Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Buchkritik: Produkte des Landesvermessungsamtes Sachsen

Hadmut
25.2.2007 16:37

Wenn ich schon in Dresden gelandet bin, wollte ich auch mal verstärkt die Sächsische Schweiz erkunden. Zwar war ich schon mehrfach auf dem Radweg an der Elbe entlang skaten, aber noch nicht in der Tiefe der Sächsischen Schweiz. Zeit zum Wander, Zeit sich Kartenmaterial zu besorgen – und zu testen.

Die Weicheier und Warmduscher unter uns könnten es sich auch ganz leicht machen und einfach auf den angebrachten Schildern am Wegesrand nachlesen, wo man ist und wo man hin will. Der Informatiker, der sich ein teures GPS gekauft hat, will das aber auch nutzen. Wozu hat man es schließlich? Außerdem sind Peilungen bei beschränkter Sicht auch nicht so das Wahre, man muß sich mit Mißweisungen, Hochspannungsmasten und dergleichen herumschlagen. Außerdem ist es natürlich sinnvoll, seine Wanderwege vorher zu planen.

Der erste Ansatz wäre, sich von Garmin die passenden topographischen Karten für deren GPS-Empänger zu beschaffen. Man kann sie doppelt verwenden, nämlich am PC, etwa zur Routenplanung, und man kann sie auf (geeignete) Geräte von Garmin übertragen. Der Haken: Garmin nimmt es bei Kartenmaterial von den Lebenden. Die Straßenkarten für Europa kosten da (trotz Limit auf zwei Geräte) schon so ungefähr so viel wie bei Aldi die Europakarten einschließlich eines Straßennavigationsgerätes mit besserem Display. Und so kosten auch die Topographischen Karten von Garmin ordentlich Geld: rund 130,- Euro für Süd- oder Nord-Deutschland, rund 200,- Euro für ganz Deutschland. Ganz schön viel Geld um nur mal wandern zu gehen. Fragt sich außerdem, ob da außer der Topographie wirklich noch brauchbare Informationen über Lokalitäten (Wanderwege, Aussichtspunkte usw.) drin sind. Zwar bietet Garmin einen Online-Demo für ihr Kartenmaterial an, aber nur für die Karten, die in den USA vertrieben werden, und da gehört die deutsche nicht dazu. Also mal nach preisgünstigen Alternativen gesucht.

Zunächst fallen einem die Karten des österreichischen Kompass-Verlags [Aktualisierung: Inzwischen ist der Kompass-Verlag nicht mehr unter .at, sondern unter kompass.de erreichbar.] ins Auge. Schön gemacht, auch nicht zu teuer. Aber leider ohne brauchbare GPS-Informationen. Freilich kann, will und soll man auch auf die althergebrachte Methode navigieren, in dem man mit Peilkompass und Lineal irgendwelche markanten Punkte anpeilt, mit dem Höhenmesser die Höhe ausmisst und Höhenlinien sucht, Schritte zählt und so weiter. Neuere Karten (beispielsweise die der tschechischen Wandergebiete) haben vorne einen Audruck “GPS compatible” (was für eine beknackte Ausdrucksweise…) aber drinnen dann ein engmaschiges GPS-Gitter aufgedruckt, direkt im WGS84-Datum. Na bitte, geht doch. Nur eben auf den Karten für die Sächsische Schweiz ist das (noch) nicht drauf.

Dann habe ich einige Karten diverser Freizeit-Verlage gesehen, denen eines gemeinsam ist: Sie sind schön bunt, leicht zu lesen, geben Sehenswürdigkeiten, Parkplätze, Gasthäuser gut an, sind teilweise sogar laminiert, aber haben meist überhaupt keine Angaben zur Geographischen Position, nicht mal am Kartenrand. Manchmal wird man den Verdacht nicht los, daß die eher für “Auto-Wandernde” gedacht sind.

Und dann gibt es da eben noch die in den Lehrbüchern immer empfohlenen, mehr oder weniger amtlichen “offiziellen Kartenblätter” der Landesvermessungsämter. Das Landesvermessungsamt Sachsen bietet flächendeckend topographische Karten mit Wanderwegen u.a. im Maßstab 1:25 000 an, auch nicht teuer, Titelblatt im 50er-Jahre-Design. Preis hab ich nicht mehr genau im Kopf, sowas um die 5,50 Euro. Koordinaten auch nur am Kartenrand, aber immerhin.

