Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Nachruf auf meinen verstorbenen Geldbeutel

Hadmut
15.12.2007 13:42

Nu isser hin. Einen Nachruf hat er aber verdient.

Ich stamme noch aus einer Generation, in der es früher zum guten Ton gehörte, daß Schuhe, Gürtel, Brieftasche, Geldbeutel, Handschuhe aus Leder zu sein haben. Alles andere war “billig” und “bäh!”. Folgerichtig gab’s zur Konfirmation (die, auf die Feststellung lege ich größten Wert, gegen meinen Willen erfolgte) aus der Verwandschaft und der Nachbarschaft rundum irgendwelche Brieftaschen und Geldbeutel aus feinstem Ziegenleder im Geschenkkarton und solchen Krampf. Einfach schrecklich.

Das Zeug war nicht nur hässlich und in meinen Augen geschmacklos, es taugte auch nichts. Dieser Mist aus dünnem Leder hielt bei mir nie lange. Schon nach wenigen Wochen waren Kanten ab- und das Leder angeschabt, und dann fing so langsam an, das Münzfach ein- oder auszureissen. Kam man mal in den Regen oder fing an zu schwitzen, färbte das Leder auf den Stoff der Hose ab, bei den schlechteren Exemplaren ging das auch so. Auch Geldscheine, Visitenkarten und Notizzettel verfärben sich in kürzester Zeit (ein Phänomen, was mir neulich wieder an einem Reise-Geldgürtel auffiel, dessen Gerb- und Farbstoffe Dollar-Scheine nicht viel entgegenzusetzen haben). Und manche Geldbeutel entwickelten einen unerfreulichen Eigenduft. Ich hasse diese Ledergeldbeutel. Nicht auszuhalten.

Deshalb bin ich schon vor Jahren auf Nylon- bzw. Textil-Geldbeutel umgestiegen. Nach einigen fehlgeschlagenen Experimenten mit billigen und schlecht entworfenen Schrott-Exemplaren fand ich irgendwo mal einen, der zwar ganz billig war, aber einen guten Eindruck machte, besser aufgeteilt, Verzicht auf irgendwelche plastikfolien und einfach ordentlich gemacht.

Dieses Billig-Teil hat nun deutlich über 10 Jahre gehalten.

Gut, die Klettverschlüsse sind zerzaust, das ganze Ding hat längst die Form meiner Hosentasche angenommen, die Druckstellen weisen glänzend-speckige Scheuerflächen auf, und die Kanten sind alle etwas angeschaft und fangen leicht an zu flusen, aber davon abgesehen ist der Geldbeutel in seiner Integrität völlig in Ordnung. Das Material ist einwandfrei und würde locker noch weitere 20 Jahre halten. Die Nähte sind alle völlig in Ordnung, keinerlei erkennbare Ermüdungserscheinungen. Man sieht ihm an, daß er gut gebraucht ist und er nicht mehr wirklich schön aussieht. Aber es bestand nicht die geringste Funktionseinschränkung, trotz intensiven Dauergebrauchs ist alles bestens. Das Material könnte vielleicht Cordura oder etwas in der Art sein. Nicht kaputtzukriegen.

Nur der Reißverschluß, der ist jetzt geborsten. Hat die großen 2-Pfund-Münzen in England nicht überlebt. War auch nichts mehr zu machen.

Dummerweise habe ich dieses Modell oder etwas vergleichbares bisher nur ein einziges Mal wiedergesehen. Vor vielen Jahren habe ich mal ein fast identisches Modell mit Werbe-Aufdruck im Shop eines Freizeitparks gesehen. Gleiches Prinzip, aber etwas schlechtere Materialen. Damals vorsorglich einen gekauft, der jetzt als Ersatz zum Einsatz kommt, dem ich aber aufgrund anderer Innen-Materialien nicht dieselbe Haltbarkeit zutraue. Das Ding hatte im Freizeitpark mit Merchandise-Zuschlag 14,95 DM (!) gekostet, aber weil ich unbedingt ein Ersatzexemplar haben wollte, und schon jahrelang nie wieder etwas vergleichbares gesehen hatte, weshalb ich halt das Ding mit Freizeitpark-Aufnäher zum dreifachen Preis gekauft habe. Ich ahnte damals nicht, daß das schon damals arg betagte Original noch viele Jahre halten würde.

Aber: Diesen Geldbeutel habe ich nie wieder irgendwo zu kaufen gesehen. Nylon-Geldbeutel gibt es in rauhen Mengen, aber entweder nur Plastik-Schrott, oder völlig überteuerte Markenware mit unpraktischer Aufteilung, oft so mißlungen, daß Scheck- und Kreditkarten rausfallen können. Sowas wie den hab ich nicht mehr gefunden.

Leider stand auch keine Marke drin, irgendein Billig-Hersteller aus Fernost und ganz billig. Trotzdem das beste, was ich bisher gefunden habe. Ich hätte mir damals ein Dutzend als Lebensvorrat kaufen sollen.


5 Kommentare (RSS-Feed)

Jens
15.12.2007 17:57
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Oder Du läßt die Teile selbst in Fernost produzieren und vertreibst sie hier. Ein Geld(!)beutel, der von einem Security-Spezialisten entworfen wurde, das ist doch eine super Werbung.


pepe
15.12.2007 18:00
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Ich glaube Globetrotter ist die kanonische Antwort auf solche Probleme, ausser man kann/will viel Zeit investieren. Allerdings verlier ich meine immer lange bevor sie so ein gediegenes Alter erreichen koennen..


Hadmut
15.12.2007 18:53
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Bei Globetrotter.de bin ich Stammkunde und hab einen Großteil meiner Reiseausrüstung dort gekauft, einschließlich diverser Taschen. Aber nix G’scheits als Geldbeutel gefunden. Dabei war ich auch schon in den Filialen in Dresden, Berlin und Köln (allerdings nicht wegen des Geldbeutels dorthin gefahren).

Globetrotter ist aber super, wirklich empfehlenswert und dabei noch mit ziviler Preisgestaltung und erstklassigem Service.


chrittig
16.12.2007 22:45
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Komisch, meine Loginprobleme sind behoben…

Ich kenn nen guten Lederhandwerker aus der Nähe Aachen. Ich habe meinen Geldbeutel seit über 4 Jahren, ok es ist speckig geworden aber sonst noch super.
Seine Lieblingsgeschichte zu dem Thema: Er musste seinen Geldbeutel nach über zehn Jahren ersetzen. Aber nicht weil, er abgenutzt war, nein dann kam der Euro, und die 100 Euro scheine waren zu groß. Aber wenn man an der Quelle sitzt.

Das alte habe ich sehen dürfen. das sah noch topp aus.

chrittig


Jens
17.12.2007 0:24
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Schon nach wenigen Wochen waren Kanten ab- und das Leder angeschabt, und dann fing so langsam an, das Münzfach ein- oder auszureissen.

Ja, so ist das bei auf Papier aufgeklebtem “Leder” …

Habe jetzt einen Stoffgeldbeutel von C&A, aber der ist auch schon eingerissen, und vor allem hat er besagtes Problem, daß die Karten rausfallen.

Wie wäre es mit einem Geldbeutel aus Segeltuch? Kenne jemanden, der sich das von einem Segelmacher hat machen lassen.