Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Apple ist ein Saftladen. Ein Apfelsaftladen.

Hadmut
25.11.2009 19:51

Da tun die immer so, als wäre bei denen alles so edel und gediegen, aber bei Licht betrachtet ist der Service von Apple eine absolute Frechheit. Ernsthaft unseriös.

Ich habe mir einen iPod Touch gekauft. Einmal, weil ich diese Apple-iPhone-Oberfläche zum Rumspielen und Softwaretesten haben wollte, ich die Preisgestaltung des iPhone und die Bindung an die T-Online-Verträge aber für inakzeptabel halte. Und zum anderen, weil ich von zu Hause per WLAN immer mal schnell die E-Mail checken wollte.

E-Mail-Checken geht nicht. Das Mailprogramm kontaktiert nur den Standard-Port. Liegt der Server des Providers aber auf einem anderen Port, findet der iPod ihn nicht.

Wenn man lange sucht (nämlich nicht bei den Einstellungen im Mailprogramm sondern tief in den Systemeinstellungen), findet man sogar ein Feld, in dem man den Port ändern kann. Nur: das Mailprogramm kümmert sich nicht drum, es versucht es trotzdem nur auf dem Standard-Port. Ein typischer und leicht zu behebender Fehler, der für mich aber bedeutet, daß das Ding für den avisierten Hauptzweck nicht zu verwenden ist.

Also wollte ich einen Bug-Report aufmachen. Geht auch nicht:

  • Man kann über die Webseite einen Service-Fall aufmachen. Hab ich nun schon an drei Tagen probiert und bekomme jedesmal die Fehlermeldung

    Apple Support Error!

    Wir bitten um Entschuldigung. Die Transaktion kann zur Zeit nicht ausgeführt werden. Bitte versuchen Sie es später noch einmal, oder kontaktieren Sie uns.

  • Das “kontaktieren Sie uns” ist ein Link auf eine Webseite, wo man mit einigem Suchen eine E-Mail-Adresse findet. Also habe ich sie unter der angegebenen E-Mail-Adresse angemailt. Und bekam nach einigen Tagen eine blöde Antwort:

    Sehr geehrter Herr Danisch,

    vielen Dank für Ihre email an den Apple Store.
    Bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort.

    Daher wir vom Apple Online Store Kundenservice technische Fragen leider nicht bearbeiten koennen, moechten wir Sie bitten mit unserem technischen Kundendienst Kontakt aufzunehmen. Sie erreichen diesen telefonisch unter:
    Deutschland: 01805 009 433
    Oesterreich: 0810 300 427
    Schweiz: 0848 000 132

    Apple Care ist nur telefonisch erreichbar und ist Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 17:45 Uhr und am Samstag von 10 Uhr bis 17:45 Uhr geoeffnet.

    Alternativ koennen Sie einen Authorisierten Service Provider aufsuchen.
    Die Adressen finden Sie unter: http://rlocator.euro.apple.com
    Unsere Kollegen werden Ihnen gerne weiterhelfen.

    Mit freundlichen Gruessen

    Die verarschen einen im Kreis herum.

  • Dann habe ich deren Service-Nummer angerufen, wo man sich für teuer Geld (01805) sagen lassen kann, daß die Warteschlange voll ist, man mehr als 10 Minuten warten müßte und man doch ein andermal wieder anrufen soll.
  • Im Ergebnis habe ich keinen gangbaren Weg gefunden, bei Apple eine Reklamation wegen eines Produktmangels vorzutragen. Die Impressumspflicht in Deutschland schert die auch nicht. In Deutschland hat man im Impressum einen Weg zur schnellen elektronischen Kontaktaufnahme anzugeben. Geht alles nicht.
  • Also bleibt als Konsequenz nur, nach deutschem Recht die Mängelrüge vorzutragen und entsprechen zu mindern oder zu wandeln. Oder innerhalb von 14 Tagen zurückzugeben (was wegen der Gravur auch nicht unproblematisch ist). Nur bei wem? Weder Impressum noch Rechnung geben eine Adresse an. Zwar steht eine deutsche Umsatzsteuer-ID drauf, abe als Adresse nur Apple Sales International, Hollyhill Industrial Estate, Hollyhill, Cork, Ireland. Sonst nichts. Was erstaunlich ist. Denn auf dem Paket stand was anderes, was man wegen der UPS-Aufkleber kaum noch lesen kann, nämlich ELOC Operation, c/o RO Department, c/o Syncreon Technology, Vann Hillststraat 23, 5415 RK Waalwijk, Netherlands. Wo schickt man das Ding jetzt hin, wenn man es nach deutschem Recht zurückgeben will? Niederlande oder Irland? Und vom wem bekommt man dann das Geld zurück? Oder, noch genauer gefragt, von wem bekäme man die Paketkarte zur Rücksendung? Oder bei wem würde man eine Minderung geltend machen?

Wenn mir jemand sowas erzählen würde, der bei irgendeinem windigen eBay-Verticker aus HongKong bestellt hat, würde ich sagen, biste selbst schuld, was bestellste auch bei solchen Halsabschneidern. Geh halt auf ne ordentliche Seite. (Wobei ich schon mehrfach bei windigen Vertickern in HongKong bestellt habe und mit denen noch nie irgendwelche Probleme hatte!) Hier habe ich aber unter www.apple.de bestellt. Bei denen, die immer so arrogant rausstellen, wieviel seriöser und solider sie als die gewöhnlichen PC-Kisten-Macher wären.