  • Dann habe ich aber noch etwas besseres entdeckt: Für ungefähr 9,50 (Preisschild hab ich schon abgemacht und weggeworfen) gibt es die Karte “Nationalparkregion” im Maßstab 1:25 000 mit Foto vorne drauf, dazu ein 74-seitiges Begleitheft mit allerlei interessanten Angaben, etwa zu Klima und Niederschlägen, geologischen Erklärungen, einigen Fotos und Erklärungen, wie diese Fels- und Sandsteinformationen entstanden sind, welche Verwitterungsarten es gibt, welche charakteristischen Felsformationen, typische Tiere und Pflanzen, sehr schön gemacht. Das Kartenblatt ist in 36 Felder aufgeteilt, zu jedem gibt es ein paar Worte zur topographischen Beschreibung und der Sehenswürdigkeiten. Sehr gut. Und dazu noch Vorschläge für 90 (!) verschiedene Wanderrouten. Prima. Gekauft.

    Beim näheren Hinsehen stellte sich dann doch etwas Ernüchterung ein: Koordinaten nur ganz grob am Kartenrand, außer der Aufteilung in die 36 Felder kein Kartengitter.

    Dafür sind in der Karte die jeweiligen Farb-Symbole der Wanderwege eingedruckt, man kann also auf der Karte den Verlauf der vorgegebenen Wanderwege sehen (was nützlich ist, weil in manchen Gegenden Wegepflicht herrscht, man kann, soll und darf nicht einfach rumlatschen, wo man will).

    Der Haken daran: Die Beschreibungen der Wanderwege machen davon keinen Gebrauch. Die meist 3-5 stündigen Wanderungen werden einfach mit etwa zehn Gegenden beschrieben, zu denen man gehen soll, aber ohne die Wanderwegsymbole, ohne Windrichtung, ohne Koordinaten, nur manchmal mit Entfernungsangabe. Das heißt, daß einem die schöne Karte mit ihren Symbolen nicht viel nutzt. Man muß teilweise doch eine ganze Weile auf der Karte suchen, bis man die angegebenen Stellen findet. Und die liegen dann nicht auf, sondern irgendwo zwischen den eingezeichneten Wegen. Wie man dann dahin kommt (obwohl sie einen doch ersuchen, die Wanderwege nicht zu verlassen) bzw. welcher der umgebenden Wege gemeint ist, bleibt oft unklar. Das ist irgendwie nur halbgar. Wenn man sich schon die Mühe macht, in die Karte die vielen Wegesymbole reinzupfriemeln, dann wäre es doch mehr als naheliegend, in den Wanderwegbeschreibungen diese Symbole mit anzugeben. Das Begleitheft ist sowieso durchgehend farbig gedruckt. Unverständlich, warum sie die tollen Wanderwege nicht besser beschreiben.

    Was mich gewaltig nervt: Die Karte ist auf gewöhnlichem Papier gedruckt, aber sehr groß und hat damit viele Faltungen. Das Papier hält das nicht. Obwohl ich erst ein paarmal auf die Karte geguckt habe und sie noch nicht außer Haus war, zeigt sie schon deutliche Zerfledderungsmerkmale: Die ersten Knickstellen brechen auf und öffnen sich, einige Falten werden schon weiß, dick und schlecht lesbar, die Ecken wölben sich schon ab. Das hängt auch damit zusammen, daß die Karte so groß ist, daß man sie nur schlecht am Stück offen verwenden kann, sondern ständig umfalten muß. Das macht sie nicht lange mit. Käme noch etwas Wind oder ein paar Regentropfen dazu, wäre die Karte gleich am Ende. Eine Kartentasche muß da schon sein. Warum sie aber nicht von vornherein besseres Trägermaterial verwenden, ist mir schleierhaft. Manche andere Verlage verwenden entweder reiß- und wasserfestes Faserpapier (z. B. die Rad-Tourenkarte des Haupka-Verlags, bei der ich mir aber nicht sicher bin, ob es die überhaupt noch gibt. Sie ist/war ziemlich unkaputtbar), andere, vor allem die bunten Freizeit-Kartenmacher geben teilweise laminierte Karten heraus, die auch einiges aushalten, vor allem Falten und Wasser. Da der Wettbewerb hier aber wohl wieder allein über den Preis geht (Geiz ist geil), dürfte das Kundenverhalten letztlich die Ursache dafür sein, daß Karten nur auf popeliges Papier gedruckt werden. Außerdem soll man sich ja möglichst schnell wieder eine neue kaufen.

