Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Physik im Genderwahn

Hadmut
2.10.2018 9:58

Am CERN geht’s gerade rund.

Zugegeben, dort geht’s immer rund, dafür hat man das extra so gebaut. Aber diesmal wird gegendert.

Die Fülle der Leserhinweise ist enorm, es scheint viele zu stören: Am 30.9. rückte die Gestapo (Genderstaatspolizei) am CERN ein, nachdem gegen 14:30 ein gewisser Alessandro Strumia (Uni Pisa) seinen faktenreichen Vortrag über die Farbenblindheit und Geschlechtslosigkeit von Wissenschaft hielt. Darin auch Grafiken und Diagramme über eine extreme Benachteiligung der Männern in STEM. Er erzählt von der starken Antikorrelation “Freiheit< ->% WomenInSTEM”.

Selbstverständlich haben die Genderkomissare seine PDFs sofort von der Konferenz-Seite gelöscht und ihr Political-Correctness-Bekenntnis an deren Stelle gesetzt. (Bücherverbrennung wie bei Fahrenheit 451). Es gerüchtet, die Vortragsfolien seien hier noch zu finden.

Man hat am CERN deshalb ob dieser Häresie sofort die heilige Inquisition einberufen und selbstverständlich sofort ein orthodoxes Glaubesbekenntnis abgeliefert:

From 26 to 28 September, CERN hosted the first workshop on High Energy Theory and Gender focusing on recent developments in theoretical high-energy physics and cosmology, and discussed issues of gender and equal opportunities in the field.

It is unfortunate that one of the 38 presentations, by a scientist from one of the collaborating universities, risks overshadowing the important message and achievements of the event.

CERN, like many members of the community, considers that the presentation, with its attacks on individuals, was unacceptable in any professional context and was contrary to the CERN Code of Conduct. It, therefore, decided to remove the slides from the online repository.

On Monday, 1 October, CERN suspended the scientist from any activity at CERN with immediate effect, pending investigation into last week’s event.

CERN is a culturally diverse organisation bringing together people of many different nationalities. It is a place where everyone is welcome, and all have the same opportunities, regardless of ethnicity, beliefs, gender or sexual orientation. Indeed, diversity is one of the core values underpinning our Code of Conduct and the Organization is fully committed to promoting diversity and equality at all levels.

CERN always strives to carry out its scientific mission in a peaceful and inclusive environment.

Hier nochmal:

Was in doppelter Hinsicht reine Willkür ist.

Denn erstens – ich war mal am CERN und habe mir das dort erklären lassen – ist das CERN extraterritorial, man befindet sich dort in keinem Staat, nicht in der EU und politisch-juristisch nicht mal in Europa. Sie haben dort keine Gesetze. Die Maßnahme ist schon deshalb willkürlich und nicht rechtmäßig, weil es dort kein Recht gibt.

Zweitens, und das finde ich äußerst bemerkenswert, war der Titel der Veranstaltung:

1st Workshop on High Energy Theory and Gender

Description

This workshop will both focus on recent developments in theoretical high energy physics and cosmology, and discuss issues of gender and equal opportunities in the field.

In addition to talks on nuclear and string theory, SM and BSM phenomenology, lattice field theory and cosmology, each day talks and panel discussions will be dedicated to research on gender in academia, with an aim to further the development and implementation of action plans to support women and other minorities in physics.

Since any positive change needs the support of the whole community we encourage everyone, men and women, junior and senior scientists, to participate in this workshop.

Was für eine absurde Zusammenstellung.

Anders kommt man nicht auf Frauenquote. Männer reden über Hochenergiephysik, Frauen reden darüber, wie benachteiligt sie sich fühlen. Für jeden was dabei. Jeder, was er kann.

Dass dann ein Mann daherkommt und darlegt, dass in Wirklichkeit die Männer benachteiligt werden, sorgt im Gegenzug natürlich zu Hochenergieeffekten auf der weiblichen Seite.

Das ist er übrigens. Schaut man sich die Reaktionen an, dann trifft sein Vortrag exakt ins Schwarze.

Der Brüller scheint dabei seine Aussage

Physics built by men – not by invitation

gewesen zu sein, denn das griff dann sofort die BBC auf.

Nicht wenige erinnert das an den Inquisitionsprozess gegen Galileo Galilei, der kam ja auch aus Pisa.

Auch die deutsche Presse ist nicht fern, N-TV legt das Dummheitsbekenntnis ab, den Mann gleich als „frauenfeindlich” zu brandmarken:

Die renommierte Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) bei Genf hat einen Gastforscher nach dessen umstrittenem Vortrag Ende vergangener Woche über die angebliche Untauglichkeit von Frauen in der Physik vorerst ausgeschlossen. Alessandro Strumia von der Universität Pisa hatte unter anderem gesagt, die Physik sei “von Männern erfunden und aufgebaut” worden. Unqualifizerte Frauen würden heute aus politischen Gründen Posten in den Naturwissenschaften einfordern.

Strumia löste mit seinen Äußerungen Empörung aus. […]

Nach seiner Ansicht leiden vielmehr Männer unter “Diskriminierung” in der Physik. Strumia prangerte eine “politische Schlacht” an, deren Ausgang offen sei. Zur Untermauerung seiner Thesen zeigte er zahlreiche Diagramme, Tabellen und Grafiken. Die Präsentation war im Anschluss an den Vortrag online verfügbar.

Der Vortrag verärgerte mehrere Frauen, die an der Konferenz teilnahmen. Sie warfen Strumia in sozialen Online-Netzwerken Sexismus vor. Das Cern reagierte und setzte die Arbeit des Gastwissenschaftlers für die Dauer einer Untersuchung der Vorwürfe “mit sofortiger Wirkung” aus. Kurz zuvor hatte die Forschungseinrichtung die Aussagen Strumias als “äußert beleidigend” gegenüber Frauen verurteilt.

Auch die NZZ berichtet. Und der Guardian. Und die Basler.

Und im Ergebnis beweisen sie damit, dass der Mann Recht hatte: Frauen in den STEM-Fächern sorgen für Streit, Kosten, Dysfunktion. Sie zeigen nachhaltig, dass die Kosten-Nutzen-Bilanz von Frauen in der Wissenschaft stark negativ ist, weil der Schaden durch Feministinnen den Nutzen durch Wissenschaftlerinnen bei Weitem übersteigt. Nach Presse- und Wissenschaftsschau hat auf diesem Kongress keine Frau etwas zu Physik gesagt, was irgendwer berichtenswert gefunden hätte. Nur über die Gender-Hinrichtung dieses Mannes wird berichtet.

Und das ist dann auch der Punkt, an dem die Physik angekommen ist. Hinrichtungen.