Hadmut Danisch

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Das Ende des Schahs als Anfang des Problems

Hadmut
15.1.2016 23:44

Wie weit muss man zurückgehen um die Zusammenhänge zu verstehen? [Link korrigiert / Nachtrag]

Manchmal hilft es, ein alter Sack zu sein.

Mir fiel heute ein Artikel in der WELT über einen Besuch Alice Schwarzers bei Markus Lanz ein. Komisch. Eigentlich müsste die ja als Unperson erledigt sein, aber die Gender-Sender laden die (wie immer dieselben Leute) immer wieder ein.

Und wie in letzter Zeit immer, zieht sie – bemerkenswerterweise als anscheinend einzige Feministin – über den Islam her. Was darauf hindeutet, und den Eindruck hatte ich schon öfter, dass sie als Feministin und Verlegerin eher autonom und (auch finanziell…) unabhängig ist, während der Rest der feministischen Bande ziemlich rot-grün-orientiert und damit auch von denen ideologisch gesteuert ist.

Allerdings wird sie in dem Artikel mit einer Aussage zitiert, die mir durchaus interessant erscheint (und es kommt wirklich sehr selten vor, dass ich Aussagen von Alice Schwarzer für positiv interessant halte. Man muss sie nicht für schlau halten, aber zweifellos ist sie alt, und könnte damit durchaus Erfahrungen in der relevanten Zeit haben):

Entscheidend sei aber, dass es Männer aus dem muslimischen Kulturkreis waren. Schwarzer glaubt: “In diesem Kulturkreis ist seit exakt 1979 die Hölle los.” Sie meinte damit die Islamische Revolution, als die Iraner den verhassten Schah von Persien stürzten und einen religiös fundamentalistischen Staat schufen.

Von da an habe der Iran mit Hilfe seiner Verbündeten wie Pakistan und Saudi-Arabien “einen Feldzug bis hin in das Herz von Europa und sogar nach Amerika initiiert”, führte Schwarzer unter dem gebannten Blick von Markus Lanz aus. “Das Ganze läuft seit 36 Jahren.”

Das ist ein interessanter Aspekt. 1979 war ich 13, mein Interesse an Weltpolitik altersentsprechend, nun ja, nicht sehr ausgeprägt, aber davon habe ich schon einiges mitbekommen. Damals gab’s nur drei Fernsehsender, da konnte man nichts anderes sehen.

Richtig ist, dass der „Ärger” erst ab diesem Zeitraum anfing. Denn was die heutigen political-correctness-Idioten nicht mehr wissen oder nie gewusst haben: Damals war die Meinung über Muslime eine gänzliche andere als heute. Die Bezeichnung Muslime gab es noch gar nicht, damals hießen sie noch Muselmanen (von manchen sprachlichen Dummköpfen zu „Muselmänner” verballhornt oder missverstanden) oder Mohammedaner, später Moslems, heute Muslime. Sie galten als hier sehr selten, als Leute mit seltsamen Kleidungs- und Essensvorschriften, als exotisch, als Sinnbild des Orients und Morgenlandes, als Darsteller in Tausendundeiner Nacht, in enger Beziehung zu Süßigkeiten wie türkischem Honig.

Und, und das übersehen heute viele: Sie galten als völlig harmlos, freundlich, umgänglich, als Kaufleute (was sie ja auch immer waren und sind). Deshalb war beispielsweise auch der heute so als rassistisch geschmähte Sarotti-Mohr etwas sehr Positives und Einladendes. Der stand für das Morgenland und erlesene Süßigkeiten direkt aus der Küche des Sultans von Wunderland. Fehlte nur noch Aladdin und die Wunderlampe. Was die heutigen Polit-Idioten nicht merken, weil sie nicht nachdenken: Der Sarotti-Mohr und ähnliche Symbole waren überhaus positiv belegt, denn warum sonst hätten die den auf ihre Schokoladen-Packungen gedruckt? Die wollten sie ja verkaufen.

Überlegt mal, welchen Terror es gab, weil neulich Lidl mal eine Moschee auf irgendeiner Seife drauf hatte. Meint Ihr, Sarotti hätte damit Schokolade verkauft, wenn das irgendwie als kritisch oder negativ angesehen worden wäre? Sarotti ist heute etwas in Vergessenheit geraten, aber damals in den Siebzigern galt sie als eine der besten, edelsten, vornehmsten Schokoladen. Hab ich zu Weihnachten bekommen. Das war überhaupt nicht negativ belegt, sonst hätte das ja nicht funktioniert.

