Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Sushi mit Gendersaft

Hadmut
6.11.2018 14:16

Die Schreckschrauben sind überall.

Heute hatte ich so einen perfekten Urlaubstag. Einen aus der Kategorie besser-geht’s-nicht. Was ich gar nicht erwartet hätte, als ich gestern abend hier ankam. Aber das ist Stoff für einen anderen Blog-Artikel.

Mittags hatte ich Hunger. Und kam an einem Einkaufszentrum mit „Food Court” vorbei. Das Ambiente ist zwar nicht gerade königlich, aber kulturell dem Land angemessen.

Ich hatte so einen Sushi-plus-Nochwas-Box vom Japaner:


Hat gut geschmeckt. Und ich war gut gelaunt, der Tag war einfach wunderbar, alles bestens, tolles Wetter, vormittags 400 Meter tollsten Strand für mich alleine gehabt.

Als ich fertig mit Essen war und aufstehen wollte, fielen mir zwei Schilder auf. Eines stand auf jedem Tisch:

Das andere hing am Ausgang des mit so einer Art Zaun umgrenzten Essbereichs:

Ich fand das drollig (obwohl ich es ja gut kenne) und habe das fotografiert.

Ich hatte noch Durst und gleich nebenan war ein Stand, an dem sie Fruchtsäfte verkauften. Als ich dahin gehen wollte, sprach mich eine junge Frau (ich erfuhr nachher, dass sie 16 war) an und fragte in so leicht vorwurfsvollem Ton, ob ich ein Foto von ihr gemacht hätte. Sie saß da ein Stück hinter dem „NO ALCOHOL PAST THIS POINT”-Schild und hatte irgendwie gedacht, ich hätte sie fotografiert.

Nein, antwortete ich ihr, ich hätte nur die Alkohol-Schilder fotografiert.

Sie wieder, und der Ton ließ erkennen, dass sie mir nicht glaubte, sagte, ich hätte sie doch fotografiert.

Nein, habe ich nicht, sagte ich, und merkte, dass die irgendwie glaubt, die Welt drehe sich um sie. Und sie sich für enorm wichtig hielt. Hässlich war sie zwar nicht gerade, eine Schönheit aber auch nicht. So eine Durchschnittslandpomeranze, die ich überhaupt nicht zur Kenntnis genommen und noch weniger fotografiert hätte. Wozu auch? Die war mir vorher überhaupt nicht aufgefallen. Weil sie aber nicht einsehen wollte, dass ich sie nicht fotografiert hätte (was ich ja auch wirklich nicht habe, und verblüffenderweise war das das dritte Mal, dass mich in Neuseeland deshalb jemand angegangen war, und in allen drei Fällen hatte ich die Leute wirklich nicht fotografiert und die sich das jeweils nur eingebildet, weil sie sich für so wichtig hielten), sagte ich nur „You’re not that important to take a picture of you” (nicht mal laut) und ging die paar Meter weiter an die Kasse zum Saftstand.

Dort stand eine junge Frau, vielleicht so um die 20, und ich bestellte nicht sofort, sondern guckte erst mal auf dem Angebotsschildern, was es da gab, als die mich in vorwurfsvollem Ton ansprach und dafür rügte, dieser 16-Jährigen (daher habe ich es erfahren, und die kannten sich offenbar, denn woher sonst hätte sie das wissen sollen?) gesagt zu haben, dass sie nicht wichtig sei. Ich war etwas verblüfft, weil ich damit jetzt nicht gerechnet hätte. Sonst sind die Leute an den Kassen hier immer so freundlich und ich kann sonst sehr gut mit den Leuten hier, da passte das überhaupt nicht rein. Ich sagte, dass sie mir fälschlich vorgeworfen hatte, dass ich sie fotografiert hätte und nicht einsehen wollte, dass ich das Schild und nicht sie fotografiert hätte, aber das jetzt eigentlich nicht mit ihr besprechen wollte.

Das war der völlig egal, und es nutzte auch gar nichts, der etwas erklären zu wollen. Obwohl sie nicht mal größer war als ich, gab sie mir in einem völlig herablassenden Ton die Belehrung, dass ich sowas nicht zu einem 16-jährigen schüchternen Mädchen sagen dürfe und ich mit „Sorry,..[irgendwas]” zu antworten hätte. Da habe ich dann meine gute Laune kurz zur Seite gelegt und klargestellt, dass ich keinerlei Veranlassung sehe, mich bei jemandem, mit dem ich überhaupt nichts zu tun habe, für irgendwas zu entschuldigen, und dass ich überhaupt nicht vorhabe, mir von ihr irgendwelche Belehrungen (lessons) anzuhören. Als die dann noch mehr ausholte, sagte ich nur Thank you und bin einfach – ohne Saft – gegangen. Das war mir zu blöd.

Hat mich aber geärgert.

Und Ärger fresse ich in solchen Fällen nicht in mich rein, sondern erledige das. Mitten vor mir stand nämlich ein Wegweiser im Einkauszentrum, auf dem auch der Weg zum Manager stand. Und gerade in Australien und Neuseeland habe ich mir angewöhnt, nicht nur zu loben, sondern schon aus Höflichkeit und Ehrlichkeit Bescheid zu sagen, wenn mir was nicht gefällt, statt nur wegzubleiben oder anderen gegenüber zu schimpfen. Und man wird ja heute auch im Internet und realiter überall ständig gefragt, ob es denn auch alles genehm und zur Zufriedenheit war. Also ging ich zum Manager. Chef von det janze. Typ in meine Alter. Mit dem habe ich mich sofort verstanden, auf einer Augenhöhe.

Ich habe ihm also erzählt, wer ich bin, warum ich hier bin, dass ich touristisch die Schilder fotografiert habe, erst von einer Tussi (Gast) angequatscht wurde, wofür sie ja nichts könnten, dann aber von der zweiten Tussi an der Kasse. Und damit sei ich nicht nur nicht einverstanden und hielte es für eine Frechheit, sondern es sei auch der Grund, warum die das Produkt eben nicht gekauft habe.

Schon während ich das erzählte, ging so der Gesichtsausdruck „Oh nee, die schon wieder” über sein Gesicht und ich merkte „Oha, ich bin nicht der erste, der sich da beschwert”. Also ich zur Sache und zu meiner Wertung kam, unterbrach er mich und meinte, ich bräuchte gar nicht weiter zu reden, da seien wir uns völlig einig, das gehe so gar nicht (ich habe mit dem zumindest nach meinem Eindruck voll auf einer Wellenlänge geredet). Er versichere mir, dass er jetzt sofort losgehe, die Überwachungsaufnahmen checke, um genau zu sehen, wer das war, und dann umgehend dafür sorge, dass das nie wieder passiert. Sprach’s und ging schnurstracks auf eine Tür nach hintenraus zu.

Wenn ich dessen Auftreten richtig interpretiere und der mir das nicht vorgespielt hat (was es ja auch gibt, aber was ich hier nicht glaube), dürfte der die wohl dann gefeuert haben. Verkäufer, die Kunden vergraulen, gehen halt nicht.

Da merkt man aber sehr deutlich, wie auch hier die feministische Saat aufgeht und sich junge Frauen, die nichts sind und nichts können, außer an der Kasse zu stehen und Saft zu verkaufen (McJob), nicht mal gut aussehen, sich einbilden, sie sein der Mittelpunkt der Welt und alles würde sich um sie drehen, sie könnten andere belehren, wie untertänig sie sich zu benehmen hätten.