Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Krankheit Zerstörungswut

Hadmut
9.11.2014 10:43

In Berlin wird gerade 25 Jahre Fall der Mauer gefeiert.

Als sie diese Woche anfingen, diese Lampionständer aufzustellen, und ich noch nicht so genau wusste, was sie da treiben, dachte ich erst, Herrje, was haben sie denn da jetzt wieder vor. Aber als das mal stand, nachts leuchte und eine geschlossene Reihe ergab, und sie auch die blauen Kästen mit den Geschichten und Erläuterungen aufgestellt hatten, man sehen konnte, wo was war, wo man Tunnel gegraben hatte, mit alten Fotos, auf denen man Unterschiede zu heute sehen und trotzdem noch Gebäude entdecken kann, die heute noch stehen, da war ich ziemlich begeistert. Da muss ich echt sagen: Tolle Sache, prima gemacht, gefällt mir sehr, sehr gut!

Und was mir auch gefällt, ist zu sehen, wie unglaublich viele Leute sich damit beschäftigen, den alten Mauerverlauf abzuwandern und alle diese Schautafeln zu lesen. Nun ist Berlin generell sehr geschichtsträchtig, hier gibt es – ortsbedingt – sehr viel zum dritten Reich und zur DDR, Stasi-Museen und all solche Dinge. Aber ich persönlich habe einen Faible für Museen und Ausstellungen zur jüngeren Geschichte, besonders ab Erfindung der Fotografie – oder wenn es Entwicklungen und Entstehungen erklärt, die heute noch wirken und sichtbar sind. Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern gehe ich unheimlich gerne durch irgendwelche Museen und Ausstellungen, die an politische Ereignisse so ungefähr des letzten Jahrhunderts erinnern. Beispielsweise die Emanzipation der Schwarzen um Martin Luther King, Rosa Parks usw., die in einem ehemaligen Motel in Memphis dargestellt wird. Die Ausstellungen zur Unabhängigkeit und Gründung der Vereinigten Staaten in Boston. Oder das District Six Museum in Kapstadt. Das historische Museum in Singapur. Oder die diversen Museen (und zu Ausstellungen umgebauten ehemaligen Gefängnisse) in Australien, in denen erläutert wird, wie mit den ersten Schiffsverbänden die ersten Briten kamen und das Land besiedelten und besetzten, mit welcher Brutalität man da herrschte. Oder eben in Berlin die Methoden der Stasi erläutert werden (die einige Zeit als gruselig wirkten, inzwischen aber im Vergleich zu dem, was über Abhören durch die USA und die Briten herauskam, wie romantischer Kinderkram mit Agentenausstattung aus dem Yps-Heft aussehen). Ich mag solche historischen Ausstellungen sehr.

Was mich aber an der Berliner Freiluftausstellung zur Mauer gerade entsetzt ist, dass schon am ersten Abend, schon am Freitag, viele dieser Lampions kaputt waren.

Meist waren die Ballons kaputt und hingen schlaff herunter, manchmal fehlten sie, es gab auch abgebrochene Ständer.

Nun habe ich nicht gesehen, wie jemand diese zerstört hat, und deshalb überlegt, ob es einfach auch am Material oder der Konstruktion liegen könnte. Schließlich müssen die Dinger möglichst billig sein, und da die Ballons abfliegen sollen und deshalb biologisch abbaubar sind, können sie gar nicht so widerstandsfähig sein. Fährt man aber an der Reihe entlang, dann fällt einem doch sehr stark auf, dass die Defekte nicht gleichverteilt sind. In manchen Gegenden (am stärksten fiel es mir bisher entlang der Eastside-Galery auf) ist sehr viel kaputt, in anderen fast gar nichts. Bei Materialdefekten oder Witterungseinfluss hätte ich erwartet, dass das ziemlich gleichmäßig auftritt. Tatsächlich aber ist es stark damit korreliert, wie „Assi” die Gegend ist – wie kaputt, wie vandalismusträchtig, wie verdreckt, wie Gesindel-lastig die Gegend ist. Das lässt sich eigentlich nicht mehr anders als durch mutwillige Zerstörung erklären. Inzwischen hat die Polizei ja auch schon gemeldet, dass sie eine ganze Menge von Leuten (übrigens auch Frauen) wegen mutwilliger Beschädigung festgenommen hat. Die Dinger müssen inzwischen von Wachdiensten bewacht werden.

Ebenfalls aufgefallen ist mir, wie die Schaukästen mit den Mauergeschichten beschmiert werden. Einfach mit dem dicken Vandalismus-Filzer quer über Text und Bilder. Gesehen habe ich zwar auch Parolen Pro-DDR-gegen-Kapitalismus, aber auch nur inhaltslose Schmierereien, bei denen es einfach nur darum ging, dass man es nicht mehr gut lesen kann.