Kurz darauf sah es schon ganz anders aus. Ich habe 1985 Abi gemacht und bin dann – nach einem Jahr Grundwehrdienst – im Herbst 1986 zum Studium nach Karlsruhe und dort ins berüchtige Riesen-Studentenwohnheim HaDiKo eingezogen.

Dort gab es viele Muslime aus allen Ländern, besonders Iraner. Es gab zwar auch sehr nette, äußerst liebenswürdige Leute, darunter sind mir ein Palästinenser, ein Türke und ein Eriträer in besonders guter Erinnerung, aber es gab auch sehr, sehr problematische Leute und sehr viele Spannungen und Konflikte. Es gab Kotzbrocken der größten Sorte, es gab Kriminelle und es gab Leute, die psychisch so kaputt, labil, unberechenbar waren, dass mit denen nie wieder etwas anzufangen war. Und es gab unglaublich viele linke Studenten, und eine ganze Reihe von deutschen Frauen, die aus politischen Gründen ausländische Studenten geheiratet haben, um denen eine Aufenthaltserlaubnis zu verschaffen, und sich dann enorm mit denen gefetzt und gestritten haben. Das ganze Haus jubelte damals, als eine extrem unbeliebte, unerträgliche und krankhaft streitsüchtige linksfeministische Schreckschraube der damals übelsten Sorte das größte anzunehmende Arschloch geheiratet hat, weil der nicht nur kriminell, sondern eigentlich illegal im Land war und abgeschoben werden sollte. Seitdem hatten wir vor beiden Ruhe, weil die vollauf damit beschäftigt waren, sich gegenseitig zu meucheln.

Ich fand die Zustände damals ziemlich heftig und bedenklich, wurde aber von älteren Bewohnern belehrt, dass sich das alles längst beruht habe, dass die „letzten Jahre”, nämlich eben die seit der Revolution im Iran, wirklich übel gewesen seien, weil sowohl iranische Gegner, als auch Befürworter des Schah aus irgendwelchen Gründen in großer Zahl nach Deutschland und ans HaDiKo gekommen wären und sich dort Messerstechereien geliefert hätten, es habe mehrfach Schwerverletzte, fast Tote gegeben. (Man hat mir auch andere Dinge erzählt. Ich habe mich mal gewundert, warum das damals ansonsten so bettelarme Studentenwohnheim so viele gut ausgestattete „AGs” hatte, mit Nähmaschinen, die man sich leien konnte, Holz- und Metallbeabeitung, Motorradwerkzeug, sogar zwei mehr oder weniger voll ausgestattete Fotolabore, wovon das eine im K1 gar nicht mehr benutzt – leider auch nie gereinigt – worden war, weil es nur für Schwarz-Weiß ausgestattet war. Ich habe es mal sauber gemacht und hatte dann – in einem Wohnheim mit – ich weiß nicht mehr, ich glaub es waren 700 oder 900 – Studenten ein ganzes Fotolabor nur für mich alleine. Diesen „Reichtum” erklärte man mir damit, dass es vor meiner Zeit, nicht nur, aber gerade unter den linken Sympathisanten dieser Streithähne einige Selbstmorde gegeben hätte, die wären da gerne vom Dach gesprungen. Deshalb hatte irgendwer, bin nicht mehr sicher, ich glaube, es war die Stadt, da mal Geld abgeworfen, damit die diese AGs gegründet werden, weil man dachte, dass die Leute nur aus Langeweile Selbstmord begangen hätten, und das aufhören würde, wenn man ihnen was zu tun gibt. Du willst Dich umbringen? Hier, leih Dir doch eine Nähmaschine!)

Dazu kam, dass mein Nachname „Danisch” aus dem Persischen kommt (heißt „Gelehrter”) und dort heute noch gängig ist. Dann haben viele den (althochdeutschen) Namen Hadmut für eine Variante von Mahmoud gehalten, und ich hatte damals in meiner wilden Zeit noch einen langen Bart und sah aus wie Fidel Castro (viva la revolution!). Deshalb haben mich tatsächlich viele Iraner für einen Iraner gehalten, mich in deren Sprache angesprochen, um völlig konsterniert zu sein, als ich nichts verstand. Hat immerhin zur ein oder anderen Bekanntschaft und zu manchem Gespräch geführt. Beispielsweise sagten mir mehrere, dass ich mit meinem Aussehen, Bart und Namen völlig problemlos im Nordiran unterkäme und dort nicht als fremd erkannt würde, solange ich nicht rede.

