Hadmut Danisch

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Gender ruiniert die nächste Firma: GitHub

Hadmut
8.2.2016 19:55

Interessanter Artikel. [Update]

Das Thema Gender-Krieg in der IT-Industrie, Diversity, Code of Conduct usw., hatten wir hier ja schon mehrfach.

Ein Leser hat mich auf diesen Artikel einer australischen Wirtschaftszeitschrift aufmerksam gemacht. Die in Informatiker-Kreisen bekannte Firma GitHub, bei der inzwischen sehr, sehr viele Quelltexte öffentlich oder geschlossen verwaltet werden, dreht wohl gerade hohl. Davon hatte ich schon öfters am Rande gehört, und auch in verschiedenen Texten, die ich hier im Blog zitiert habe, tauchten die schon auf, aber eine so kompakte und weitgehende Darstellung habe ich noch nicht gesehen.

Hört sich an, als sei GitHub so als typische Informatiker-Firma gestartet: Wenig oder keine Hierarchien, fähige Leute, die sich Mühe geben, freie Arbeitszeiten, Home-Office, Ideen, Leistung, Qualität, steiles Wachstum. Enormer Wertzuwachs. 2 Milliarden sollen die jetzt wert sein.

Und wie immer in solchen Fällen kommen die Plünderer.

Und wie immer, wenn die Plünderer kommen: Die Köpfe gehen zuerst. Dann zerfällt es. Wobei verblüffend ist, dass hier einer der Mitgründer an der Zerstörung beteiligt sein soll, allerdings mit »Unterstützung« der Investoren:

Cofounder CEO Chris Wanstrath, with support from the board, is radically changing the company’s culture: Out with flat org structure based purely on meritocracy, in with supervisors and middle managers. This has ticked off many people in the old guard.

Und, wie so oft: Wer nicht zustimmt, fliegt raus.

Some longer-term employees feel like there’s a “culture of fear” where people who don’t support all the changes are being ousted.

Interessant ist dabei, wie es dazu überhaupt kam:

Wanstrath became CEO in 2014 after GitHub was embroiled in a sexual-harassment scandal by a female employee who quit.

GitHub’s own internal investigation determined that no sexual harassment took place, but said there were other leadership issues going on. Ultimately cofounder CEO Tom Preston-Warner resigned and left the company.

Now Wanstrath is on a mission to overhaul Github, with full support from the venture capitalists who backed the company.

Auslöser war ein Vorgang, der vor einiger Zeit schon durch die Presse ging: Eine Mitarbeiterin, die in dem Ruf stand, wenig zu leisten, aber sich da als die Chefin aufzuspielen, ging. (Komisch, warum kommt mir der Typ Frau so bekannt vor?) Und als die anderen sich freuten, sie endlich los zu sein, erhob sie Vorwürfe wegen sexueller Belästigung. Die Untersuchung ergab, dass die Vorwürfe nicht stimmen, aber das Ergebnis war trotzdem, dass der alte Chef die Firma verließ und durch den ersetzt wurde, der jetzt diese Gender-Nummer da durchzieht. Riecht nach Intrige zur feindlichen Übernahme.

Natürlich hören sich eine der Schritte zunächst gut und richtig an. Ab einer bestimmen Größe funktioniert das einfach nicht mehr, die Programmierer halt mal machen zu lassen und keine Führungsebene zu haben (was ich übrigens in meiner eigenen beruflichen Tätigkeit in vergleichbaren Fällen auch schon angemahnt habe, ich halte das also für normal). Wie sie ja an sich auch richtig sagen:

This person says that it’s not a knock against the execs who left, but “at times you need a different group of people, when you reach 400, 500 or 1,000 employees.”

The person added: “There was a remote culture and very little hierarchical structure which worked wonderfully when they were 30 and 50 people, but at 500, it doesn’t work. Chris has decided that the leadership team needs to be in the building and managing, so remote is not an option for senior executives.”

Der Haken dabei ist aber halt immer, wer da Chef wird. Und wenn das dann nicht die Schlauesten und Kompetentesten sind, dann fühlen sie die Leistungsträger verarscht, weil ihnen weniger Befähigte als Chef vorgesetzt werden. Und gerade in den Leitungsebene wird das mit der Befähigung halt immer sehr dünn, da treiben sich die Großmäuler und Schwindler herum: Hohe Gehälter, wenig fachliche Anforderungen. Das Ergebnis ist immer das gleiche: Die Leute laufen davon.

Der eigentlich Knackpunkt dabei scheint aber zu sein, dass sie bei der Gelegenheit den Laden auf Diversity umkrempeln. Also den Fehler noch größer machen, indem sie andere Kriterien als Befähigung anwenden. Und ein bemerkenswerter Punkt daran ist, dass Ziel inzwischen nicht mehr nur der berüchtigte »weiße Mann« ist, sondern jetzt auch die »weiße Frau«. Dazu aus Artikel einer der Protagonistinnen, More white women does not equal tech diversity:

History has taught us that diversification efforts (i.e.: initiatives to correct systemic inequalities) unfold like this: White men “let” white women into the halls of power they created, and little changes for the rest of us. Such is the case in politics, in elite universities and in corporate America.

Fällt Euch auf, dass da sowas wie Selbermachen nicht vorkommt, sondern man als selbstverständlich davon ausgeht, dass »weiße Männer« erst was aufbauen und dann andere reinlassen. Da entsteht so eine Erwartungs- und Anspruchshaltung, gemachte Nester vorzufinden.

At one diversity training talk held at a different company and geared toward people of colour, she came on a bit stronger with a point that says, “Some of the biggest barriers to progress are white women.”

Da bin ich zumindest mal beruhigt, dass die »weißen Männer« nicht mehr die einzigen Bösewichter und Probleme sind. Es fällt aber auf, dass wieder mal dieselbe Rabulistik verwendet wird, wie auch in der deutschen Politik: Fortschritt ist, wenn wir bekommen, was wir wollen. Komischerweise halten sich immer die für den Fortschritt, die selbst nichts voranbringen und nur die Leistungen anderer für sich vereinnahmen wollen.

Kurioserweise werden sie das schaffen und den Anteil der diversity-relevanten Gruppen stark erhöhen. Schon deshalb, weil die alten Developer ihnen davonlaufen werden, also sich deren Anteil reduziert.

Und die Folgen zeigen sich bereits: Auch die Kunden und Nutzer sind sauer, weil der Support nicht mehr funktioniert.

Die Szene ist sehr volatil. Wenn andere bessere Dienste leisten, sind die ruckzuck weg. Und die Konkurrenz steht schon in den Startlöchern.

Hoffen wir mal, dass sich auch da die Investoren die Finger verbrennen und sich herumspricht, dass man mit dieser Methode Firmen kaputt macht.

Update:
Ein Leser weist mich dazu darauf hin, dass es hier noch einen weiteren Artikel dazu gibt. Manche Leute sehen das so, als ginge es primär darum, alle »Weißen« aus der Firma zu kriegen und auch keine mehr einzustellen. Es war wohl anfangs ein Krieg gegen die Männer, aber da man jetzt ja auch auf Frauen schießt, ist das wohl Stufe 2 der Kriegsführung zur »Säuberung« von GitHub.

Kakul Srivastava, eine der zentralen Figuren dieser Entwicklung bei GitHub, kommt angeblich – so’n Zufall – von Yahoo.

Da ist es nicht mehr weit hin, bis sie Plakate aufhängen „Bürger, kauft nicht bei Weißen!”