Es gibt in Berlin beachtlich viele Leute, die es einfach nicht ertragen können, wenn irgendetwas neu, sauber, funktionierend ist. Es herrscht eine unglaubliche Dreck-Müll-Kaputt-Mentalität. Das hat auch keinen politischen oder künstlerischen Wert mehr (wie manche behaupten), es ist einfach nur noch blinde Zestörungswut, einfach nur noch die Unfähigkeit zu ertragen, wenn andere irgendetwas aufbauen, was frisch, sauber, funktionierend aussieht.

Die Unfähigkeit, Sauberes und Intaktes zu ertragen.

Ich habe ja auch schon mehrfach beschrieben, dass mir das auch sonst in Berlin sehr stark auffällt. Alles ver- und beschmiert. Scheiben in U-Bahnen zerkratzt, Sitze ruiniert, alles mit Graffiti verdreckt (und das nicht mal gut, 99% der „Graffiti-Künstler” sind einfach nur komplett und zu allem unfähig, drängen ihre „Werke” aber anderen auf, weil sie nicht damit leben können, dass man ihr Geschmier freiwillig nicht sehen will). Gerade diese Woche habe ich in der U-Bahn eine Familie beobachtet, bei der der geschätzt 8-jährige Sohn ständig Müll auf die Gleise warf, obwohl der Mülleimer direkt daneben stand. Es wäre weniger Mühe gewesen, den Müll in den Mülleimer zu werfen. Die Eltern standen aber dabei als wäre das völlig normal, sich so zu verhalten. Es ist unglaublich, wieviel Müll in Berlin an den Bahnhöfen auf den Gleisen herumliegt, und viele Leute werfen ihren Müll geradezu zwanghaft dahin, als sei es ein zwingend gefordertes Ritual, alles zu vermüllen.

Ich bin inzwischen zu der Auffassung gekommen, dass das nicht mehr „Kultur” oder ortsübliche Sitten sind, sondern dass ein deftiger Teil der Berliner ernsthaft psychisch erkrankt ist und das (selbst)zerstörerische Zwangshandlungen sind.

Mir fällt nämlich auch immer öfter auf, dass man in Berlin bei erstaunlich vielen Leuten (allerdings fast nur Frauen) an den Armen die Narben vom Selbst-Ritzen sieht. Leute, die sich selbst verletzen. Auch die oft ausartenden Tätowierungen und Piercings, meist sogar im Gesicht, bei denen die Leute ohne jede medizinische Rücksicht und künstlerischen Anspruch sich selbst das Gesicht demolieren (lassen), um einfach nur kaputt auszusehen, so eine Art Eigen-Graffiti oder Eigen-Vandalismus, ist nicht gesund.

Und wenn man nicht mal mehr so eine 2-Tägige Kunstaktion zum Fall der Mauer durchführen kann, ohne dass es zu massiven Zerstörungen kommt, dann ist an dieser Gesellschaft etwas gar nicht mehr in Ordnung.

Sie nennen es Toleranz.

Aber ich habe zunehmend den Verdacht, dass ein gewisser Teil davon Krankheit sein könnte. Und ein weitere Teil davon aus der Unfähigkeit oder dem gesellschaftlichen Verbot besteht, Krankes auch krank zu nennen.

37 Kommentare (RSS-Feed)

erich wander
9.11.2014 11:46
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berlin sollte sich vielleicht als vorbild mal wien anschauen. da ist alle 100 meter ein müllereimer(mit aschenbecher). wer müll oder sogar auch inzwischen zigaretten auf den boden schmeißt muss strafe zahlen(36€). das gleiche gilt für sperrmüll und anderen größeren dreck(bis zu 1000€ strafe)

https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/strassenreinigung/wastewatcher.html

am anfangen habe ich auch immer meine zigaretten auf den boden geschmissen, weil ich es einfach gewohnt war(in meiner heimatstadt kannst du 20 min lang nach einem mülleimer suchen), bis mir mal ein wiener die meinung gesagt hat.


Marc
9.11.2014 11:54
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Sie nennen es Toleranz.

Hast du das Memo nicht bekommen? Es heisst »Akzeptanz«, denn Toleranz reicht nicht aus.


Vielleicht ist der Versuch, das Problem “operational zu formulieren” wirkungsvoller als der Versuch, dem Phänomen das richtige Etikett (Toleranz, Krankheit,Unfähigkeit)umzuhängen.

