Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über Australien und das Grundgesetz

Hadmut
12.2.2018 20:47

Leute, bitte, kommt doch mal von diesen Begriffsspaltereien herunter.

Der gefühlt 7.000ste Leser schrieb mir die Frage, warum das Bundesverfassungsgericht sich so nennt, wo wir doch keine Verfassung, sondern ein Grundgesetz haben.

Leute, bitte kommt mir nicht mehr mit dem Käse. Ich habe das schon so oft bekommen und schon so oft geschrieben, dass ich mit solchen Bezeichungshaarspaltereien meine Zeit nicht vergurken will, weil da auch kein Argument für mich drinsteckt.

Es gibt übrigens auch kein Vorschrift die besagt, dass eine Verfassung auch „Verfassung” heißen muss. Die kann auch Günter heißen. Oder eben Grundgesetz.

Ich kann auch einen Hund „Schwein” nennen. Obwohl Schwein dann „Schwein” heißt, ist Schwein kein Schwein, sondern immer noch ein Hund.

Eine Frau wird auch nicht zum Mann, indem sie sich Ralf oder Profesxx nennt.

Wie etwas heißt und was es ist, sind zweierlei.

Deshalb ging es mir heute auch richtig auf den Wecker, dass mir diverse Leser schrieben, dass die dumme Lehrerin Recht habe, dass Australien kein Land sei, weil das Land Commonwealth of Australia heiße.

So ein Schwachsinn.

Wir reden ja auch von Deutschland, China, Russland, obwohl es offiziell Bundesrepublik Deutschland, Volksrepublik China und Russische Föderation heißt. Weil es zweierlei ist, wovon ich rede und wie es sich nennt. China ist ein Land, und zwar eines, dass sich „Volksrepublik China” nennt.

Es ist auch ein logischer Denkfehler, weil zuerst mal das Land existieren muss, bevor es sich einen Namen geben kann. Schon deshalb ist die Aussage, dass „Commonwealth of Australia” ein Land ist, in seiner Kausalitätsbeziehung verfehlt, weil erst das Land da sein muss, bevor es sich einen Namen geben kann.

Freilich kann man sagen, dass das Commonwealth of Australia ein Land ist, so wie man sagen kann, dass Hadmut Danisch ein Mensch ist, weil der gegebene Name das Objekt identifiziert und darüber die Aussage trifft. Es ist aber falsch anzunehmen, dass das Objekt nur über diesen Namen identifiziert werden kann, weil der Name erst nach der Existenz eintreten konnte. Ich musste auch erst Mensch sein, um meinen Namen zu bekommen, aber ich war auch vorher schon ein Mensch. Deshalb kann die Eigenschaft Mensch nicht am Namen festhängen.

Davon mal ganz abgesehen:

Ich war viermal in Australien. Und habe dort nicht ein einziges Mal gehört, dass da irgendwer von „Commonwealth of Australia” redete. Schon „Australia” ist denen zu lang, die reden über Land und Leute als „Aussie” oder von „Down Under” und so weiter. Und das dürfen sie, weil der offizielle Staatsname nicht die einzig erlaubte Bezeichnung ist.

Und deshalb sagen die mir am Zoll auch „Welcome to Australia” und schreiben das auch auf ihrer Regierungsseite. Und deshalb treten sie bei Olympischen Spielen auch als „Australia” auf, weil das Land schlicht und einfach Australien heißt.

Mir gehen solche Wortklaubereien und Besserwissereien auf die Nerven, wenn damit nicht – etwa über die Wortherkunft – ein inhaltlicher Gedanke verbunden ist.

Und davon ganz abgesehen: Die Lehrerin hatte auch deshalb nicht recht, weil die ganz sicher nicht darauf hinauswollte, dass es „Commonwealth of Australia” heiße.