Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Inklusion statt Integration?

Hadmut
13.6.2018 21:10

Äh…Hä!?

Ein Leser wies mich heute auf eine Pressemitteilung einer mir bis dahin völlig unbekannten „Denkfabrik” namens „Neue Deutsche Organisationen” hin, die sich nach ihrer Selbstdarstellung anscheinend also eine Art Migrantenlobby verstehen.

Die schreiben zum 10. Nationalen Integrationsgipfel, der heute im Bundeskanzleramt stattgefunden habe (waren eigentlich auch Steuerzahler eingeladen?) ihre Stellungnahme und stellen Forderungen auf, die sie zwar nachdrückliche, aber – zumindest für mich – nur schwer verständlich artikulieren. Wenn man etwas fordert, war es schon immer von Vorteil, wenn der Empfänger der Forderung verstehen konnte, was gefordert wird.

Wir wollen keine Integrationspolitik, sondern eine Gesellschaftspolitik für alle. Kurz: Integration, nein. Inklusion, ja.

Äh…das heißt?

Gehe ich da recht mit der Interpretation, dass man Integration als Pflicht und Aufgabe der Migranten ablehnt, aber Inklusion als Dienstleistung haben will? Also Leistungen bekommen, aber nichts dafür tun?

Oder anders gesagt: Deutsch gut, wenn Hartz IV oder Förderung, Deutsch schlecht, wenn Sitten und Gebräuche?

Wir fordern Repräsentation und Zugänge: People of Color und Schwarze Menschen müssen sichtbar werden.

Äh…Wie meinen?

Mal abgesehen von meiner ständig gestellten Standardfrage, wieso jemand, der Forderungen stellt, glaubt, in einer Position zu sein, etwas fordern zu können, stellt sich die Frage, was damit gemeint sein soll: Hautfarbenquoten? Oder Rassenquoten?

Sollen wir künftig Hautfarbenklassen festlegen und den Leuten dann in den Personalausweis Hautfarbton 7 schreiben? Damit die sich dann damit auf die für diesen Farbton reservierten Stellen bewerben können?

Bewerbungsgespräch: Was qualifiziert Sie für diese Stelle? Mein Farbton 9b. Oder so?

Mal abgesehen von meinem ständigen erhobenen Einwand, dass Frauen und andere Personengruppen gar nicht „repräsentiert” werden können, weil jemand nur deshalb, weil er irgendein Körpermerkmal mit anderen gemeinsam hat, noch lange nicht deren Repräsentant ist und sich als solcher auch nicht aufspielen kann, so wenig, wie ich alle Menschen der Welt meiner Schuhgröße repräsentiere, und das einfach nur dummes soziologisches Rabulistikgeschwafel ist, und auch mal abgesehen davon, dass „People of Color” keine Personengruppe ist, weil australische Aborigines und Amazonas-Indianer überhaupt nichts miteinander zu tun haben, stellt sich die Frage, worauf das eigentlich abzielt.

Was ist denn die Zielgröße, die man anstrebt? Wonach bemisst sich das?

Und was wäre, wenn sich herausstellt, dass man „überrepräsentiert” sei? Würde daraus dann nicht konsequenterweise ein Recht der anderen, damit unterrepräsentierten Menschen folgen, PoC wieder zu reduzieren?

Und was heißt eigentlich „sichtbar werden”? Hört sich an wie „wir wissen ja auch nicht, was wir wollen, aber wir schwafeln einfach mal den Soziologen nach”.

Wann ist man denn „Person of Color” oder „schwarz”? Wir können ja nicht mal das Geburtsdatum oder das Herkunftsland bestimmen. Wie sollen wir dann die Hautfarbe zuverlässig feststellen können? Hautfarbenscanner an den Flughäfen aufstellen, die für eine politisch korrekte Mischung der Flugpassagiere sorgen?

Wir brauchen ein reformiertes Bildungssystem – so geht es nicht (gut) weiter.

Stimmt.

Vor 40 Jahren war unser Bildungssystem noch ziemlich gut. Nun ist es kaputt und geht nicht mehr.

Woran das wohl liegen mag? Das sollte man klären, um es reparieren zu können.

Was also wäre das „reformierte Bildungssystem”? Einfach irgendwas anders machen, egal was?

Wir sind von hier. Hört auf zu fragen! Die Zugehörigkeit zu Deutschland darf nicht vom Pass, der Herkunft oder einer Religion abhängen. Wir brauchen ein neues Selbstverständnis vom Deutschsein.

Ja, und wie sollte das aussehen?