Was wir wahrnehmen können, ist lediglich ein Zustand (ggfs. ein Prozess), der vom erwünschten Zustand abweicht. Wer über die Gewissheit verfügt, der wahrgenommene Zustand müsse dem erwünschten weichen, sieht sich vor der Aufgabe, “Maßnahmen zu ergreifen”, also zu “operieren”.

Welche Maßnahmen hilfreich sein könnten, folgt aus der gewählten Fragestellung. Ich biete hier mal einige an:

Wie oder womit können Kunst-Installationen in Berlin künftig wirkungsvoll vor Vandalismus geschützt werden?

Welchen Kriterien an eine hinreichende Vandalismus-Resistenz müssen künftige Kunst-Installationen in Berlin genügen, um genehmigt zu werden?

Wie können Vandalen künftig von Kunst-Installationen ferngehalten werden?

Welche der bekannten Möglichkeiten der vorbeugenden Vandalismusbekämpfung sind im Rechtsstaat anwendbar?

Wie kann über die Medien ein möglichst tiefsitzender Hass auf Vandalismus und Vandalen erzeugt werden, der ausreicht, um aus Angst vor spontaner Lynch-Justiz jeglichen Vandalsimus zu unterlassen?

Wer müsste zum Regierenden Bürgermeister gewählt werden, um das Problem in den Griff zu bekommen und wie kann dessen Wahl sichergestellt werden?

Wo sollten Kunst-Installationen installiert werden, wenn Berlin wegen Zerstörungswut als Location ausgeschlossen werden muss?

Welche Gesetze müssen wie geändert werden, um Vandalen ein für allemal wegsperren zu können?

Sie sehen, wo der Mut zur Tat vorhanden ist, stehen nahezu unendlich viele Möglicheiten offen, ein Problem zu lösen, oder zumindest zu beenden.

Für mich war – als ich die Ballons zum ersten Mal im Fernsehen gesehen habe – klar, dass diese Installation zu fragil ist, um sie schutzlos in den öffentlichen Raum zu stellen. Dass Ballons, die zum Schluss heliumgefüllt fliegen sollen, nicht vorher drei Tage und Nächte lang an der Spitze langer Stangen aufgespießt sein sollten.

Einer der Kunstveranstalter erklärte ja dann auch, die Verluste kommentierend, diese gehörten zum Konzept, und wenn das Aufsteigen nicht funktionieren sollte, dann sei auch das Teil des Kunstwerks …

Ja. Da schließt sich dann der Kreis.

Die einen fnden die jungfräulich perfekte Installation so schön, dass sie am besten unter dem Glassturz, gemeinsam mit Schneewittchen die Zeiten überdauern sollte, andere finden darin eine Projektionsfläche für eigene Botschaften, die vom klug ausgedachtem Protest bis hin zur Manifestation schlichter Dummheit reichen, und der Künstler sieht erst im Zusammenspiel alles dessen, einschließlich Ihres Aufsatzes “Die Krankheit Zerstörungswut” und meines hier abgelieferten Kommentars dazu, die Vollendung des Gesamtkunstwerks.

Für mich war diese Lichterperlenkette der ersten Minuten ein geradezu pervers falsches, ja geradezu verlogenes Symbol, sowohl für die 1961 errichtete Mauer als auch für die Ereignisse im November 1989.

Eine Kette kaputter Ballons, einige davon flackernd, andere verbrannt, einige lichterloh davonfliegend, andere eklig geplatzt im Gulli – das hätte perfekt zu Gaucks Linken-Bashing gepasst und hätte auch den Auftritt Biermanns im Reichstag den würdigen Rahmen gegeben.

Hut ab vor den Künstlern, sollten sie das wirklich so beabsichtigt haben.


Leonard
9.11.2014 12:09
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Der Befund lautet:

Der Fortschrittsprozeß unserer Gesellschaft ist bereits in ihren Zerfalls- und Zersetzungsprozeß umgeschlagen.

Meine erklärende Hypothese hierzu lautet:

Es handelt sich bei den beschriebenen Beobachtungen um eine Seite der Dekadenz, wie sie sich in unterschiedlichen Aspekten in unserer derzeitigen historischen Übergangsepoche zeigt; hier anscheinend anhand von Beispielen im unteren Bereich der Gesellschaft.


Gerd
9.11.2014 12:09
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In Singapur hat mal einer (Westler) versucht, nachts die Ubahn zu beschmieren.

Der wurde erwischt und kam 6 Monate in den Knast. Westliche Medien haben sich natürlich aufgeregt, wie man einen “Graffittikünstler” so behandeln kann.