  • Einige Tage später entdecke ich in einem anderen Laden, daß dasselbe Vermessungsamt auch eine modernere Version der amtlichen Blätter zu 5,50 herausgibt. Da hat der erste Laden wohl noch alte Restbestände gehabt. Im Design jetzt auch wie die Nationalparkregionskarte, also vertikaler, helltransparent unterlegter Schriftzug links vor großem Farbfoto. Ebenfalls “Topographische Karte – Ausgabe mit Wanderwegen 1:25 000”.

    Das Kartenmaterial ist fast das gleiche wie bei der Nationalparkregions-Karte, sie ist nur anders gefaltet (Verrat mir mal einer, warum sie sie einmal hoch und einmal quer falten…). Auch die Wanderwege-Symbole sind eingezeichnet. Koordinaten in Grad nur grob am Kartenrand, allerdings nicht WGS84, sondern Potsdam-Datum, aber dafür mit der Angabe, wie GPS-Empfänger-Daten im WGS84 in Potsdam umzurechnen sind (+6,7″ für die Länge, +4,4″ für die Breite, -43,4m für die Höhe). Und dann aber:Ein engmaschiges, durchgehend aufgedrucktes UTM-Gitter. Na endlich. Das, worauf sich die Vermessungsämter weltweit eigentlich schon länger geeinigt haben. Und da lohnt sich dann auch der im Vergleich zu Aldi deutlich teurere Garmin-GPS-Empfänger (bzw. die Wanderempfänger der anderen Hersteller wie Magellan, Alan,…). Die können nämlich UTM-Gitter von Haus aus. Neuere Versionen von Google Earth angeblich auch. Und ruckzuck hat man eine hervorrangende Methode, um GPS-Anzeigen in der Karte zu finden und umgekehrt. So soll es sein.

    Fragt sich nur, warum sie das UTM-Gitter nicht auch auf der anderen Karte (Nationalparkregion) aufgedruckt haben. Deren Redakationsschluß war nur zwei Monate früher (August 2005 – Oktober 2005). Ob sie ausgerechnet in diesen zwei Monaten UTM eingeführt haben?

    Das Papier ist jedenfalls der gleiche Mist: Hat schon neu gekauft Löcher. (Wobei sich bewährt hat, die Kreuzungsstellen der Falten von hinten und/oder vorne mit Klebefilm zu verstärken. Hinten mit normalem Tesa, vorne mit dem matten transparenten Scotch).

  • Ebenfalls (noch im ersten Laden) gekauft habe ich mir die Top 50 für Sachsen (Version 4), eine digitale topographische Karte für Sachsen, ebenfalls herausgegeben vom Landesvermessungsamt Sachsen. Die war mir nämlich in einem Buch so warm empfohlen worden, weil sie besser und trotzdem preisgünster wäre als der Kauf der einzelnen Kartenblätter. Außerdem könnte man Routen und Wegpunkte entwerfen und die dann auf Garmin-GPS-Empfänger übertragen, um dann genau da langzulaufen. Kostenpunkt etwa 40 Euro. Hört sich gut an, gekauft.

    Auch hier die Ernüchterung: Das Ding ist nicht preiswert, es ist billig.

    Zusammengestellt wird die CD von der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV), die Top50-CDs der Bundesländer dürften sich also gleichen. Ist ja auch sinnvoll, das Rad nicht mehrfach neu zu erfinden und auf Einheitlichkeit zu achten.

    Schon nach der Installation gab’s die ersten Probleme, und zwar Sicherheitsprobleme. Die hätte ich bei einer einfachen Kartensoftware, eine simple graphische Applikation ohne jeden Netzwerkverkehr, eigentlich nicht erwartet. Es empfiehlt sich, unter Windows XP nicht alles mit Administrator-Rechten zu tun, sondern nur das nötigste, und alles andere als gewöhnlicher Benutzer zu treiben. Schon die Installation fragt nach dem Admin-Passwort, weil es sonst schief gehen könnte. Na gut. Scheint dann auch von einem normalen Benutzer-Account aus zu laufen. Scheint.

