Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

SATA-Festplatten-Falle

Hadmut
4.7.2007 13:24

Mit SCSI- und EIDE-Festplatten konnte man jede Menge Spaß mit der Jumperei haben. Auf Master, auf Slave, manche auf alleine am Bus jumpern, ganz früher dann noch die Geometrie oder Begrenzungen auf 32GB, dann die SCSI-ID und manchmal (bei CD-Laufwerken) noch die Sektorgrößen usw. Eigentlich nahm ich an, daß mit der Einführung von Serial ATA (SATA) die ganze Jumperei beendet sei. Pustekuchen.

In einem etwas älteren Rechner, den ich nur als Server verwende, habe ich einen Uralt-Prozessor und weil das Mainboard kürzlich kaputtging, das billigste, was an Mainboards noch zu bekommen war. Außerdem das einzige Board, das ich für Sockel-A und die alten Speicherriegel noch bekam. Für 35 Euro hat der Rechner bei der Gelegenheit dann zwei SATA-Anschlüsse bekommen. SATA-Platte dran, funktioniert prächtig.

Nun sollte eine zweite SATA-Platte dran. Und weils so billig ist, eine aktuelle 500GB-SATA-Server-Platte. Auspacken, Anschließen, Geht nicht. Wurde weder vom BIOS, noch von Linux erkannt. Also als defekt zurück bringen? Nochmal der Gegen-Check an einem anderen Rechner: Da geht sie.

Lange gesucht, dann des Rätsels Lösung: Die alten SATA-Controller der ersten Generation kommen mit SATA-II nicht klar, sondern können nur SATA-I mit 150 MB/s. Weil die Platte sich aber nicht automatisch umschaltet und nicht einfach so SATA-I versteht (wer hat denn das konstruiert?), muß man sie jumpern und so auf SATA-I runterbremsen.

Dummerweise steht das auf der Platte nicht drauf, und der benötigte Jumper ist auch nicht dabei. Auch das früher übliche Informationsblättchen, das bei Platten mit drin lag, und das man immer ungelesen weggeworfen hat, gibt’s nicht mehr.

Der Support des Board-Herstellers wußte das und wenn man weiß, wonach man suchen muß, findet man es auch beim Plattenhersteller (hier).

Mal wieder so eine völlig unnütze Stolperfalle der PC-Technik.

Bin mal gespannt, wann ich wieder ein BIOS-Upgrade durchführen muß, wenn die Festplatten wieder mal größer als vorgesehen werden.

Schrecklich, daß selbst moderne PCs noch mit einem 640KB-Speicher-Fenster booten. Weil irgendwer (war das nicht Gates?) mal sagte, daß man niemals mehr als 640 KB brauchen würde. Schrecklich, daß man immer noch Plattengeometrien mit Köpfen, Sektoren und Zylindern braucht. Und wenn man sich das jetzt anschaut, wird sich dieser Mist wohl auch nie ändern.


2 Kommentare (RSS-Feed)

yasar
4.7.2007 14:36
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Der Spruch “Man braucht niemals mehr als 640KB” ist, soweit ich weiß, eine UL, die mal Bill Gates, Mal einem IBM-Vorstand angedichtet wird.

Der tatsächliche Grund ist, daß damals beim Systemdesign vom Intel 8088 ausgegangen wurde. Dieser hatte 1M (20 Bit) Adressraum und für I/O 64K (16Bit). Da dieser allerdings nicht für alle Zwecke ausreichte und insbesondere für Grafikadapter unpraktisch war hat man sich im Design entschlossen einen Teil des Speichers für MMIO (memory mapped IO) zu reservieren. was mit 384KB recht großzügig ausgefallen ist. Wenn man allerdings die damals üblichen Speichermengen von 64K für normale Anwendungsn und 128K oder 256K für speicherintensive Anwendungen anschaut waren 640K schon großzügig bemessen.

Die Entwickler haben damals halt mit 2 Dingen nicht gerechnet:

1. Den Q&D-Programmierern, die von einem festen Speicher-mapping ausgingen und deren Programme nicht mehr funktionierten, wenn man z.B. den MMIO-Bereich anders legte oder das Programm nicht and die von DOS vorgesehene Adresse geladen wurde. Das war ungefähr die gleiche Abhängigkeit, mit der Programme beim C64 mit LOAD”Programmname”,8,1 in einen bestimmten Speicherbereich geladen werden mußten.

2. Dem Erfolg Ihres Systems, daß von allen Leuten nachgebaut und damit zum Quasistandard wurde.

Diese beiden Tatsachen haben dazu geführt, daß kein Hersteller mehr ein System rausbringen konnte, das “IBM-PC-kompatibel” war und auf dem die “alten” Programme auch liefen.

Auch Intel hat mit dem Nachwirkungen des Erfolges dieses Systems zu kämpfen. Sie hatten viele tolle Prozessoren mit neuen Konzepten entwickelt, die aber alle nicht erfolgreich waren, weil herkömmliche X86-Software dann nicht mehr lief.

Ich schätze mal, auch in den nächsten 25 Jahren werden uns die Nachwirkungen der “unbedacht” entwickelten Konzepte des IBM-PC und des 8086/8088 verfolgen.

yasar


yasar
4.7.2007 23:28
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Zum Thema SATA/SATA2

Ich habe gerade einen neuen Rechner beschafft mit 4 SATA2-Ports und einer SATA Platte, die meinen alten Server ersetzen soll. Damit ich gegen HDD-Defekte gefeit bin, habe ich wie üblich noch drei Platten für ein Raid1/RAID5 reingesteckt und dabei bemerkt, daß das Netzteil nur einen Anschluß für SATA-Laufwerke hat. Da die neuen SATA(2)-Platten keine 4-poligen Laufwerksanschluß mehr haben (früher hatten die noch welche) muß ich jetzt bis morgen warten. 🙁