Es geht also, wenn nur durchgegriffen wird und die Bevölkerung dahinter steht. In Deutschland aber ist das Kranke gesund und Kritik am Kranken wird niedergebrüllt.


Johanna
9.11.2014 12:10
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Vielleicht wird es Zeit, dass die ganzen zugereisten Badenser und Schwaben auch in Berlin endlich die Kehrwoche einführen und durchsetzen? Dann sieht man auch, wie tolerant Berlin wirklich gegenüber Sitten und Gebräuchen von Einwanderern ist…


Dr. Fritz Baur
9.11.2014 12:26
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… zutreffende Beobachtung und hervorragende Analyse.
Mein Fazit ist seit geraumer Zeit: eine Gesellschaft, die weder willens noch in der Lage ist, den öffentlichen Raum unbeschädigt und unbeschmiert der Öffentlichkeit zur Verfügung zun halten, ist innerlich verfault.
Man kann es auch als Ausdruck von Dekadenz bezeichnen. Weitere Symptome sind: völlige Wehrlosigkeit gegen Genderismus-Feminismus als Ersatz für Marxismus-Leninismus; lethargische Hinnahme sich beschleunigender unbegrenzter Einwanderung afrikanisch-orientalischer Menschenmengen; ständiges sofortiges Nachgeben gegenüber Forderungen kleiner und kleinster sexuell geprägter Randgruppen; Relativierung aller abendländischer Werte; Selbsthass.


Werner
9.11.2014 12:35
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So etwas liest man öfter in Berlin (so oder ähnlich, hingekritzelt oder auch als Sticker): “Der Kiez bleibt dreckig!”, “Alles muss kaputt sein!” Das kann man sicher wörtlich nehmen.
Diese Präferenzen sind vielleicht zum Teil angeboren. Die Frage ist, welche Sichtweise sich in der Gesellschaft durchsetzen kann. Linke mögen es dreckig, Rechte lieber sauber. Siehe auch hier: http://www.wiwo.de/technologie/forschung/ekel-oder-schoenheit-biologie-und-politische-einstellung-haengen-zusammen/10923808.html


m
9.11.2014 12:46
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Kann sein. War gerade laufen und an vielen Stellen waren Teams damit beschäftigt kaputte Ballons wieder auzublasen. Beim Vorbeilaufen fiel mir mehrmals auf, dass die Dinger ohne Fremdeinwirkung platzten. Das mit der Häufig ist natürlich dennoch in Betracht zu ziehen.


Bill
9.11.2014 13:55
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Dass die Neigung Vieler, sich durch allerlei Metall oder Farbe im Gesicht und anderswo zu verunstalten, Symptom einer psychischen Störung sein könnte, der Gedanke ist mir auch schon gekommen.
Das mit dem allgegenwärtigen Vandalismus (Hamburg) zu verbinden, interessant, hatte ich noch nicht daran gedacht, obwohl naheliegend.
Den Auslöser wüsste ich gerne.
Stress, weil andauernde Unsicherheit über die Zukunft? Ich bin aber gerade zurück aus dem Urlaub in einem Land in dem das noch ausgeprägter sein sollte, und das ist die Selbstvandalisierung bei weitem nicht so ausgeprägt.
Modetrend? Aber Heute sind doch Social Media überall empfangbar. Scheidet eher aus.
Ideen?


Emil
9.11.2014 15:27
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@Werner
> Linke mögen es dreckig, Rechte lieber sauber.

Interessante Studie! Stellt sich die Frage nach Ursache und Wirkung: hat man eine geringe Ekel-Reaktion, weil man links ist, oder ist man links, weil es einen vor nichts ekelt? 😉

Womit wir wieder bei einem von Hadmuts Lieblingsthemen “Kausalität vs. Korrelation” wären.


Hans Georg
9.11.2014 16:03
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Haengt mit der “Toleranz” zusammen. Wage mal in Berlin einen drauf hinzuweisen, er soll die Kippe doch in den Ascher und nicht auf den Boden schmeissen. Gibts was in die Fresse. Alles ist Toleranz. Diese Toleranz begann meiner Ansicht nach um 45, als die Alten Furcht bekamen noch etwas zu meckern, um nicht gleich als alter Nazi abgestempelt zu werden (hab ich ja mitbekommen). Also hat sich die Jugend in Berlin viel erlaubt. Rockerkluften, Rockerclubs, so fings an. Dann kam Bill Haley 1956 und im Sportpalast tobte sich die Jugend aus.
Ebenso 65 als die Stones in die Waldbuehne kamen, die dann Stueck fuer Stueck zerlegt wurde.
Klar griff die Polizei ein, aber viele sagten “lasst doch der Jugend ihren lauf”. Gibts sogar als Lied.
Und die liefen bis 68, und ab da kam das totale Chaos nach Berlin.
Dazu die Kuenstler und Groessenwahnsinnige Halbkuenstler, alle moeglichen Auslaender mit ihren verschiedenen Auffassungen von Lebensformen.Ich meine, mal offen gesagt, wer in seiner Heimat nur kennen lernte den Muell aus dem Fenster zu kippen, der machts dann in Berlin auch.

