Ansichten eines Informatikers

Unicef und die hungernden Kinder von Somalia

Hadmut
12.7.2022 22:31

Ein hausgemachtes Problem.

Gerade den Fernseher eingeschaltet, mitten in das ZDF heute journal geschaltet.

In einen Bericht gekommen, wonach Unicef bitterlich beklagt, dass in Somalia die Kinder verhungern, weil die Spenden jetzt alle in die Ukraine gingen.

Marietta Slomka guckt ganz leidend dazu.

Man möge spenden.

Beachtlicherweise fragt aber keiner, ob es die verhungernden Kinder überhaupt gäbe, wenn nicht vor 20, 30 Jahren Organisationen wie Unicef schon in Afrika gewütet und die Bevölkerung über die verfügbaren Nahrungsmitteln hinaus vermehrt hätten. Es ist nicht so, dass in Afrika Kinder verhungern, sondern es ist so, dass wir in Afrika verhungernde Kinder züchten, um unseren Gutmenschbedarf zu befriedigen. Wir fühlten uns vor 20, 30 Jahren so gut, wenn im ZDF irgendwelche Spendengalas kamen und wir uns dann für ein paar D-Mark oder Euro den Moralablassbrief gekauft und Lebensmittel nach Afrika gekarrt haben wie unseren Gesellschaftsmüll. Und dort gab es dann mehr Kinder, als das Land ernähren kann, und heute haben die noch mehr Kinder.

Kurios ist auch, dass wir hier ja ständig das Drama um die böse Kolonialisierung haben, und dass wir die Benin-Bronzen zurückgeben müssen, die wir gestohlen hätten. Ob es sie überhaupt noch gäbe, wenn wir sie nicht gestohlen hätten (was meines Wissens auch nie belegt wurde, es könnte anscheinend auch sein, dass man sie ganz legal gekauft hat, weil die dort alles verhökern), wird nicht gefragt. Man müsse sie dort in ein Museum stellen. Dass Museen aber auch nur Produkt der Kolonialisierung sind und – abgesehen von den Apartheids-Museen – fast alle Museen in Afrika von Weißen gegründet wurden, und deren Museenkultur gerade mal bis in die 50er, 60er Jahre zurückreicht, wird nicht beachtet.

Dass die meisten afrikanischen Kulturen keine Schriftsprache entwickelt haben (Ausnahmen etwa Nordküste, Ägypten, arabisch/islamische Einflüsse), kaum über die sprachlichen Mittel für Geschichte oder präzise Beschreibungen verfügen, und viele Leute heute Englisch pauken, weil sie ohne Afrikaans oder Englisch keine Möglichkeit hätten, untereinander, selbst mit ihren Nachbarstämmen zu kommunizieren, wirft die Frage auf, wie dort ohne Kolonialismus überhaupt Museen hätten entstehen können. Trotzdem verdammt man den Kolonialiasmus wo man nur kann. Aber die Frage, ob Unicef, Misereor, Brot für die Welt, und wie sie alle heißen, nicht auch Kolonialisten sind, kommt irgendwie auch nicht auf. Spenden Sie. Kolonialismus geht heute online.

Oder warum Somalia es nicht schafft, obwohl die doch schon seit Jahrzehnten hungern, sich einfach mal zu überlegen, wieviele Menschen sie dort ernähren können, und das mal gegenseitig als Obergrenze zu kommunizieren, und sich auch daran zu halten, wird auch nicht betrachtet.

Die Ukraine ist jetzt schuld am Hunger in Somalia. Weil die jetzt die ganzen Spenden für sich einsammeln.

Aber einfach mal die Frage zu stellen, warum Somalia es nicht hinbekommt, die Bevölkerungszahl und Reproduktionsrate an die verfügbaren Lebensmittel anzupassen, das ist nicht drin.

Oder überhaupt mal die Frage zu stellen, wozu wir eigentlich weltweit 8 Milliarden Menschen brauchen, von denen ich jetzt mal schätzen würde, dass 90 bis 99% keinerlei Nutzen für die Menschheit oder ihre Gesellschaft haben, und mit nichts anderem beschäftigt sind, als ihre Existenz zu fristen, wozu das alles eigentlich gut sein soll, wird nicht gefragt. Man füttert stattdessen immer mehr Menschen, damit es immer mehr werden, bis man sie irgendwann nicht mehr füttern kann, damit dann erst so richtig viele verhungern und die Gutmenschen sich gut fühlen.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir in großen Menschenplantagen leidende Menschen als Moralfutter für unsere Gutmenschen züchten. Wie Laborviecher. Wie so eine Art Bio-Barbie.

Welchen Sinn das alles haben soll?

Erfährt man nicht.

Aber das Klima müssen wir retten.

Und Marietta Slomka guckt bedröppelt.