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Da ist was faul mit der Handgranate

Hadmut
29.1.2016 18:08

Nur so ein Gefühl. Aber irgendwie stimmt da was nicht.

Momentan gehen gerade mal wieder die Meldungen durch alle Medien, dass die Anschläge auf Flüchtlingsheime immer schlimmer werden. Das kann ich mir schon vorstellen, daran habe ich jetzt erst mal keinen Zweifel, es erscheint mir bei der derzeiten politischen Zuspitzung auf Krieg zwischen links und rechts durchaus möglich.

Es wird flächendeckend gemeldet, dass da eine Handgranate auf ein bewohntes Flüchtlingswohnheim geworfen wurde. Beispielsweise hier.

Kann ich mir soweit auch vorstellen, bis dahin habe ich keinen Zweifel. Neulich wurde irgendwo berichtet, dass man auf dem Schwarzmarkt alles bekommt, eine Handgranate ab 10 Euro, Kalaschnikows um die 300. Und eine Handgranate zu werfen geht schließlich viel schneller, einfacher und fluchtgünstiger als Brandsätze, soweit ist das auch plausibel.

Eigentlich weiß man nicht, wer das war, aber alle sind sich sicher, es zu wissen. Wie immer, wie üblich. Business as usual. Was kümmern uns unsere Fehler von gestern?

Jetzt kommt aber der Punkt, an dem ich da – aus meinem geringen Laienwissen heraus – etwas nicht nachvollziehen kann.

Sie schreiben, der Sicherungssplint sei zwar gezogen worden, die Granate sei aber nicht explodiert. So richtig untersuchen konnten sie sie nicht, weil sie die dort notfallmäßig gesprengt haben. Irgendwo stand aber, dass sie sich nicht sicher seien, ob das Ding überhaupt einen Zünder hatte.

Das kommt mir komisch vor. Ich bin zwar nun wirklich kein Waffenexperte, aber ich war mal bei der Bundeswehr, Grundwehrdienst. Pioniere. Und da haben wir gesprengt, mit Panzerfäusten geschossen, Handflammpatronen verballert, Handgranaten geworfen. Hab ich auch gemacht. (Hehe, damals war die Bundeswehr noch flüssig genug, sich das leisten zu können, dass jeder mal darf.) Und damals hieß es, Handgranaten seien besonders zuverlässig, wenn der Hebel los ist, dann gehen die auch los. Sicherungshebel hoch, Hahn knallt auf Zündpatrone, eine kleine chemische Verzögerung wird in Brand gesetzt, Bumm. Vorbereiten oder Auseinandernehmen konnte man bei denen, die wir da damals hatten, nichts. Man konnte nur die äußere Hülle (was eben so nach Handgranate aussieht) abschrauben, aber das war nur ein Kunststoffmantel mit Metallsplittern drin. Der innere Teil, der eher so die Ausmaße eines dicken Klebestiftes hatte und sechseckig war, war die Sprengladung, die man für höhere Druckwirkung auch ohne den Splittermantel verwenden konnte. Da gab es nicht viel Auswahl. Schmeißen oder bleiben lassen. Und ich habe auch im Bunker neben dem Feldwebel gestanden, der die Dinger aus den verplompten Behältern ausgepackt hat. Ich bin mir jetzt aber – das ist jetzt über 30 Jahre her – da nicht mehr ganz sicher, ob der die einfach nur so ausgegeben oder vorher irgendwas zusammengesetzt hat. Fehlbedienung gibt’s da eigentlich nur in zwei Formen: Es gibt Leute, die vergessen, den Ring zu ziehen, und das Ding vor lauter Angst oder Nervosität mit Ring wegschmeißen. Dann passiert nichts (falls das Ding nicht dumm aufschlägt, bricht und dadurch auslöst). Ist hier nicht der Fall, sie schrieben ja, der Ring sei gezogen gewesen. Und es gibt die Leute, die (lacht nicht, das kann durch die Art der Armeeausbildung durchaus passieren) den Ring wegwerfen und die Granate behalten. War hier auch nicht der Fall. Ich habe des mal gegoogelt und einen hübschen Werbeprospekt eines Hersteller solcher Bundeswehrhandgranaten gefunden. Es gibt tatsächlich nochmal einen inneren Zünder, den man reinschrauben kann, und das scheint sogar Standard zu sein, denn sie sprechen da von einem Standardgewinde, und dass das auf vielen herkömmlichen Modellen passt. Man kann den Zünder also problemlos entfernen.