Ich halte diese ganze 68er Bewegung mitsamt des gewalttaetigen Weiberrats und der “Roten Zora” und alles was so folgte, fuer Ursaechlich (und, Leute, ich habe einen grossen Teil der RAF und der Bewegung 2. Juni persoenlich gekannt, von PP Zahl bis Arschloch Mahler). Ich koennt euch wirklich viel ueber diese Leute erzaehlen, deren politischer Anspruch teils Null war, die sich aber stolz ruehmten, in Jordanien die Knarre bekommen und zu ballern gelernt haben.

Da war in der Gesellschaft niemand, der sich die Muehe machte mit der Jugend ins Gespraech zu kommen, da wurde gleich (“Leberwursttaktik”!)der Knueppel rausgeholt und zugeschlagen.Leute wie Boell oder Erich Fried wurden als Terroristen gebrandmarkt.
So entwickelte sich meiner Ansicht nach das Chaos in Berlin. Und wo ein Chaot ist, ist auch ein Zweiter.
Schlimm war es direkt nach dem vielgelobten Mauerfall, der eine Fuelle von Zottelbaertigen Chaoten brachte, die dachten Anarchie sei Freiheit. Kennt einer noch wie es mal am Prenzlberg ausgesehen hatte? Hausbesetztung nach Hausbesetzung, die DDRler dachten, alles ist Freistaat und so haben viele gehandelt.

Ich sag wieder mal was haessliches: Ohne Disziplin gehts nicht. Nur wer sich selber diszipliniert, der ist frei. Wer sich diszipliniert, braucht niemanden der ihm sagt was Disziplin ist.
Und genau das fehlt. Selbstdisziplin. Schon das zu sagen ist bei diesen Leuten ein Akt der Aggression auf das Menschenrecht alles zu tun was immer er tun will.
Frei ist alles haben zu muessen, alles tun zu duerfen und dem naechsten eins in die Fresse geben, wenn er sich an meinem Rauch stoert. Freiheit!

Aus der Kindererziehung weiss man, dass Kinder Grenzen brauchen, an denen sie sich orientieren koennen. Diese Grenzen gibt es kaum noch. Also drehen die Leute durch,sind verunsichert, schnippeln an sich rum um sich selber zu spueren und schlagen sich Naegel ins Gesicht, weil sie Aufmerksamkeit suchen, wie in allen Millionenstaedten wo Menschen nie gelernt haben ihre Niesche zu finden,wo sie ihre Persoenlichkeit entfalten koennen.

Berlin war schon immer Rotzfrech, Hochaggressiv und jetzt ist es halt zusaetzlich Psychopatisch.
Ich geh in die Kirche eine dicke Kerze anzuenden fuer all die armen Leute die in dieser Stadt ueberleben muessen.
P.S.
Ihr wisst ja, alte Knacker reden immer viel….


thogo
9.11.2014 17:50
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@Marc

Toleranz ist schon das richtigere Wort gegenüber Akzeptanz. Man muß nur die korrekte Definition kennen:

“Jenes lauwarme Gefühlsgemisch aus Ekel, Verachtung und Mitleid – bekannt als Toleranz.” (Patrick Süskind)


SexyBerlin
9.11.2014 18:27
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War gerade in Neapel wegen dem römischen Reich und Pizza essen. Gegen diesen Müllplatz ist Berlin richtig sauber und hat superschöne Kunstwerke an allen Wänden. In irgendeinem Buch las ich mal folgende Metapher:
In den Großstädten wird die Krankheit (oder der Krebs) ausbrechen.

Viele Sprüher sind wirklich suchtkrank von den Adrenalinstößen. Andere wollen Anerkennung oder markieren einfach nur “ihr Revier”. Man gibt nur wenigen eine Chance als moderner Künstler (z.B. Daim); stattdessen werden durchstudierte abstrakte Künstler stark gefördert, deren Bilder Affenzeichnungen gleichen.

In Südaustralien gibt es richtig harte Strafen für Kaugummi-Ausspucken und ähnliches (bis 12000AU$ waren es, glaube ich). Leider helfen diese Strafen nicht wirklich. Unschönes Verhalten ist nur eine Reaktion auf eine Gesellschaft, welche als ganzes krankhaft vor sich hindümpelt.