Was sich aber auch da abzeichnete: Der Streit und Ärger kam mit der Revolution im Iran, und er ging – pars pro toto, HaDiKo für Deutschland – zunächst mal von internen Streitigkeiten aus, Schah-Anhänger gegen Schah-Gegner, die sich hier einen Stellvertreterkrieg lieferten. Zunächst untereinander.

Auf diesen Streit haben sich dann hiesige Linke mit draufgehängt und den Streit quasi adoptiert.

Dabei haben sie sich auf die Seite der Schah-Gegner geschlagen. Was nicht verwunderlich ist, wenn man in der Zeit nochmal etwa zehn Jahre zurückgeht, nämlich in die Zeit von Benno Ohnesorg.

Denn der damalige Sozialistische Studentenbund machte auf pazifistisch und protestierte stark gegen den Schah Reza Pahlavi. Darüber kam es nach dem Schema »Der Feind meines Feindes ist mein Freund« zur Verbrüderung mit iranischen Studentengruppen. Gesteuert wurde dies womöglich aus der DDR, denn diese Studentengruppen wurden aus der DDR gesteuert und finanziert (sogar zu meiner Studienzeit noch, und es ist nicht verwunderlich, dass nach dem Ende der DDR viele SED-Kader da unterkamen), und auch Ohnesorg hatte angeblich Kontakte nach Ost-Berlin. Später kam heraus, dass der Polizist, der ihn erschoss, Kurras, DDR-Agent war. Die genauen Umstände wurden – angeblich – nie geklärt, aber man kann sich natürlich an den Fingern abzählen, dass die DDR da einen der eigenen Seite hat umlegen lassen, um da mal richtig Feuer im Ofen zu machen und das der Gegenseite anzuhängen. Hat ja auch geklappt.

Es scheint, als sei diese Zeit und der Einfluss der DDR das Fundament der Bindung zwischen Linken und Islamisten gewesen. Denn die Islamisten waren ja damals im Iran die Gegner des Schahs, die haben damals ja gleich ihren Ayatollah Khomeini und die Scharia installiert. Und diese Verbindung zu den hiesigen Linken war fraglos eng. Man erinnere sich an den Vorfall mit Rudi Carrell, der in seiner Spasssendung (Rudis Tagesshow) mal Fernsehszenen so zusammengeschnitten hatte, dass es aussah, als hätte Khomeini in einen Grabbeltisch mit Damenunterwäsche gewühlt. Was damals zu einer enormen Staatsaffäre führte und zum Vorwurf des Faschismus.

Ein wichtiger Aspekt daran ist, dass sich damals, bis etwa zur Revolution, der Faschismus-Vorwurf nicht auf die Gegnerschaft zum Islam bezog. Das waren zwei getrennte Konflikte. Bei uns der Ost-West-Konflikt mit kaltem Krieg und politischen Agenten in Feindesland und Kapitalismus/Faschismus gegen Sozialismus-Kommunismus-Romantik, dort Islamextremismus gegen Schah. Und diese zwei getrennten Konflikte wurden künstlich zusammengeführt. Und dadurch wurde diese Konfliktschiene Kapitalismus-Faschismus gegen Sozialismus-Islam künstlich konstruiert und aufgebaut.

Dann ist das erst mal geplatzt, weil die DDR weg war, der kalte Krieg erst mal beendet, die Sowjetunion mit sich selbst beschäftigt, sich auch die islamischen Länder etwas beruhigt hatten. Die 90er Jahre waren eine geile Zeit, da war Freiheit, gute Laune, Frieden. Like ice in the sunshine.

Und was macht man, wenn einem der Gegner abhanden kommt? Nimmt sich ein Ersatzthema. Feminismus. Schwule. Waldsterben. Was halt gerade da ist. Wird alles vor den Karren gespannt und ausgenudelt, solange es geht. Die Themen waren gerade ausgeleiert, als – oh Wunder – passend das alte Thema wieder hochpoppte.