Nur: man kann ihn nicht vergessen. Denn am Zünder hängen der berühmte Hebel und der Ring zum Ziehen. Ohne diesen Zünder kann man die Granate gar nicht auslösen (und auch nicht feststellen, wie in der Zeitung stand), dass der Ring gezogen ist. Weil der Teil, in dem der Ring steckt, nicht da ist.

Auf Wikipedia hingegen wird von Granaten berichtet, die man erst kurz vor dem Einsatz scharf macht, indem man eine Zündkapsel innen reinschrauben musste. Ohne diese Kapsel könne man die Granate zwar auslösen, sie erreiche aber nicht die für die Zündung des Sprengstoffes nötige Temperatur. Allerdings ist da von Stielhandgranaten die Rede.

Bei solchen Granaten kann ich mir das vorstellen, dass die durch Fehlbedienung oder weil man sie auf dem Schwarzmarkt unvollständig gekauft hat, nicht losgehen, wenn man dieses Teil nicht reinschraubt.

Aber ansonsten ist die Story für mich irgendwie nicht rund.

Was kommt da in Frage?

  • Fehlbedienung, nicht scharf gemacht, oder unvollständige Granate. Irgendwie unwahrscheinlich, weil Handgranaten heute kaum fehlzubedienen sind und man einen fehlenden Zünder daran erkennt, dass der obere Teil mitsamt dem Hebel fehlt. Das wäre aufgefallen, und sowas würde man nicht werfen, weil jeder Laie merkt, dass da was fehlt.
  • Sabotage. Wird ja oft von Undercover-Agenten gemacht, dass sie Leuten an Bomben wichtige Teile gegen funktionsuntüchtige austauschen, aber dann nehmen sie die Leute bei der Tat normalweise fest.
  • Oder der Täter wollte gar nicht, dass die Granate explodiert und hat absichtlich irgendwas an der Zündung weggelassen, und sich darauf verlassen, dass die Entschärfungstruppe eine augenscheinlich ausgelöste Granate nicht anrührt, sondern gleich sprengt, man das hinterher also nicht mehr feststellen kann.

Irgendwas an der Story fress ich nicht.

Wobei der letzte Fall, dass der Täter die Granate absichtlich so geworfen hat, dass sie nicht explodiert, mir da durchaus plausibel erscheint, aber eine Frage offenlässt: Kam der von rechtsextrem und wollte »nur« Angst machen oder drohen? Oder kam der von linksextrem und wollte es so aussehen lassen, als ob?

Inzwischen ergibt sich übrigens noch ein ganz anderer Aspekt in dieser Sache:

Eine Handgranate als Waffe – das bedeutet eine neue Dimension der Gewalt gegen Flüchtlingsheime in Deutschland. Erstmals wurde Sprengstoff verwendet. Allerdings weiß die Polizei noch nicht, ob der Anschlag sich gegen die Flüchtlinge richtete. Sie ermittelt in alle Richtungen. Es wurde eine Sonderkommission mit 75 Beamten gebildet, sie trägt den Namen “Container”.

Und der Name deutet auf ein alternatives Tatmotiv an: Die Granate flog in Richtung eines Containers, in dem sich in der Nacht drei Wachleute eines privaten Sicherheitsdienstes aufhielten. Sie wären die Opfer gewesen, wenn die Granate explodiert wäre. Angeblich verfügt die Polizei über Hinweise, die Tat könnte mit Vorfällen im Wachteam zu tun haben.

Und schon wieder mal wollen vorzeitig alle wissen, dass es eine Tat Rechtsradikaler gegen Flüchtlinge war.

Mir geht das inzwischen enorm auf den Wecker. So viele Fälle nach diesem Muster: Tugce, Brand einer Turnhalle, der Pseudo-Tote vom Lageso, jetzt das – wir werden ständig mit Falsch- und Blindmeldungen bombardiert.


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[…] Danisch schreibt was zu der Handgranate auf ein Flüchtlingsheim.   […]