Horst
9.11.2014 18:33
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Hadmut, Du siehst das falsch. Du bist einfach nur ein Spiesser. 😉


Horst
9.11.2014 18:33
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😉


Horst
9.11.2014 18:34
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warum nimmt die Maske keine Smileys?


Manfred P.
9.11.2014 18:38
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Deratiges öffentliches Verhalten hat halt keine Konsequenzen.

So einfach ist das.


John Doe
9.11.2014 19:48
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In Berlin treffen halt viele destruktive Faktoren zusammen.

Einer davon:
Am Schlachtensee gab es beispielsweise früher(~20 Jahre) Müllcontainer, die auch ausgiebig genutzt wurden. Es fand dann eine öffentliche Diskussion darüber statt, diese abzuschaffen. Aus Kostengründen oder angeblich weil manche Kleinbetriebe darin ihren Müll entsorgten. Fakt war auf jeden Fall, daß die Wiesen wesentlich sauberer als heute waren.

Wie auch immer, die Müllcontainer wurden abgeschafft und seitdem gibt es dieses Dreckproblem, weil wirklich weit und breit kein ausreichend großer Mülleimer da ist. Die Piratenpartei setzt sich mittlerweile dafür ein, diese wieder dort hinzustellen.

http://www.abendblatt-berlin.de/2014/07/18/weniger-muell-im-grunewald/

Das Pseudo-Argument, die Leute sollten ihren Müll wieder mitnehmen geht einfach völlig an der Realität vorbei.
Didn’t happen and doesn’t happen.

Da jetzt Leute vom Ordnungsamt hinzustellen wäre der Gipfel der Unverschämtheit, zumal deren Gehalt ein Vielfaches dessen betragen würde, was es kostet, da täglich die Müllcontainer abzuholen.

Genauso mit den Zigarettenkippen. Wenn jemand eine Zigarette raucht und in einem Einkaufszentrum Rauchen verboten ist, dann müssen sie diese vor dem Eintritt loswerden. Früher gab es Aschenbecher am Eingang – wurden abgeschafft wegen hanebüchener Begründung wie “setzt falsche Signale” usw.

Jetzt werden die Kippen eben auf den Boden geworfen und manche regen sich darüber auf, das sie dort rumliegen und beschimpfen dann die Raucher. Analog zu der Müllcontainer-Situation.

Alles verursacht von den Volkserziehern. Dieselben Leute, die die Menschen zum Gebrauch der gendergerechten Sprache, der PC, mehr Tolleranz(;-) und weiterem Kram erziehen wollen.

Demokratie setzt den “mündigen Bürger” voraus. Und der läßt sich nunmal nicht bevormunden.


Bärle
9.11.2014 20:37
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Bis vor 25 Jahren war Berlin ja der Fluchtpunkt für alle Wessis, die sich vor Bund und Zivildienst drücken wollten. Großteils waren das Menschen mit einem Hau. Wahrscheinlich haben sie diesen Hau weitergereicht oder sozial dauerhaft installiert. Ist ja alles soziales Konstrukt …


Henry Barson
9.11.2014 21:16
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Wolf-Dieter Schleuning
9.11.2014 22:15
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Ich habe in den 70iger Jahren in New York gelebt. Da ging es ähnlich zu wie heute in Berlin. U-Bahnen verschmiert, Strassen verdreckt,überall trat man in Hundescheiße, Besoffene pennten auf den Gehsteigen, Gewalt überall, vor allem in öffentlichen Nahverkehr. Das war das Erbe des “toleranten” und “liberalen” Bürgermeisters John Lindsay. Damals wurden auch die Schmierereien von Intellektuellen wie Norman Mailer als Kunst verehrt. Aus dem Milieu krimineller schwarzer Jugendlicher entstand die “hip-hop Kultur”,die Kombination von Graffiti Schmierereien, break-dance und rap: Heute eine globale Stil-Ikone. Unter Ed Koch wurde es etwas besser, aber Ordnung schuf erst Ralph Giuliani mit seiner aus dem “broken window paradigm” abgeleiteten “zero tolerance policy”. Heute ist New York eine der saubersten und sichersten Städte in den USA. In unserem Toleranz-besoffenen Staat können wir auf so jemanden lange warten.