Es deutet darauf hin, dass da immer noch alte DDR-Strukturen aktiv sind.

Insofern ist es tatsächlich mal passiert, dass Alice Schwarzer auf der richtigen Spur war. Verblüffend, dass das noch passieren konnte.

Nachtrag:

Hui. Da habe ich aber viele Zuschriften bekommen. Teils zustimmenden, teils kritischen/anderen Inhalts. Ich will das mal zusammenfassen (und soweit ablehnend auch beantworten):

  • Mehrere – ältere – Leser haben mir bestätigt, dass Muslime, Türken, Araber noch vor wenigen zig Jahren überhaupt nicht negativ konnotiert waren, weder die Begriffe, noch die Menschen oder die Religion. Teils sogar deutlich positiv.

    Das wird nur von jüngeren Linken/Antifaschisten/Grünen immer so hingestellt und geglaubt, weil sie eben strohdumm und ungebildet oder verlogen sind.

    Tatsächlich ist es so, dass sich das Ansehen des Islam in den letzten, naja, sagen wir mal ungefähr 30 Jahren, plusminus Unschärfe, ging ja nicht plötzlich, rapide verschlechtert hat. Und das lag nicht – wie man so gerne behauptet – an „Rassismus” und „Fremdenfeindlichkeit”, sondern eben daran, dass der Islam bisher eben alles getan hat, um sich unbeliebt zu machen. Was viele er heute politisch aktiven Jung-Idioten eben auch nicht mehr so mitbekommen haben waren die frühen Terroranschläge der 70er Jahre. Dazu gehörten natürlich – sehr schwerwiegend – der Anschlag auf die Olympischen Sommerspiele 1972 in München und die Entführung der Landshut, die damals RAF-Mitglieder freipressen sollte bzw. in direktem Zusammenhang mit RAF-Terrorismus stand. Drohungen gegen Salman Rushdie, damals auch sehr meinungsprägend. Und natürlich die ständige latente Belästigung und Feindseligkeit, die nur ein Teil, aber immerhin ein eben sehr auffälliger und prägender Teil der hier lebenden Muslime mit sich brachte. Da muss man nur mal in Berliner Freibäder sehen, wie es da im Sommer zugeht. Dann natürlich die Anschläge und Drohungen der letzten Zeit wie wegen den Mohammed-Karrikaturen, Frankfreich, England.

    Trotzdem wird immer wieder behauptet, es läge alles am hiesigen Rassismus. Immer dieselbe Sichtweise: Der „weiße Mann” ist an allem Schuld, während seine „Opfer” noch nie an irgendetwas selbst schuld waren.

    Seltsamerweise werden aber die damaligen (und wenn man genau hinschaut, heute noch bestehenden) Verbindungen zwischen den (späteren) Grünen und der RAF (und ihren Nachfolge-Organisationen wie Antifa usw.), sowie zwischen der RAF und dem arabischen Terrorismus heute kaum noch betrachtet.

    Dabei besteht über die Kette Grüne – RAF – arabischer Terrorismus eine direkte Verbindung.

  • Kritik hingegen hat man an dem von mir dargestellten Zeitverlauf geäußert. Schon lange vor 1979 sei die Moslembruderschaft gegründet worden und aktiv gewesen. Es gebe auf Youtube irgendwo die berühmte Rede des damaligen ägyptischen Präsidenten Abdel Nasser, der sich damals noch darüber lustig gemacht hat, dass die allen Ernstes forderten, Frauen sollten sich in Ägypten verschleiern. Das müsste dieses Video sein.

    Nur: Das belegt meine Darstellung, es widerspricht ihr nicht.

    Die Aussage war ja nicht, dass das um 1979 urplötzlich entstanden sei. Das war nur der Punkt, an dem diese Kräfte an die Macht kamen. Natürlich entstehen die nicht spontan aus einem Vakuum, es gab sie schon früher. Die Rede Nassers, aber auch viele Bilder aus arabischen Ländern der damaligen Zeit, wie sie neulich irgendwo aus Afghanistan in der Presse auftauchten, zeigten damals schöne, friedliche Länder, in der Frauen in ganz normalen Kleidern, ohne Schleier, mit Dekollete rumliefen, wie man sie etwa aus der amerikanischen Mode dieser Zeit kennt. Als ich bei der Bundeswehr war, hatten wir einen Feldwebel, den – obwohl Deutscher – alle nur „den Afghanen” nannten, weil er in Kabul geboren worden war (und obendrein so einen dämlichen Dschingis-Khan-Schurrbart trug). Seine Eltern hatten damals eben dort beruflich zu tun. Er hat dann mal in einem Manöver abends am Lagerfeuer erzählt, dass das erst neuerdings blöd aussehe und man drüber lache. Zur damaligen Zeit sei das ein angenehmes, schönes Land gewesen, in dem es sich trefflich habe leben lassen, mit allen Annehmlichkeiten des Orients. Karl May lässt grüßen.

