Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Praxen der Amateurpornographie

Hadmut
23.1.2019 21:34

Schaut Euch das Förderprojekt mal an:Nachtrag:

Die DFG zahlt 390.000 Euro, damit 1,65 Mitarbeiter Amateurpornos sichten. Dabei gibt’s die kostenlos. Hier die Stellenausschreibung der Soziologen.

Also zu meiner Zeit war das ja noch so, dass EMMA/Schwarzer wetterte, man solle an den Universitäten das Internet wieder abschaffen, weil das Internet ja nur dazu diene, dass die Professoren in ihrer Dienstzeit und auf Steuerzahlerkosten Pornos gucken könnten.

Abgesehen davon, dass das Internet zu der Zeit praktisch noch keine Videos transportieren und die Rechner sie noch nicht anzeigen konnten, und das auch mit Bildern damals noch schwer und langwierig war, wären sogar unter den Informatikprofessoren weit mehr als die Hälfte fachlich damit weit überfordert gewesen, Daten aus dem Internet zu holen.

Heute kann es jedes Kind, und nun zahlen sie 390.000 Euro dafür, um zu erforschen, wie das mit den Amateurpornos so geht.

Ich würde ihnen das auch für 200.000 schon erklären: Man nimmt eine Videokamera oder ein Handy, schaltet sie ein, dann vögelt man von allen Seiten und allen Blickwinkeln, solange man kann (oder der Akku hält), er schnauft, sie quietscht, schreit und stöhnt ganz dolle, dann lädt man es hoch. Fertig.

Nun frag ich mich ja freilich:

Wozu braucht die DFG da nochmal Wissenschaftler, die das erforschen?

Oder ist der wissenschafltiche Anspruch bei den Geisteswissenschaftlern schon so weit unter Null, dass man sagt, komm, gebt ihnen einfach das Geld, egal was sie machen, lasst sie halt wichsen, dann sind sie wenigstens beschäftigt und treiben wenigstens schon keinen schlimmern Blödsinn? Oder mehr so „..vielleicht können sie wenigstens das…”

Schauen wir mal in die Anforderungen:

  • abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium in Soziologie bzw. Sozialwissenschaften oder in einem angrenzenden sozialwissenschaftlich einschlägigen Fach (
    Master oder Äquivalent)
  • nachweisbare (Forschungs-)Erfahrungen in der qualitativen empirischen Sozialforschung (insbes. Bild-, Video-und Videointeraktionsanalyse, Durchführung und Auswertung narrativer Interviews, Datenauswertung mit atlas.ti)
  • Fähigkeit und Interesse, sich mit schwierigen und moralisch sensiblen Themen sowie sexuell expliziten visuellen Darstellungen wissenschaftlich zu befassen und über diese auch öffentlich zu diskutieren
  • Eigeninitiative und selbständiges Arbeiten

Selbständiges Pornogucken.

Erinnert mich wieder mal an den reichhaltigen Fundus meiner beruflichen Erfahrung. Ich hatte ja mal einige Jahre in der Rechtsabteilung (…unter Geisteswissenschaftlern…) eines Telekommunikationskonzerns verbracht, zu dessen vielfältigem Programmangebot auch Pornokanäle gehörten. Die natürlich einer strengen juristischen Prüfung unterzogen werden mussten. Leider habe ich sie selbst nicht mehr erlebt, es war vor meiner Zeit dort. Man erzählte mir, dass man eine Prädikatsjuristin eingestellt hat, die die Pornoangebote vorher auf Konformität mit deutschem Recht prüfen sollte. Sendet man aber auf drei Pornokanälen rund um die Uhr, kommt selbst mit Wiederholungen eine menge Material zusammen, zumal das im Einkauf rotzbillig ist. (Das ist ja der Grund, warum das Privatfernsehen in seiner Anfangszeit Tutti Frutti und nachts Pornos gesendet haben – das damals billigste verfügbare Material, mehr konnten die sich nicht leisten.) Die gute Frau soll also, so wurde mir berichtet, den ganzen Tag in ihrem abgeschlossenen Büro gesessen haben, anwaltsseriös im Businesskostüm, und von morgens bis abends Pornos geguckt haben. Nach drei Monaten sei sie am Nervenzusammenbruch gewesen und schreiend davongelaufen. Und dabei waren es Profipornos. Qualitätsware, sozusagen.

Was macht man nun, wenn man sich als Forschungsprojekt Amateurpornos ansehen soll? Noch dazu in Bielefeld?

Naja, da ist man bei den Sozios sicherlich genau richtig.

390.000 Euro, damit eineinhalb Leute Amateurpornos gucken.

Das ist der Punkt, an dem Forschung und Universiätten heute angekommen sind.

Nachtrag: Ach, den hab ich noch vergessen: Wir hatten damals noch eine ziemlich attraktive, aber öko-bio-keimfreie Teilzeitkraft, die das Sekretariat unterstützte. Irgendwann erzählte sie mal, was sie sonst so macht. Medienprofi. Moderatorin, Schauspielerin, Sängerin und sowas alles. Reichte nur nicht zum Leben. Tauchte sogar mal im Vorabendprogramm in einer Nebenrolle auf. Und die hatte früher mal für einen Privatsender eine ganze Sendereihe gemacht, in der sie als Moderatorin mit einem Kameramann über Swingerclubs berichtet und die dabei auch getestet hatte. Medienvolk ist ein kurioses Volk.