Wolfgang T.
9.11.2014 22:24
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zu deinen Beobachtungen passt die Broken-Windows-Theorie.

http://de.wikipedia.org/wiki/Broken-Windows-Theorie
Die Broken-Windows-Theorie (englisch für „Theorie der zerbrochenen Fenster“) bezeichnet ein in den Vereinigten Staaten entwickeltes Konzept, das beschreibt, wie ein vergleichsweise harmloses Phänomen, beispielsweise ein zerbrochenes Fenster in einem leer stehenden Haus, später zu völliger Verwahrlosung führen kann.


Flo
10.11.2014 0:59
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These: Vandalismus, Selbstverstümmelung und geringer Kinderwunsch sind eine Reaktion auf die starke Überbevölkerung in Deutschland. Deutschland ist einer der Flächenstaaten mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Ein Hinweis, dass die These richtig sein könnte: wenn die genannten Phänomene in Großstädten am stärksten ausgeprägt sind. Doch welcher Sozialforscher möchte sich an diesem Thema die Finger verbrennen?


Emil
10.11.2014 9:28
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Noch ‘ne These: auf dem Dorf wird das Verhalten jedes Einzelnen von der Gemeinschaft kontrolliert und der soziale Druck ist stärker, was zu angepasstem Verhalten führt. Die schwäbische Kehrwoche wurde hier schon als Beispiel genannt.

In der (Groß)stadt ist das nicht der Fall. Also sammeln sich dort automatisch die Unangepassten, Kaputten und Perversen. Hinzu kommen massenhaft Einwanderer aus Gegenden, denen die Errungenschaften der westlichen Zivilisation fremd sind. Wenn dann noch eine “tolerante” Verwaltung diese Leute einfach gewähren lässt ohne einzugreifen, dann kommt es zu den Auswüchsen, die man in Berlin beobachten kann.


yasar
10.11.2014 9:56
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@John Doe

Jetzt werden die Kippen eben auf den Boden geworfen und manche regen sich darüber auf, das sie dort rumliegen und beschimpfen dann die Raucher.

Selbstverständlich regt man sich über die Ruacher auf. Denn die werfen ja Ihren Müll dahin. Warum soll ein Raucher mehr Recht haben seinen Kippe irgendwo in die Landschaft zu werfen wie jemand anders, der seinen Müll (Rotzfahnen, Verpackungen, etc.) da nicht hinwerfen darf?


Mme. Haram
10.11.2014 10:43
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auch Obdachlosigkeit scheint viel mit dem Kopf zu tun zu haben:
“Jane Topolovec-Vranic vom St. Michaels Hospital in Toronto legte statistische Daten vor, wonach bei 45 Prozent aller von ihrem Team untersuchten Obdachlosen einfache oder sogar mehrfache Hirnverletzungen festgestellt wurden.
(…) Zu 87 Prozent der gefundenen (ersten) Hirnverletzungen der Betroffenen kam es zeitlich vor dem Leben in Obdachlosigkeit. In 73 Prozent dieser Fälle kam es zu den Erstverletzungen in Kinder- oder Jugendjahren.”

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/obdachlosigkeit-neurologische-probleme-und-hirntraumata-als-grund-a-966299.html

Toll die hirnbefreiten Leserkommentare -“Also mal ehrlich diese Studie ist ja wohl eine frechheit…”-“Obdachlosigkeit ist ein Ergebnis von asozialen Turbo Kapitalismus.”

@ John Doe
Die Wirklichkeit widerlegt die Annahme, dass fehlende Müllkübel Vermüllung verursachen. Es ist ein Mentalitäts-, ein psychologisches Problem. Jeder der es sehen will kann täglich sehen dass der Abfall einem Meter vom Müllkübel auf den Boden geworfen wird.


der eine Andreas
10.11.2014 10:50
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Thomas
10.11.2014 11:04
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@Hadmut Du fragst dich wo diese ganzen schwer gestörten Menschen herkommen. Ein schöner Artikel in eines Tages erklärt das die bis 1989 schön in Westberlin “gezüchtet” worden sind. Und wo sich einmal so ein Pulk an Leuten gebildet hat da gehen die auch nicht wieder weg. Ist ja so schön kuschelig.

400000 DM Zulage für lesbische, autonome Alkoholikerinnen. Wenn das nicht der wahre Skandal ist.

http://www.spiegel.de/einestages/west-berlin-paradies-der-sozialisten-a-1001572.html


Hadmut
10.11.2014 11:10
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@Thomas: Genau derselbe Gedanke kam mir kürzlich schon. Im ZDF kam neulich eine zweiteilige Sendung („Die Insel”) über Berlin, in der auch berichtet wurde, dass man während der Zeit der Ummauerung Berlin ganz gezielt als dauernd leuchtendes, belebtes und sperrstundenfreies Lustzentrum aufgebaut hat, um zu signalisieren, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Da musste ständig und rund um die Uhr über die Mauer gezeigt werden, dass da High Life ist. Deshalb hat man gezielt eine gewisse Klientel nach Berlin gezogen, mit Geld, Wehrdienstbefreiung usw. Sonst hätte man vor dem Problem gestanden, dass West-Berlin immer stärker verlassen würde und nicht mehr zu halten gewesen wäre.