So einen Vorschlag darf man machen, das garantiert die Meinungs- und Redefreiheit. Aber wovon soll es denn dann sonst „abhängen”? Deutscher ist, wer vom deutschen Steuerzahler lebt? Was soll das denn konkret heißen?

Für mich ist das erst mal nicht greifbar und nachvollziehbar. Ich verstehe das so, dass man die Eigenschaft „Deutscher” jeglicher Kriterien und Semantik entheben und das Land zum Selbstbedienungsladen machen will. Jeder, der will, soll hierher kommen und sich alimentieren lassen und Forderungen nach „Repräsentanz” stellen können, nur mir als deutschem Steuerzahler lässt man keinen Ausweg, dem zu entkommen?

Ich habe ein richtiges Problem damit, wenn Leute so um den heißen Brei herumschwafeln und nur sagen, was nicht sein dürfe, aber nicht sagen, wie das Gesellschaftsmodell aussehen soll, das sie anstreben. Das Prinzip kennt man von Linken. Die sagen nie, wo es hingehen soll, entweder weil sie es selbst nicht wissen, oder weil es jeder ablehnen würde.

Was soll man von jemandem halten, der innerhalb einer Aussage „Wir sind von hier. … darf nicht vom Pass, der Herkunft oder einer Religion abhängen” sagt? Widerspricht sich das nicht selbst?

Und wenn jemand sagt „Wir brauchen ein neues Selbstverständnis vom Deutschsein.”, also das Verständnis anderer ändern will, dann ist es ja gerade kein „Selbstverständnis”.

Wie gesagt:

Ich halte Rede- und Meinungsfreiheit für ein hohes Gut und will sie auch jedem zugestehen.

Aber ich habe ein Problem damit, wenn jemand fordert, und dabei nicht sagt, was er will. Leute, die reden, sind mir da viel lieber, als solche, die an den wichtigen Stellen nichts sagen. Reden ist Silber, Schweigen ist Schrott.

Und das stört mich vor allem dann, wenn jemand sagt, dass er sich nicht integrieren will. Was aber dann? Wie soll das angestrebte Gesellschaftsmodell aussehen?

Und was mich daran ebenfalls stört: Wenn sich jemand die Frechheit herausnimmt, ungefragt in meinem Namen zu sprechen. Denn da gibt es eine zweite Erklärung der „Migrant*innenorganisationen”, in der es heißt:

Es ist die Gunst der Stunde, die uns die Erweiterung des Innenministeriums um den Bereich „Heimat“ bietet, die Begriffe Heimat und wir so zu definieren, dass sie unseren freiheitlich-demokratischen Werten gerecht werden. Denn wir, die Bevölkerung Deutschlands, sind vielfältig, und ein gemeinsamer Heimat-Begriff muss dieser Vielfalt Rechnung tragen.

Wir sind über 80 Millionen Bundesbürger*innen mit oder ohne Migrationsgeschichte, mit oder ohne deutschen Pass. Wir sind Nachbarn*innen, Partner*innen, Schulfreund*innen. Wir sind Einwohner*innen der neuen und alten Bundesländer. Wir sind Arbeitnehmer*innen, Arbeitgeber*innen oder auch arbeitssuchend. Wir sind mehr oder weniger gläubig. Wir sind Teil der LGBTQI* Community. Wir engagieren uns ehrenamtlich, wir sind Zivilgesellschaft und wir wollen gemeinsam Demokratie leben.

Halt.

Stopp!

Moment mal!

Ich gestehe jedem Meinungs- und Redefreiheit zu. Aber das heißt nur, dass jeder seine und nicht meine Meinung verkünden darf. Denn meine Meinung sage ich immer noch selbst. Ich bin Selbstsprecher. Und da sind wir auch wieder beim „Repräsentanz”-Problem. Ich habe oben (und in früheren Artikeln) schon gesagt, dass man sich nicht zum Repräsentanten selbst ernennen oder aufspielen kann, Repräsentanz setzt das Mandat voraus. Und jetzt spielen sie sich nicht nur als Repräsentant aller Farbigen oder Schwarzen auf, sondern gleich als Repräsentant von uns allen, reden gleich von einem „wir”, und geben unser aller Meinung gleich mit.

Das verbitte ich mir. Und wenn’s bei der Merkel stattgefunden hat.

Ich meine immer noch selbst. Ich lasse nicht andere für mich meinen.