    Allerdings schien die Situation ein paar Jahrhunderte früher auch schon mal anders gewesen zu sein. Zwar werden die Kreuzzüge des Mittelalters immer als Überfall des Abendlandes auf den Orient angesehen, es gibt aber auch Darstellungen, wonach diese echte Selbstverteidigung bzw. Nothilfe wegen der Übergriffe auf das byzantinische Reich waren. Dazu mögen sich Leute äußern, die sich damit auskennen, ich habe davon eigentlich keine Ahnung. Aus der Geschichte der Vereinigten Staaten lernt man jedoch, dass in der Zeit von deren Entstehung Europa, namentlich das Mittelmeer, durch die Piraterie nordafrikanischer Staaten drangsaliert wurde. Schiffe mussten sich die Passage durch verbriefte Schutzgeld-Zahlungen freikaufen, anderenfalls wurden die Ladung geplündert, das Schiff versenkt, die Männer umgebracht und die Frauen vergewaltigt und versklavt. Ein Prinzip, das sich bis heute erhalten hat. Daraus entstand die amerikanische Seestreitmacht, denn nach der Unabhängigkeitserklärung der Amerikaner von den Briten gewährte die britische Marine amerikanischen Schiffen keinen militärischen Schutz mehr, die mussten sich also selbst schützen. Diese Schutzbriefe, die man damals kaufen musste, um Passage zu erhalten, nannte man übrigens »Passport«. So entstand der Reisepass aus nordafrikanischer Piraterie. Welch feine Ironie.

  • Kritik gab es auch daran, dass Alice Schwarzer da eine Kooperation zwischen Iran und Saudi-Arabien sehe, was ja nicht stimmen könne, weil die sich ja bekanntlich – Schiiten gegen Sunniten – spinnefeind seien.

    Auch das stimmt nicht so ganz.

    Zum einen lehrt die Geschichte, dass es unter Verfeindeten immer Kooperationen zum Erhalt der Feindschaft gab, von solchen Gruppen, die an der Erhaltung der Konflikte Interessen haben. Findet man immer wieder, ob zwischen Fussballfans oder Rechtsradikalen und extremistischen Türken oder wo auch immer. Die gehen sich massiv an den Hals, aber einigen sich vorher drauf, wann und wo sie das tun, damit’s beiden in den Terminkalender passt.

    Zum zweiten lehrt die Erfahrung, dass auch die ärgsten Feinde sich verbünden, um einen noch fremderen Feind zu bekämpfen. Merkt man ja immer wieder in Deutschland: Wenn zwei Gruppen sich prügeln oder auch Männer ihre Frauen verprügeln, und die Polizei oder irgendein couragierter Mensch will helfen, verbünden die sich urplötzlich und prügeln zusammen auf den Dritten ein. Die können sich noch so spinnefeind sein, ein gemeinsamer Feind relativiert das wieder.

    Zum dritten kann die Feindschaft so groß nun auch wieder nicht sein. Ich war ja gerade in Sharjah und Abu Dhabi, die zwar nicht politisch zu Saudi-Arabien gehören, aber kulturell und geographisch »dicht dran« sind. Da merkt man nicht viel von dieser angeblichen Feindschaft. In jedem Supermarkt bekommt man iranisches Obst, und als ich diese Riesen-Moschee in Abu Dhabi besuchte (Bilder und Bericht folgen noch), und fragte, ob das stimme, was ich gelesen hätte, dass es die größte der Welt sei, antwortete man in diplomatischer Weise, es sei die mit dem größten Teppich der Welt aus einem Stück, ein ganz wunderbares, einzigartiges Kunstwerk. Hergestellt im Iran.

    Also so grenzenlos spinnefeind können die sich gar nicht sein.