Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die geplante Obsoleszenz der Hose

Hadmut
17.3.2019 1:15

Noch so ein Ding, was mich stört – und auch gegen den Umweltschutz ist.

Geplante Obsoleszenz bei Produkten ist ja nicht neu. Man kennt dies von Glühbirnen, die ursprünglich mal ewig hielten, dann aber so modifiziert wurden, dass man sie immer wieder ersetzen und damit nachkaufen muss.

Man kennt das von Damenstrumpfhosen. Die waren in der Anfangszeit nach deren Erfindung auch so gemacht, dass die kaum kaputt gingen. Und wenn, dann fiel’s nicht auf. Also hat man die Strickmethode so geändert, dass sie hässliche Laufmaschen bilden und man sie neu kaufen muss.

Ich war heute bei Metro, Jeans kaufen. Ich hab so das seltsame Problem, muss wohl an der Klimaerwärmung liegen, dass die bei mir so seltsam schrumpfen, ich meine Jeans nicht mehr zukriege, die immer enger werden, mir deshalb mal wieder neue kaufen muss. Irgendwie schrumpft hier in Berlin all meine Kleidung.

Würde das Zeug nicht so systematisch schrumpfen (ja, ja, ich weiß…), hätte ich wohl auch für die nächsten Jahre keine Jeans gebraucht.

Denn so um 2007/2008 herum war ich freiberuflich häufig unterwegs, hatte mal einen längeren Einsatz (länger als geplant) und nicht genug Klamotten dabei, und mich darüber geärgert, dass in der Reinigung das Hosenwaschen 8 Euro kostete und kein Waschsalon oder sowas in der Nähe war. Damals aber hatten sie bei Metro No-Name-Jeans (d.h. unter ihrer Handelsmarke Youkon und ähnlichen Pseudomarken) blaue und schwarze Jeans im Viererpack für 20 Euro netto, also effektiv 5,95 für eine Jeans.

Nun, dachte ich mir, die können ja nichts taugen, aber bevor ich 8 für eine Reinigung ausgebe, und es nie schaffe, die Reinigung vor Ladenschluss zu erreichen, probiere ich die mal. Weil Metro ja damals bis abends um zehn offen hatte.

Es waren die besten Jeans, die ich je hatte.

Was heißt „hatte”, ich habe sie ja heute noch. Ich hatte mir damals noch ein paar dieser Viererbündel gekauft, und die schwarzen jahrelang statt einer Anzughose zum Sakko getragen, weil ich ohnehin Klamotten eigentlich nicht mag, die man in die Reinigung bringen muss. Bei mir muss alles problemlos waschmaschinentauglich sein, am besten bügelfrei. Ich kann’s nicht leiden, wenn es müffelt oder aromatisiert, das Zeug muss ad hoc waschbar sein. Deshalb hatte ich deren schwarze Jeans bei der Arbeit und die blauen in der Freizeit an.

Was mich daran besonders ärgerte: Ich hatte auch teure Markenjeans in der 80-bis-100-Euro-Klasse. Die haben gar nichts getaugt. Am schlechtesten war die Levi’s, deren Genköpfe mir nicht nur auf den Wecker ging, sondern die auch nichts ausgehalten hat. Ich bin mal ausgerutscht und hingefallen, sofort war ein Loch drin. Dann Risse und so weiter, die landete nach kurzer Zeit als verschlissen im Müll. (Ja, ja, ich weiß, das trägt man so, aber ich mag’s nicht mit Löchern und Rissen in der Hose.)

Die Billigen: halten ewig. Naja, so um die 10 Jahre. Die von Anfang an gebrauchten sind jetzt im Hellblauen angekommen und zeigen die ersten Verschleißanzeichen und Risse so unten im Schritt so Richtung Hintern, die typischen Risse links und rechts der Naht, aber ansonsten waren die verblüffend farbstabil. Währen die teuren Jeans auch sehr schnell ausgeblichen waren (ja, ja, ich weiß, das trägt man so), waren die Billig-Jeans (verschiedener Quellen, die unterscheiden sich in Schnitt und Machart) durchweg über Jahre farbstabil, zeigten keine Abnutzungserscheinungen.