    Erst plagt mich eine seltsame Funktionsstörung: Unten rechts im Fenster sollen kontinuierlich Höhe und Koordinaten der Stelle angezeigt werden, über die der Cursor gerade fährt. Dabei werden eine Vielzahl verschiedener Korordinaten unterstützt. Bei mir wurden zwar die Höhe, nicht aber die Koordinaten angezeigt, da standen nur Striche. Die kamen erst, als ich die Karte unter dem Administrator laufen ließ. Warum die Höhe auch bei einem normalen Benutzer funktioniert, die Koordinaten aber Admin-Rechte brauchen, und warum es keine Fehlermeldung bezüglich der Zugriffsrechte gibt, sondern sie einfach nicht angezeigt werden, ist mir schleierhaft.

    Ähnliches bei den Wege-Funktionen: Man kann Wege als Overlay mit (primitiven) Graphiksymbolen einzeichnen und Wegepunkte als Datenbank ablegen. Geht nicht. Bei Overlays kommen seltsame Fehlermeldungen, daß er Dateien in meinem Verzeichnis nicht anlegen kann, bei Datenbanken legt er sie zwar an, meint aber, es wäre schief gegangen und man müsse sie erst in ein anderes Verzeichnis schieben. Außerdem lassen sie sich nicht öffnen. Seltsame Fehlermeldungen wie “SQL ERROR” ohne nähere Angaben. Auch hier ist der Spuk erst vorbei, wenn man das Programm als Admin laufen läßt. Einfach schlampig programmiert.

    Die nächste negative Überraschung ist das Kartenmaterial selbst. Es liegt nämlich nicht als Vektordaten, sondern nur als Pixeldaten vor, noch dazu nur in Grundfarben und nicht Grauwerten. Das ganze nur im Maßstab 1:50.000 und grob gepixelt. Die topologische Wirkung ist enorm: Ich dachte nämlich, ich steh im Wald, als ich das sah: Höhenlinien, Schriften und dergleichen ganz grob und übel gepixelt, nicht mal Anti-Aliasing. Selbst große Überschrift sind üble Klötzchengraphiken. Beschriftungen einiger kleinerer Gewässer bestehen nur noch aus ein paar blauen Pixeln auf ein paar braunen Pixeln der Schummerung und sind gar nicht mehr lesbar. Viele Höhen-, Straßen-, Flußlinien leiden unter dem Fax-Effekt, in der Breite zwischen ein und zwei Pixeln zu schwanken und sich nicht entscheiden zu können, und dann so stufig werden. Schrecklich. Eigentlich stand der Technik von vor über 10 Jahren. Erinnert mich fast an die die C64-Zeit. So etwas dürfte heute eigentlich nicht mehr sein, Vektordaten sollten heute eigentlich selbstverständlich sein. Und selbst wenn man auf Pixeldaten besteht, sollte es beim heutigen Stand der Technik eigentlich drin sein, Karten mit mindestens 1:25.000 mit ordentlicher Auflösung abzuspeichern. Bei Google, Garmin & Co. geht das ja auch. Dann könnte man auch stufenlos zoomen und nicht nur die festen Kartenmaßstäbe abrufen, die dann ganz wüst auf Pixelebene rauf- und runterskaliert werden. Nicht so doll. Bei einer topographischen Karte sollten wenigstens die Beschriftungen, die topographischen Symbole und die Wanderwege ordentlich dargestellt werden. Hier sieht das aber eher wie ein mittelprächtiger Scan der Papier-Version aus, zumal man an den Kartengrenzen leichte Darstellungsunterschiede zu sehen sind.

    In der Folge sind auch die Ausdrucke der Karten nicht besser als die Karten selbst, sie kommen weder im Maßstab noch in der Druckqualität oder im Detailreichtum an die normalen Karten heran. Vielleicht ist das ja gewollt.

    Das Einzeichnen von Wegpunkten und Tracks/Routen ist ziemlich rudimentär: Man kann ein paar einfache Graphik-Symbole (Kreis, Dreieck,…) und einfache Linienzüge einzeichnen, die aber eigentlich nicht geographisch sind, sondern nur einfach nur ein ganz primitives Graphikprogramm, mit dem man ohne inhaltlichen Zusammenhang “über” der Karte herumkritzeln kann. Deshalb heißt’s auch “Overlay”. Man muß schon sehr genau arbeiten und vergrößern, um einen Wanderweg genau zu treffen. Man kann auch nicht einzelne Routen als solche Abspeichern, sondern immer nur die ganze Graphik, als habe man auf die Karte eine Folie gelegt, auf der man herumgemalt hätte und die immer nur komplett gespeichert werden kann.

