbekommen haben (was bei Metall durchaus nicht schlecht aussieht), kann ich eigentlich nur zu dem Schluß kommen, daß so eine Hochglanz-Oberfläche aus Plastik nach kürzester Zeit aussehen muß wie aus der Mülltonne gefischt.

Und auch bei Fernsehern kommt dieser Unfug zunehmend auf: Immer mehr große teure Fernseher haben zwar ein mattes Display, dann aber so ein Klavierlack-Hochglanz-Gehäuse, das dafür sorgt, daß man nicht nur jede Menge Staub, Fingerabdrücke usw. sieht, sondern auch jede Menge Lichtreflexe rund und das Fernsehbild hat.

Manchmal frage ich mich, was für Leute da in den Design-Abteilungen sitzen, und was der Verbraucher so alles mit sich machen läßt.

Gebaut wird nicht, was gut oder richtig ist, gebaut wird, was der Massenmarkt kauft.

Was die Masse dazu veranlaßt, spiegelnde Displays zu kaufen, hab ich aber noch nicht verstanden. Ich kenne nur Leute, die darüber fluchen. Ich habe bisher noch keine einzige positive Meinung darüber gehört.


Ein Kommentar (RSS-Feed)

yasar
17.2.2008 21:18
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Ganz einfach:

Spiegeldsiplay:

Die Dinger haben einen wesentlich höheren Kontrast und sind heller, weil die ganze Entspiegelung viel Licht schluckt. Sieht natürlich supertoll aus und wenn die Verkäufer die Dinger nicht allzu dämlich hinstellen merken es die Kunden erst zuhause. Und die meisten Leute, die mich nach den Notebooks fragen und ich denen empfehle entspiegelte zu kaufen sagen dann daß das Bild doch viel matter (sprich kontastärmer und dunkler) ist und das andere doch viel tolller aussieht. Und hinterher kommen sie dann und heulen sich darüber aus.

Klaverlackoptik (Fernseher und Notebooks):

Sieht Laden natütrlich auch viel toller aus als die biederen Geräte. Allerdings denkt keine Sau daran, daß die nur solange toll aussehen, wie keiner dauernd drantatscht oder jemand regelmäßig Staub wischt. Im Laden wird das natürlich regelmäßig gemacht (natürlich staubwischen und Fettabdrücke wegmachen, nicht das Drantatschen :-)) Und daher werden immer die “gutaussehenden” Geräte gekauft.

Das die Fernseher alle entspiegelt sind könnte damit zusammenhängen, daß diese im Gegensatz zu Notebooks nicht variabel aufgestellt werden (können). Denn wenn die Kunden das Gerät nicht dorthin stellen können, wo sie es vorgesehen haben, würde in kürzester Zeit die Geräte wieder zurückgetragen werden. Bei Notebooks können sich die Verkäufer damit herausreden, daß man doch das Gerät anders hinstellen soll.

PS: Die Spiegeldisplays sind in der Herstellung natürlich deutlich günstiger, weil das aufwendige Anätzen des Glases und die deswegen höhere Ausschußquote wegfallen (wird aber nicht an den Kunden weitergegeben!)

PPS: Inzwischen gibt es Folien für Notebooks, die das ganze wieder enstpeigeln und sogar Dienstleister, die diese knifflige Aufgabe übernehmen (siehe auch in einer der letzten C’Ts).