Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Antisemitismus und Desinformation

Hadmut
12.12.2018 23:03

Eine kurze Betrachtung.

Ich hatte doch einen Zeitungsartikel über diese neue Antisemitismusstudie erwähnt, wonach islamischer Antisemitismus weit häufiger als rechtsradikaler ist, und vor allem die linken nicht wesentlich hintern den rechten Antisemiten zurückstehen, also selbst dann, wenn man Muslime aus der Betrachtung lässt, Linke fast genauso oft antisemitisch in Erscheinung treten wie Rechte.

Ich habe jetzt mal nach dieser Studie gesucht. Und bin auf das hier gestoßen: Deutschsprachiger Artikel bei fra.europa.eu, dazu englischsprachige Studie und der Fragebogen. Das muss es wohl sein, der Artikel ist vom 10.12.2018, also von vorgestern.

Ich habe es nur mal grob überflogen, noch nicht gelesen, fand darin aber zwei Stellen auf Seite 12/13 beachtlich:

Findings from the 2018 survey show that eight in 10 respondents (79 %) who experienced antisemitic harassment in the five years before the survey did not report the most serious incident to the police or other organisation. The main reasons given for not reporting incidents are the feeling that nothing would change as a result (48%); not considering the incident to be serious enough to be reported (43 %); or because reporting would be too inconvenient or cause too much trouble (22 %).

8 von 10 Betroffenen zeigen die Vorfälle bei der Polizei nicht an (was quantitativ nicht direkt sagt, dass auch 8 von 10 Vorfällen nicht angezeigt wurden, denn es kann ja sein, dass gerade die, die besonders viele Vorfälle erleben, eher resigniere und nichts mehr anzeigen, weil es eh nichts bringt), man könnte also auch denken, dass noch deutlich mehr als 80% der Vorfälle nicht angezeigt werden.

Woher dann unsere Medien und Politiker immer so genau wissen wollen, wer für Antisemitismus verantwortlich ist, und dazu auf Polizeistatistiken verweisen, wäre mal eine Frage, wenn doch in den Polizeistatistiken nur die Anzeigen von 20% der Betroffenen stehen. Europa-Durchschnitt, wohlgemerkt, das kann in Deutschland auch weniger sein.

Beachtlich fand ich auch den nächsten Absatz:

The normalisation of antisemitism is also evidenced by the wide range of perpetrators, which spans the entire social and political spectrum. The most frequently mentioned categories of perpetrators of the most serious incident of antisemitic harassment experienced by the respondents include someone they did not know (31 %); someone with an extremist Muslim view (30 %); someone with a left-wing political view (21 %); a colleague from work or school/college (16 %); an acquaintance or friend (15 %); and someone with a right-wing political view (13 %).

Nun, wenn gar ein Drittel (31%) der Kategorie „man weiß es nicht” sind, und 16% „Kollegen” (was ja über das Motiv nichts sagt), dann sind die restlichen Zahlen sehr mit Vorsicht zu genießen. Warum sie die dann noch auf das Prozent genau angeben, wäre auch mal eine Frage. Aber immerhin steht es ja nunmal da (egal wie seriös, es steht nun mal da), dass die Extrem-Muslime mit 30% dabei sind, die Linken mit 21% und die Rechten mit 13%.

Finde ich jetzt mal eine steife Ansage. Besonders weil Politik und Medien uns ja ständig einhämmern, Antisemitismus wäre schlimm, aber eben nur allein von Rechten betrieben. Das wäre das Problem und Antisemitismus allein durch Zurückdrängen der Rechten zu bekämpfen. Anderen gäb’s nicht. Dass neulich in Berlin Muslime eine Israel-Flagge verbrannten – ach, das sei nur sowas politisches gegen den Staat gewesen, mit Antisemitismus habe das nichts zu tun gehabt.

Und nun schaut Euch mal an, wie das heute journal von vorgestern, vom 10.12.2018, darüber berichtet hat:

Plötzlich kein Wort davon, wer da Täter des Antisemitismus ist. Sonst heißt es immer „die Rechten”, jetzt kein Wort zum diesbezüglichen Ergebnis der Studie.

Das heißt, dass Antisemitismus vor allem mal (jedenfalls nach den da niedergeschriebenen Ergebnissen) ein Produkt Linker und linker Politik (und der von Merkel) ist, man da also eigentlich mal gegen links und die Bundesregierung vorgehen müsste. Man suggeriert aber vor dem Hintergrund der sonstigen Berichterstattung das Gegenteil, nämlich dass es ein Problem allein von rechts sei.

Wer glaubt diesen Leuten noch etwas?