Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die neue religiöse Grußformel

Hadmut
12.12.2017 20:14

Gendergrüße aus Dresden.

Ich hatte wegen der Steckbriefplakate von der TU Dresden, über die Michael Klonovsky berichtet, das Foto aber wieder offline genommen hatte, um denen nicht noch zuzuarbeiten, mit denen da inzwischen Menschenjagd veranstaltet wird, Mal bei der TU Dresden und deren Datenschutzbeauftragten angefragt, ob das überhaupt so stimmt, ob sie das bestätigen oder dementieren können, was, wieviele, wer war’s, wie steht die TU dazu, und wie es mit dem Datenschutz so aussieht, weil auf den Plakten eben jede Menge personenbezogene Daten waren, die Plakate mit dem Computer gefertigt waren und das Einverständnis der Betroffenen wohl kaum vorlag.

Der Datenschutzbeauftragte antwortete sofort, allerdings nur mit dem Hinweis, dass er seine Stellungnahme an die federführende Presseabteilung geben und ich von dort eine einheitliche Antwort erhalten werde. Völlig in Ordnung, zumal ich ja im Rahmen einer Presseanfrage danach gefragt habe. Außerdem muss er ja auch Zeit haben, sich mit der Sache erst einmal zu beschäftigen.

Die Presseabteilung antwortete auch sehr zeitnah, allerdings prüfen sie die Sache erst noch. Auch in Ordnung. Ist ja ganz frisch, und dass die die Sache erst mal untersuchen, ist völlig in Ordnung und sachgerecht.

Was sie schon mal sagten, war, dass sie so rund 10 bis 20 Plakate gefunden und abgenommen haben, und Strafanzeige prüfen.

Auch völlig in Ordnung. Die müssen sich erst mal beraten und prüfen und ermitteln, das braucht Zeit. Und da es in Universitäten keinen zentralen Plakatabhänger gibt, sondern da jeder Institutsherr und Hausmeister sowas selbst abnimmt und in den Müll wirft, ist das auch klar, dass sie die Zahl noch nicht genau nennen können.

Bis hierher alles einwandfrei.

Was mir aber tief ins Gedärm gefahren ist, war die ideologisch-religiöse Grußformel:

Lieber Herr Danisch

vielen Dank für Ihre Anfrage. Einleitend möchte ich darauf hinweisen, dass die TU Dresden für freiheitliches und weltoffenes Denken und Handeln steht. Menschenverachtende Ideologien und Aktionen lehnen wir unabhängig von ihrem politischen Hintergrund und ihrer Motivation ab.

Ich überlege immer noch, wie sie das jetzt eigentlich meinen.

Solche Formeln wie „weltoffen” sind doch normalerweise verkappte linksextreme Bekenntnisse. Und normalerwiese dulden es deutsche Universitäten es doch gerade mit diesen Floskeln, wenn nicht-linksextreme Dozenten gewaltsam von Vorlesungen abgehalten und Vorträge sabotiert werden.

Wie ist das jetzt in diesem Zusammenhang zu verstehen? Soll das jetzt für oder gegen die Plakataktion stehen? Wollen sie damit sagen, dass sie mit der Plakataktion gegen die dort als rechts angeprangerten Personen sind? Oder gegen die Plakataktion?

Sie schreiben, dass sie menschenverachtende Ideologien und Aktionen ablehnen. (Was schon mal unwahr ist, denn sonst würden sie ja den Gender-Quatsch nicht machen, das ist ja eine menschenverachtende Ideologie.)

Meinen sie damit jetzt, dass sie die auf den Steckbriefen gezeigten Personen oder die Plakate ablehnen?

Das wird inzwischen richtig schwer, das political-correctness-Gebrabbel noch zu verstehen. Vor allem dann, wenn es so wie hier solche Konflikte gibt, wenn die nach Ideologie Guten Böses tun und sie nicht so recht wissen, ob sie dafür oder dagegen sein sollen (Ähnliche Situation: Palästinenser verbrennen Davidsternflaggen in Berlin).

Man merkt sehr deutlich, dass das da an mehreren Stellen gerade ideologisch kracht, weil das zuvor als Maß aller Dinge definierte Gute genau das tut, was man zuvor als das abgrundtief Schlechte dargestellt hat, sich das perfekte Weltbild also selbst widerspricht.

Das wird jetzt richtig schwierig – aber auch saftig – diesen Prozess zu kommmentieren.

Zumal ich der Meinung bin, dass sich die Frage, was die Exekutive so ablehnt und wofür sie steht, nicht nach politischen oder religiösen Bekenntnissen, sondern schlicht nach den Gesetzen richten sollte, an die sie nach dem Grundgesetz nämlich gebunden sind. Was verboten ist, ist eben verboten. Was nicht verboten ist, ist erlaubt.

Was mir außerdem mächtig auf den Sack geht: Diese leere Parteien-Politschwätz-Redewendung „Wir stehen für…”. Das ist Wahlkampf-Trash, mehr nicht. Es ist nämlich eine Nullaussage. Es ist mehr so ein Wunschdenken, wie man gerne gesehen werden möchte. Als ob sich ein Raucher wegen der Wahl seiner Marke für einen Cowboy hält. Man kann für etwas eintreten. Etwas praktizieren oder fördern. Man kann auch in etwas der Beste sein. Oder der Erste. Oder der am weitesten Fortgeschrittene. Oder für etwas verantwortlich sein. Man kann sogar an der Kinokasse für eine Eintrittskarte anstehen. Sogar an Stelle jemandes anderen. Oder jemandem im Weg stehen. Man kann rumstehen wie bestellt und nicht abgeholt. Bestenfalls kann eine Abkürzung für das gleichbedeutende Abgekürzte stehen, wie kg für Kilogramm. Aber man kann nicht für etwas stehen. Weil das Rumstehen da keine Wirkung hat. Aus stehen folgt kein „für”.

(Als ich die Mail gelesen habe, kam mir das wie so eine religiöse Bekenntnisfloskel vor, so wie „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen”. Ich habe mal einen, der mir sowas mal schrieb, gefragt, was der denn jetzt damit zu tun hätte. Eine amerikanische Firma, mit der ich mal einen Vertrag hatte, fragte ich, was eine Ausnahmeklausel für „Gottes Werk” darin zu suchen hätte, weil ich noch nicht wusste, dass die dort so Höhere Gewalt bezeichnen. Antwort immer: Ach, keine Ahnung, schreiben wir halt immer so. Ich halte ein solches Floskelwerk einer Universität für unwürdig.)