    Wanderrouten sind bei der Karte nicht dabei. Man kann sie als Overlay kostenlos herunterladen, aber auch das ist enttäuschend. Sie sind als Graphiken pro Kartenblatt abgespeichert, man bekommt also immer einen ganzen Haufen mitsamt der Wegsymbole auf einmal. Sie erscheinen dann als rote Linien mit den Wegesymbolen. Es ist aber nicht möglich, sich da mal einen einzelnen Weg herauszusuchen und separat abzuspeichern, es sei denn, man löscht alle anderen Wege mühsam von Hand aus der Overlay-Ebene, in die man die ganze Sammlung hineingeladen hat. Selbst wenn man einen Wanderweg selbst mit der Maus nachzeichnet, hat man immer noch die gesamte Sammlung im Overlay, die man nicht von dem selbstgezeichneten trennen kann.

    Das ist umso erstaunlicher, als das Programm auf der Verpackung damit wirbt, daß ein Programm zum Up-/Download auf GPS-Empfänger dabei ist. Es liegt halt auf der CD eine Version von GPSTrans drauf, die diese Overlays ins Garmin-Format wandeln und sie übertragen kann. Aber eben nur über die serielle Schnittstelle. Mit den neueren Garmins, die USB-Schnittstellen haben, geht das nicht. (Man suche im Internet nach dem Programm GarFile als Ersatz, das mit Overlay-Dateien und USB-Garmins umgehen kann. GPSbabel kann es leider noch nicht, obwohl es angeblich einen Patch gibt, den ich noch nicht gefunden habe.)

    Das grundsätzliche Problem bleibt aber: Die Konversionsprogramme müssen irgendwie herausfinden, was die Overlay-Dateien “meinen”. Deshalb dürfen sie entweder nur Linienzüge enthalten, die dann als Track oder Route aufgefasst werden, oder nur Symbole, die dann als Wegpunkte angesehen werden. Beides gemischt geht nicht. Und damit werden dann die Wanderwege fast unbrauchbar, denn es sind nicht nur sämtliche Wanderwege einer Karte in einem Overlay zusammengefasst, sondern auch noch mit den Wegsymbolen versehen, die die Konversionsprogramme nicht deuten können. Bis man das alles auseinandergefisselt und ausprobiert hat, ob denn die Linien hinterher auch in der richtigen Reihenfolge und Richtung interpretiert werden, geht sehr viel Arbeit und Zeit dahin. Zumal ich auch noch keine vernünftige Methode gefunden habe, an einer bestehenden Linie einzelne Wegpunkte zu korrigieren. Daß das Vergrößern und Scrollen sehr langsam und mühsam ist, macht die Sache auch nicht leichter.

    Auch die Punktesuche hilft nicht viel weiter, nur Städtenamen sind gelistet. Aber die beispielsweise in den Wanderwegempfehlungen (s.o.) angegebenen Wegpunkte sind nicht gelistet.

    Insofern ist die Sache eine ziemliche Enttäuschung. Mit einem Kartenlineal im richtigen Maßstab und der Karte im UTM-Gitter ist man fast besser dran.

    Ein paar Pluspunkte gibt es immerhin:

    Das Programm beherrscht eine Reihe von Koordinatensystemen. Sich also einzelne Stellen auszumessen ist einfach. Es ist sogar fast einfacher, sich die Wegpunkte zu vermessen und direkt in eine Routenliste einzutippen, als die Route mit dem Programm zu erstellen.

    Es gibt eine Reihe von Darstellungen der Höheninformationen. Neben der üblichen Schummerung (Höhenlinien) kann man sich das auch als Relief einer grauen Fläche mit schräger Beleuchtung ansehen, was einen recht guten Eindruck der Topologie gibt. Auch kann man sich die Karte entsprechend der Höhen “verbiegen” lassen, als hätte man die Karte auf die Erdoberfläche projiziert und dann aus perspektivischer Sicht mit entsprechender Beleuchtung darstellen lassen. Zeigt sehr schön, daß Flüsse in den Tälern laufen, und gibt eine gute Vorstellung vom Gelände. Eher albern ist dagegen der 3D-Blick von oben auf die Karte, der mit der beigelegten Rot-Grün-Brille dreidimensional erscheint. Das ist aber eher ein Marketing-Gag oder für Kinder, der wirkliche Nutzen ist doch sehr beschränkt und die Darstellung nur grob. Auch die Überflug-Darstellung (bewegter perspektivischer Blick) ist eher Marketing als ernsthafte Topographie. Zumal die Darstellung oftmals schlichtweg falsch ist: Wenn beispielsweise Höhenlinien (also eigentlich Linien gleicher Höhe) deutlich sichtbar im Zickzack rauf und runter gehen oder Flüsse den Berg hoch fließen (sogar auf dem Screenshot auf der Verpackung) ist der Nutzen eingeschränkt.