Stuff
10.11.2014 15:45
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@Hadmut
ad ?Wehrdienstbefreiung:

Das war keine Wehrdienstbefreiung, wo und in welcher Armee hätten Westberliner denn Dienst tun sollen?
West-Berlin oder meinethalben Westberlin war _nicht_ Teil der Bundesrepublik, die Westalliierten schickten dem Verfassungsgerichtshof in Karlsruhe regelmässig Aufhebungsbeschlüsse, wenn der Gerichtshof Dinge, Westberlin betreffend, beurteilte. Und Westberliner Abgeordnete durften zwar im Bonner Bundestag sitzen, hatten aber kein Stimmrecht…

Berlin is nice, ‚cause its twice.
Hiess das dazumals 😉

BTW: Mein Beitrag, warum jeder (in Worten: jeder, weltweit!) nach Westberlin kommen konnte, hier eine Aufenthaltsgenehmigung bekam (mit dem Hintergedanken, dass die sich nach Westdeutschland vertschüssen – dort war die nämlich anerkannt) ist ja leider nicht aufgetaucht.


Anke
10.11.2014 17:49
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Um die Strecke im Dunkeln, aber ohne Menschen, abfahren zu können, bin ich gestern (Sonntag) früh ausgerückt. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass bis auf drei Stück die Ballons auf der kompletten Oberbaumbrücke zerstört waren. Danken wir dem marodierenden Partyvolk.

Beim Thema Müll (analog Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit) bin ich etwas unschlüssig in der Erklärungsfindung: zieht Berlin diese Klientel besonders an oder kehrt “die Stadt” in den Menschen diese Seite besonders heraus?

Wie kommen zugezogene Menschen aus gutbürgerlichem Reihenhausumfeld auf die Idee, ihren Sperrmüll (selbstredend mit dem Vermerk “zu verschenken”) auf die Straße zu stellen und so die Entsorgungskosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen? Liegt es an der fehlenden gesellschaftlichen Kontrolle? Weil es alle™ machen (bitte Muttis Fenstervergleich einsetzen)? Ist es doch nur Faulheit?


pjüsel
10.11.2014 18:37
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Mich ärgert besonders dass ich gezwungen bin, viele dieser Volksschädlinge mit meinen hart erarbeiteten Steuern und Sozialabgaben quasi “durchzufüttern” und parallel mit ansehen muss, wie von denen das Gemeineigentum mit Füßen getreten wird, vor die Hunde geht und der Staat tatenlos zusieht. Tatenlos nicht zuletzt dank Art. 1 Abs. 1 GG. Wo kämen wir denn hin wenn es eine Behörde gäbe, die vandalierende Taugenichtse zum Wohle der Allgemeinheit sonderbehandeln würde?


CountZero
11.11.2014 11:36
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@pjüsel:

Volle Zustimmung! Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. In dem sozialen Umfeld galt nichts, wer nichts arbeitete. Penner wie Reiche. Halte ich immer noch für sinnvoll.


michael
11.11.2014 18:02
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Sry, aber nur ein asoziales Arschloch schmeißt seinen Müll in die Gegend “weil kein Mülleimer da steht”.


Michael
11.11.2014 23:57
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Singapur und andere Stadtstaaten (und fast alle Riesenstädte in Asien) haben zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Entweder noch mehr Normierung und Überwachung oder der Verfall wie hier.

Berlin und andere deutschsprachige Städte verfallen im Moment, rsp. halten gerade noch so ihren Lebensstandard. Die Technik an sich, die de facto diese Millionen durchfüttert, benötigt aber Disziplin, Bürgerbeteiligung und Intelligenz. Ha! Wenn nur ein Viertel aller Migranten das von sich aus mitbrächten!

Tun sie. Ein Viertel davon kommt aus den Ländern, wo solche Dinge normal sind. Die ziehen jetzt mühsam die anderen dreiviertel mit.

Dito für die Schweiz, Schweden und die USA. Dies ist einer der Faktoren, wieso es bachab geht. (Die anderen sind Monopole, Geld in der Politik, Zinseszinseffekte, Peak Oil etc., aber das gehört nicht hierher).


jesse
12.11.2014 12:40
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thanks!!