Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Astrologie für 2007: “Die Sterne stehen gut!”

Hadmut
10.12.2006 13:59

Nun steht der Jahreswechsel bevor und schon kommt wieder Werbung für irgendein Live-Style-Blatt, das die Astrologie-Sonderausgabe anspreist und für 2007 verkündet “Die Sterne stehen gut!”

So ein Quatsch! Nichts ist zu blöd, um gedruckt (und gekauft!) zu werden.

Nun hat ja kürzlich schon irgendwer (URL nicht mehr parat) eine Untersuchung angestellt und konnte keinerlei Korrelation zwischen Glück und Wesenszügen einerseits und Tierkreiszeichen andererseits nachweisen. Geschenkt. Auch das M.I.T. wurde in Zeiten des kalten Krieges vom US-Geheimdienst damit beauftragt, sich mit Astrologie zu befassen. Nicht etwa, weil man daran glaubte, sondern weil man herausgefunden hatte, daß Stalin sich in seinen Entscheidungen von Astrologen beraten ließ, und man einfach seine Entscheidungen vorhersagen wollte, indem man zu denselben Astrologischen Ergebnissen und damit zu den Aussagen seiner Berater kam.
Die waren somit zwar rational nicht nachvollziehbar, aber zumindest deterministisch und vorhersagbar. So gesehen erlaubt Astrologie tatsächlich die Vorhersage von Ereignissen.

Ich habe mich vor vielen Jahren mal mit Astrologie befaßt, d.h. nicht mit Astrologie, sondern mit dem mathematisch-astronomischen Teil dahinter. Weil ein Verwandter leidenschaftlich Astrologie betreibt, es damals aber noch keine brauchbare Software gab und man die Plantenstände mühsam aus Ephemeridentabellen interpolieren mußte, was übrigens höchst fehleranfällig war, wollte ich dafür Software schreiben. (Kaum jemand weiß heute noch, daß man Logarithmen, Sinus, Cosinus, Tangens usw. früher mit käuflichen Tabellenbüchern durch Interpolation bestimmte. Rechenschieber konnten das zwar auch, aber viel zu ungenau. Erst in den Siebziger Jahren kamen die wissenschaftlichen Taschenrechner auf.) Um es kurz zu sagen: Das Software-Unterfangen ist damals gescheitert. Zwar ist die Mathematik hinter den ganzen Planetenständen letztlich nichts anderes, als die stetige Umrechnung zwischen Polar- und kartesischen Koordinaten, Verschiebung des Koordinatensystems von Sonne auf Erde, und schließlich die Darstellung eines Winkels mal in Grad, mal als Uhrzeit und mal als Tierkreiszeichen. Eigentlich ganz simpel. Aber die Plantenposition selbst erst einmal zu berechnen (Polarkoordinaten, heliozentrisch) ist keineswegs trivial, denn man muß erst einmal deren Bahnparameter kennen, und die muß man tatsächlich messen und kann sie nicht durch Nachdenken nachvollziehen. Außerdem ist das keine einfache Kreisbahn, nicht einmal exakt elliptisch. Die Bahn wird daher mit unterschiedlichen Polynomen approximiert. Und die rückten die Verlage damals nicht raus, weil sie natürlich weiter ihre Ephemeridentabellen teuer verkaufen wollten. Zumal ich feststellen mußte, daß die Verlage sich auch untereinander nicht ganz einig darüber sind, wann welcher Planet wo steht.

Damit kommen wir aber zum eigentlichen Problem: Selbst wenn man an Astrologie glaubt und sie als wahr ansieht, die Astrologie handelt vom Stand der Planeten, nicht der Sterne. Es kommt nur ein Stern vor, nämlich die Sonne. Und die ist fix. Jedenfalls im heliozentrischen Weltbild. Gut, das astrologische Weltbild beruht zwar auf heliozentrischer Mathematik, aber auf geozentrischer Deutung, weshalb die Koordinaten jedesmal in geozentrisch umgedeutet werden. Schließlich berechnet sich das persönliche Tierkreiszeichen ja auch nach dem Sonnenstand. Aber erstens ist die Sonne nur ein Stern, der Plural also ungerechtfertigt. Zweitens ist das Jahr kalendarisch ja gerade nach dem Sonnenzyklus festgesetzt, sie durchläuft jedes Jahr dieselbe Runde durch die Tierkreiszeichen und Jahreszeiten. Die Sonne ist jahresinvariant, weil die Zeiteinheit Jahr ja exakt an einer Umkreisung der Sonne festgemacht ist. Also ist der Stand des einzigen Sterns, der überhaupt in der Sache mitspielt, zwar jahreszeitabhängig, aber nicht jahresabhängig.

Man könnte also durchaus für einen Tag, eine Woche oder einen Monat eine Zeitschrift mit der Überschrift herausbringen “Der Stern steht gut!”, sowas würde aber keiner kaufen, und nur markenrechtliche Probleme mit der Zeitschrift “Der Stern” hervorbringen. Und wer lobt schon gerne die Konkurrenz?

Aber gerade für ein Jahr zu behaupten, die Sterne stünden gut, ist gleich doppelter Schwachsinn, und wer das behauptet, hat die Astrologie auch nicht verstanden.

Aber das Volk kauft es eben. Vermutlich würde ich es auch behaupten, wenn ich ein Blatt unters allgemeine Volk bringen wollte…