Ansichten eines Informatikers

Interviewanfrage des Tagesspiegels

Hadmut
31.7.2020 12:47

Ich habe abgelehnt.

Ein Reporter des Tagesspiegels fragte bei mir an:

Hallo Herr Danisch,

ich sitze gerade an einem Artikel über Antifeminismus, Feminismuskritik und Männerrechtsbewegung. Hätten Sie Zeit für ein Telefoninterview, auch über Inhalte Ihres Blogs?

Mit freundlichen Grüßen

[…]

Wenn ich allein die drei Worte „Antifeminismus, Feminismuskritik und Männerrechtsbewegung” schon lese, und das auch noch in einem Satz mit meinem Namen…

Da ich Journalisten bekanntlich (und ausführlich begründet) nicht mehr traue, und nicht weiß, was daraus dann gemacht wird, hier rein vorsorglich meine Antwort:

Sehr geehrt[…],

für ein Interview sehe ich hier keinen Raum und lehne Ihre Anfrage deshalb ab.

  1. Mir wurde wiederholt von Lesern berichtet, dass der Tagesspiegel deren Leserkommentare auf seiner Webseite mit Begründungen der Art löscht, mein Blog sei eine „unseriöse Webseite”, wenn ich oder mein Blog in Kommentaren erwähnt werden. Wem ich nicht gut genug bin, um in einem Kommentar erwähnt zu werden, und wer mich trotz der vielen Arbeit, des großen Aufwandes und der Mühe für „unseriös” hält, der kann nicht mehr vorgeben, mit mir ein Interview führen zu wollen, das diese Bezeichnung noch verdient.
  2. „Antifeminismus” ist, wie fast alle politischen Begriffe, die mit „Anti-” anfangen, ein Kampfbegriff und üble Rabulistik, die auf Kategorisierung beruht. Ich pflege Leute, die derartige Methoden anwenden, zu kritisieren, und nicht ihnen noch zuzuarbeiten oder ihnen den Watschenhansel abzugeben.
  3. Ich bin nicht Teil einer Männerrechts- oder irgendeiner sonstigen „Bewegung”. Ich stehe für mich alleine und sonst für gar niemanden.

    Ich habe deshalb keine Absicht und halte es für sachlich falsch und verfehlt, mich als Stellvertreter, Beispielexemplar oder Teil irgendeiner fiktiven oder echten Gemeinschaft darzustellen oder darstellen zu lassen.

  4. Ich spreche grundsätzlich nicht für irgendwelche Personengruppen, von denen mir kein Mandat erteilt wurde. Ich spreche insbesondere nicht für „Männerrechtler” oder „Antifeministen”. Nicht mal für Männer.

    Ich spreche deshalb, da mir derzeit keinerlei Mandat vorliegt, irgendwen in irgendwas zu vertreten, wenn überhaupt, nur für mich.

    Eine dazu passende Fragestellung kann ich Ihrer Anfrage nicht entnehmen. Ich bin schlicht der falsche Adressat für Ihre Anfrage.

  5. Offenbar wissen Sie gar nichts über mein Blog, meine Person, meine Inhalte und meine Motivation. Sonst würden Sie mir nicht eine derartige Unlogik und Selbstwidersprüchlichkeit unterstellen, einerseits gegen Feminismus zu sein und ihn zu kritisieren, andererseits aber denselben Fehler mit anderem Vorzeichen zu machen. Es ist nicht nur unlogisch, sondern belegt auch Unkenntnis meines Blogs. Die Anfrage disqualifiziert sich selbst.
  6. Es mag die Ihre Sache sein, unvorbereitet in ein Interview zu gehen, die meine ist es nicht.

    Ich habe ungefähr 15.000 Blogartikel geschrieben, viele davon sehr lang und komplex, die ich nicht alle im Kopf haben kann. Ich habe nicht vor, in ein mündliches Interview zu gehen, das nicht die Zeit zum Nachlesen lässt, ohne die Artikel vorher nochmal gelesen zu haben.

    Es steht Ihnen, wie jedem Leser meines Blogs, frei, konkrete Fragen zu Artikeln schriftlich per E-Mail zu stellen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.

    Aufgrund der enormen Menge von Leserzuschriften kann ich aber schon aus zeitlichen Gründen nicht alle Fragen beantworten, sondern treffe eine gewisse qualitative Auswahl, und die Beantwortung kann auch längere Zeit in Anspruch nehmen. Eine bevorzugte Behandlung kann ich Ihnen da nicht gewähren.

  7. Der Tagesspiegel entspricht im politischen Bereich meinen qualitativen Erwartungen an Presse nicht. Ich sehe es nicht unbedingt als erstrebenswert an, dort im Interview aufzutauchen, schon gar nicht in einer entindividualisierten Form als Beispiel einer fiktiven Kategorie aus Ihrem Feindbild.

Mit freundlichen Grüßen

Hadmut Danisch