Und dann bekommt man da per Post ein Gerät, ohne so genau zu erfahren, von wem eigentlich. Völlig undurchsichtig. Deutsches Rückgaberecht? Fehlanzeige. Deutsches Gewährleistungsrecht? Fehlanzeige. Niemand erreichbar.

Erstaunlich, wie schnell sich die angeblich so tolle und benutzerfreundliche Firma Apple als unseriöser Saftladen darstellt. Apfelsaftladen.


10 Kommentare (RSS-Feed)

le D
25.11.2009 20:16
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“In Deutschland hat man im Impressum einen Weg zur schnellen elektronischen Kontaktaufnahme anzugeben.”

Die findet sich auf der Webseite: http://www.apple.com/de/contact/ und als Mailadresse wird contactus.de@euro.apple.com aufgeführt.

“Paketkarte zur Rücksendung”

Was’n das? Ich schicke den Kram immer ohne Paketkarte oder Vorankündigung oder ähnlichem Schmu zurück…

Grüße aus K
le D


Hadmut
25.11.2009 20:20
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Hab ich doch beides probiert. Ging doch nicht.

Ab einem Materialwert von ca. 40 Euro muß der Händler die Rücksendekosten ersetzen, aber nur, wenn man ihm vorher die Gelegenheit gibt, eine Paketkarte zu versenden.


yasar
26.11.2009 0:14
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Die haben doch in München große eigene Läden. Knall denen das Ding doch auf den Tisch!

Zumindest sollten die Dir sagen könne wo Du das Ding wieder loswerden kannst.

Außerdem ist in München die Zentrale von Apple Deutschland. Da sollte sich doch auch etwas machen lassen. Die sitzen direkt in der Nähe vom Hauptbahnhof:

Apple Deutschland GmbH
Arnulfstr. 19
80335 München
089 9 96 40 – 0

Früher waren die in Feldkirchen angesiedelt.


Robert
26.11.2009 9:48
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Das erinnert mich an meine eigene Odyssee in Sachen iPod-Service.

Die Geschichte passierte 2005, und schon damals war meine letzte und einzige Rettung aus der Endlosschleife des Apple-Supports die direkte Kontaktaufnahme mit der damaligen Martingleiterin von Apple Österreich! Mach dich auf eine “interessante” Erfahrung gefasst.


Ari
26.11.2009 22:46
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Ich habe schon mehrere Fehlerberichte unter http://bugreporter.apple.com/
eingestellt. Ging jedesmal problemlos.


le D
27.11.2009 18:12
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Hadmut, wühl Dich bitte nochmal die Regelungen zum Fernabsatz (insb. 355ff BGB): Das mit der Paketkarte scheint mir langsam eine UL zu werden… Die Rücksendekosten trägt immer der Anbieter, es sei denn, dass der Gegenwert unter 40 Euro liegt und vorher vereinbart wurde, dass der Verbraucher die Kosten der Rücksendung trägt.


Hadmut
27.11.2009 18:44
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Du widersprichst Dir gerade selbst.

Bei einem Wert ab 40 Euro muß der Unternehmer (hier also Apple) die Rücksendekosten tragen (wobei das reine Rücksenderecht bei einem Gerät mit Gravur ohnehin fraglich ist).

Wie aber stellst Du Dir diese Pflicht zum Tragen der Rücksendekosten vor?

Man darf das Paket nicht einfach unfrei senden oder normal senden und auf Erstattung hoffen, denn der Unternehmer muß nicht irgendwelche Rücksendekosten tragen, sondern es bleibt ihm überlassen, dafür einen günstigen Weg (etwa durch Auswahl des Versandunternehmens oder individuelle Verträge) zu finden, und nur den muß er erstatten. Es muß daher immer so gehen, daß man den Unternehmer über die Rücksendung informiert und der dann sagt, wie das zu machen ist. Was in der Regel so abläuft, daß er eine vorbezahlte Paketmarke zusendet.


yasar
27.11.2009 23:52
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Ich meine mitbekommen zu haben, daß der Verkäufer sich das zwar wünschen darf, aber der Käufer i.d.R. die Ware auch unfrei rücksenden darf. Gab es meines Wissens auch schon Abmahnungen oder Urteile deswegen, habe aber leider kein AZ zur Hand. Allerdings steht es auf einem anderen Blatt, wie man dann an sein Geld kommt.


yasar
27.11.2009 23:54
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Auf die schnelle habe ich das gefunden:

http://www.linksandlaw.info/fernabsatz-6-widerrufsrecht-abwicklung.html

Da steht auch drin, daß man unfrei zurückschicken darf.


dasuxullebt
29.11.2009 6:07
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Hallo. Ich habe ganz ehrlich andere Erfahrungen gemacht. Ich bin jetzt keine Apple Person, aber der gute Service – im Vergleich zu den Erfahrungen die ich mit HP gemacht habe und von Dell gehört habe – haben mich letztendlich dazu bewegt mir ein MacBook zu kaufen.

Ansonsten regt mich die Unkonfigurierbarkeit von Mac-Software natürlich auch auf. Ist mehr so ne Hassliebe. Einen iPod und dergleichen würde ich mir wohl auch nicht kaufen. Da gibt es einfach einen zu großen sonstigen Markt. Aber gute Laptops mit gutem Service findet man einfach nicht so oft.