Übrigens hatte ich auch mal eine sehr teure schwarze Markenjeans, die schon nach der dritten Wäsche dunkelgrau war und innerhalb von zwei Jahren bei schmutzweiß angekommen war. Die schwarzen billig-Jeans bleiben einfach tiefschwarz, da tut sich einfach gar nichts an der Farbe. Ich habe welche, die sind ausgebeult und wirklich oft getragen und gewaschen, aber völlig tiefschwarz.

Das einzige, was zu meckern war, dass die kleinen Griffe der Reißverschlüsse nach vielen Jahren dann irgendwann abbrachen. Gibt’s aber für Pfennige als Ersatzteil.

Ich hätte noch genug Vorräte bis zur Rente, allein, die verdammten Dinger schrumpfen ja so (ja, ja, ich weiß, eine Frage des Blickwinkels), sie werden so eng und ich kriege sie nicht mehr zu. Mein Gürtel wird ja auch immer kürzer. 😉

Also heute mal wieder bei Metro, neue Jeans gekauft. Ne Nummer breiter. Geht bei 40 Euro los, und man sieht sofort, dass die nicht so haltbar sind wie die alten Billig-Hosen. Und auch nicht so gut aussehen. Diese Billig-Jeans hatten keinen Schnick, und keinen Schnack, und keine Ziernähte und keinen Mist, sondern einfach so ganz normale blaue (schwarze) Jeans, wie man sie sich vorstellt. Einfach eine gut gemachte Standard-Jeans. Ohne Allüren. So, wie ich sie mag. Die waren richtig gut.

Ich steh da also am Regal der verschiedenen Mittelprächtig-Marken, habe zwei passende, und spreche mal die Verkäuferin an. Hatte zufällig noch eine dieser Ur-Jeans an. Fragte sie mal, ob sie die wieder bekommen. Nein, die hätten sie schon lange nicht mehr.

Heißt: Man kann, wenn man will, für 5 Euro eine richtig gute und vor allem haltbare Jeans bauen. Passt gut, sitzt gut, sieht prima aus, so richtig nach traditioneller Jeans, nicht kaputt zu kriegen.

Man verkauft aber lieber welche für 40 bis 100 Euro, die nicht hält und die man alle Weile ersetzten muss.

Nun weiß ich zwar, dass die für 5 Euro Ausbeutung ist, weil da irgendwon in Bangladesh eine arme Sau an der Nähmaschine sitzt und das für Mickerlohn nähen muss.

Nur: Ich glaube partout nicht, dass das bei einer Markenjeans für 100 Euro anders ist.

Ich habe mal einen Bericht über Turnschuhe gesehen, bei denen auch die ganz teuren Premiummarken Schuhe für weit über 100 Euro in Billiglohnländern machen lassen bei Herstellungskosten unter einem Euro.

Und es geht mir dabei eigentlich auch nicht um den Preis, ich bin nicht geizig. Ich hätte auch kein Problem damit, die 5-Euro-Jeans für 10 oder 15 zu kaufen, wenn die Differenz voll an die Näherin geht.

Mir geht’s bei der Diskussion nicht ums Geld.

Es geht mir darum, dass da bewusst Kurzzeitschrott verkauft wird, und Baumwolle gilt als enorme Verschwendung von Trinkwasser.

Wenn man es schafft, für 5 Euro (oder lass es halt 10 sein, damit die Näherin leben kann) richtig gute und haltbare Hosen zu machen, die gut aussehen, saubequem sind, einfach richtig gute Jeans sind, warum rennen dann alle in diesen Schrott-Jeans herum, die sofort zerreißen, während sie alle Klimaschutz und Umweltschutz schreien?

Wäre das für solche Narrenschiffe wie die Freitagsschulschwänzdemos nicht viel wichtiger, sich mal Gedanken darüber zu machen, was für Klamotten sie tragen?