Und ich bin auch nicht „Teil der LGBTQI* Community”. Ganz sicher nicht. Und wenn ich das mal noch anmerken darf: Die Drogenhändler in den U-Bahnstationen arbeiten ganz sicher nicht „ehrenamtlich”. Alles in einen 80-Millionen-Topf zu werfen, umzurühren und dann von einem „wir” zu reden, halte ich schon auf intellektueller Ebene für wüstes Anrempeln und einen Affront. Für wie blöd hält man mich, sowas aufzutischen?

So vielfältig wir auch sind, diese Vielfalt spiegelt sich nicht in der Legislative, Judikative und Exekutive. Nicht in Verwaltung und Politik, in der Wohlfahrtspflege, in den Chefetagen, nicht in den Medien. Wir sind in Kitas und Klassenzimmern, sitzen aber nicht oft am Lehrer*innenpult, in der Erzieher*innenrolle oder haben einen Lehrstuhl an einer Universität.

Lehrstuhl an einer Universität. Das perfekte Stichwort. Besser hätte man es nicht wählen können.

Ich habe nämlich auch keinen Lehrstuhl an einer Universität. Obwohl ich einen sicher gehabt hätte.

Denn gerade das, worüber man in diesen Erklärungen heuchelt, nämlich Werte, sowas wie Wissenschaftlichkeit, Leistungsprinzip, Grundrechte, Rechtsweg, rechtliches Gehör, das Recht, Argumente vorzubringen, die hat ein korruptes, kriminelles und politsch sabotiertes Bundesverfassungsgericht im Namen genau solchen Diversitätsgeschwafels in den Müll geworfen und vernichtet. Ihr redet von Werten, aber tatsächlich geht es nur darum, alles kaputtzumachen, zu vernichten, abzuräumen, was wir jemals an Werten hatten und über Jahrhunderte mit Arbeit, Schweiß und Blut aufgebaut haben. Unser Schulsystem, unsere Universitäten, unsere Grundrechte und die Rechtsprechung – alles wird vernichtet und zerstört.

Und was die ehrenamtliche Arbeit angeht: Ich muss hier Steuern zahlen wie bekloppt. Höchste Steuerklasse, Spitzensteuersatz, ausgepresst bis auf’s Blut. Der Staat begnügt sich nicht mal mit den gesetzlichen Steuern, die schon zu den höchsten der Welt gehören, er nimmt auch noch willkürlich höhere Steuern und ignoriert Rechtsmittel und Gesetze. Gleichzeitig soll praktisch die gesamte Weltbevölkerung hier einziehen und sich alimentieren lassen können. Neulich wurde berichtet, dass viele Migranten es rundheraus ablehnen, Steuern zu zahlen, und Steuerprüfer sich aus Angst vor angedrohter Gewalt dorthin nicht mehr trauen, dort keine Steuern erheben. Und jetzt kommt Ihr und sagt, Ihr würdet ja „ehrenamtlich” arbeiten, und hättet gerne mehr Geld.

Sorry, wenn ich das mal so direkt sage, aber: Ich fühle mich permanent ausgeraubt und ausgeplündert. Um meine Karriere und meine Lebenszeit betrogen.

Wenn sich dann aber noch jemand aufspielt und sich die Frechheit herausnimmt, in meinem Namen zu sprechen, mir seine Meinung in den Mund zu legen, mir vorschreiben zu wollen, wen ich als Deutschen – und das meine ich nicht kulturell, sondern als Empfänger unseres Sozialsystems – anzusehen hätte, dann empfinde ich das als eine ganz enorme Frechheit und Unverschämtheit.

Und wenn ich mir dann noch bewusst mache, dass das nicht irgendwo aus den Tiefen des Internets kommt, sondern zu einer Veranstaltung in Merkels Bundeskanzleramt gehört, dann werde ich richtig sauer.

Das ist eine Unverschämtheit sondersgleichen. Und sie geht auch auf Merkels Verantwortung.

Und es kotzt mich geradezu an, wenn ich ständig gezwungen werde, mehr als die Hälfte meiner Arbeitszeit für andere zu arbeiten, damit die leistungslos und gratis all das reihenweise bekommen, was man mir in krimineller, korrupter Weise vorenthalten hat, wenn Leute von unseren Werten reden, derentwegen man hier praktisch alle Grundrechte abgeschafft und sogar im Bundesverfassungsgericht in ideologischer Säure zersetzt hat.

Ich halte es schon bisher für unerträglich, wie man die Meinungsfreiheit zerstört und jedem den Mund verbieten will, der daran Kritik äußert. Das man sich jetzt aber schon herausnimmt, für alle Menschen zu sprechen, ist ein Frontalangriff.

Es ist in erster Linie eine Unverschämtheit Merkels.