    Fazit: Obwohl schon Version 4 ist die Software alles andere als ausgereift und vieles nur sehr oberflächlich programmiert. Obwohl dieselbe Software für alle Karten Deutschlands verwendet wird, hat der Umsatz wohl nicht zur Erstellung besserer Software gereicht. Die Sache hat nicht so viel mehr als Spielzeugwert.

    Das erstaunt. Denn die Software stammt von der Dornier GmbH, die angeblich (ich habs nicht nachgeprüft) auch die Karten und Kartensoftware für militärische Anwendungen macht. Mit der Kartenqualität und der Kartensoftware wird es schwer, den Krieg zu gewinnen. Statt des Rot-Grün-Firlefanzes hätte man lieber die Grundfunktionen verbessern sollen. Beispielsweise wäre die Verarbeitung separater Routen und der Im- und Export von GPX-Daten deutlich sinnvoller als die Rot-Grün-Brille gewesen.

    Noch mehr erstaunt zu lesen, daß Dornier das Patent für sich in Anspruch nimmt, überhaupt Kartenmaterial als Rastergraphik darzustellen, das auf Umwandlung eines Satzes von Druckfolien beruht. Darin gibt es angeblich auch folgende Formulierung, wobei jegliches Verfahren abgedeckt sein soll, das so arbeitet:

    Der Inhalt des Bildpunktspeichers auf dem Farbrasterbildschirm wird über die Einfärbeeinheit dem Farbcode eines jeden Bildpunktes der zugehörende Farbton automatisch zugeordnet und bildpunktgenau übereinandergelegt.

    Das heißt, wenn man das Bild einer Karte in den Graphikspeicher kopiert, hat man angeblich schon das Patent von Dornier verletzt. Ich frage mich, wer solche Patente ausstellt, die nur die generelle Technik der Darstellung von Bildern entsprechen. Es scheint wieder einmal der Fall zu sein, daß Patente nicht Entwicklungen, sondern Marktpositionen für schlechte Software schützen. Die Software wird nicht mehr gut programmiert, sondern patentiert. Schrecklich.

    Immerhin läßt das dubiose Patent erahnen, daß die digitalen Karten in Wirklichkeit nicht digital sind, sondern analoge Druckfolien redigitalisiert wurden. Genau so sieht’s auch aus. Deshalb auch die leichten Unterschiede an den Kartengrenzen, die üble Pixel-Struktur und die fehlenden Vektordaten. Die Daten sind nicht digital, sondern digitalisiert. So wie man in der Frühzeit der Musik-CD hintendrauf auch nachlesen konnte, ob die Daten durchgängig digital erhoben wurden (DDD) oder ob man nur alte Analogaufnahmen eingelesen hat (AAD). Nicht schön.

Was also tun?

Zumindest von den Bereichen, von denen es digitale Karten gibt, könnte man auch die Karten von Kompass mal probieren.

Ansonsten gilt die Erkenntnis, daß die auf den ersten Blick so teure Software von Garmin so teuer vielleicht gar nicht ist. Bedenkt man, wie mäßig die Top50-Software ist und man für 40,- nur eine von 13 Deutschland-Karten bekommt, könnten die Garmin-Karten, die für ganz Deutschland 200,- kosten (im Internet etwas weniger), dafür aber Vektordaten sind und in den GPS-Empfänger geladen werden können (!), durchaus besser sein. Mal nach einer Gelegenheit suchen, sie zu betrachten. Ganz sicher bietet Garmin aber eine bessere Qualität als das da.

Merkwürdig nur: Garmin gibt an, die Daten für seine Karten von den Vermessungsämtern zu beziehen. Erstaunlich, daß die dann selbst sowas herausgeben.